Zur Frage der kirchlichen Gleichstellung homosexueller Partnerschaften
Duldung im Dissens

Von: Christian Meißner
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Der Streit um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in der evangelischen ­Kirche dauert an. Die entscheidende Frage kreist dabei weniger um die grundsätzliche Beurteilung von Homosexualität. Vielmehr entzündet er sich an einer aus dem gesellschaftspolitischen Bereich stammenden Gleichstellungsforderung. Da nun so gut wie alle Landes­kirchen innerhalb der EKD eine öffentliche Segnung oder gar Trauung gleichgeschlechtlicher Paare kirchenrechtlich ermöglicht haben, stellt sich für Christian Meißner die Frage nach einem Gewissensvorbehalt für Pfarrer*innen, die dies ablehnen, mit neuer Brisanz.


Der Streit um die Gleichstellung homosexueller Partnerschaften in unserer evangelischen Kirche dauert an. Die entscheidende Frage kreist dabei, im Gegensatz zu früheren Debatten, weniger um die grundsätzliche Beurteilung von Homosexualität. Solches bildet heute eher die Ausnahme. Denn gemeinhin herrscht ein Klima, in dem homosexuell geprägte Menschen schon längst nicht nur nicht mehr diskriminiert oder gar verfolgt werden, sondern auf fast selbstverständliche Weise Toleranz, Akzeptanz und sogar große Sympathie genießen. Der bleibende kirchlich-theologische Streit entzündet sich vielmehr an einer ursprünglich aus dem gesellschaftspolitischen Bereich stammenden Gleichstellungsforderung, die spätestens seit der Jahrtausendwende vor allem von den Homosexuellen-Verbänden und ihren parteipolitisch einflussreichen Lobbygruppen vorangetrieben und dann auch über die entsprechenden kirchlichen Betroffenenkreise konsequent in die theologische Diskussion hineingetragen worden ist.

Diesen Umstand sollte man sich zu allererst verdeutlichen, auch um die emotionale Heftigkeit der Debatte nachvollziehen zu können: Hinter der kirchlichen Forderung nach vollständiger Gleichstellung von homosexuellen Partnerschaften mit der Ehe stand von Anfang an mitnichten ein theologischer Paradigmenwechsel sui generis, sondern ein bereits äußerst strittiges gesellschaftspolitisches Projekt. Anders wäre es überhaupt nicht zu erklären, dass sich die theologischen Argumente und Gegenargumente in den letzten zwei Jahrzehnten im Grunde genommen kaum verändert haben, während sich die Praxis kirchlichen Handelns in demselben Zeitraum nahezu diametral verändert hat.


180 Grad-Wende in Kirche und Theologie

Es ist noch nicht so lange her, dass der Rat der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) theologisch feststellen konnte: »Von homosexuell lebenden Menschen, die das Pfarramt anstreben oder innehaben, ist (wie von heterosexuell lebenden) zu erwarten, daß sie die Bekenntnis- und Lehrgrundlagen ihrer Kirche anerkennen und für sie eintreten. (…) Es muss erwartet werden, daß sie die Leitbildfunktion von Ehe und Familie anerkennen und daß sie darauf verzichten, die gleichgeschlechtliche Lebensgemeinschaft als gleichrangiges (…) Leitbild zu propagieren.«1 Noch im Jahre 2013 sprach sich der damalige EKD-Ratsvorsitzende Nikolaus Schneider deutlich sowohl gegen eine Gleichsetzung der Ehe mit homosexuellen Partnerschaften als auch gegen ein volles Adoptionsrecht für homosexuelle Paare aus2.

