28. April 2019, 1. Petrus 1,3-9
Quasimodogeniti

Von: Heinz Rußmann
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Freude trotz Prüfung des Glaubens

Zum Text

Fast alle Exegeten halten den Jünger und Apostel Petrus nicht für den Verfasser des Briefs. Während Petrus vorwiegend aramäisch sprach, ist der Text im geläufigen Griechisch verfasst. Möglicherweise hat Silvanus, sein Sekretär (vgl. 5,12), den Brief nach der Autorität des Petrus geschrieben und seine Kenntnisse von paulinischer Theologie mit eingebaut. Als Verfassungsort gilt Rom (5,13). Abfassungszeit: ca. 90 n. Chr. Die Gemeinden waren damals schon von Verfolgungen im römischen Reich unter Domitian bedroht. Die Empfänger waren Juden- und Heidenchristen in Kleinasien im römischen Reich. Sie fühlten sich als Fremdlinge. Das Ziel: Sie sollten ermutigt und ermahnt werden, damit sie bei Verfolgungen am Glauben festhalten.

Der Text besteht aus drei langen Sätzen mit vielen Themen. Nach der klassischen Briefform mit Empfänger, mit Verfasser und Gruß (V. 1+2) beginnt der erste Abschnitt des Predigttextes (V. 3-6) hoffnungsfroh mit Lob und Dank und Fürbitte. Der Satz »Vater von Jesus« verbindet AT und NT. Er enthält großartige Bilder und Worte, so von der Auferstehung Jesu und der Hoffnung auf ewiges Leben. Die Wiedergeburt erinnert besonders an die Taufe. Jetzt aber wird der Glaube durch Verfolgung und Leid auf die Probe gestellt, damit die Christen Jesus Christus ihren Glauben zeigen und ihn bewähren. Prüfungen beweisen die Echtheit des Glaubens. Im dritten Teil des Textes wird betont: Die Christen sind getauft und mit Jesus durch Liebe verbunden. So erhalten sie schon jetzt die Gewissheit des ewigen Lebens.


Predigtideen

1. In der Zeit einer gewissen Jesus-Vergessenheit in der evangelischen Kirche heute, sollte man über die Liebe zu Jesus predigen, der als kosmischer Christus überall auf Erden und im Himmelreich alles zum himmlischen Ziel führen wird. Wir brauchen wieder ein lebendiges Symbol von ihm. Zuletzt gab es in der 1968er Studentenrevolution das Symbol des Jesus, der ein Gewehr über den Knien zerbricht. Alltag und Glaube müssen verbunden werden. Nicht schlecht ist es, Jesus als Berater bei den kleinen und großen Entscheidungen des Lebens zu befragen: Was würde Jesus jetzt tun, an meiner Stelle? Jesus als Vorbild für menschenfreundliches Handeln hat immer wieder große Bedeutung. Die übertriebene Verlästerung der christlichen »Gutmenschen« heute durch Egoisten ist vom Übel. Eine überzeugende Differenzierung ist angesagt.

2. Die Hoffnung auf ewiges Leben im Text durch Christus müsste neu angefacht werden. Durch Frank Tipler (Physik der Unsterblichkeit) ist es heute leichter daran zu glauben. Der allwissende Gott kennt sicher von jedem die persönliche Erbsubstanz. Dadurch kann er jeden Gläubigen in unvergänglicher Form neu schaffen.

3. Die Prüfung des Glaubens durch Leid ist ein besonders wichtiges, aber auch schwieriges Thema, z.B. bei schwerer Krankheit und frühem Tod. Aber letztlich ist die Nähe zu Jesus und das Festhalten an ihm und seiner ewigen Liebe die beste Kraft, im Leid durchzuhalten. Er schenkt uns Freude auch im Leid. Viele Kirchenlieder trösten uns so.

4. Wie viel Hoffnung und Glück darf ein Prediger verkündigen in heutiger verwirrender Zeit. Eine Predigthörerin sagte mir einmal: Ich höre Ihre positiven Predigten immer gern. Danach denke ich an der nächsten Hausecke: In Wirklichkeit ist alles anders. – Schwermütige Predigten, welche alles Versagen der Christen in den Vordergrund stellen oder das Leid vieler Menschen, sind ja auch nicht gut. Wie verträgt sich das Heil und Glück des Glaubens mit schlimmen Prüfungen? Nur warmherzig und hell zu predigen ist genauso fragwürdig wie schwermütig dunkel oder grau und langweilig zu reden. Seelsorgerlich sollte jede Predigt sein, nach alter Predigerweisheit.

Als moderner Schluss passt zum Predigtthema »Freude trotz Prüfung des Glaubens« das Gedicht von Hanns Dieter Hüsch: »Was macht, dass ich so furchtlos bin an vielen dunklen Tagen. Es kommt ein Geist in meinen Sinn, will mich durchs Leben tragen. Was macht, dass ich so unbeschwert bin und mich kein Trübsinn hält, weil mich mein Gott das Lachen lehrt wohl über alle Welt.«


Heinz Rußmann

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 3/2019

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