Birger Forell zum 125. Geburtstag
»Dann hat Gott uns nicht vergessen«

Von: Klaus Loscher
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Im vergangenen Jahr waren es 125 Jahre, seit Birger Forell geboren wurde. Als »Vater der Kriegsgefangenen und Flüchtlinge« ist Birger Forell bis heute bekannt. Am 22. und 23. September 2018 beging die Caroli-Gemeinde Borås in Südschweden mit verschiedenen Kulturaktivitäten in Zusammenarbeit zwischen der Stadt Borås, dem Bistum Skara, der Hochschule Borås sowie anderen Kirchen und deutschen Organisationen dieses Jubiläum ihres einstigen Hauptpastors. Klaus Loscher hat die Feierlichkeiten besucht.


Das Jubiläum, das die südschwedische Gemeinde Borås zu Ehren des 125. Geburtstags ihres ehemaligen Hauptpastors Birger Forell im September 2018 feierte, hatte der jetzige Hauptpastor Stefan Hiller seit 2016 vorausschauend geplant. Zwei Hauptvorträge, die im Audimax der Hochschule Borås einem interessiert lauschenden Publikum in simultaner Übersetzung geboten wurden, beschäftigten sich näher mit dem Lebenswerk Forells. Den Anfang machte der Schwede Dr. Johan Sundéen. Er bezeichnete Forell als dritten großen Schweden neben Folke Graf Bernadotte und Dag Hammarskjöld. Sundéen, Historiker an der Universität Borås, arbeitet seit Jahren am Lebenswerk Forells und wird in Kürze seine Biographie über diesen großen und doch so bescheidenen Menschenfreund abschließen können. Für seine langjährigen Forschungsarbeiten wurde ihm ein Award in einer Feierstunde überreicht. Den zweiten Vortrag hielt der Verfasser selbst zu dem Thema »Birger Forells Gründung der Theologischen Schule im Norton Camp und seine Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen in England (1944 bis 1948)«.

Forells soziale Taten in verschiedenen Bereichen lassen sich für Sundéen in drei Kategorien gliedern: 1. Forells Information als Pfarrer der Svenska kyrkan in Berlin: 13 Jahre hindurch hat er das freie Europa über die NS-Zeit in Deutschland und die Wirklichkeit des Dritten Reiches unterrichtet. 2. Forells Arbeit mit den deutschen Kriegsgefangenen im englischen Empire. 3. Forells humanitäre Hilfe für das große Not leidende Deutschland.


In der Schule Rudolf Ottos

Forell wurde am 27. September 1893 in Söderhamn geboren. Sein Vater war Kutscher, die Mutter Näherin. Nach dem Besuch der Handelsschule in Karlsstad, arbeitete er zunächst als Lehrer. 1915 bestand er das Abitur als Externer und trat in die Theologische Fakultät der Universität Uppsala ein. 1919 legte er hier das Erste Theologische Examen ab.

Im gleichen Jahr durfte er zum Weiterstudium nach Deutschland reisen, und zwar nach Marburg. Hier zog ihn vor allem der Religionswissenschaftler Rudolf Otto mit seinem theologischen Bestseller »Das Heilige« in seinen Bann. Durch dieses Werk fand der junge Forell zu seiner eigentlichen Berufung, die bei ihm eine Persönlichkeitsveränderung bewirkte. Der in sich gekehrte Forell wurde zu einem Freund der Menschen, ganz gleich welcher Religion und welchen Standes, geprägt von Toleranz und Güte.