Keine vier Jahre später artikuliert sich dann aber in einer Presseerklärung des Rates der EKD eine ziemlich andere Auffassung: »Dass auch für gleichgeschlechtlich liebende Menschen, die den Wunsch nach einer lebenslang verbindlichen Partnerschaft haben, der rechtliche Raum vollständig geöffnet wird, in dem Vertrauen, Verlässlichkeit und Verantwortung durch gesetzliche Regelungen geschützt und unterstützt werden, begrüßt die EKD.«3 Und der hessen-nassauische Kirchenpräsident Volker Jung, einer der führenden Protagonisten der Durchsetzung der vollständigen Gleichstellung von Schwulen und Lesben in der evangelischen Kirche, kommentierte dann den Bundestagsbeschluss zur »Ehe für alle« damit, dass sich hier »eine konsequente Weiterentwicklung der Neubewertung gleichgeschlechtlicher Lebenspartnerschaften« widerspiegele. Eine »konsequente Neubewertung«, die allerdings aus theologischer Perspektive viele Fragen offen lässt, denn sie gleicht einer 180 Grad-Wende, bei der kaum plausibel wird, woher denn hier nun plötzlich dieses veränderte Grundverständnis in Bezug auf Schrift und Bekenntnis gekommen sein soll.


Theologischer Flickenteppich

Schaut man einmal mit nüchternem Blick auf die Genese der Gesamtdebatte wird man schwerlich leugnen können, dass sich das kirchliche Meinungsbild innerhalb der letzten 20 Jahre exakt parallel zu den gewandelten normativ-politischen Weichenstellungen sowie wertemäßigen Veränderungen in der Gesellschaft entwickelt hat: Die Forderung nach öffentlichen Segensgottesdiensten für homosexuelle Paare hat genau in dem Augenblick Fahrt aufgenommen, als die rot-grüne Bundesregierung im Jahre 2001 das Lebenspartnerschaftsgesetz beschlossen hatte4. Und spätestens nach dem historischen Beschluss des Deutschen Bundestages vom 30. Juni 2017, in dem die Öffnung des gesetzlichen Instituts der Ehe auch für homosexuelle Paare entschieden worden ist, haben mittlerweile fast alle Gliedkirchen der EKD die gleichstellungspolitische Diskussion wieder erneut und intensiv aufgegriffen, über die Einführung von Trauhandlungen oder Segensgottesdiensten neu abstimmen lassen und ihre Kirchengesetze und Lebensordnungen entsprechend neu angepasst.

Die aktuelle Situation gleicht demzufolge einem einzigen theologischen Flickenteppich: Ein Teil der Landeskirchen hat sich – teilweise auch schon vor dem Jahr 2017 – der »Trauung für alle« angeschlossen. Andere haben durch die nun veränderte Gesetzeslage die kirchliche »Segnung« umgehend mit der »Trauung« gleichgestellt, obwohl dies doch kirchenleitend jahrelang noch als voneinander zu unterscheidende Gottesdienstformen etikettiert worden war. Wieder andere Landeskirchen ringen derzeit immer noch mit der Akzeptanz von öffentlichen Segnungsgottesdiensten (in klarem Festhalten am Unterschied zur Trauung). Und das letzte »gallische Dorf«, in dem es nach wie vor noch keine öffentlichen Segnungsgottesdienste gibt, bildet nur noch Schaumburg-Lippe.


Großes Bekenntnispathos

Interessant ist weiterhin die brandaktuelle Entwicklung in der Landeskirche in Württemberg. Diese hatte bis vor kurzem ebenfalls noch an der nicht-öffentlichen Begleitung homosexueller Paare im Rahmen der Seelsorge festgehalten, musste jetzt aber auch dem massiven Druck der Gleichstellungsbefürworter nachgeben: In einem beispiellosen Akt hatten sich die zunächst auf der letzten Herbstsynode mit knapper Mehrheit überstimmten Segnungsbefürworter, sodann auch viele Pfarrer und Gemeinden, über den Synodenbeschluss hinweggesetzt und betont, dass sie »ihre Ansicht aus der Bibel ableiteten und alles andere nicht nur für rechtlich diskriminierend, sondern auch im biblischen Sinne für schriftwidrig hielten«5! Das klingt nach ziemlich großem Bekenntnispathos, das man ansonsten eigentlich eher von der anderen Seite kennt. Demgegenüber hob daraufhin der Ulmer Dekan Ernst-Wilhelm Gohl hervor, »dass beide Positionen – die derjenigen, die biblisch begründet Gottesdienste für homosexuelle Paare ablehnen, und derjenigen, die einen solchen Gottesdienst für jedes Paar, das sich unter Gottes Segen stellen wolle, für biblisch geboten halten – schrift- und bekenntnisgemäß seien.«6


