10. Juni 2019, Matthäus 16,13-19
Pfingstmontag

Von: Klaus Dettke
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Ohne Gottes Geist geht nichts!


Pfingsten und Mt. 16

Pfingstsonntag liegt der Akzent auf der Ausgießung des Heiligen Geistes, Pfingstmontag auf seinen »Funktionen«. Ohne Gottes Geist geht nichts! Das gilt auch für Mt. 16, wenn auch der Heilige Geist nicht direkt erwähnt wird.

Jesus zieht sich zurück. Eine Entscheidung über seinen weiteren Weg steht an. Er geht mit den Jüngern nach Cäsarea Philippi im äußersten Norden, weit entfernt von Jerusalem im Süden. In der Stille, in der Einsamkeit erfolgt das Christusbekenntnis. In der Stadt, im Gewirr der Stimmen, im Süden folgt die Passion. In solchen Situationen steht unsere Identität auf dem Spiel. Gerahmt wird die Klärung der Identität Jesu durch ein Nichtverstehen der Jünger.1


Jesu Fragen

Jesus ist Fragender und Antwort zugleich. Jesus macht sich frag-würdig. Anders als sonst, wo er gefragt wird: Wer bist du?2 Zunächst fragt er nach dem, was die Leute über ihn sagen. Sie greifen auf jüdische, heilsgeschichtliche Vergangenheit zurück. Dadurch wird Jesus nur zu einem Vorbereiter bzw. Vorläufer des Messias. Das Neue an ihm wird damit nicht benannt.

Die Frage, an seine Jünger gerichtet, erlaubt keinen Rückzug auf das Gerede der Leute. Jeder muss nun Rede und Antwort stehen. Petrus spricht für die Jüngerschar. Er macht eine ungeheure Aussage: Du bist der Christus, der Sohn des lebendigen Gottes. Größeres konnte ein Jude nicht von einem Menschen sagen. Damit wird Jesus der höchste religiöse Titel verliehen, der im atl. Gottesvolk zu vergeben war. In ihm sammeln sich alle jüdischen Erwartungen des Heils. Nicht Fleisch und Blut haben das offenbart, sondern der Vater im Himmel. Nicht mehr menschliche Ansicht, sondern göttliche Offen­barung.

Auf dieses Bekenntnis antwortet Jesus: Du bist Petrus, und auf diesen Felsen will ich meine Gemeinde bauen. Das Bekenntnis des Petrus ist das Bekenntnis der Gemeinde des Matthäus, das Bekenntnis der Kirche (vgl. Mt. 14,33). Zwischen den beiden Bekenntnissen preist Jesus Petrus selig. Denn das Christusbekenntnis ist ihm von Gott geschenkt.


Petrus: Fels, »Satan«, Verleugner – und der Hahn

Nach dem Christusbekenntnis reagiert Petrus auf die erste Leidensankündigung Jesu: Das widerfahre dir nur nicht! Eben noch preist Jesus ihn selig, weil Gott aus ihm spricht. Und dann: Geh weg von mir, Satan! Nah liegt das beieinander. Davon zeugt auch der Hahn auf vielen Kirchtürmen. Es ist der Hahn, der krähte, als Petrus Jesus verleugnete.3 Die Kirche schämt sich nicht, den Kirchenfels als Verleugner zu beschreiben.

Petruskirche, das ist die Kirche, die diese seine Schwäche teilt, die Kirche, die selbst immer wieder verleugnet und fällt, die untreue, kleingläubige, furchtsame Kirche, die immer wieder weg von ihrem Auftrag auf die Welt und ihre Meinung sieht. Petruskirche, das ist die Kirche all derer, die sich ihres Herren schämen, wo sie zu ihm stehen sollten.

»Kein Mensch baut die Kirche, sondern Christus allein. Wer die Kirche bauen will, ist gewiss schon am Werk der Zerstörung. Denn er wird einen Götzentempel bauen, ohne es zu wollen und zu wissen. Wir sollen bekennen – Er baut. Wir sollen verkündigen – Er baut. Wir sollen zu ihm beten – Er baut. Wir kennen seinen Plan nicht. Wir sehen nicht, ob er baut oder einreißt. Es mag sein, dass die Zeiten, die nach menschlichem Ermessen Zeiten des Einsturzes sind, für ihn die großen Zeiten des Bauens sind, mag sein, dass die menschlich gesehen großen Zeiten der Kirche Zeiten des Einreißens sind. Es ist ein großer Trost, den Christus seiner Kirche gibt: Du bekenne, verkündige, zeuge von mir. Ich allein aber will bauen, wo es mir gefällt. … Christus allein ist dein Herr, von seiner Gnade allein lebst du, wie du bist. Christus baut.«4

Ohne Gottes Geist geht nichts! Er wirkt unser Bekenntnis zu Christus. Das gilt es singend, betend, verkündigend, handelnd auszurichten. So gewinnt die Kirche tragenden Grund. Sie hat auf Sand gebaut, wenn sie hiervon aus irgendeinem verwegenen Grund meint abgehen oder auch nur einen Augenblick absehen zu dürfen.


Gottesdienstgestaltung

Als Epistellesung schlage ich vor Eph. 4,11-15.
EG 135, 1-5 »Schmückt das Fest mit Maien«
EG 264, 1-3 »Die Kirche steht gegründet«
EG 268, 1-5 »Strahlen brechen viele«
Zum Ausgang: EG 132 »Ihr werdet die Kraft des Heiligen Geistes empfangen«


Anmerkungen:

1 Mt. 16,5-12 und 16,21-23.

2 Vgl. u.a. Mt. 8,27; Mt. 11,1-6; Mk. 4,41.

3 Vgl. Mt. 26,69ff.

4 Dietrich Bonhoeffer, Predigt zu Mt 16,13-18, in: DBW 12.


Klaus Dettke

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 5/2019

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