24. November 2019, Johannes 5,24-29
Gedenktag der Entschlafenen

Von: Gerhard Maier
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Wie der Tod entmachtet wird


Zum Gedenktag und zum Text

Ob Gedenktag der Entschlafenen, Allerheiligen, Volkstrauertag, Totensonntag oder Ewigkeitssonntag, im dunklen »Todesmonat November« denkt man in besonderer Weise an die Verstorbenen – und wird dabei zumindest indirekt auch an die eigene Sterblichkeit erinnert. Dies geschieht in einer Zeitepoche, in der die Menschen immer älter werden und immer länger gesund sind. Alle medizinischen Fortschritte und alle individuellen Bemühungen um ein besseres und längeres Leben bleiben gleichwohl begrenzt von dem unausweichlichen Sterben. Leben wird im Horizont des Todes gelebt, auch wenn Teile der Biowissenschaften den Weg zur Unsterblichkeit ebnen möchten. Wer Zeit und Muße hat, lese Thea Dorns 2016 erschienenen Wissenschaftsroman »Die Unglückseligen«. Er ist – abgesehen von alltäglichen Abschieds- und Trauererfahrungen – eine glänzende Folie unserer Perikope.

Konsultiert man die Kommentare, so findet man eine sehr verschiedene Einteilung. Drei seien exemplarisch genannt: Bultmann überschreibt 5,19-30 mit »Der Offenbarer als der eschatologische Richter«, Wengst (2019) 5,17-47 mit »Weiterführung der Wundergeschichte im Blick auf Jesu Person«. Am treffendsten finde ich Berger (2011), der 5,21-30 mit »Der ins Leben ruft« überschreibt. Denn gleich sechsmal tauchen in unserer Perikope »leben / (ewiges) Leben« auf! Aller Todeswirklichkeit entgegen stehen die Worte und Taten Jesu. Die Wundergeschichten (vgl. beispielsweise Joh. 4,47-54; 5,2-9) bezeugen den, der das geschöpfliche Leben restituiert. Und die Worte unserer Perikope künden von weit mehr als dem alltäglichen Leben: »Wahrlich, wahrlich, ich sage euch: Wer mein Wort hört und glaubt dem, der mich gesandt hat, der hat das ewige Leben und kommt nicht in das Gericht, sondern er ist vom Tode zum Leben hindurchgedrungen.« (V. 24) Also nicht memento mori, sondern auf IHN hören und Gott vertrauen. Dadurch wird der Tod entmachtet.


Zu Gottesdienst und Predigt

Am 4.8.2019 verstarb der langjährige Rundfunk- und Fernsehpfarrer Johannes Kuhn. Vage erinnere ich ein Gespräch mit ihm, in dem es um das Verwenden von Gedanken anderer in der Predigt ging. Lächelnd sagte er sinngemäß u.a.: »Im Reich Gottes gibt es kein Abschreiben; der Heilige Geist verschenkt sich gratis. Jeder bediene sich an Gottes reich gedeckter Theke.« In diesem Sinne sei auf folgende Predigt Joachim Seules aufmerksam gemacht: https://www.predigtpreis.de/predigtdatenbank/predigt/article/predgt-ueber-johannes-524-29.html.

Vor der Bearbeitung und Aneignung meditiere man EG 112, besonders V. 6-8.

Gottesdienstlich singe man zum Eingang EG 450,1-3 (»Morgenglanz der Ewigkeit«), nach der Predigt Str. 4f; als Predigtlied alternativ EG 526,1-3.6f (»Jesus, meine Zuversicht«).


Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2019

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