3. Februar 2019, 1. Korinther 1,4-9
5. Sonntag vor der Passionszeit

Von: Peter Haigis
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Aufrichtiger Dank

Verändertes Kirchenjahr

Mit dem 1. Advent 2018 wurde die neue Perikopenordnung in der EKD in Kraft gesetzt. Änderungen haben sich dabei nicht nur im Blick auf die Predigt- und Schriftlesungstexte ergeben. Verändert haben sich auch Themen und liturgische Ausrichtungen einzelner Sonntage, ja sogar die Abfolge von Sonntagen innerhalb des Kirchenjahrs ist vereinzelt Neuerungen unterworfen. So wurde z.B. der Umgang mit der in jedem Jahr – abhängig vom jeweiligen Ostertermin – schwankenden Zahl der Sonntage zwischen Epiphanias und dem ersten Sonntag der Passionszeit neu geregelt.

In Zukunft erscheint die Epiphaniaszeit verkürzt und endet jeweils mit der Woche, in der der 2. Februar, der Tag der Darstellung Jesu im Tempel (Lichtmess), liegt. Auf das Fest der Erscheinung des Herrn (Epiphanias) folgen damit vier Sonntage nach Epiphanias. Zwischen dem Letzten Sonntag nach Epiphanias und dem Beginn der Passionszeit liegen hingegen – je nach Ostertermin – ein bis fünf Sonntage vor der Passionszeit. Sie werden rückwärts gezählt und als 5., 4., 3. (= Septuagesimä), 2. (= Sexagesimä) und als Sonntag vor der Passionszeit (= Estomihi) bezeichnet.

In diesem Jahr bedeutet das: Die Epiphaniaszeit endet mit der auf den 27. Januar folgenden Woche. Die Zeit vor der Passion beginnt am 3. Februar mit dem nun neuen 5. Sonntag vor der Passionszeit. Der für diesen Sonntag vorgesehene Predigttext findet sich in 1. Kor. 1,4-9.


Mehr als captatio benevolentiae?

Es gehört zum guten Ton der Rhetorik, dass ein Redner zu Beginn seines Vortrags sein Auditorium mit ein paar munteren Worten »einfängt«. Dessen Wohlwollen kann man erheischen, indem man ein humorvolles Bonmot an den Beginn stellt oder einen Witz erzählt – dann hat man die Lacher auf seiner Seite und die Sympathien ebenso. Man kann auch einige süffisante oder bescheidene Bemerkungen über sich selbst fallen lassen, den Anlass der Versammlungssituation und die Veranstalter rühmen, das Publikum loben und ihm danken.

In der antiken Brieftradition gehörte es zum guten Ton, in entsprechender Weise die Adressaten zu loben, für sie und die guten Beziehungen zu ihnen zu danken etc. Auch Paulus knüpft daran an (lediglich im Gal. kommt er gleich zu seiner (unangenehmen) Sache!). Dem entsprechen auch die Verse des heutigen Predigttextes. Sind sie also eine Floskel, die einfach zum guten Ton gehört, oder ehrlich und ernst gemeint?


Bad news are good news …

Ich möchte 1. Kor. 1,4-9 für mehr erachten denn nur als eine captatio benevolentiae. Wenn ich sie ernst nehme – und dazu gibt mir insbesondere der Zuspruch in V. 8f Anlass –, dann sind sie aufrichtige Bekundung des Dankes für eine besonders segensreiche Gnadenwirkung Gottes, die der Apostel an der Gemeinde in der griechischen Hafenstadt erkennt. Paulus ist dankbar für das Geschehene und Gewachsene in der Gemeinde in Korinth und er blickt getrost in die Zukunft, weil er auch weiterhin mit Gottes und Christi Wirken an den Korinthern rechnet.

Üblicherweise gilt unter uns die Regel: »bad news are good news«. Der Satz ist dem Nachrichtenjournalismus entnommen und bedeutet: Skandale verkaufen sich besser. Über das zu berichten, was misslungen ist, erzeugt mehr Aufmerksamkeit. Unfälle, Verbrechen, Katastrophen sind die wahren Aufregerthemen. Glücklicherweise stimmt das psychologisch nur bedingt und glücklicherweise handelt der zeitgenössische Journalismus auch nach anderer Devise und weiß neben seiner Pflicht zur Berichterstattung über Schlechtes wie Gutes um die Bedeutung, die konstruktiven Beispielen gelungenen Lebens in Öffentlichkeit wie Privatleben, in Politik, Gesellschaft, Kultur oder Familie zukommt.


Vom halb leeren zum halb vollen Glas

Auch in Kirche und Kirchengemeinden haben wir uns fast schon daran gewöhnt, im Krisenmodus zu sprechen. Schwindende Finanzen, Kirchenaustritte, schrumpfende Gemeinden, sterbende Arbeitszweige, mangelnder Nachwuchs – das sind die Negativthemen.

Im Blick auf die Gemeinde in Korinth weiß Paulus ebenfalls über Probleme zu klagen, wie der 1. Kor. im weiteren Verlauf zeigt, aber am Anfang seines Briefes sieht er nicht das halb leere, sondern das halb volle, nein, noch besser: das randvoll gefüllte Glas. Könnte dies Anregung sein für die Predigt an diesem Sonntag? Einmal in Dankbarkeit auf das blicken, was alles an Gutem und Segensreichem geschieht durch Christen am Ort, auf ehrenamtliche Mitarbeit, auf Ideen und Kreativität, auf treue Unterstützung wie auf neue Initiativen – dankend und betend. Ich will es versuchen.


Peter Haigis

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2018

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