Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Auf eine riesige Festivalwoche zum 30jährigen Jubiläum des Mauerfalls in Berlin kann sich die Stadt einstellen. Im Internet erscheint eine Übersicht von 279 Ergebnissen, 21 pro Seite! Gut, sie beziehen sich nicht alle auf die eigentliche Festwoche vom 4. bis zum 10. November – aber rund 200 Veranstaltungen werden angeboten. Unter dem Motto »30 Jahre friedliche Revolution – Mauerfall« finden Konzerte, Lesungen, Diskussionen, Ausstellungen und andere Aktionen an sieben Wendeschauplätzen statt. Ein Höhepunkt dürfte die große Bühnenshow am 9. November vor dem Brandenburger Tor werden.

Sieben Tage lang werden 3D-Videoprojektionen und Open-Air-Ausstellungen gezeigt. Unter den Schauplätzen sind die Gethsemanekirche am Prenzlauer Berg, wo sich die DDR-Opposition formierte, die Stasi-Zentrale in der Normannenstraße und der Alexanderplatz. Dort fand am 4. November die größte Demonstration der DDR statt. Die Ausstellungen lassen Zeitzeugen sprechen und neben Bürgerrechtlern und Pastoren kommen auch Gastarbeiter aus Mosambik und Vietnam sowie Journalisten des West-Fernsehens zu Wort.

Der Veranstalter, die »Kulturprojekte Berlin«, realisierte 2014 bereits die »Lichtgrenze« zum 25. Jubiläum des Mauerfalls. Das war eine beeindruckende Installation von Luftballons, die den innerstädtischen Grenzverlauf markierten und zu einem bestimmten Zeitpunkt niederfielen! Und 2009 ging die »Dominoaktion« zum 20. Jubiläum des Mauerfalls voraus.

Vor zwei Jahren hat »Kulturprojekte« begonnen, diesen Event zum 30. Mauerfall-Jubiläum zu planen. Anfangs arbeiteten drei Leute an dem Projekt. Nachdem man sich mit den politisch Verantwortlichen verständigt hatte, sind seit einem Jahr 100 Menschen intensiv mit der Umsetzung beschäftigt. Die Kosten (10 Mio. Euro) stellte die Senatsverwaltung für Kultur für das einwöchige Event bereit. Davon sind »bestimmt 2,5 Millionen an Kosten für Sicherheit und technische Infrastruktur der Veranstaltungen«, sagte der Geschäftsführer van Dülmen. Zusätzlich erhält das Projekt sechsstellige Beträge aus der Wirtschaft. Die Kosten für Sicherheit und Infrastruktur seien gestiegen. Seit dem Anschlag von 2017 auf den Weihnachtsmarkt am Breitscheidplatz und insbesondere nach dem rechtsradikalen Anschlag in Halle vor einigen Wochen, gebe es erhöhte Anforderungen.

Nicht zu vergessen sind die Beiträge im Fernsehen, die schon seit einiger Zeit auf das Event verweisen. Hervorheben will ich den »rbb«, der 30 Tage lang in der Nachrichtensendung um 19.30 Uhr jeweils ein Kurzinterview von einigen Minuten bringt. Auf immer die gleichen Fragen hin – so z.B. »Begrüßen Sie den Fall der Mauer«, »Was hat sich bei Ihnen geändert?«, »Bedauern Sie den Fall?«, »Werden Sie noch auf den Ost-West-Unterschied angesprochen?« – entsteht ein farbiges und aussagekräftiges Bild. Das könnte auch ein Dokument über das Jubiläum hinaus werden. Und dann gibt es die Aktivitäten auf Bezirksebne. So habe ich einen Prospekt »30 Jahre Friedliche Revolution in Pankow« vor mir, der vom dortigen Bezirksamt der Monate September bis November gedenkt mit Konzerten, Schreibwettbewerben, Erzählsalons u.v.m. – und der Sonntag in der Kirche zu den Vier Evangelisten in der Breiten Straße am 27.10. ist gar nicht aufgeführt …

 

Siegfried Sunnus

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2019

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