Grundsätzlicher Gewissensvorbehalt

Während es in Württemberg – aufgrund der ganz offensichtlich gewordenen Patt-Situation zwischen Gegnern und Befürwortern – in der Präambel des neuen Kirchengesetzes nun heißt, »dass beide Auslegungen der Heiligen Schrift zu respektieren seien und die kirchliche Einheit nicht infrage stellen dürften«7, setzen wiederum andere Landeskirchen, wie z.B. Baden und die EKBO, kirchenleitend noch ganz andere Akzente. Obwohl sich die überwiegende Mehrzahl aller Landeskirchen zu einem grundsätzlichen Gewissenschutz für Andersdenkende bekennt und somit entsprechende Klauseln und Regelungen für die dauerhafte Sicherstellung der Ablehnungsmöglichkeit von Trau- und Segensgottesdiensten homosexueller Paare vorsehen, gibt es auch Tendenzen, es mit dem Gewissensschutz nicht ganz so ernst zu nehmen. So erklärte beispielsweise die Leiterin des Rechtsreferates der badischen Landeskirche, Oberkirchenrätin Ute Henke, als sie sich mit einer eindringlichen Bitte um eine Garantiezusage für den Gewissenschutz von Seiten betroffener Pfarrerkreise konfrontiert sah, »dass ein solcher Schutz nicht ›für alle Zeiten‹ festgeschrieben werden könne, da die Synode immer das letzte Wort habe.«8 Eine nicht gerade sehr sympathisch und noch viel weniger evangelisch klingende Antwort, bei der man gespannt gewesen wäre, wie diese wohl, im umgekehrten Fall, nämlich bei den auf der Herbstsynode 2018 noch unterlegenen Gleichstellungsbefürwortern im benachbarten Württemberg, angekommen wäre.


Umstrittenes Ablehnungsrecht

Auch in der EKBO, meiner Landeskirche, ist dieser grundsätzliche und vollumfängliche Gewissensvorbehalt gegenwärtig zumindest noch fraglich. Denn im entsprechenden Gesetzestext heißt es: »Die Kirchenleitung prüft nach Ablauf von fünf Jahren, ob die Möglichkeit der Ablehnung weiterhin erforderlich ist, und berichtet hierüber der Landessynode.«9 Diese ungewöhnliche Formulierung lässt sofort aufhorchen und irritiert. Und das kommt auch keineswegs von ungefähr. Denn entgegen vielfachen Mahnungen und Einwänden im Vorfeld des Synodenbeschlusses, nicht zuletzt sogar auch von Seiten des damaligen juristischen Beraters der EKBO-Synode, dem Leiter des Kirchenrechtlichen Instituts der EKD, Prof. Dr. Hans Michael Heinig, hatte sich eine problematische Situation ergeben, in der die ursprüngliche Gesetzesvorlage der Kirchenleitung (die einen eindeutigen Gewissensvorbehalt vorsah) zu kippen drohte:

»Das Gesetz sah allerdings auch vor, dass Pfarrer oder Kirchengemeinderat diese Form der Trauung ablehnen können mit der Folge, dass die Kasualie von einem anderen Amtsträger oder in einer anderen Kirchengemeinde zu vollziehen ist. Gerade dieses Ablehnungsrecht war in den Synodenbetrachtungen höchst umstritten. Kritiker bemängelten, dass auf diese Weise die eigentlich beschlossene rechtliche Gleichstellung von Ehe und Lebenspartnerschaft in Traufragen nicht vollzogen werde. Der Einwand, dass es Amtsträger und Gemeinden gebe, die Bekenntnisvorbehalte gegen die Regelung hätten und auf diese Rücksicht zu nehmen sei, war etlichen Mitgliedern der Synode nicht zu vermitteln. (…) Bei der Traufrage handele es sich nicht um eine Bekenntnisfrage. Da könne ja jeder kommen und missliebige Synodalentscheidungen verhindern.«10

