10. Februar 2019, Mk. 4,35-41
4. Sonntag vor der ­Passionszeit

Von: Gerhard Maier
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»Erd und Abgrund muss verstummen, ob sie noch so brummen« (EG 396,3)


Des Glaubens liebstes Kind?

»Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind.« So Goethe im »Faust, der Tragödie erster Teil«. Ob es tatsächlich jemals so war? Heutzutage gilt auf jeden Fall, was Kurt Erlemann am Beginn seines Vorwortes (S. V) zu »Kaum zu glauben. Wunder im Neuen Testament« (2016) differenzierter als Goethe konstatiert: »Wunder gehören zum Faszinierendsten und zugleich Schwierigsten im jüdisch-christlichen Glauben. Einerseits sind sie Quelle der Hoffnung auf Erlösung und auf Befreiung von all dem, was das Leben einschränkt, unverzichtbar. Andererseits sind sie eine bleibende Provokation des modernen, naturwissenschaftlich-rationalen Wahrheitsbegriffes …« Wir leben – abgekürzt gesagt – naturwissenschaftlich. Heilungen und Wunder wurden lange nicht mehr direkt-real verstanden, sondern als Glaubens-Geschehen interpretiert, in Bultmann’scher Tradition eben entmythologisiert.

Aber die Menschen mach(t)en da nicht mit. Eine 2006 vom Allensbacher Institut durchgeführte Untersuchung ergab: »Zur Frage, welche Dinge oder Lebenssituationen sie als Wunder bezeichnen könnten, gaben 67% der Befragten an, dass sie die Heilung von einer schweren, scheinbar hoffnungslosen Krankheit als Wunder bezeichnen würden. 56% nannten es ein Wunder, wenn jemand einen schweren Unfall unbeschadet überstehe, 47% nannten die Rettung aus einer scheinbar aussichtslosen Notlage ein Wunder …« (vgl. http://www.pfarrerverband.de/pfarrerblatt/archiv.php?a=show&id=3229)


Unterschiedliche Deutungshorizonte

Wie unbestimmt auch immer der Wunderbgriff allgemein ist, theologisch änderte sich die Diskussionslage zum Thema Wunder erheblich; lexikalisch äußert sich dies auch in den Artikeln (s. »Wunder« in den neuesten Auflagen von TRE (2004) und RGG (2005)). Ausdruck dieser Veränderung sind auch die beiden dicken, von Ruben Zimmermann herausgegebenen Bände »Kompendium der frühchristlichen Wundererzählungen« (2013/2017). In Band 1 (»Die Wunder Jesu«) schreibt Hans-Georg Gradl auf den Seiten 257-265 zu unserer Perikope. Je nach den darin aufgezeigten Deutungshorizonten (christologisch, tiefenpsychologisch oder ekklesiologisch) können Gottesdienst und Predigt verschieden akzentuiert werden.


Gottesdienstperspektiven

Einen Familien-Gottesdienst kann man mit Kees de Korts »Bibelbilderbuch« Bd. 3, 119-144, feiern; mit dem Lied »Ein Schiff, das sich Gemeinde nennt« einen Lied-Gottesdienst (vgl. die württ. EG-Ausgabe, 1078-1081; Bilder-Gottesdienste mit einem Bild des 2015 verstorbenen Pfarrers und Malers Sieger Köder (https://www.versacrum.de/sturm-auf-dem-see-p-116.html) oder mit einer Darstellung aus dem Hitda-Codex (https://www.buecher-wiki.de/index.php/BuecherWiki/Hitda-Codex). – Als Schriftlesung empfiehlt sich Ps. 107,1f.21-31.


Gerhard Maier

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2019

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