2. Februar 2020, Offenbarung 1,9-18
Letzter Sonntag nach ­Epiphanias

Von: Klaus Schnabel
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Eine Vision wird zur Schrift

 

Vorstellung und Auftrag: Die Vision wird zum geschriebenen Evangelium

Johannes stellt sich vor, er beschreibt die Vision, die er hat und den Auftrag, den er bekommt: das Bild von Christus, der gestorben und auferstanden ist und der nun über Tod und Hölle herrscht, soll umgesetzt und weitergegeben werden. Alles soll aufgeschrieben und an die sieben Gemeinden versandt werden. Ziel ist, die erfahrene Gottesbegegnung zum geschriebenen Evangelium umzusetzen. Damit beginnt die »Schrift«, das geschriebene Evangelium als Grundlage der Verkündigung: »schreibe, was du siehst, in ein Buch und sende es den sieben Gemeinden.«

 

Das Bilderbuch Gottes

»Die Unsichtbarkeit Gottes macht mich kaputt«. Wer könnte diesem Stoßseufzer Bonhoeffers nicht zustimmen! Wir stehen aber nicht mit leeren Händen da. Wir haben Bilder. Jesus verkündigt in Bildern, Paulus gebraucht Bilder, die Bibel ist voller Bilder, die die Herrschaft Gottes helfen zu erkennen. Wir brauchen Bilder, um den Glauben verstehen und ausdrücken zu können: Hirte, Krippe, Säemann, Fischfang, Leib und Glieder, Wettlauf, Weinberg… So sehr es uns zu schaffen macht, dass Gott unsichtbar ist, so wenig halten wir seine Sichtbarkeit aus: Johannes fällt zu Boden. (»Und als ich ihn ansah, fiel ich zu seinen Füßen und war wie tot.« – V. 17) Darum brauchen wir Bilder, Abbilder der Wirklichkeit Gottes. Da wir alle Ebenbild Gottes sind, weisen alle unsere Bilder hin auf das Urbild, auf Gottes Wirklichkeit in dieser Welt.

Mit dem letzten Sonntag nach Epiphanias geht die bilderreiche Weihnachtszeit zu Ende. Die Fülle der Bilder dieser Wochen hilft uns, die Tiefe und Weite zu begreifen, die mit dem Kommen Gottes in seinem Sohn verbunden ist Viele Lieder und Erzählungen nehmen dieses Geschehen auf und helfen uns, es auszudrücken und zu gestalten.

 

Die Schlüsselgewalt Christi

Das eine Bild ist entscheidend für die Vollmacht Christi: »Ich habe die Schlüssel des Todes und der Hölle.« Diese besondere Macht wird begründet in Kreuz und Auferstehung Christi. »Ich war tot. Siehe ich bin lebendig von Ewigkeit zu Ewigkeit.« Das ist der zentrale Inhalt des Evangeliums, das Johannes aufschreiben und weitergeben soll. Darin wird bezeugt, dass der Auferstandene unter uns ist, dass er uns begleitet und uns immer wieder begegnet. Das ist nicht erklärbar, aber immer wieder erfahrbar.

Wer die Schlüssel hat, ist Herr des Hauses. Durch sein Sterben und Auferstehen hat er dem Tod die Schlüssel abgenommen. Wir bleiben nicht in der Macht des Todes, damit ist nicht alles endgültig zu Ende. Sondern dem Tod wird wieder abgenommen, was er geraubt hat. Christus hat die absolute Macht des Todes gebrochen und durch Gottes Kraft neues Leben geschaffen. Und weil er nicht einfach unterging, werden auch wir nicht untergehen. Wir werden sterben wie er, aber wir werden auch leben wie er.

 

Christus, das Schlüsselerlebnis

Die gute Botschaft von der Entmachtung des Todes und der Hölle wird zum Buch, zur heiligen Schrift, zum geschriebenen Evangelium. Es sind nicht nur Worte, es sind Bilder, Erfahrungen, Zeugnisse Begegnungen mit Gott, die uns in dieser Schrift nahe kommen. In diesen Bildern redet der lebendige Gott zu uns. In vielfältiger Weise, als Vater und Mutter, als Bruder und Freund. Und immer wieder kann diese Begegnung mit den Zeugnissen des Evangeliums für uns zu einem Schlüsselerlebnis unseres Glaubens werden. Darum: »Fürchte dich nicht« (V. 17).

 

Klaus Schnabel

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2019

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