Doch Heinig erhebt hier aus kirchenjuristischer Perspektive ganz klar Einspruch: »Ganz so einfach ist es freilich nicht. Weder kann eine synodale Mehrheit begründete Bekenntnisvorbehalte einfach ignorieren noch können Minderheiten willkürlich Ordnungsfragen zu Bekenntnisfragen erklären, um Mehrheitsbeschlüsse auszuhebeln.«11


Es gibt keinen magnus consensus

Welches Fazit können wir aus dieser gegenwärtig sehr diffusen und widersprüchlichen kirchenpolitischen Situation ziehen? Die Antwort ist eigentlich selbstredend: Die vollständige Gleichstellung homosexueller Partnerschaften mit der Ehe von Mann und Frau ist und bleibt umstritten. In der theologischen Begründung für eine Trauung gleichgeschlechtlicher Paare gibt es in unserer evangelischen Kirche nach wie vor keinen »magnus consensus«12. Völlig unterschiedliche und geradezu diametrale Schriftverständnisse und Exegesen (insbesondere den Themenzusammenhang »Segen – Ehe – Homosexualität« betreffend) prallen in zum Teil schärfster Weise immer wieder aufeinander.

Des Weiteren herrscht auch über die grundsätzliche Einordnung des Problems keineswegs Einigkeit: Die einen wollen hier lediglich eine ethisch gebotene, praktisch-theologische und kirchliche Ordnungsfrage13 erblicken, die es per synodalem Mehrheitsentscheid für alle verbindlich zum Abschluss zu bringen gilt. Für die anderen geht es hierbei aber um nicht weniger als um eine an einem entscheidenden schöpfungs- wie gnadentheologischen Punkt der theologischen Anthropologie auch die Substanz von Schrift und Bekenntnis tangierende Streitfrage.


Erhebliches Spaltungs- und Konfliktpotenzial

Die Gleichstellungsforderung entfaltet deshalb in allen Landeskirchen – in z.T. bizarr unterschiedlichen Geschwindigkeiten und Richtungen – ein nicht unerhebliches Spaltungs- und Konfliktpotenzial, das von den kirchenleitenden Gremien bis zu den Gemeinden und Pfarrämtern vor Ort reicht. Die differierenden Positionen stehen sich zum Teil sogar fast unversöhnlich gegenüber. Das rührt zu einem Großteil natürlich auch daher, dass hier eine gesellschaftspolitische Streitfrage (auch mit deutlichen Konnotationen und Interessenlagen aus einem bestimmten parteipolitischen Spektrum heraus14) direkt in den kirchlichen Raum übertragen worden ist.

Von daher ist auch weiterhin nicht zu erwarten, und das zeigt das Beispiel Württembergs, dass sich eine solch gravierende kirchliche Konfliktfrage dadurch auflösen und befrieden lässt, dass sie – nach der einen oder anderen Seite – lediglich durch synodale Mehrheitsbeschlüsse herbeigeführt wird. Ganz im Gegenteil: Die bisherige Entwicklung der Debatte belegt, dass einseitige Mehrheitsbeschlüsse im Sinne eines bloßen »sic et non« die Konflikte und Gräben in den einzelnen evangelischen Landeskirchen eher noch vertiefen.

Was ist also zu tun? Wie können wir innerhalb unserer evangelischen Kirche mit ­diesem bleibenden Konflikt auf eine versöhnende statt konfrontierende Weise umgehen? Wie gelingt es uns noch Brücken ­zwischen diesen beiden kirchenpolitischen Polen zu schlagen?


Spannungsvolles Grundverhältnis von Bekenntnis und Kirchenrecht

Aus der Sicht von Hans Michael Heinig ist die umstrittene Fragestellung der Trauung gleichgeschlechtlicher Paare sozusagen ein Paradebeispiel für das nicht selten spannungsvolle Grundverhältnis von »Bekenntnis und Kirchenrecht«. Das sehe ich ganz genauso. Folgt man seiner Argumentation, so bietet sich am Ende eine ganz praktische kirchenrechtliche Lösung dieses uns allesamt gegenwärtig noch beschwerenden Konfliktes an: »Dissens muss nicht gleich zu einem kirchentrennenden status confessionis führen, er kann auch nur die gemeinschaftliche Verantwortung für punktuelles Handeln aufheben. In den Worten Michael Germanns: ›Ein Handeln, das für eine Übereinstimmung mit Schrift und Bekenntnis keinen magnus consensus in Anspruch nehmen kann, darf nicht zum Gegenstand einer kirchlichen Rechtspflicht gemacht werden.‹ (…) Die so abgesicherte gegenseitige ›Duldung im Dissens‹ hat Vorrang vor einer Kirchenspaltung.«15

