23. Juni 2019, Johannes 5,39-47
1. Sonntag nach Trinitatis

Von: Tabea Rösler
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Tragfähiger Glaube ist Glaube in Vielfalt


Lebendiger Glaube braucht lebendige Mission

Von Anfang an hat die Kirche einen missionarischen Auftrag. Der Glaube soll in die Welt hineinstrahlen und Menschen für Jesus Christus begeistern. Mission ist eine positive Bewegung. Sie reißt mit, bewegt und verändert. Mission lebt aus der Vielfalt der Glaubenstraditionen und generiert neue Vielfalt.


Drinnen oder draußen? Dualistischer Glaube bei Johannes

Unser Predigttext aus dem Johannesevangelium lässt aufhorchen. Jesu Gesprächspartner sind die Juden (V. 45). Jesus will sie überzeugen, sich der Christusbewegung anzuschließen und an ihn, den Sohn Gottes, zu glauben. Jesus allerdings erfährt Ablehnung. Die Juden glauben ihm nicht. Jesu Reden schrecken sie ab. Jesus läuft mit seiner Mission ins Leere. Wieso?

Schauen wir uns genauer an, wie Jesus mit den Juden spricht, so wirkt seine Rede eher abschreckend als gewinnend und begeisternd. Der für Johannes allgemein typische Dualismus (s. Prolog) wird auch hier ausgespielt. Jesus attestiert den Juden Unglauben (V. 47), Ehrsucht (V. 41) und Starrsinn (V. 43). Sein Glaube ist eng, seine Mission kompromisslos. Für Johannes gibt es nur ein »Drinnen« oder »Draußen«. Entweder teilt man den christlichen Glauben, oder man ist heillos verloren (V. 45).


Was uns heute trägt: Profilierte Vielfalt ins Spiel bringen

Wir machen den Sprung in die heutige Lebenswirklichkeit unserer Gemeinden. Wir sind in unserer Stuhrer Kirchenregion vier Pastorinnen und Pastoren verschiedenen Alters und verschiedener Prägung. Uns verbindet, dass wir unseren Beruf lieben, mit Herzblut Pastor und Pastorin sind und uns gegenseitig wertschätzen und mögen. Wir sind alle sehr verschieden, leben und praktizieren unseren Glauben in unterschiedlicher Weise mit »Biss« und »Format«. Die Vielfalt tut unseren Gemeinden gut, denn wir leben in einer pluralistischen Gesellschaft. »Lebendige Pluralität« wird zur maßgeblichen »ontologischen Größe«, philosophisch ausgedrückt.

In der Praxis bedeutet dies: Vom agendarischen Bußgottesdienst bis zum trubeligen Krabbelgottesdienst ist alles gleich wichtig und gleichermaßen wertgeschätzt. Das zeichnet uns aus und daran arbeiten wir. – Kein Pastor und keine Pastorin kann diese Vielfalt indes im Alleingang darbieten. Deshalb sind wir eine Kirchenregion. So werden wir nicht weniger, sondern mehr in wachsenden Gemeinden, auch gegen den gesellschaftlichen Trend.


Heiligenroder Jugendtreff an Karfreitag?!

Der Heiligenroder Jugendtreff trifft sich regelmäßig am 1. und 3. Freitag im Monat. Rund 20 Jugendliche strömen in unsere kuscheligen Jugendräume mit knarrenden Holzbohlen, cooler Billardbar und Chill-Ecke im Dachgeschoss der Pfarrscheune zusammen. Der Kirchenvorstand spendiert Getränke und Eis, die Jugendlichen machen Popcorn im Kochtopf. So auch am Karfreitag. Was ist zu tun? Das Telefon im Pfarrbüro läuft heiß. Sollte der Jugendtreff heute nicht besser geschlossen bleiben? Oder sollte er in unserer »modernen Gemeinde« gerade heute öffnen? Vielfalt meint nicht »laissez-faire«. Ebenso wenig sollten wir uns jedoch hinter den Mauern unserer Tradition verschanzen.

Die Pastorin entwickelt zusammen mit dem Kirchenvorstand eine kreative Lösung: Der Jugendtreff öffnet – und beginnt in der Klosterkirche vor dem kahlen Karfreitagsaltar. Ein 20minütiges Gespräch über Bedeutung und Sinn von Karfreitag entspinnt sich mit den jungen Leuten. Sie bedanken sich am Ende für das Gespräch, die Wertschätzung und das Vertrauen.


Impulse für die Predigt

Welche Glaubensbilder überzeugen mich? Welche Erfahrungen mit meiner Kirche tragen dazu bei, dass auch ich dazugehören will und andere dazu anrege, es ebenso zu tun? Welche Vielfalt gibt es in meiner Kirchengemeinde und wie trage ich selbst dazu bei? Bin ich dankbar für die Vielfalt oder stört sie mich eher? Habe ich eine Mission?


Tabea Rösler

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 5/2019

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