1. Januar 2019, Josua 1,1-9
Neujahrstag

Von: Antje Labahn
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Das unentdeckte Land

Text und Kontext

Jos. 1,1-9 bildet den Auftakt zur Landnahme. In Jos. 1 steht das Volk vor dem Einzug in ein noch unentdecktes Land. Josua, der Nachfolger Moses, soll das Volk in das Land, das ihm verheißen war, hineinführen. Josua wie das Volk erwarten in dieser Situation offene Herausforderungen, die zu bestehen sie durch die Zusage des Mitseins Gottes als Stärkung an ihrer Seite zugerüstet werden.

Die deuteronomistisch gefärbte Einsetzung Josuas in Jos. 1,1-6 in Form einer Jahwerede überträgt ihm die führende Rolle bei der Landnahme. Der Wechsel in der Leitung nach dem Tod Moses auf Josua geschieht, anknüpfend an das Ende des Dtn., vor dem Überschreiten des Jordans gegenüber von Jericho. In der Erzählung wird das gesamte Gebiet vom Mittelmeer bis zum Euphrat (V. 4) dem Volk als Erbbesitz zugeteilt, wie es bereits im Dtn. breit angekündigt war.

In V. 7-9 schließen sich deuteronomistische Einschärfungen zur Einhaltung der mosaischen Gesetze (»Buch der Tora«, V. 8) an, die der Pragmatik folgen, dass dem Beachten der Gebote ein gutes Leben im Land entspricht (V. 7.8). Der Zusage, dass Gott auf den bevorstehenden Wegen mitgehen wird (»Beistandsformel«, V. 9), steht die Aufforderung gegenüber: »sei stark und mutig« (»Ermutigungsformel«; Fritz), die gleich dreimal ergeht (V. 6.7.9) und damit besonders betont wird.

Durch die Zusage vom Mitsein Jahwes werden die Verlässlichkeit und die Unauflösbarkeit der Gottesnähe zugesagt. Der Eingangsabschnitt des Jos., der zugleich auf die gesamte Landnahme vorausblickt, betont damit: »Das Land ist der Geltungsraum des Gesetzes, das Gesetz ist die Lebensform im Lande« (Perlitt).


Predigt

Mögen auch der theologische Anspruch und die Pragmatik der Episode zu kritischen Fragen führen, so setzt dieser Predigtimpuls auf Analogien zum Betreten eines »unentdeckten Landes«. Gerade im Gottesdienst am Neujahrstag lassen sich Ängste und Sorgen des neuen Jahres und die gespannte Erwartung, was es den Menschen bringen wird, aufnehmen. So wie das »unentdeckte Land« bei »Star Trek« (in Anspielung an »Star Trek VI«, 1991: »The Undiscovered Country«) Neugier und Ängste vereint, so blicken viele Menschen mit beiderlei Emotionen auf ein Neues Jahr.

Das Unbekannte, was in vielerlei Gestalt vor den Menschen liegt, kann thematisiert und mit Beispielen aus der Nähe oder von der weltpolitischen Ferne angereichert werden. Während einige ein besseres Jahr frohen Mutes herbeisehnen, regt sich bei anderen eine eher sorgenvolle Erwartungshaltung, die auf problematische Konstellationen in Gesellschaftsentwicklung, Politik, Ökonomie und Ökologie reagiert. Der Hintergrund ist die Anerkennung vielfältiger individueller Sorge, in der sich Erwartungen und Befürchtungen brechen, mit welchen Herausforderungen das neue Jahr als ein unentdecktes Land entdeckt, erobert, angenommen und gestaltet werden will.

Angesichts von Ängsten das Mitsein Gottes als Ermutigung in das Bewusstsein zu heben, ist eine Aufgabe von Predigt zum Beginn eines neuen Jahres. Ein solcher Gottesdienst kann den Zuhörenden in ihrem Alltag Mut machen. Damit soll nicht etwaigen Allmachtsfantasien, wie sie Jos. 1,5a (»niemand wird dir widerstehen«) wecken könnte, das Wort geredet werden. Vielmehr geht es um Zutrauen in die Verlässlichkeit der Gottesbeziehung, aus dem sich Zuversicht und Lebenslust angesichts von mannigfaltigen Infragestellungen gewinnen lassen.

In diesem Rahmen kann Josua zu einem Beispiel für eine von Gott ermutigte und gestärkte Person werden, die vor großen Herausforderungen steht und auf unerwartete Situationen gelassen und getrost reagiert. Um eine solche Haltung zu finden, braucht es Mutmacher und Wegbegleiter wie auch geistliche und geistige Zurüstung, die im Gottesdienst am Neujahrstag aufgerufen werden.


Lieder

»All das wünsch ich dir«(Robert Haas, 2004)
»Du bist der Weg und die Wahrheit« (Christoph Zehender, 1990)
»Geh unter der Gnade« (Manfred Siebald, 1987)

Antje Labahn

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2018

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