8. Dezember 2019, Lukas 21,25-33
2. Sonntag im Advent

Von: Tabea Rösler
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Blätter und Blüten im Advent

 

Der Barbarazweig

Ein Freund schenkte mir im letzten Jahr zur Adventszeit einen Zweig. Ich sollte ihn an einem guten Platz in die Vase stellen, gut gießen … und abwarten, was passiert. Ich kannte die Tradition des Barbarazweiges bis dahin nicht. Bald sollte ich sie kennenlernen. Denn aus dem augenscheinlich trockenen Holz sprossen bald zarte Blätter und weiße Blüten hervor. An Heiligabend stand dann alles in voller Blüte. Den Zweig hatte ich in meinem Arbeitszimmer aufgestellt. Dort tat er mir gut in der terminlich so dichten Adventszeit. Das frische Grün und die hellen Blüten mit ihrem zarten Duft erfrischten meine Seele: »Wenn aber dieses anfängt zu geschehen, dann seht auf und erhebt eure Häupter, weil sich eure Erlösung naht.« (Lk. 21,28).

 

Jesu Gleichnis vom Feigenbaum

In unserem Predigttext vergleicht Jesus das Kommen von Gottes neuer Welt mit dem Aufblühen des Feigenbaums (V. 30). Auf den ersten Blick scheint dies quer zu stehen mit der Zuordnung des Predigttextes zum 2. Advent. In der kühlen Heiligenroder Klosterkirche sitzt die Gemeinde mit Jacken und Schals in den Bankreihen und soll an den Sommer denken?

Für mich ist das Bild vom aufblühenden Feigenbaum ein Gegenbild zu unserer Welt. Klimanotstand, Gewalt, Krankheit und Tod … unser Leben hat viele dunkle Seiten. Der Evangelist Lukas spricht davon in den Eingangsversen des Predigttextes (V. 25ff). Gerade in der Adventszeit, die uns die Medien als Zeit des Glücks und der Familie »vorgaukeln«, tritt der Kontrast zur Realität umso deutlicher hervor. Da macht es Sinn, positive Bilder zu suchen und stark zu machen, wie Jesus es tut.

 

Staunen und sich freuen, das ist Advent

Ich bin voller Erwartungsfreude und blicke jeden Tag auf meinen Barbarazweig. Wie spannend zu sehen, wie sich der zunächst kahle Ast jeden Tag verändert und immer voller und schöner wird. Wie gut zu wissen, dass das Negative für Gott nicht das letzte Wort hat. Unser Predigttext ist voller Hoffnung, dass Gottes neue Welt nahe ist und starke Kraft hat: wie die Blätter und Blüten an Feigenbaum und Barbarazweig, allem Anschein zum Trotz. »Wenn ihr seht, dass dies alles geschieht, so wisst, dass das Reich Gottes nahe ist.« (V. 31 als Zielsatz des Predigttextes).

 

Von der Naturentdeckung zu Gottes liebevollem Wort: die Taufblume

Als Christen richtet sich unser Glaube weniger an Naturereignissen als an Gottes Wort aus. Ich empfehle deshalb für die Gottesdienstgestaltung, die bisherigen Gedanken durch ein konkretes, handgreifliches Symbol zu ergänzen. Passend dazu finden am 2. Advent in unserer Kirchengemeinde Taufen statt. Das Symbol, das ich den Gottesdienst einbringe, ist die Taufblume.

Bastelvorlagen für die »Taufblume« finden sich im Internet (siehe: Malvorlagen »Blumen«). In einer Gottesdienstaktion können die Blumen ausgeschnitten und angemalt werden. Wichtig ist allerdings folgende Vorbereitung bereits zu Hause: In jede Blumenmitte notiere ich ein kurzes Stichwort aus unserem Predigttext. »Kraft«, »Herrlichkeit« (V. 27), »Erlösung« (V. 28), »Feigenbaum« (V. 29), »Reich Gottes« (V. 31) u.a. sind geeignete Begriffe. Nachdem die Blumen von den kleinen und großen Gottesdienstbesuchern angemalt worden sind, werden ihre Blütenblätter in die Mitte hinein gefaltet, sodass das notierte Stichwort nicht mehr sichtbar ist.

Nun benötigen wir eine Wasserwanne, die gut sichtbar im Altarraum abgestellt wird. Die Taufblumen werden gefaltet zu Wasser gelassen. Was passiert? Gehen sie unter? Verändern sie sich irgendwie? Das Staunen und Jubeln ist groß, als – welch ein Wunder! – unsere Blumen sich im Wasser langsam öffnen. Die notierten Stichworte werden lesbar, wir entdecken sie neu und lesen sie laut für alle vor. Gottes neue Welt lacht uns entgegen, Wort für Wort, Blume für Blume. Gottes Geschenk für dich und für mich sind diese liebevollen Worte Gottes, bereits jetzt, im Advent. Und besonders heute, zur Taufe unserer Kinder – wenn Jesus Christus den Täuflingen und uns allen zuspricht, dass wir Gottes geliebte Kinder sind. Blätter und Blüten im Advent, voller Leben. Das tut gut und stärkt meinen Glauben.

 

Tabea Rösler

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2019

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