Zunächst aber legte er 1921 in Schweden das Zweite Theologische Examen ab, wurde zum Pfarrer ordiniert und als Seemannspfarrer in Rotterdam eingesetzt. Hier heiratete er Calise Strindberg, die ihm drei Söhne gebar. 1926 erfolgte seine Versetzung in eine ländliche Gemeinde Mittelschwedens. Kaum aber hatte er dieses Gemeindepfarramt angetreten, als ihn sein Marburger Professor Rudolf Otto (gest. bereits 1937) aus seiner Abgeschiedenheit holte. Als sein Assistent unternahm er 1927 eine Forschungsreise durch Indien. Sie führte ihn unter anderem zu einer eindrucksvollen Begegnung mit Mahatma Gandhi. Die Reise hatte das Ziel, »Verbindungen mit Bekennern fremder Religionen für eine organisierte Zusammenarbeit in den Lebensfragen der Menschheit aufzunehmen«.


Vision eines vereinten Europa

Im Jahr 1929 wurde Birger Forell Legationspfarrer an der schwedischen Victoria-Gemeinde in Berlin. Durch Berichte und Artikel in den Zeitungen schilderte er seinen Landsleuten den Zustand in Deutschland. Es gelang ihm, Seelsorge und Diakonie in der Praxis zu verbinden. Forell sah immer den ganzen Menschen vor sich, ohne Rücksicht auf Stand oder Beruf, der sowohl geistliche als auch materielle Hilfe benötigte. Ein Abgeben dieser Verantwortung gab es für ihn nicht.

Nach 13 Jahren Dienst in Berlin wurde Forell 1942 zum Hauptpastor von Borås berufen. Sein Herz hing jedoch an einem vereinten Europa, damit war er jedoch seiner Zeit weit voraus. So wusste er auch um das Ganze: Sein Leitsatz auf der Grundlage von 1. Kor. 12,26 war immer der Ökumene verpflichtet: Wenn ein Glied leidet, leiden alle! Etwa ab dieser Zeit baute er auch lokale Netzwerke auf und gewann Freiwillige, die mithalfen, etwa bei der Kleidersammlung. Er mietete hierzu in Borås ein Lokal, in dem die gespendeten Kleider gewaschen werden konnten, ehe sie an die Kriegsgefangenen weitergereicht wurden. Der Menschenfreund Forell erkannte in der Masse der Heimkehrer an deren psychischer Verfassung sogleich diejenigen, die aus der Sowjetunion kamen und stattete sie mit neuer Bekleidung aus. Durch Forell erhielten die Menschen aber vor allem ein Fenster, um auf die Welt zu schauen und zu sehen, was in Europa alles zerschlagen wurde.

Im September 1945 besuchte Forell von England aus zum ersten Mal das zerstörte Deutschland. Erschüttert sah er die unzähligen Ruinen in Aachen und Düsseldorf und zwei Tage später die von Dortmund. Überall herrschte größte Wohnungsnot. Forell verfasste über dieses Grauen einen Bericht von zehn Seiten. Er selbst handelte sogleich und gründete zusammen mit seiner Frau Calise das »Borås-Komitee für christliche Nachkriegshilfe«, das die Basis für Forells Deutschlandhilfe wurde. Ihm wurde klar, dass Gott ihn berufen hatte, um dem deutschen Volk zu helfen. Mit Vorträgen über die Lage in Deutschland sowie in Predigten verdeutlichte er seinen schwedischen Landsleuten die Notwendigkeit ihrer Unterstützung. Er kritisierte aber auch seine abwartende schwedische Kirche, die nach seiner Meinung zu wenig engagiert den Kampf gegen die Armut und das menschliche Elend anging. Diese warf Forell ihrerseits vor, er sei zu sehr deutschfreundlich!

Für Johan Sundéen besteht Forells schwedische Erbschaft darin, dass der Prophet gemäß dem Bibelwort »nichts in seinem Vaterland gilt«. Bereits 1960 hieß es von ihm im Ausland sinngemäß: »Wenn jemand verdient, eine Legende zu sein, dann müsste es Birger Forell sein. Er aber liebte das Kameralicht nicht, wollte nicht im Licht stehen!« 1990 wurde er sogar als ein »schwedischer Schindler« bezeichnet.