Ich bin der festen Überzeugung, dass wir gerade auch in Zeiten wachsender gesellschaftlicher Polarisierungen und populistischer Tendenzen, in denen einfache und radikale Antworten oft tiefere und differenzierte Auseinandersetzungen zu torpedieren drohen und in denen auf erschreckende Weise plötzlich wieder in gefährlichen »Freund-Feind«-Schemata gedacht wird, eine deutlich andere Kultur des gemeinsamen Umganges und Dialoges benötigen. Auch wir als evangelische Kirche müssen womöglich an vielen Stellen wieder neu lernen, mit bleibenden unterschiedlichen theologischen Überzeugungen sensibel, geschwisterlich und im Geist der versöhnten Verschiedenheit umzugehen und die diesbezüglichen Spannungen in Liebe auszuhalten. Und dies kann nur geschehen, wenn wir die jeweiligen Gewissensüberzeugungen, die sich hinter den gewiss oftmals allzu aggressiv, kategorisch und konfrontativ vorgetragenen Positionen verbergen, dennoch in vollumfänglicher Weise respektieren und würdigen, auch wenn wir sie selbst nicht teilen können und wollen.

Ich glaube, es ist ein besonderes Proprium und eine Stärke unseres evangelischen Weges, dass wir nicht zwanghaft, besserwisserisch und ideologisch-verhärtet dort letzte Wahrheiten ausrufen sollten, wo wir uns in Demut und Anerkenntnis unserer eigenen Irrtumsanfälligkeit und Unvollkommenheit doch eigentlich eingestehen müssten, dass wir auf viele der vorletzten Fragestellungen im Grunde genommen auch keine letzten Antworten haben. Was wir aber in jedem Fall jetzt schon gemeinsam tun können, ist anständig und fair miteinander umzugehen.


Anmerkungen:

1 »Mit Spannungen Leben – Eine Orientierungshilfe des Rates der EKD zum Thema ›Homosexualität und Kirche‹« (EKD-Texte Nr. 57), Hannover 1996, 45.

2 EKD-Pressemeldung vom 9.11.2013. Dies ist äußerst bemerkenswert, denn in demselben Jahr erschien auch die hoch umstrittene Orientierungshilfe des Rates der EKD »Zwischen Autonomie und Angewiesenheit – Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken«, zu der Nikolaus Schneider das Vorwort verfasst hatte. Zur Diskussion s. auch: Thomas Schirrmacher, Eine soziologische und theologische Kritik des EKD-Familienpapiers, in: »Evangelische Verantwortung« (Das Magazin des Evangelischen Arbeitskreises der CDU/CSU) Heft 1+2/2014, 3-8.

3 EKD-Presseerklärung vom 28. Juni 2017.

4 Beispielhaft hier Bertold Höcker, Segnung gleichgeschlechtlicher Paare vor dem Hintergrund des Lebenspartnerschaftsgesetzes, in: Ute Sauerbrey (Hg.), Ein Fleisch sein – Materialien zu Homosexualität und Kirche, Wichern-Verlag, Berlin 2002, 38: »Durch die endgültige rechtliche Statuierung des Lebenspartnerschaftsgesetzes stellt sich die Frage, ob die staatliche Eintragung einer gleichgeschlechtlichen Lebenspartnerschaft mit einem Gottesdienst begleitet werden sollte.« Genau das wurde dann im Jahre 2002 von der Synode der EKiBB, als erster Landeskirche in Deutschland, beschlossen. Ganz anders argumentiert noch der ehemalige Bischof der EKiBB/EKBO, Wolfgang Huber, vor dem Hintergrund eines Ablehnungsbescheides des Konsistoriums vom 19. Januar 1996, also nur wenige Jahre zuvor: »Besondere Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Paare (…) werden als problematisch angesehen, weil sie als kirchliche Option gegen die biblisch begründete Zuordnung der Geschlechter, als Ersatzhandlung für eine fehlende staatliche Legitimierung homosexueller Partnerschaften sowie als eine der kirchlichen Trauung entsprechende Segenshandlung mißdeutet werden können. Ausdrücklich wird darauf aufmerksam gemacht, daß ein breiter kirchlicher Konsens, der die Voraussetzungen für eine besondere, agendarisch festgelegte kirchliche Amtshandlung darstellt, bisher nicht vorhanden ist.« (Christof Gestrich (Hg.), Geschlechterverhältnis und Sexualität, Wichern-Verlag, Berlin 1997, 161)

