Klärungsversuche in einer nicht enden wollenden Diskussion
»Segnung für alle«

Von: Peter Bubmann
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Der Streit um die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist zum »Schibboleth« des Kirchenverständnisses, der biblischen Hermeneutik und des Gottesbildes geworden. Dabei geraten diejenigen weitgehend aus dem Blick, um die es eigentlich geht. Für Peter Bubmann ist die spannungsreiche Situation Anlass genug, theologisch genauer hinzusehen. Dazu braucht es kritisch-reflexive Distanz und das genaue Hören auf die Geschichten und Anliegen der »Betroffenen«.


In den evangelischen Landeskirchen hat sich mehrheitlich die Haltung gegenüber homosexuellen Personen in den letzten 25 Jahren deutlich verändert. Galten sie ursprünglich (bestenfalls) als bedauernswerte Sünder, zu heilende Kranke oder »Seelsorgefälle«, ist zwischenzeitlich deutlich geworden, dass mit der »Ausgrenzung homophiler Menschen ein Irrweg beschritten worden ist, der dem Evangelium widerspricht1. Nach anfänglichem Widerstand akzeptierten und unterstützten die meisten evangelischen Landeskirchen das Institut der Eingetragenen Lebenspartnerschaft und neuerdings der geöffneten Ehe für gleichgeschlechtliche Paare und ermöglichen auch Pfarrer*innen in dieser Lebensform das gemeinsame Wohnen im Pfarrhaus. Allerdings verstummte seit den erregten Debatten um die Möglichkeit des Zusammenwohnens im Pfarrhaus und um die EKD-Orientierungshilfe »Zwischen Autonomie und Angewiesenheit. Familie als verlässliche Gemeinschaft stärken« (2013) auch nie der innerkirchliche Widerstand gegen die kirchliche Anerkennung homosexueller Lebensformen.


Unterschiedliche landeskirchliche Optionen

In den letzten Jahren und insbesondere seit 2016 fokussiert sich diese Auseinandersetzung auf die Frage einer möglichen Trauung bzw. öffentlichen kirchlich-rituellen Segnungsfeier für Eingetragene Lebenspartner*innen und inzwischen gleichgeschlechtliche Ehepaare. Während einige wenige Landeskirchen die Trauung für gleichgeschlechtliche Paare schlicht geöffnet haben, haben andere Kirchen eigene liturgische Agenden bzw. Gottesdienstvorschläge (»Handreichungen«) für einen Gottesdienst anlässlich der Eintragung einer Lebenspartnerschaft bzw. gleichgeschlechtlichen Eheschließung veröffentlicht und die Möglichkeit dazu für die jeweilige Landeskirche eröffnet. In etlichen Landeskirchen gibt es eine bunte Vielfalt real praktizierter Segnungsgottesdienste auch ohne genaue amtliche Vorgaben.

Obwohl bei den kirchenamtlichen Beschlüssen zur Segnung homosexueller Paare immer (wie etwa in Sachsen 2016) auch eine Rücksichtnahme auf diejenigen Gemeinden (bzw. Pfarrer*innen) beschlossen wurde, denen aus biblisch-theologisch motivierten Gewissensgründen eine Trauung oder Segnung gleichgeschlechtlicher Paare nicht möglich erscheint, hat sich in manchen Landeskirchen der Streit um die Möglichkeit der Segnung noch verstärkt und führte zu drohenden Kirchenspaltungen (vor allem bis zuletzt noch in Württemberg). Gleichzeitig fordern homosexuelle Mitchrist*innen und diejenigen, die die Ungerechtigkeit ihnen gegenüber solidarisch mit wahrnehmen, zunehmend ungeduldiger, verlässlichen Zugang in ihren Kirchen zu solchen Segensritualen zu erhalten, die der Trauung gleichberechtigt sind (und dementsprechend auch als Kasualie anerkannt und in die Kirchenbücher eingetragen werden). Der Streit um die Trauung gleichgeschlechtlicher Paare ist mithin zum Schibboleth des Kirchenverständnisses, der biblischen Hermeneutik und des Gottesbildes geworden. Dabei geraten diejenigen weitgehend aus dem Blick, um die es eigentlich geht. Das dogmatisch-ethische Urteilen ohne Realitätswahrnehmung und ohne Kontakt zu denjenigen, deren Lebensführung auf dem Spiel steht, feiert fröhliche Urständ.