Tiefe Liebe zu Deutschland

Lordbishop Georg Bell of Chichester bat im Jahre 1944 die englische Kirchenleitung um Forell zur Betreuung der deutschen Kriegsgefangenen, der Prisoners of War (POWs). Bell hielt Forell für den besten Mann zu diesem gewaltigen Dienst an den insgesamt 400.000 POWs in den 1400 Camps des britischen Empire. Er kannte Forell von dessen hingebungsvoller Tätigkeit im Kirchenkampf in Berlin. Was mag den schwedischen Erzbischof Erling Eidem bewogen haben, Bells Ansicht beizupflichten, war Forell doch erst 1942 zum Hauptpastor von Borås ernannt worden? Für Forell sprach zunächst seine tiefe Liebe zum deutschen Volk, die während seiner Studienzeit in Tübingen und vor allem in Marburg gewachsen ist und durch seinen nahezu 13-jährigen Dienst als Legationspfarrer an der schwedischen Gesandtschaft im diplomatischen Corps und an der schwedischen Victoriagemeinde in Berlin verstärkt worden war. Außerdem beherrschte er die deutsche Sprache fließend. Am 3. Februar 1944 gab Forell seinem Bischof Eidem eine zustimmende Antwort. Auch Frau Calise bejahte: »Det är självklart, Du måste resa!« Forells vier Boråser Amtsbrüder und das Domkapitel zu Skara befürworteten seinen Weggang nach England ebenfalls und beurlaubten ihn für ein Jahr. Er erhielt das Recht zugesichert, sein Amt in Borås danach wieder übernehmen zu dürfen.

Als Auftraggeber für Forells Dienst galt die schwedische Organisation »Hjälp Krigets Offer, die 1939 von Magister Hugo Cedergren, dem Schwager von Graf Folke Bernadotte gegründet worden war. Ihr schlossen sich alle kirchlichen Organisationen in Schweden an. Ihre Hauptaufgabe war, die Arbeit des Weltbundes der YMCA unter den Kriegsgefangenen und Flüchtlingen zu fördern. Zu deren Betreuung wurden sog. Kriegsgefangenensekretäre entsandt. Finanzieller Geldgeber der gesamten Arbeit war die Weltkriegsgefangenenhilfe der YMCA und deren Geschäftsführer, der Amerikaner John Barwick. Dieser hatte seinen Sitz im Norton Camp, wo auch die Zentrale der YMCA für ganz England lag. Barwick und Forell waren zwar ein ungleiches Gespann, das sich aber prächtig ergänzte.

Unmittelbar vor seiner Abreise nach England erreichte ihn noch ein Brief von Erzbischof Eidem, in dem dieser Forell seines Gebetes um Schutz und Segen versicherte und ihn bat: »Sei vorsichtig in Deinen Aussprüchen, richte Dich bewußt und konsequent auf die Kriegsgefangenenarbeit aus, aber bewahre im Übrigen kluge Zurückhaltung, so daß man nichts in Deinen Haltungen als anti-nationalsozialistische Propaganda auffassen kann. Deine Stellung verlangt viel Takt und Überlegung …«


Zwei bis drei Lagerbesuche pro Woche

Ende Mai 1944 beginnt Forells erster Englandaufenthalt, der insgesamt neun Monate währte, in denen er eine Reihe von Gefangenenlagern besuchte. Infolge der Kriegswende hatte sich die Stimmung bei den POWs wesentlich verschlechtert. Forell hatte für sich einen Reiseplan ausgearbeitet, demzufolge er jede Woche zwei bis drei Lager besuchen und dort abwechselnd einen Tag Gottesdienste und einen Tag Vorträge halten wollte. In einem ersten Vortrag habe er seine »Indienfahrt mit dem deutschen Professor Otto« dargestellt. Weitere Vorträge etwa über den von ihm sehr verehrten Albert Schweitzer hatten sich angeschlossen. Die Arbeit unter den Gefangenen würde all seine Zeit und Kraft beanspruchen. Es gelang ihm, in Ilse Friedeberg, in der englischen Quäkerin Dorothy Buxton und vor allem in seinem treuen Assistenten Herbert Hirschwald, einem emigrierten deutschen Juden, wertvolle Mitarbeiter zu finden, die ihm beim oft langwierigen Sammeln von Büchern in deutscher Sprache halfen.

