Grundsätzliches zum Berufsleitbild
Das Leitbild "Pfarrerinnen und Pfarrer in der Gemeinde" wird im Folgenden in zehn Punkten entfaltet. Es wird ergänzt durch prononcierte, provokant formulierte Sätze, die Sie zur Diskussion einladen wollen.
Gliederung
An das Leitbild schließen sich Erläuterungen an, die zunächst die Rahmenbedingungen für den Beruf der Pfarrerin und des Pfarrers nennen. Es folgen dienstrechtliche Grundbestimmungen für den Dienst. In einem dritten Abschnitt werden die Konsequenzen für die Zukunft gezogen, d.h. es werden Punkte benannt, die neu oder anders geregelt werden sollen. Anschließend wird noch einmal der Weg des Diskussionsprozesses beschrieben. Am Schluss finden Sie Leitfragen, die Anregungen zum Umgang mit dem Leitbild und zu seiner Fortschreibung enthalten.
Zur Leitbildentwicklung
Leitbilder zeigen das Profil eines Berufsstandes, einer Einrichtung. Sie geben Orientierung und weisen Wege in die Zukunft. Leitbilder stärken die Identität. Sie beschreiben die anzustrebende Wirklichkeit in dem Wissen, dass diese nur annähernd erreicht wird. Sie heben sich vom Ist-Zustand ab und beschreiben eine Vision, eine Zielvorstellung. Sie wird so real wie möglich beschrieben. Diese Vision erhält unser Streben aufrecht.
Wir entwickeln im Leitbild aber keine Utopie, d.h. keine unerreichbare Vorstellung. Unser Leitbild wird bestimmt durch den Auftrag und hat die Entwicklung unseres Tuns zum Ziel. Im Leitbild beschreiben wir präsentisch die zukünftige Wirklichkeit. Die Sätze sind knapp und klar formuliert. Bei der Leitbildentwicklung ist die Partizipation vieler am Prozess entscheidend.
Der Weg des Prozesses ist genauso wichtig wie das Ziel. Dieser Weg ermöglicht die Beteiligung vieler Ansichten und Meinungen. Ein Konsens wird angestrebt, er führt oft zu "Abschleifungen“ des im Leitbild beschriebenen Zukunftsbildes. Allerdings wird durch diesen Prozess ein Leitbild gewonnen, das viele mittragen und mit dem sie sich identifizieren können.
Mit diesem Leitbild beschreiben wir gemeinsam aus dem Berufsstand heraus ein konsens- fähiges Profil unserer Arbeit. Gerade dadurch wird die Kooperation mit anderen Diensten in den Gemeinden angeregt und vertieft.
Die Beschreibung der Aufgaben zeigt die Vielfalt des pfarramtlichen Dienstes. Es muss klar sein, dass niemand alles gleich gut kann. Schwerpunkte der Arbeit müssen vor Ort in der Gemeinde gemeinsam überlegt und umgesetzt werden. Gerade das ziel- orientierte Handeln gibt den Gemeinden ein spezifisches, unverwechselbares Profil.
Aus diesem Leitbild, aus diesem Selbstverständnis des Pfarrdienstes heraus, werden Eckpunkte des Dienstverständnisses heute benannt. Damit ist der Diskussionsprozess nicht zu Ende. An der Wirklichkeit des Pfarrdienstes will sich dieses Leitbild messen lassen. Der Diskurs wird weitergehen.
Zielgruppe
In diesem Leitbild wird vom Arbeitsfeld der Gemeindepfarrerinnen und Gemeindepfarrer ausgegangen. Der Gemeindepfarrdienst hat ein spezielles Gesicht. Seine Arbeitsbedingungen sind die Grundlage, auf der es entwickelt wurde. Grundsätzlich gilt jedoch alles, was hier erarbeitet worden ist, auch für Pfarrerinnen und Pfarrer im gesamtkirchlichen Dienst. Allerdings sind deren Aufgabenbereiche so unterschiedlich, dass es nicht möglich ist, ein einheitliches Leitbild dafür zu entwickeln. Auf der Grundlage dieses Leitbildes kann für die verschiedenen Arbeitsbereiche jeweils ein passendes Leitbild entwickelt werden.
Perspektive
Die im Verband der Evangelischen Pfarrerinnen und Pfarrer entwickelten Positionen über das Amts- und Berufsverständnis und die daraus zu ziehenden Konsequenzen werden hier dargestellt. Dieser Text ist vielfach mit Mitgliedern von Kirchenleitungen, sowie mit der Dienstrechtlichen Kommission der EKD (Vertreterinnen und Vertreter des Verbandsvorstandes und Dienstrechtreferentinnen und -referenten der Landeskirchen) diskutiert worden. Auch wenn die Perspektive, aus der dieses Leitbild geschrieben ist, die der Gemeindepfarrerinnen und -pfarrer ist, so geht es doch um den gemeinsamen Weg von Pfarrerinnen und Pfarrern und Kirchenleitungen. Ein Konsens über das Amtsverständnis und die Lebens- und Arbeitsbedingungen von Pfarrerinnen und Pfarrern wird angestrebt.