Martin Steinhäuser hat es in seiner lesenswerten Dissertation über »Homosexualität als Schöpfungserfahrung« schon Ende der 1990er Jahre so festgehalten: »Über der Homosexualitätsdiskussion liegt ein ›Qualm‹ wissenschaftlicher oder konfessorischer Art, der denen, um die es dem Namen nach geht, also den homosexuellen Menschen, wenig Luft zum Atmen läßt und von dem zu vermuten ist, daß er von einer ganzen Reihe anderer (zum Beispiel sexualpolitischer oder fundamentaltheologischer) ›Feuer‹ erzeugt wird.«2

Deshalb ist es auch wenig zielführend, diesen Streit kirchenamtlich herunterzuspielen zu einer untergeordneten Frage von adiaphorischem Rang. Es geht schon tatsächlich um theologische und ethische Grundfragen; soweit ist der Kritik etwa seitens evangelikaler Stellungnahmen durchaus Recht zu geben. Ob die Theologie der Ehe allerdings zur Klärung dieser Grundfragen taugt, mag fraglich erscheinen. Manfred Josuttis hatte bereits 1986 kritisch an die Kirchenleitungen addressiert: »Weil die herkömmlichen Argumente gegen die Homosexualität nicht mehr tragfähig sind, wird jetzt eine Begründung konstruiert, die die Ehe zum Glaubensartikel erklärt. Im Kampf gegen die Homosexuellen gefährdet die Kirche sich selbst.«3

Die spannungsreiche Situation ist Anlass genug, theologisch genauer hinzusehen. Dazu braucht es kritisch-reflexive Distanz und das genaue Hören auf die Geschichten und Anliegen derjenigen, um die es geht. Daher steige ich mit zwei narrativen Spielzügen ein, bevor dann ins theologisch-ethische Sprachspiel gewechselt wird.


»Ihr seid ein Segen!«

Zwei Studenten der Theologie begegnen sich 1982 in München und kommen sich beim Singen im Münchner Motettenchor näher. Aus Freundschaft wird nach einem Jahr Liebe. Die Partnerschaft hat einen kleinen Schönheitsfehler: Der eine ist evangelisch, der andere katholischer Priesteramtskandidat aus dem Bistum Trier. Eine lange Zeit des »living apart together« in schwierigen Zeiten liegt vor dem Paar. Gestützt wird die Beziehung nach dem innerfamiliären coming out durch Geschwister und Eltern. Aber auch kirchenleitende Theologen in höchsten Positionen, u.a. in der evang. Kirche in Bayern, unterstützen das Paar wohlwollend und freuen sich an der Stabilität der Beziehung. Zwei dieser Theologen werden als Oberkirchenräte später die innerkirchliche Anerkennung homosexueller Lebensformen voranbringen, der dritte setzt als EKD-Ratsvorsitzender deutliche Akzente in seiner Amtszeit. Drei der Geschwisterehen der beiden Partner sind inzwischen geschieden. Die gleichgeschlechtliche Partnerschaft ist mit heute 35 Jahren die am längsten währende in der umfangreichen Großfamilie. Da liegt offenbar ein Segen darauf …

Als endlich der katholische Teil des Duos seine Stellung als Priester im Rheinland verlässt und konvertiert, lässt der in der Gemeinde wohnende röm.-kath. Liturgiewissenschaftler hinter vorgehaltener Hand wissen, diese Form der Liebe müsse wohl doch auch Anerkennung finden. Dieser Meinung sind inzwischen etliche Kollegen aus der röm.-kath. Praktischen Theologie, jüngst gab es 2018 sogar öffentlich geäußerte zaghafte Hinweise, dass sich der Osnabrücker Bischof Franz-Josef Bode Segnungsrituale für gleichgeschlechtliche Paare vorstellen könne. Doch kommt das für die »Betroffenen« gefühlte Jahrhunderte und faktisch Jahrzehnte zu spät. Unser Paar braucht den Segen zumindest dieser Kirche nicht mehr. Es erfährt sich selbst als von Gott reichlich gesegnet. Deshalb wird 2014 nach dem standesamtlichen Akt der »Eintragung der Lebenspartnerschaft« ein Segnungs-Gottesdienst auf dem Boden der EKHN gefeiert, mit allem Drum und Dran (vom Glockengeläut bis zum Ehe-Versprechen mit Ringwechsel), wie es eben die EKHN als ein der heterosexuellen Trauung analoges Ritual vorsieht und ermöglicht. Eine zweitrangige Winkelmesse auf bayerischem Boden kam nicht in Frage, dafür war der Segen, für den angesichts der so lange bestehenden Partnerschaft zu danken war, einfach zu groß.

Im mittelfränkischen Landpfarramt wird das Paar mit herzlichen Segensgrüßen in Form von Brot und Salz durch den CSU-Bürgermeister empfangen und willkommen geheißen. Es dauert nicht lange, da heißt es an der Kirchentür am Ende des Gottesdienstes von verschiedenen Gottesdiensteilnehmenden: »Es ist ein Segen, dass Sie beide bei uns sind!« Im Herbst 2017 traut der Bürgermeister das Paar nochmals, nun als vollgültige standesamtliche Ehe. Bei so viel Glück und Segen ist es nur angemessen, dass das Paar anschließend noch ein drittes Mal miteinander Hochzeit feiert.


Dem Segen Gottes nicht im Wege stehen

Der Zugang zur Thematik allein über die Kategorisierung als »Problemfall« wird dem Phänomen nicht gerecht. Zunächst sind einfach auch einmal Beispiele gesegneter Partnerschaft wahrzunehmen, die es häufiger gibt als gedacht. Das Glück gesegneter Partnerschaften wahrnehmen und dafür zu danken, das wäre jetzt dran! Denn diese Partnerschaften haben sich gegen widrige Kontexte durchsetzen müssen. Ihr Glück wird wohl als emergentes Wirken des Heiligen Geistes gedeutet werden dürfen.

