29. September 2019, Lukas 10,17-20
Michaelistag

Von: Hermann Vorländer
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Die Macht des Bösen ist gebrochen

Zum Text

V. 17: Der Abschnitt knüpft an den Beginn des Kapitels an, wo über die Aussendung der 72 berichtet wird: Sie sollen jeweils zu zweit, ohne Gepäck ausziehen und Gastfreundschaft in Anspruch nehmen. Ihre Mission besteht darin, Kranke zu heilen und die Nähe des Reiches Gottes anzukündigen. Wenn sie Ablehnung erfahren, sollen sie an einen anderen Ort gehen. Die 72 kehren zurück und berichten begeistert, dass sie sogar Dämonen bezwingen konnten. Predigen und Heilen »im Namen Jesu Christi« (vgl. Apg. 3,6) gehören zusammen.

V. 18: Jesus geht nicht auf ihren Bericht ein, sondern schildert, wie der Satan blitzschnell vom Himmel fällt. Nach Hiob 1f wohnt er im Himmel und ist Gott unterstellt. Er fungiert als Ankläger beim Jüngsten Gericht sowie als Gegenspieler Gottes und Herrscher der Welt (vgl. Joh. 12,31 u.ö.). Mit dem Kommen Jesu ist seine Macht gebrochen und die Zeit der Kirche mit ihrer Mission beginnt.

V. 19: Jesus verheißt seinen Boten, dass er sie durch alle Gefahren hindurch bewahrt. Schlangen und Skorpione gelten als die schlimmsten Feinde des Menschen in der Wüste (Dtn. 8,15; vgl. Ps. 91,11-13). Die Worte erinnern an die Aussendung der Jünger nach Jesu Auferstehung in Mk. 16,17f.

V. 20: Jesus ermahnt seine Jünger, sich nicht so sehr über ihre Missionserfolge zu freuen, vielmehr darüber, dass ihre Namen im Himmel geschrieben sind. Das »Buch des Lebens« kommt auch in Phil. 4,3; Offb. 3,5; 17,8; 20,15 vor. Der Name beinhaltet die Kontinuität des Lebens eines Menschen über den Tod hinaus, die allein Jesus gewähren kann. »Nicht der verjagte Teufel, sondern der für sie vorhandene Gott macht sie froh.« (Schlatter nach Schweizer) Jesus warnt also vor einer Überbetonung und Überschätzung der Heilungserfahrungen.


Zur Predigt

Es handelt sich um einen fremd anmutenden Text, dem man sich auf verschiedene Weise in der Predigt annähern kann:

1. Der Bezug zum Michaelistag wurde durch die Kombination von Lk. 10,18 und Offb. 12,7-9 (Epistel) hergestellt, wonach am Ende der Zeiten der Satan durch den Erzengel Michael (»Wer ist wie Gott?«) besiegt werden wird (vgl. Judas 9). In der Ikonographie wird Michael zumeist als Kämpfer mit dem Schwert oder Spieß dargestellt. Seit der Schlacht auf dem Lechfeld im Jahr 955 wird er als Schutzpatron des Frankenreiches sowie der Soldaten verehrt. Er gilt auch als deutscher Nationalheiliger, der allerdings später zum »deutschen Michel« mit Zipfelmütze verkommen ist. Die Predigthörer können an berühmte Darstellungen und Michaelskirchen in Hildesheim, Hamburg oder Mont Saint-Michel erinnert werden.

2. Der Glaube an den Teufel ist innerhalb und außerhalb der Kirche umstritten. In einer Meinungsumfrage gaben 2012 immerhin 23% der Befragten an, dass sie an die Existenz des Teufels glauben. Jugendliche lieben Songs aus der Rockmusik über den Satan in Gestalt von Luzifer. Luther rechnete ganz direkt mit dem Wirken des Teufels in seiner Zeit und redet in seinem bekannten Reformationslied vom »altbösen Feind« und »Fürst dieser Welt«, der die Ausbreitung des Wortes Gottes verhindert (EG 362). Wichtiger als die Frage, ob es den Teufel als Person gibt, ist die Hinweis, dass wir von bösen Mächten bedroht sind. Als Beispiele könnten Hass, Intoleranz, Unwahrheit, Egoismus, Gewalt usw. beschrieben werden.

3. In der Geschichte der christlichen Mission spielen Heilungen eine bedeutsame Rolle. Zur klassischen Missionsarbeit gehörte neben Lehre und Bildung immer auch die medizinische Hilfe. In den charismatischen Kirchen, die insbesondere in der südlichen Erdhälfte viele Anhänger finden, spielen Heilungen eine große Rolle. Doch auch von unseren Gemeinden im Norden können heilende Wirkungen auf vielfältige Weise ausgehen.

4. Im Zentrum der Predigt soll die Botschaft stehen, dass mit dem Kommen Jesu die Macht des Bösen gebrochen ist. Weil seine Jüngerinnen und Jünger von Gott angenommen sind, können sie »in Jesu Namen« dem Bösen widerstehen und seine Botschaft weitertragen.


Literatur

E. Schweizer: Das Evangelium nach Lukas (NTD 3), 1982
F. Bovon: Das Evangelium nach Lukas (EKK III,2), 1996
W. Schmithals: Das Evangelium nach Lukas (ZBK NT 3.1), 1980


Lieder

EG 142 »Gott, aller Schöpfung heilger Herr«
EG 143 »Heut singt die liebe Christenheit«
EG 331 »Großer Gott, wir loben dich«


Hermann Vorländer

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2019

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