Die Entscheidung des britischen Kriegsministeriums, das Lager 174 als Volksschullehrerlager einzurichten, entsprach gar nicht den Plänen, die Forell mit den Theologen hatte. Aber auch die britischen Kirchen zeigten sich bedeckt, als John Barwick den Britischen Kirchenrat zur Übernahme eines Teils der Verantwortung und der Kosten für Birger Forells Arbeit bewegen wollte. Der bescheidene Forell schrieb am 29. Mai 1945 in sein Tagebuch: »Das Ganze war eigentlich äußerst peinlich anzuhören. Es war gerade kein Pfingstgeist, der durchs Zimmer wehte!« Am 30. Mai konnte er seinem Tagebuch anvertrauen: »Am Aufgabenplan für 174 gearbeitet, das nun definitiv als Lehrerlager bestimmt ist.«

Wann Forells Wunsch nach Gründung einer Theologischen Schule in Norton vom Kriegsministerium schließlich doch noch in Erfüllung ging, erwähnt sein ansonsten gründliches Tagebuch leider nicht. Im Juni 1945 fand eine Begegnung Forells mit einer Gruppe von 29 Theologiestudenten in Camp 185 statt. Forell machte ihnen klar, dass das Leben in Norton alles andere als eine Idylle werden würde. Keiner solle meinen, zum »Brotpastor« ausgebildet zu werden.

Mit der Gründung einer Theologischen Schule verfolgte Forell ein doppeltes Ziel: Zum einen wollte er Pfarrer für den Aufbau einer geordneten Lagerseelsorge gewinnen, wozu er auch Laien heranzog. Zum andern dachte er vorausschauend an die Ausbildung von Theologiestudenten, die dann nach ihrer Repatriierung für den Dienst in ihren Heimatkirchen zur Verfügung stehen konnten. In Norton, einem kleinen Dorf im mittelenglischen Industrierevier in der Grafschaft Nottinghamshire, wurde man schließlich fündig.


Mit Glauben, nicht mit Waffen

Am Donnerstag, dem 14. Juni 1945, betrat Forell zum ersten Mal das künftige Studienlager 174, das ihm sein schwedischer Mitarbeiter Gustav Oegren bereits mit begeisterten Worten als eines der »besten Lager« beschrieben hatte. Ich durfte Gustav Oegren noch persönlich auf dem Gründungsjubiläum der Flüchtlingsstadt Espelkamp kennenlernen und mehrmals mit ihm über Norton korrespondieren. Weniger erfreut waren dagegen 500 Offiziere, die das Lager für die angehenden Theologen und Pädagogen mit noch unbekanntem Ziel räumen mussten. Sie hatten gerade eine Freilichtbühne errichtet und probten Schillers Drama »Die Räuber«, als sie selbst ihres Lagers »beraubt« wurden.

Nach der Gründung des Studienlagers galt es für Forell, der das uneingeschränkte Vertrauen der englischen Ministerien und Behörden besaß, die leitenden Funktionen mit geeigneten Personen zu besetzen. In allen Fällen war die Genehmigung durch das War Office die entscheidende Voraussetzung. Fide non armis (Mit Glauben, nicht mit Waffen) stand über dem Lagertor von Camp 174 in Norton, das damit zu einem Ort wurde, an dem sich Sieger und Besiegte im Glauben einander annehmen und helfen lassen sollten.

Zu einem geordneten Lehrbetrieb gehörten natürlich auch fähige Dozenten sowie motivierte Studenten. Nach längeren Verhandlungen mit dem War Office und nach Ausschaltung mancher Missverständnisse konnte Birger Forell die ihm als qualifiziert erscheinenden Dozenten und Studienleiter der beiden Schulen einsetzen. Zwischen dem ersten Vorlesungstag an der Theologischen Schule, dem 17. August 1945, und dem Abschiedsabend am 12. April 1948 lagen insgesamt sechs Semester, von denen die ersten drei noch als Trimester gehalten wurden.