Zum anderen: Die Haltung von Kirchenfunktionären hängt entscheidend davon ab, ob sie wirklich in ihrer näheren Umgebung solche gelingenden Formen homosexueller Lebensformen erlebt haben oder nicht.

Zum dritten: Die gleichgeschlechtlichen Paare sind keine Bittsteller, die um den Segen der Kirche betteln müssten. Die derzeitigen Debatten laufen teilweise so, dass sich die Kirchen in ganz unevangelischer Weise als Schatztruhenverwalter des göttlichen Segens missverstehen. In Wahrheit können sie doch nur einen Rahmen dafür bereitstellen, um den Segen Gottes zu bitten und ihn herbeizurufen, natürlich nie magisch, sondern als intensivierte Form von Bitte mit gleichzeitigem Zuspruchscharakter. Das Wesentliche geschieht dabei zwischen den zu Segnenden und Gott direkt.

Eine erste ganz unevangelische »Häresie« kommt damit angesichts der aktuellen Debatten in den Blick: Die Institution Kirche drängt sich als Verwalterin des göttlichen Segens in den Weg zwischen den Segensbegehrenden und Gott. Sie nimmt sich selbst zu wichtig und überhebt sich dabei. In Wahrheit wäre es ihre Aufgabe, dem Segenswirken Gottes möglichst wenig im Wege zu stehen. Segens-Räume zu kultivieren, wäre also erste pastorale Pflicht, nicht den Segen mit abstrakt-dogmatischen Grenzpfählen abzuzirkeln und auszugrenzen.


»Wir sind nicht wirklich gewollt«

Mein praktisch-theologischer Kollege Traugott Roser beschreibt autobiographisch die Bedeutung des Segens für ihn und seinen im Jahr 2006 an Krebs sterbenden damaligen Lebenspartner:

»Während der Monate der Krankheit und im Angesicht des Todes begriffen Jürgen und ich, wie wichtig es war, den Glauben des anderen zu teilen und wahrzunehmen, dass wir es ohne Gottes Segen nicht geschafft hätten, in guten Zeiten wie in Zeiten des Leidens und der Krankheit zusammenzubleiben – in den Jahren des ›Coming-out‹ vor uns selbst, vor unseren Familien, vor unserer Kirche. Freunde im Glauben hatten uns geführt; Seelsorger in der Onkologieabteilung hatten Stunden und Stunden gegeben, um Jürgen dabei zu helfen, mit seiner unheilbaren Krankheit fertig zu werden; ein religiöser Arzt hatte Jürgen geholfen, seine eigene Spiritualität zu erforschen. Glauben und Vertrauen in einen liebenden Gott waren mit ihm und uns, bis ganz am Ende und darüber hinaus. Unsere Bischöfin kam und betete mit uns, kurz bevor Jürgen starb, und ein Krankenhausseelsorger segnete schließlich unsere Partnerschaft. Ich kann mir nicht vorstellen, was geschehen wäre, wenn uns niemand liturgisch glaubhaft gemacht hätte, dass Gott mit uns war.

Aber ich würde meinen, dass zehntausende Frauen und Männer vor uns genau dies erleiden mussten: Sie wurden von allen liturgischen Formen ausgeschlossen, die anerkannten, dass sie Kinder Gottes waren und blieben – auch wenn sie Bett, Tisch und Leben mit einem Menschen des gleichen Geschlechts teilten.«4

Und I., Teil eines gesegneten lesbischen Paares, berichtet: »Mir war Gottes Segen eben total wichtig, als gläubige Katholikin. Aber da bekomme ich keinen Segen, auch wenn ich mich auf den Kopf stelle. In der evangelischen Kirche sollten wir auch erst in der Sakristei feiern. Das wurde uns angeboten, aber ehrlich gesagt hat sich das total seltsam angefühlt und wir haben uns überhaupt nicht ernstgenommen gefühlt. Wir sind doch keine Christinnen zweiter Klasse! Die Pfarrerin hat uns dann außerhalb einer Kirche getraut. Zum Glück war sie so souverän, ansonsten weiß ich nicht, was wir hätten tun sollen.«5

