13. Januar 2019, Josua 3,5-11.17
1. Sonntag nach Epiphanias

Von: Frauke Wurzbacher-Müller
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Gottes Mitsein wahrnehmen

Text und Kontext

Der Text Jos. 3,5-11.17 ist neu in die Perikopenordnung aufgenommen worden. Der Text, der den Beginn der Landnahme durch den Übertritt in das verheißene Land schildert, ist traditionellen Gottesdienstbesucher*innen, wie auch den Prediger*innen in seinem ganzen Kontext wahrscheinlich bekannt: die erzählte Linie vom Auszug aus Ägypten, dem langen Aufenthalt Israels in der Wüste bis zum Übertritt ins das verheißene Land. Jedoch kann man nicht davon ausgehen, dass alle Gottes­dienst­be­sucher*­innen diesen Kontext vor Augen haben.

Bei den Überlegungen zur Predigt stellt sich mir die Frage: Wie wirkt der Text, ohne dass der Zusammenhang bekannt ist? Und wie ist es mit sich nicht selbst erklärenden Begriffen wie z.B. »Bundeslade«? Um dem Text und der Gemeinde gerecht zu werden, ist es wichtig, dies in den Predigtüberlegungen mit zu bedenken.


Das Sonntagsthema

Das Proprium des 1. Sonntags nach Epiphanias ist, wie es auch im Evangelium gelesen wird, die Taufe Jesu. Hierbei ergeben sich zu der Perikope mehrere Parallelen: Die in Jos. geschilderte Landnahme bedeutet das Ende der Verheißungszeit und den Beginn von etwas Neuem (vgl. Ederer, 16f). Der Übertritt über den Jordan ist der Beginn dieses Neuen. Mit der Taufe Jesu und dem öffentlichen Bekenntnis Gottes zu ihm, beginnt ebenfalls etwas Neues.

Beides sind Erzählungen, in denen die Treue Gottes konkret und sichtbar wird. Im Predigttext zeigt sich das innerhalb der Erzählung. Das Volk kann trockenen Fußes, den eigentlich Hochwasser führenden Jordan überqueren. JHWHs Dabeisein wird angekündigt, ist spürbar durch das Wunder und sichtbar in der Bundeslade. Auch im Gesamtkontext der Erzählung, die der Beginn der Erfüllung der von Gott vor langer Zeit versprochenen Verheißung des gelobten Landes ist, wird seine Treue sichtbar.


Die Predigt

In der Predigt lässt sich beschreiben, wie die Geschichten erzählen, dass sich die Verheißungen Gottes erfüllen, und man kann überlegen, ob dies den Menschen wohl bewusst war. Die Predigt kann sich von diesen Überlegungen leiten lassen.

Für die Israeliten hat sich die Verheißung mit dem Übertritt über den Jordan erfüllt. Haben sie es so wahrgenommen, haben sie die Nähe Gottes gespürt? Mit seiner Taufe wird Jesus als Sohn Gottes bekannt, der erwartete Messias ist da, die Verheißung hat sich erfüllt. Wer hat das so wahrgenommen und daraus Kraft gewonnen?

Uns heute ist die Nähe Gottes, sein Mitsein (u.a. Mt. 28,20) verheißen. An Epiphanias feiern wir das Erscheinungsfest – das Kommen Gottes in diese Welt, nicht als Geschichtsrückblick, sondern als konkret für uns 2019 erfahrbar. Wo und wie nehmen wir das wahr? Können wir es wahrnehmen? Brauchen wir sichere Zeichen, dass Gott bei uns ist, wie die Bundeslade?


Ergänzende Anmerkung

Das Thema von V. 10, die Vertreibung der Völker für das Volk Israel, ist ein eigenes Predigtthema. Dabei ist sicherlich zu beachten, dass Jos. kein historischer Bericht ist und in der exilischen bzw. nachexilischen Zeit entstanden ist. Eine gute Ausführung über die »Vernichtungsweihe« der ansässigen Völker bietet der Josua-Kommentar von Matthias Ederer (S. 49ff, insbesondere ab S. 64).


Lied

EG (RWL) 648 »Wir haben Gottes Spuren festgestellt«


Literatur

Matthias Ederer, Das Buch Josua, Stuttgart 2017


Frauke Wurzbacher-Müller

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2018

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