5. Januar 2020, Jesaja 61,1-3(4.9)10-11
2. Sonntag nach dem ­Christfest

Von: Christiane Borchers
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Hoffnungsbilder

 

Schöne Bilder

Trauernde legen ihre Trauerkleider wieder ab. Die Zeit, in der sie ihr Haupt mit Asche bestäuben, wird ein Ende finden. Sie werden wieder Schmuck anlegen und sich mit duftenden Ölen einreiben. Sie werden Lobgesänge anstimmen und Gott preisen. Es wird sein wie auf einer Hochzeit: Braut und Bräutigam sind besonders festlich geschmückt. Alle Feiernden sind fröhlich.

Jes. verknüpft Freude mit Gerechtigkeit. Menschen können sich unmöglich freuen, wenn Unrecht und Zerstörung herrschen. Gerechtigkeit ist Voraussetzung für eine erfüllte fröhliche Zeit. Jes. entwickelt eine Vision: Menschen, die im Elend sitzen, bekommen Heilskleider und werden mit dem Mantel der Gerechtigkeit umhüllt.

Kleider des Heils, Mantel der Gerechtigkeit – die Bilder sind bestechend. Wir würden heute nicht so reden, aber diese Vorstellungen sprechen mich unmittelbar an. Die wohltuenden Vorstellungen sind untermauert mit Bildern aus der Natur: Die Elenden, denen Heil und Heilung zuteil wurden, werden Bäume der Gerechtigkeit genannt; sie sind eine Pflanzung Gottes, sie sind sein Garten. Das erinnert an den Paradiesgarten: Menschen und Tiere leben in Eintracht miteinander. Niemand wird geschunden, niemand leidet Hunger oder Durst. Nahrung und Schönheit sind im Überfluss vorhanden. Die Erde macht alle satt. Gottes Heilszeit kommt, auch für die, die im Elend sitzen. Es gibt Hoffnung.

Damit die Menschen, die keinen Mut mehr fassen, das glauben können, verwendet der Prophet erneut ein Bild aus der Natur. Aus einem Samen im Garten wird eine blühende Pflanze. Was wächst, ist zunächst für das Auge nicht sichtbar; der Same ist in der Erde verborgen. Aber er ist gelegt, nimmt Gestalt an, wird groß und schön. Jesus greift das Bild auf, erzählt vom Himmelreich als von einem Samenkorn, das zu einem prächtigen Baum wird, in dessen Zweigen die Vögel nisten (vgl. Mt. 13,31f).

Die Perikope ist Tritojesaja zuzuordnen. V. 1 nimmt Bezug auf die Berufung des »ersten Jesaja« (Jes. 6,1ff). Die Worte des Tritojesaja sind wahrscheinlich um 520 v. Chr. geschrieben und finden sich in den Kapiteln 56-66.

Als Jes. diese wunderbaren Bilder einer anbrechenden neuen Zukunft malt, haben die Israeliten wenig Grund zur Hoffnung. Sie sind seit ungefähr zwei Generationen im Exil. Wer kann da noch ernsthaft an Rückkehr denken? Und doch ist die Rückkehr in die Heimat wahr geworden. Jes. fühlt sich berufen, den Hoffnungslosen Hoffnung zu machen. Hoffnung ist die Antriebsfeder, das eigene Leben in die Hand zu nehmen.

 

Unser Elend

Die Hoffnungsbilder tun der Seele gut. Es ist fast so, als ob wir sie nahtlos in unsere Zeit übertragen könnten. Wir leben zwar nicht im Exil, sind auch nicht im Gefängnis, dennoch gibt es zuhauf Menschen, die ihre persönliche Situation als trostlos empfinden und keine Perspektive sehen. Dabei denke ich nicht ausschließlich an die Menschen, die mit elementar existenziellen Problemen zu kämpfen haben. Einsamkeit ist ein großes Thema. Sie verstärkt sich in der modernen westlichen Welt und betrifft nicht nur alte Menschen. Auch Jugendliche und Kinder oder Menschen in den mittleren Jahren vereinsamen zunehmend. England hat inzwischen ein Ministerium für Einsamkeit eingesetzt. In Japan gibt es Hilfsorganisationen, die Menschen aus ihrer Isolierung heraushelfen. Hundertausende Japaner vermeiden den Kontakt, ziehen sich von Bekannten, Kollegen und Familie zurück, weil sie den Druck nicht mehr aushalten.

 

Ein gnädiges Jahr

Jes. verheißt denjenigen, die im Elend leben, ein gnädiges Jahr. Er hält die Hoffnung wach, dass das Leben sich lohnt, dass Gottes Gerechtigkeit sich trotz aller Widrigkeiten und gegenteiliger Erfahrungen durchsetzt. Wir sind berufen, an Gottes Reich mitzuarbeiten, wir sollen und müssen Trümmer, auch geistige und seelische, wieder aufbauen. Was zerstört ist, müssen wir wieder aufrichten. Zerbrochene Herzen werden dann heil, Trauer wandelt sich in Freude, der Same in Gottes Garten geht auf.

 

Lieder

EG 69 »Der Morgenstern ist aufgedrungen«

EG 651, 1.2.5-7 »Von guten Mächten«

EG 73 »Auf, Seele, auf und säume nicht«

 

Christiane Borchers

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2019

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