Birgit Mattausch, Pfarrerin der Württembergischen Landeskirche, hat sich bereits kurz nach der synodalen Ablehnung der öffentlichen Segnungsfeier vor Weihnachten 2017 an diejenigen Synodalen gewandt, die nicht für eine Segnung gestimmt haben. In einem viel beachteten Facebook-Posting schreibt sie: »Liebe Geschwister, wisst ihr was? Von mir aus könnt ihr gern die Kirchen in Württemberg haben, die Kanzeln, die Plätze vor dem Altar, alle Sitze in der Synode, alle in den Kirchengemeinderäten. Ihr könnt den nächsten Bischof stellen und alle Prälaten (Prälatinnenkandidatinnen gibt’s, glaub ich, in euren Reihen nicht so viele). Ihr könnt eure Art zu leben zum Maßstab fürs Christ*insein erklären und Gendersternchen-Verwendung unter Strafe stellen, wenn ihr schon dabei seid. Aber ihr könnt uns andere nicht von Jesus trennen. Ihr könnt uns unsere Liebe zu ihm und zu seinem Wort nicht nehmen. Ihr könnt es nicht rückgängig machen, dass Gottes Sohn einer war und einer ist, der nicht passt und der die liebt, die nicht passen. Jesus passt nicht in euer aufgeräumtes Sagrotanleben mit euren sauberen Vorgärten, euren angeblich dauerglückenden Ehen, euren schriftgemäßen Sexualpraktiken. Deshalb: Nehmt ihr die Kirchen, die Agenden, die Gesetze, die ganze Württembergische Landeskirche. Wir anderen gehen so lang hinaus ins Freie. Wir gehen auf Wiesen, in Häuser, Unterführungen, Cafés. Dort segnen wir einander und wir segnen das, was zwischen uns ist. Jesus ist genauso bei uns.«6


Versöhnungsarbeit ist angesagt

Es gibt neben guten Erfahrungen mit Amtsträger*innen auch tiefe Verletzungen durch das Verhalten von Funktionsträgern der Kirchen und durch deren Äußerungen. Ja, mittlerweile auch regelrechte Wut. Sie stehen heutigen Bemühungen um Segensrituale im Weg und müssen erst aufgearbeitet werden. In Kontexten wie dem württembergischen ist echte Versöhnungsarbeit angesagt. Wie das ausgehen wird, ist offen. Und es gibt ein teils erstaunliches »Dennoch«-Festhalten am Wunsch nach Segenserfahrung durch die »Betroffenen« (wofür diese sich übrigens in den einschlägigen Internetforen von anderen kirchenkritischen Blogbeiträgen verhöhnen lassen müssen).

Die rituellen Formen spielen dabei eine wichtige Rolle. Es kommt schon darauf an, welche Form von Öffentlichkeit und welcher Ort und welche Formulierungen für den Segen zur Verfügung stehen.


Theologische Begründungsmuster für die Ehe

Weil es keine geklärte »kirchenamtliche« evangelische Theologie der Ehe gibt, finden sich in den aktuellen Diskursen regelmäßig Anleihen bei unevangelisch-ontologischen und sakramental-katholischen Vorstellungen von Trauung und Ehe. Demgegenüber ist festzuhalten: »Die Ehe ist nach reformatorischer Überzeugung also ein ›weltlich Ding‹, d.h., eine Institution mit weltlicher Ordnungsfunktion. Sie ist primär ein Rechtsinstitut. Luther betont deshalb, dass die konkrete Gestaltung der Eheschließung Sache der weltlichen Obrigkeit sei. Wenn das aber so ist, dann ist es begründungsbedürftig, dass mit der Eheschließung überhaupt ein kirchlicher Akt verbunden ist. Genau genommen, ist es sogar ziemlich überraschend, dass es unter reformatorischen Bedingungen die kirchliche Trauung gibt. Luther ist das sehr wohl bewusst. In seinem ›Traubüchlein‹ betont er, dass die Eheschließung ein bürgerlicher Akt ist. Das Eheversprechen wird denn auch vor der Kirchentür abgelegt. Der Pfarrer (nach Luther kann es auch ein ›Laie‹ sein) handelt hier im Auftrag der weltlichen Obrigkeit. Der darauffolgende Gottesdienst ist ein Segens- und Fürbittgottesdienst. […] Der Traugottesdienst – präzise eigentlich: der Gottesdienst anlässlich einer Trauung – hat also die primäre Aufgabe, das Paar des göttlichen Beistands zu versichern: durch Fürbitte und durch Segen. Wichtig ist Luther auch, durch Verkündigung zentraler biblischer Aussagen zur Ehe dem Paar das Vertrauen zu vermitteln, dass die Ehe eine gute Einrichtung Gottes ist.«7

Überblickt man mögliche theologische Begründungsmuster der Ehe, so sind drei Hauptstränge zu unterscheiden:


Schöpfungstheologie

Schöpfungstheologisch erscheint die Ehe als Gottes Stiftung und dem Menschen vorgegebene Ordnung. Sie kann sich verbinden mit der Vorstellung, dass nur in ihr die Triebkräfte der Sexualität human gebunden werden könne (Triebkanalisierungsaxiom), dass in ihr die Verschiedenheit und Ergänzung der Geschlechter exemplarisch zum Ausdruck komme (Verschiedenheits- und Ergänzungsaxiom) und sie den Raum für Fortpflanzung biete (Generativitätsaxiom).

