20. Oktober 2019, Jakobus 2,14-26
18. Sonntag nach Trinitatis

Von: Lars Hillebold
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Mit dem Glauben so sein Tun haben


»Stroherne Epistel«?

Eine treffende Zusammenfassung der Sonntagsperikope und des ganzen Jak. steht in einem anderen Brief: »Lasst uns nicht lieben mit Worten noch mit der Zunge, sondern mit der Tat und mit der Wahrheit.« (1. Joh. 3,18). Die Zeiten strohener Epistel sind exegetisch überwunden. Nun wird die enge Beziehung des Briefes zur Jesustradition der Evangelien beachtet; besonders mit Anklängen an die Bergpredigt. Die Verwerfungsurteile Luthers gegenüber dem Jak. mögen als Teil der Auslegungsgeschichte dieser Perikope im Hintergrund stehen. Sie werden vermutlich nicht mehr die gegenwärtige Predigt bestimmen. Und doch kann man sich Melanchthon auf der einen und Luther auf der anderen Schulter des Jakobus debattierend vorstellen, im Streit ob Jak. »zum Gesetz und seinen Werken treibe« statt zu Christus. Zumindest ist das beherrschende Begriffspaar (Glaube / Werk) – gedacht als Einheit und Verschiedenheit, Miteinander oder Gegenüber – eine Möglichkeit, die Predigt zu gestalten. Eine andere ist die, sich die sprachlichen Mittel zu eigen zu machen: Anrede und thematische Frage/Einwand (V. 14), Beispiel (V. 15f), Conclusio (V. 17), Einwand (V. 18), zwei Beispiele als Schriftbeweis (Abraham und Rahab, V. 21-25), Conclusio (V. 26).


Dialogisch im Monolog

Insgesamt ist die Perikope von einer »dialogischen« Haltung bestimmt. Der »Zwischenredner« (V. 14.18) arbeitet mit dem humoristischen Stilmittel der Übertreibung, was durch weitere kreative Stilmittel verstärkt wird, wie Aufrufe (»Zeige mir«), rhetorisch-spezielle Fragen (»Was nützt’s«), Vergleiche, Beispiele und Scheltworte. Um diese Vielfalt und Dynamik zum Ausdruck zu bringen, ließen sich bestimmte Stilmittel und Gattungen dramaturgisch-homiletisch in der Predigt übernehmen, um die verdichtete Perikope in ihrer Wirkung ausführlicher zu gestalten. Inhaltlich umstritten (und formal nicht einfach, aber herausfordernd) ist der Zwischenredner in V. 18 als eine »der schwierigsten neutestamentlichen Stellen überhaupt« (Debelius). Wer hier tiefer einsteigen möchte: R. Metzner, Der Brief des Jakobus, ThHK 14. Für die Predigt halte ich es für relevant, dass für Jak. Glauben und Taten nicht isoliert betrachten werden, sondern die Haltung eine Handlung ist und die Handlung eine Haltung.


Handelnde Haltung

Insofern bietet es sich an, eines oder beide Beispiele des Jak. aufzunehmen und an Abraham (v.a. Gen. 15 und 22) und Rahab (Jos. 2) anzuknüpfen. Beides sind als »Beziehungsgeschichten« existentiell verändernde Erfahrungen, die den eher kognitiv wirkenden Duktus zwischen Glauben und Werken verdichten. Gleichzeitig kommt in den Blick, dass Abraham Gott vertraut, bevor dieser etwas tut. Jak. erfährt auf diesem Weiterdenken der Verhältnisbestimmung von Glaube und Tat zugleich eine Entgrenzung, da im Verhältnis zu Gott beides, Glauben und Werk, in eins fällt. Glauben wäre dann, verstanden als »schlechthinniges Vertrauen« in sich schon eine handelnde Haltung. Dass diese durchaus eine politisch-widerständige Haltung bewahrt, wird an den sicher versteckten Kundschaftern in Jos. 2 deutlich, die am roten Faden heruntergelassen werden, der sich ggf. durch die weitere Predigt und den Gottesdienst ziehen kann: Die Einheit von Glauben und Tun fällt alltäglich und allzu menschlich immer wieder auseinander. Die Einheit samt ihren Brechungen wird vielleicht auch die weiteren liturgischen Elemente des Gottesdienstes durchziehen. Einen ausführlichen Gottesdienstentwurf mit Predigt stelle ich gerne zur Verfügung.


Lieder

Eingangslied: EG 450 »Morgenglanz der Ewigkeit« oder EG+ 20 »Atem des Lebens«
Lied vor der Predigt: EG (EKKW) 640 »Lasst uns den Weg der Gerechtigkeit gehn«
Lied nach der Predigt: EG (EKKW) 614 »Lass uns in deinem Namen« oder EG+ 140 »Schenke mir, Gott«
Schlusslied: EG+ 41, 1.5 »Wohl denen, die noch träumen«


Lars Hillebold

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 9/2019

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