29. März 2018, 1. Korinther 10,16-17
Gründonnerstag

Von: Tabea Rösler
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Gemeinsam essen, miteinander Zeit teilen

Gespräch zwischen Freunden

Ich hole meinen Sohn mit seinem Freund mittags vom Kindergarten ab. Beim Nachhausegehen finden die Jungs einen Werbeprospekt auf dem Gehweg. »Guck mal, bei McDonald’s gibt’s die neuen Pokemons«, ruft der Freund begeistert aus. »Da müssen wir hin! Lasst uns sofort zu McDonald’s fahren!« Mein Sohn und ich gucken den Jungen erstaunt an. »Wir essen zu Hause«, entgegnet mein Sohn. »Heute gibt es Fisch. Und Pokemons hast Du doch ohnehin schon genug«. Der Freund insistiert. Mein Sohn auch. Schließlich laufen die beiden lachend in unseren Garten. Die Frage, ob nun »fish and chips« oder Fischstäbchen gegessen werden, ist nicht mehr so wichtig.


Jeder darf seine Meinung sagen

An dem Gespräch zwischen den beiden 6-Jährigen gefällt mir, dass jeder seinen Standpunkt vertreten darf, ohne von dem anderen verhöhnt und ausgelacht zu werden. Die Jungen reden miteinander auf Augenhöhe. Jede Familie hat ihre Essgewohnheiten und Interessen. Beide lassen einander daran teilhaben, das macht die Freundschaft erst so richtig interessant.

Wie schwer es ist, anderen mit ihren Überzeugungen auf Augenhöhe zu begegnen, zeigt der Kontext unseres Predigttextes. Besonders, wenn Herzensangelegenheiten und Glaubensfragen auf dem Spiel stehen, kann es laut und heftig zugehen (nicht nur im Kindergarten). Paulus beschimpft die Abendmahlsgegner als Götzendiener. Abendmahl und Götzendienst sind unvereinbar (Kap. 10).


Gemeinsame Mahlzeit in unserem Familienleben

Ziel des Apostels ist es, die Gemeinschaft der korinthischen Gemeinde zu erhalten und zu fördern, welche durch divergierende Gruppen in Frage gestellt wird. Ob eine Gemeinde wirklich eins ist untereinander und eins ist im Glauben an Jesus Christus, zeigt sich für Paulus daran, ob und wie die ­Menschen miteinander Tischgemeinschaft halten.

Auch wenn wir heute Konflikte anders austragen sollten als Paulus, kann ich sein ­Anliegen nur unterstreichen. Wenn beide ­Eltern voll berufstätig sind, ist es für eine ­Familie eine echte Herausforderung, ihren Kindern gemeinsame Mahlzeiten im Familienkreis zu ermöglichen. Es ist ein hohes Gut, das immer wieder errungen werden muss, dass alle gemeinsam um den gedeckten Tisch sitzen, sich gemeinsam über die Erlebnisse des Tages austauschen, einander zuhören und sich einbringen.


Feierabendmahl an Gründonnerstag

Eine Kirchengemeinde kann eine »Familie im Großen« sein – so erleben wir es hier vor Ort. An Gründonnerstag feiern wir in Heiligenrode einen regionalen Abendmahlsgottesdienst als Feierabendmahl. Predigt, Musik und Mahl. Alles ist aufeinander abgestimmt und lässt uns Gemeinschaft spüren und schmecken als Geschenk in seiner Tragfähigkeit und Zerbrechlichkeit. Das Feierabendmahl gipfelt im gemeinsamen Essen, zu dem jeder etwas aus seiner Küche mitbringt.

Das Gespräch zwischen meinem Sohn und seinem Freund lässt mich auf das diesjährige Feierabendmahl noch einmal neu schauen. Gemeinsames Essen, Zeit zu Gesprächen, das Mittragen der Freuden und Nöte des anderen, einander Wertschätzung erweisen und gemeinsam den Kurs der Familie bestimmen: Wie oft fehlt auch uns hierzu die Zeit, wie oft fehlt uns die Kraft.


Impulse für Aktionen mit Kindern und Jugendlichen

Gemeindeprojekte sind dann wirkungsvoll, wenn sie nachhaltig sind. Wie lässt sich das Gemeinschaftserlebnis des Gründonnerstags nutzen, um junge Menschen mit ihrem Lebensumfeld einzubinden und ihnen bei uns Teilhabe, Wertschätzung und Gemeinschaft zu geben?

Beim örtlichen Bäcker das Abendmahlsbrot selbst zu backen, macht Kindern und Jugendlichen nicht nur Spaß, sondern zeigt ihnen: Ich trage etwas Wichtiges bei zur Gemeinschaft, mein und unser Engagement sind im Gottesdienst gefragt. Und so erfahren nicht nur die Familien von der guten Sache, sondern auch der Bäcker mit seinen Mitarbeitenden. Und wenn die Kinder mit ihrem charmanten Lächeln oder die Jugendlichen mit ihrem selbstgestalteten Dankeschön-Brief Letztere dann auch noch zum Gottesdienst ebenso schwungvoll einladen, wie sie vorher das Brot gebacken haben, dann bringt man sich und seine Kirchengemeinde ins Gespräch, auch in der Ortschaft.

In der Kinderkirche lässt sich Tischschmuck für das Feierabendmahl herstellen. Und Konfirmanden helfen erfahrungsgemäß gerne, Räume zu gestalten durch das Eindecken der Tische und Vorbereiten des Buffets, zu dem sie selbst eine Kleinigkeit beigesteuert haben. So kann aus dem Feierabendmahl der Kerngemeinde eine wirklich gemeinsame Sache werden: auf Augenhöhe, im Geiste Jesu Christi. »Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, wenn wir alle an einem Brot teilhaben.« (V. 17).


Tabea Rösler

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2018

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