Die spezifische Gefahr dieser Argumentationen liegt darin, die »Schöpfung« naturrechtlich als »Schöpfungsordnung« ungeschichtlich zu ontologisieren und so die kulturelle Formung der Institution Ehe zu übersehen. Auch Karl Barth ist übrigens dieser Gefahr erlegen, indem er das Ergänzungsaxiom mit fatalen (und von ihm am Lebensende bedauerten) Folgen für die Einschätzung homosexueller Beziehungen ideologisch überhöhte.8


Christologie

Christologisch bzw. sakramental-theologisch kann die Ehe als Gleichnis der Liebe Gottes in Christus erscheinen (nicht nur in der röm.-kath. Theologie, sondern etwa auch bei Karl Barth), in ihr spiegelt die wechselseitige ganzheitliche dauerhafte Anerkennung die Treue Gottes. Innerhalb dieser Argumentation kann die Generativität sekundär werden, die Ehe ist schon als Beziehung der zwei Partner Symbol und Gleichnis der Gemeinschaftstreue Gottes.

Die spezifische Gefahr dieser Argumentation liegt darin, dass (selbst dort, wo ein Verständnis als Sakrament dezidiert abgelehnt wird) die Ehe tendenziell Heilsbedeutung gewinnt oder zumindest als Spiegelung des Heils überfordert wird und die Binarität und Differenz der Geschlechter unreflektiert mit der Unterscheidung von Gott und der Gemeinde gleichgesetzt wird.


Pneumatologie

Pneumatologisch kann die Ehe als Existenzform geistgewirkter kommunikativer Freiheit in Glaube, Liebe und Hoffnung begriffen werden. Als Charisma kennt sie geschichtlich ganz unterschiedliche Ausprägungen und ist den Menschen als hilfreiche Lebensform angeboten. Die biologische Generativität kann dazugehören, muss es aber nicht.

Die spezifische Gefahr dieser Argumentationslinie liegt darin, den romantischen Liebesgedanken zu überbetonen und damit die Partner wiederum zu überfordern.


Wer heute sich theologisch-ethisch zur Ehe äußern will, wird sich zu diesen Argumentationslinien erklären müssen. M.E. käme es auf eine trinitarische Ausbalancierung der drei Begründungslinien an, wobei ein pneumatologischer Akzent und damit eine Öffnung für vielfältige Formen wünschenswert und naheliegend wäre.

Weiter zu diskutieren sind bezüglich der Theologie der Ehe in jedem Fall, welche Bedeutung und welches Gewicht Generativität und gegenseitige Ergänzung erhalten sollen. Dass die gegenseitige Bereicherung und Ergänzung nicht an die Verschiedenheit des biologischen Geschlechts gebunden ist, ist anhand der Erfahrungsberichte gleichgeschlechtlicher Paare einsichtig. Und dass auch in gleichgeschlechtlichen Beziehungen Generativität möglich ist (aber eben auch nicht sein muss, wie auch sonst in keiner Ehe), ist ebenfalls zwischenzeitlich offensichtlich. Es ist ein Rückfall hinter bereits 1971 in der EKD-Denkschrift zur Sexualethik erreichte Positionen, wenn neuerdings von konservativer Seite und evangelikaler Ethik primär das Fruchtbarkeitsargument gegen eine Gleichrangigkeit und für ein »ontologisches Manko« der homosexuellen Beziehung ins Feld geführt wird – und eine beleidigende Diskriminierung von kinderlosen Ehen und Altersehen dazu.


Worauf zielt der kirchliche Segen?

Bezüglich des kirchlichen Hochzeitssegens wird jedenfalls (auch bei den Formulierungen, die jetzt allerorten für die Segnungs-Agenden neu entwickelt werden) darauf zu achten sein, worauf der Segen eigentlich zielt: Zielt er (wie herkömmlich oft – auch kontrafaktisch – unreflektiert unterstellt) auf Fortpflanzung und Familie (als generativer Segen), oder auf eine erfüllte Liebesbeziehung und Versöhnungsbereitschaft (Shalom-Segen) oder auf die gemeinsame Entwicklung der Charismen und die Eröffnung eines gemeinsamen Zukunftsraumes und die Lebensentfaltung im Segensraum der Ehe (konfirmativer Stärkungs-, Schutz- und Entwicklungssegen als »Reise-Segen« für den Ehe-Weg)?

Weil hier innerkirchlich vieles noch unklar bzw. wenig diskutiert ist, dürften die Dispute um die genauen Formen der Segnungsgottesdienste für gleichgeschlechtliche Ehepaare auch noch weiter anhalten. In jedem Fall ist jedoch zu empfehlen, den Segenszusprüchen das Schwergewicht zu verleihen und Reste von Kopulationsformeln (die aufs Standesamt gehören) eher zurückzudrängen, auch wenn das Wiederholen des gegenseitigen Treue-Versprechens (samt Ringwechsel) im Angesicht Gottes (nicht: des Pfarrers/der Pfarrerin!) durchaus auch Sinn ergeben mag.