5 »idea«-Pressedienst vom 24. März 2019, 6.

6 Epd-Zentralausgabe Nr. 59 (25.03.2019), 4.

7 »idea«-Pressedienst vom 24. März 2019, 6.

8 »idea«-Pressedienst vom 18. Dezember 2017, 3.

9 Kirchengesetz vom 9.4.2016 zur Gleichstellung von Gottesdiensten zur Segnung zweier Menschen in eingetragener Partnerschaft mit Traugottesdiensten (Partnerschaftsgleichstellungsgesetz – PGG), §5, Abs. 3.

10 Hans Michael Heinig, Bekenntnis und Kirchenrecht, ZevKR 62 (2017), 238.

11 A.a.O., 239.

12 Vgl. CA I: »Ecclesiae magno consensu apud nos docent …«. Aus lutherischer Bekenntnisperspektive heraus ist beim Begriff des magnus consensus jedoch unbedingt zwischen dem praktisch-kirchenregimentlichen (und gewissermaßen »kirchenpolitischen«) Gebrauch auf der einen Seite und dem dogmatischen Gebrauch auf der anderen Seite zu unterscheiden. Nur letzterer kann für unsere Ausführungen hier natürlich zugrunde gelegt werden.

13 Die mittlerweile recht üblich gewordene Differenzierung zwischen »Ordnungs«- und »Bekenntnisfrage« ist theologisch oft von einer sehr großen Unschärfe, und manchmal sogar von einer regelrechten Beliebigkeit geprägt. Denn natürlich darf auch die kirchliche Ordnung am Ende Schrift und Bekenntnis keinesfalls widersprechen. Es geht also um ein wechselseitiges Bedingungs- und Beziehungsgeflecht. Und genau das, bedingt durch die im Kern völlig unterschiedliche Beurteilung des biblischen Schriftzeugnisses, ist das Hauptproblem.

14 Sehr bezeichnend und befremdend ist hier ein Auftritt der ehemaligen EKD-Synoden-Präses Katrin Göring-Eckardt (Bündnis 90/Grüne) im letzten Bundestagswahlkampf 2017, der in der »Neuen Presse« (Hannover) wie folgt widergegeben wird: »Kurz vor Beginn des Umzugs sprach bereits Grünen-Chefin Katrin Göring-Eckardt auf der Bühne am Opernplatz. Und die 51-Jährige war bereits merklich im Wahlkampfmodus: ›Ohne Ehe für alle gehen die Grünen in keine einzige Koalition in der nächsten Legislaturperiode. Das verspreche ich euch.‹ Die Masse jubelte ihr zu. Laut und energisch sprach Göring-Eckardt über ihr Unverständnis, dass es immer noch so viele Konservative gibt: ›Diese Leute sind nicht homophob, das sind einfach Arschlöcher‹, rief sie dem Publikum entgegen.« (http://www.neuepresse.de/Hannover/Meine-Stadt/Hannover-Christopher-Street-Day-zieht-die-Massen-an)

15 Hans Michael Heinig, Bekenntnis und Kirchenrecht, ZevKR 62 (2017), 243.

 

Über die Autorin / den Autor:

Pastor i.E. Christian Meißner, Jahrgang 1968, Bundesgeschäftsführer des Evang. Arbeitskreises der CDU/CSU (EAK), Pastor im Ehrenamt der Evang. Kirche in Berlin-Brandenburg-schlesische Oberlausitz (EKBO).

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2019

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