8. September 2019, Apostelgesch. 3,1-10
12. Sonntag nach Trinitatis

Von: Gerhard Maier
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Springen und stehen, gehen und Gott loben

Zu Textumfang und -inhalt

Liest man, beginnend mit Apg. 3,1 den biblischen Text fortlaufend, dann wird leicht erkennbar, dass der 3,1 eröffnete Spannungsbogen erst in 4,22 (oder gar 4,31) endet. Je nach Predigtintention muss m.E. jede/r Predigende also den Predigttext aus 3,1-4,31 zusammenstellen. Keine leichte, aber eine notwendige Aufgabe. Mein Vorschlag geht dahin, dass im Wissen um das größere Ganze die Predigt sich auf die V. 1-11 konzentriert, jedoch durchaus christologische Aspekte (z.B. V. 6.13-15.20), die Dimension des Glaubens (z.B. V. 16; 4,4) und durchaus auch die pneumatologischen Bezüge (vgl. 4.9.31) sieht und berücksichtigt.

Im Zentrum der Perikope1 steht die Heilung des seit seiner Geburt gelähmten, jetzt bereits 40jährigen (also alten) Mannes. Nachdem seine Füße und Knöchel fest geworden waren, da »sprang er auf, konnte stehen und gehen … und Gott loben.« (V. 8f) Dieses Wunder steht im engeren Kontext weiterer Wunder, die durch die Apostel geschahen – und vor allem der Wunder Jesu2. Der weitere Kontext liegt im AT (s. beispielsweise Ex. 7,3, woraus der Volksmund »Es geschehen noch Zeichen und Wunder« machte), den außerbiblischen Wundertraditionen und der Kirchengeschichte. Also Wunder über Wunder. Manchem fällt vielleicht auch Katja Ebsteins Lied »Wunder gibt es immer wieder« ein.

Müssen wir aber nicht ehrlicherweise mit Rudolf Bohren – Ps. 40,6 vor Augen – sagen, dass »ich als Theologe freilich sehr wohl einen Vortrag über die Wunderfrage halten kann … aber … von den Wundern Gottes, die er an uns – an uns! – allen vollbracht hat, … wird’s schwierig.«3


Gottesdienstliches

Ausgehend von Rembrandts »Hundertguldenblatt« (dazu https://www.dietrich-bonhoeffer.net/fileadmin/media/projekte/werkbuch-6/m-6-10_bild_mit_lehrerinformation.pdf) kann man exemplarisch auf den wundertätigen Blumhardt Bezug nehmen, um dann mit Apg. 3,1-11 zu predigen.

Einen anderen Weg weist Dieter Trautwein mit seiner Spielszene und einem Freudenlied am Ende seiner Meditation (in: Pastoraltheologie/GPM 83/1994, 334-342). Davor zitiert er Ulrich Fentzloff: »Wo der Name Jesu ausgesprochen wird, da weiten sich die Fugen der Materie und der Glanz des Wunders bricht herein; hereindrängt in die Lebenswelt der armen Menschen der Lavastrom des Wunderbaren.«


Lieder und Texte

Schriftlesung: Ps. 40,1-6 (aus »neue Lieder plus«:)
9, 1+3 »Blinde werden sehn«
25 »Du bist die Kraft«
79 »Steh auf«


Anmerkungen:

1 Zur Auslegung s. außer den Kommentaren jetzt auch Friedrich Wilhelm Horns Beitrag in: Ruben Zimmermann (Hg.): Kompendium der frühchristlichen Wundererzählungen (Bd. 2: Die Wunder der Apostel, Gütersloh 2017, 134-144). Theologisch noch lange nicht überholt ist Hans-Joachim Iwand: Predigt-Meditationen I, Göttingen 4. Aufl. 1977, 158-162.

2 Vgl. Christian Metzenthin: Jesus als Heiler, in: Ders./Susanna Meyer (Hg.): Heilen und Heilung …, Zürich 2019, 55-70. Zur Wunderfrage allgemein s. insbes. Beiträge im DPfBl 112/2012, 492-497.

3 Rudolf Bohren: Wiedergeburt des Wunders, Neukirchen-Vluyn 1972, 46. Wer kann, lese das ganze Büchlein und Otto Michels »Das biblische Wunder«, in: Ders.: Aufsehen auf Jesus, Metzingen ²1969, 89-106. Die beiden Schlusssätze lauten. »Wir dürfen … gewiß sein, dass Gott über Bitten und Verstehen tut. Der lebendige Gott muß gewagt werden, ja er will gewagt werden.«


Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2019

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