Segenstheologische Perspektiven

»Segnen« meint (am lateinischen Begriff benedicere gut ablesbar): gutheißen. Wenn Gott gutheißt, entsteht gutes, gelingendes Leben. Wenn wir (mit Gott) segnen, erinnern wir ihn und fordern ihn dazu auf (daher der eigenartige Jussiv in der 3. Person), dieses »Gutheißen« zu vollziehen. Zugleich loben wir ihn damit selbst (Segnen als Gotteslob). Was Gott gutheißt, ist Sache der Glaubenserfahrung in der Geschichte des Volkes Israels wie der Kirche (aber auch darüber hinaus in anderen Religionen). Auf bestimmten Feldern menschlichen Lebens (Lebensformen, Passagesituationen, bestimmte Herausforderungen, Personen, ggf. auch Sachen) erkennen die Glaubenden besonders ausgewiesene »Segensräume«, in denen Gottes Gutheißen regelmäßig erfahren wird oder regelmäßig besondere Bedürftigkeit dieses Gutheißens empfunden wird:

a) die Lebensform von Ehe und Familie
b) Mahlzeiten (Tischsegen)
c) Aufnahme von (immer auch riskanten) Wegen und Reisen (Reisesegen)
d) Beauftragung von Personen mit Aufgaben besonderer Verantwortung (Ordination, Einsegnung)
e) Schwellensituationen im Leben (Taufsegen, Konfirmationssegen, Valetsegen).

Auf manche dieser »Segensräume« wird in biblischen Texten schon klar hingewiesen, andere wurden in der Geschichte des Christentums erst aus der Erfahrung heraus entdeckt. Um Segen zu erbitten, braucht es keinen biblischen »Einsetzungsbericht« (wie er für die Sakramente in der Tat notwendig ist, was die Sakramente, die immer auch Segenshandlungen sind, von ihnen unterscheidet). Entscheidend ist, dass die Gläubigen den Segensraum als solchen identifizieren und Gottes gutheißendes Wirken darin spüren. Hier hat es geschichtlich auch immer wieder Veränderungen gegeben. Waffen wurden gesegnet – heute mit guten Gründen nicht mehr. Feuerwehrautos werden mancherorts gesegnet, andernorts bewusst nicht. Ob Tote noch gesegnet werden sollen (Valet-Segen), ist bis heute strittig. Segen ist kein übergeschichtliches Geschehen, sondern immer kontextuell und aktuell und daher je neu zu identifizieren.

Die Kirche(n) verwalten nicht den Segen (den es auch ohne ihre Billigung faktisch gibt), sondern erbitten ihn und halten bewusst Räume und Rituale für ihn offen. Ihre immer neue Aufgabe ist, dem Segenswirken Gottes nicht im Wege zu stehen, sondern rituelle »Raumpfleger« für den Raum des Segens zu sein.


Der theologische Sinn der kirchlichen »Trauung«

Die kirchliche »Trauung« ist nichts anderes als ein ritueller Segnungsgottesdienst für das Paar anlässlich des staatlichen Aktes der Eheschließung. Mit ihm wird zugleich die Lebensform der Ehe (und Familie) ethisch gut geheißen. Sie ist nach evangelischer Lesart dezidiert kein Sakrament und nicht direkt in ihrer heutigen Form biblisch legitimiert (wohl jedoch einer evangelischen ethischen Verantwortungsethik besonders gut entsprechend und daher kirchlicherseits ausdrücklich als Lebensform der Verbindlichkeit begrüßt und gefördert). Der erbetene Segen bezieht sich zunächst auf das Traupaar (denn er gilt auch kinderlosen Paaren), schließt aber die Öffnung für möglichen Nachwuchs ein.

Wenn die Kirche auch in anderen partnerschaftlichen Verbindungen Gottes Gut-Heißen erkennen kann, sollen auch diese gesegnet werden. Es liegt besonders nahe, andere Lebensformen als die Ehe zu segnen, wenn der Staat andere Beziehungsformen als die heterosexuelle Ehe ebenfalls als förderungswürdige Lebensform heraushebt und fördert. Dies war seit 2001 nur für die Eingetragene Lebenspartnerschaft neben der Ehe der Fall, seit Ende 2017 auch für die gleichgeschlechtliche Ehe (in Frankreich gibt es daneben noch den PACS: Pacte civile de solidarité). Für sie stellte sich daher in besonderer Weise die Frage nach einer möglichen Segnung durch kirchlich-rituelle Segnungsgottesdienste. Die Erfahrungsberichte mit Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft zeigen nun, dass in dieser Lebensform in gleicher Weise verbindliche, verantwortliche und treue Partnerschaft gelebt wird wie in der Ehe. Und auch bei Paaren in Eingetragener Lebenspartnerschaft oder gleichgeschlechtlicher Ehe kann sich der Lebensraum zur verantwortlichen Familie mit Kindern erweitern. Machen sich die Kirchen diese Einschätzung zu eigen, müssen sie anerkennen, dass auch diese Lebensform zum Segensraum Gottes werden kann und auch für diese Lebensform daher der Segen rituell erbeten werden soll und kann. Theologisch gibt es dabei – ausgehend von einer verantwortungsethischen evangelischen Ethik – keinen prinzipiellen Unterschied zwischen der Segnung einer heterosexuellen Ehe und der Segnung eines Paares in eingetragener Partnerschaft oder gleichgeschlechtlicher Ehe. Deshalb muss auch die Form des Rituals vergleichbar sein.


Segnung vs. Trauung – ein Streit um Worte?

In etlichen Kirchen (wie der EKHN, der badischen Landeskirche, der Nordkirche und der EKBO) ist das inzwischen auch geschehen. Andere Kirchen wollen um jeden Preis an einer Unterscheidung der Gottesdienste für heterosexuelle und homosexuelle Paare festhalten und bemühen dazu die terminologische Unterscheidung zwischen »Trauung« und »Segnungsgottesdienst« (so in der ELKB). Das ist wenig überzeugend und wirkt eher wie ein theologischer Taschenspielertrick, um die Kritiker im kirchlichen Boot zu halten. Der einzige rational nachvollziehbare Grund, warum man im einen Fall von »Trauung« (der heterosexuellen Ehe) und im anderen Fall von »Segnungsfeier« (der eingetragenen Lebenspartnerschaft oder gleichgeschlechtlichen Ehe) hätte sprechen können, ist, dass die beiden Kasus bis 2017 auch beim Staat noch unterschieden wurden. Die unterschiedliche Terminologie wäre dann nicht auf eine theologische Begründung zurückzuführen gewesen, sondern würde auf die unterschiedlichen staatlichen Anlässe des Segensrituals verweisen. Zu berücksichtigen ist jedoch, dass die betroffene Zielgruppe überwiegend solche terminologischen Differenzierungen als unberechtigte Diskriminierung erlebt und scharf kritisiert hat. Mit der staatlichen Öffnung der Ehe für alle ist allerdings diese Restlegimitierung für eine terminologische Differenzierung weggefallen. Und theologisch kann nur mit Anleihen an ein sakramentales röm.-kath. Eheverständnis eine Differenz zwischen der auf Geschlechtsbinarität und Generativität fixierten Trauung und Segnungsgottesdiensten für homosexuelle Paare gezogen werden.

Verantwortlich evangelisch argumentiert, ist jede Trauung eben nur ein Segnungsgottesdienst anlässlich eines staatlichen Aktes einer Eheschließung. Ob es sich lohnt, deshalb jetzt seitens der »Betroffenen« gegen den kirchenpolitischen Zwischenschritt einer terminologischen Differenzierung anzurennen, ist eine Frage der kirchenpolitischen Einschätzung. Man könnte ja auch um die theologische Sinnlosigkeit der Unterscheidung wissend gelassen darüber hinweggehen. Näherliegend als den Trauungsbegriff nun sakramental zu überhöhen wäre es allerdings allemal gewesen, den Kairos zu nutzen, um sich innerkirchlich völlig von diesem missverständlichen Begriff zu lösen und für alle Formen von kirchlichen Ritualen nach der Eheschließung nur noch von »Segnungsgottesdiensten« und »kirchlicher Hochzeit« zu reden. Und sich deutlicher als bisher bewusst zu machen, dass nicht die Kirche den Segen spendet, sondern lediglich darum bittet und dabei Lebensformen als mögliche Segensräume markiert.

Wichtiger als die terminologischen Finessen wäre im Übrigen angesichts des oben Berichteten, dass sich das nun endlich mögliche rituelle Angebot mit einem expliziten kirchlichen Schuldbekenntnis gegenüber den homosexuellen Paaren wie Einzelnen verbände, denen diese Möglichkeit Jahrzehnte vorenthalten wurde. Dass so etwas auch in lutherischen Kirchen möglich ist, hat Landesbischof Dr. Meister in Hannover bei der Tagung der Landessynode im Herbst 2017 in exemplarischer Weise bewiesen. Die im Sommer vom Bundestag beschlossene Ehe für alle begrüßte Meister dabei ausdrücklich, weil sie die Ehe nicht schwäche, sondern stärke.

Aus theologisch-ethischer fachwissenschaftlicher Sicht stützt Peter Dabrock diese Position am Ende eines lesenswerten Beitrags zum Thema: »Jeder darf sein, wie er ist, wenn er andere dabei nicht verletzt. Seine sexuelle Orientierung, weil sie Ausdruck leiblichen Daseins ist, verdient nicht nur Toleranz, sondern Akzeptanz, wo sie niemanden schädigt, aber ihre Nichtbeachtung Schaden bringt. Was im weltlichen Recht im Gefolge dieser Einsichten praktisch geworden ist, sollte auch in der Kirche, die mit Gal 3,28 einen noch viel tieferen Grund für die Gleichwürdigkeit der Christen untereinander hat, endlich volle Gestalt finden. Die Aufhebung der künstlichen Differenz zwischen der Trauung heterosexueller Paare und der Segnung homosexueller Paare wäre das sichtbare Zeichen dazu.«9


Anmerkungen:

1 Homepage der ELKB: https://trauung.bayern-evangelisch.de/segen-gleichgeschlechtlicher-paare.php (Abruf 20.9.2018) Die Homepage zitiert wiederum die Fürther Erklärung der Landessynode von 1993.

2 Martin Steinhäuser, Homosexualität als Schöpfungserfahrung. Ein Beitrag zur theologischen Urteilsbegründung, Stuttgart 1998, 301.

3 Manfred Josuttis, Kirche zwischen Angst und Macht. Zur Entlassung homosexueller Pfarrer aus dem kirchlichen Dienst, in: JK 47 (1986), 412-416, 416 (zit. bei Steinhäuser, Homosexualität, 405, Anm. 997).

4 Traugott Roser, Worship Wars – Eine narrativ-liturgische Position zur Auseinandersetzung um liturgische Feiern homosexueller Partnerschaften, in: Eva Harasta (Hg.), Traut euch. Schwule und lesbische Ehe in der Kirche, Berlin 2016, 96-113, 108.

5 Statement (anonym), in: Peter Bubmann/Silvia Jühne/Anne-Lore Mauer (Hg.), Trauung, Segnung, Hochzeitsfeier? Dokumentation zum Studientag zur liturgischen Begleitung von Lebenspartnerschaften in der ELKB, Erlangen 2017, 46.

6 Zitiert nach: https://www.evangelisch.de/blogs/kreuz-queer/147898/20-12-2017 (Abruf 26.1.2018).

7 Bernd Oberdorfer, Ehe und Segnung – Systematische Perspektiven, in: Bubmann/Jühne/Mauer; Trauung, Segnung, Hochzeitsfeier? (s.o. Anm. 5), 23-32, 24f.

8 Vgl. Karl Barth, KD III/4, 184f.

9 Peter Dabrock, Warum die Bibel für die evangelisch-theologische Ethik viel, aber nicht alles bedeutet – Überlegungen angesichts der noch immer nicht verstummten Debatte um die Anerkennung homosexueller Orientierung, in: Eva Harasta, Traut euch (s.o. Anm. 4), 42-76, 76 [wiederabgedruckt in: Bubmann/Jühne/Mauer, Trauung, Segnung, Hochzeitsfeier? (s. o. Anm. 5)].

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Peter Bubmann, Jahrgang 1962, evang. Theologe und Kirchenmusiker, seit 2002 Prof. für Prakt. Theologie in Erlangen; Schwerpunkte in Forschung und Lehre: Grundfragen christlicher Bildungstheorie und Religionspädagogik, Konzeptionen und Inhalte ästhetischer, liturgischer und ethischer Bildung in Religionsunterricht und kirchlicher Bildungsarbeit, Verhältnis von Musik und Religion.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2019

2 Kommentare zu diesem Artikel

01.06.2019
Ein Kommentar von Fritz Herrenbrück


P. Bubmanns Anmerkung 1 beweist nicht, was der Leser dringend erwartet: einen hieb- und stichfesten Beweis, dass Gleichgeschlechtlichkeit konstitutionell sei, die Kirche deshalb einen Irrweg beschritten habe! In der Fürther Erklärung von 1993, Abschn. 4, heißt es, im deutlichen Gegensatz der Ausführungen von B. Bubmann: „Eine gottesdienstliche Segenshandlung (Trauung) für homophile Partnerschaften halten wir nicht für möglich.“ Der Artikel verkennt a) die Antwort Jesu in Lukas 10,26: "Was steht im Gesetz/tora geschrieben? Wie liest du [dort] (pōs anaginōskeis)" - z.B. Lev 18,22? - und b) Lukas 10, 33.37: der Samaritaner wird nicht wegen seines Helfer-Syndroms erwähnt, sondern weil er "von den Frommen verachtet und gemieden" wurde, "bei den Juden als Ketzer" galt (so in den Sach- und Worterklärungen, Luther-Bibel 1987, S. 34). Der Nächste ist hier der (Volks-)Feind. P. Bubmann wechselt die original jesuanische Zielrichtung gegen oberflächliche, letztlich nicht sachgemässe humanistische Ethik und Moral aus. Eine Kirche, die nach diesem Muster handeln soll, ist nicht nur gefährlich, weil sie mit falschen Mitteln heilen und helfen will, sondern auf katastrophalem Irrweg. Die Frage nach der Ursache von Gleichgeschlechtlichkeit bedarf dringend einer auch unsere Zeit in ihren Denkvoraussetzungen darstellenden Tiefen-Analyse. Plato usw. wird dabei nicht das erste und das letzte Wort haben. Wie Nietzsche im Zarathustra zeigt, werden sich Geisteswissenschaften aufgerufen sehen, hinter Plato und die Griechen zurückzugehen, um gegenwärtige Denkfesseln ablegen zu können.
19.05.2019
Ein Kommentar von Michael Drifte


»Weil die herkömmlichen Argumente gegen die Homosexualität nicht mehr tragfähig sind, wird jetzt eine Begründung konstruiert, die die Ehe zum Glaubensartikel erklärt. Im Kampf gegen die Homosexuellen gefährdet die Kirche sich selbst.« - Zitat aus diesem Beitrag. Ich frage mich über welche Autorität hier diskutiert wird. Sowohl im AT als auch im NT ist die Aussage der Schrift zu diesem Thema eindeutig. Oder will man auch dieses Wort auch in Frage stellen: "Jesus Christus gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit". Ist die Abkehr vom Wort Gottes vielleicht der Grund mit dem sich die Kirche selbst in Frage stellt und damit langsam aber sicher stirbt?

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