Die theologische Kapazität im ersten Semester war bis zu seiner frühen Repatriierung Ende 1945 Hellmuth Frey, der Dozent für AT. Als Vertreter einer pneumatischen Exegese schöpfte er seine Kraft aus gelebter Spiritualität und zog die Studenten mit seinen Vorlesungen und Bibelstunden in seinen Bann. Forell hielt Frey für den geistlich stärksten unter den Norton-Dozenten, obwohl er auf ihn schüchtern wirkte. In der Blütezeit der Theologischen Schule bestimmten hauptsächlich Gerhard Friedrich sowie Ernst Dammann, Wilhelm Schwab und Wilhelm Burkert Geist und Qualität des Studienbetriebs. Bei den Studienanfängern lag der Schwerpunkt der Arbeit auf dem Erlernen der alten Sprachen Griechisch, Hebräisch und Latein sowie auf den biblischen Grundfächern samt Kirchengeschichte.


Theologiestudium auf universitärem Niveau

Als das Vorlesungsverzeichnis für Syst. Theologie kaum noch suffizient war, fanden sich die drei Gastdozenten aus Skandinavien, Pfarrer Bjarne Skard aus Oslo, der spätere norwegische Bischof und schwedische Prof. Anders Nygren aus Lund sowie der dänische Prof. Niels Hansen Søe aus Kopenhagen uneigennützig bereit, jeweils ganze Vorlesungsreihen von 24 oder 48 Stunden zu halten, die von nahezu allen Theologiestudenten besucht wurden. An dieser Stelle soll ein sehr aufschlussreiches Gutachten von Prof. Nygren zitiert werden, das zugleich Aufschluss über den wissenschaftlichen Stand der Theologischen Schule im Norton Kamp geben kann:

»Im April 1947 habe ich an der Theologischen Schule in Norton Camp 2 Vorlesungsreihen (1. über den Römerbrief; 2. über Dogmatik II) von zusammen 48 Stunden gehalten. Durch mehrere öffentliche Diskussionen über das in den Vorlesungen Behandelte und durch persönliches Zusammensein mit den Studenten habe ich mir eine genaue Auffassung über die Höhenlage der hiesigen Studien verschaffen können und will als meinen bestimmten Eindruck aussprechen, daß das Studium hier auf universitätsmäßige Weise getrieben wird und daß der Ausbildungsstand dieselbe Höhenlage hat wie die theologische Ausbildung in Schweden oder Deutschland. Die Arbeit hier hat mir große Freude gemacht, und ich werde immer mit großer Dankbarkeit an diese drei Wochen in Norton Camp zurückdenken.
Norton, den 29. April 1947
[Handschriftlich] Anders Nygren«


Anerkannte ausländische Vorausbildung

Bereits im Oktober 1945 ermächtigte der Berliner Bischof und spätere Ratsvorsitzende der EKD Otto Dibelius die Studienleitung der Theologischen Schule, zur Durchführung und Abnahme ihrer Prüfungen eine Prüfungskommission zu bilden. Auslandspfarrer Julius Rieger wurde vom Rat der EKD zum Dekan ernannt mit der geistlichen Aufsicht über sämtliche Kriegsgefangenenlager in Großbritannien. Außerdem erhielt Rieger besondere Vollmachten zur Abnahme von Prüfungen im Studienlager Norton. POWs ohne Reifezeugnis oder mit Notabitur wurde die Möglichkeit eingeräumt, im Norton Camp eine Ergänzungsprüfung abzulegen oder in den dortigen Abiturkursen gar die Reifeprüfung nachzuholen. Sämtliche Zeugnisse wurden in Deutschland anerkannt, und zwar die der Reife- und Ergänzungsprüfungen durch die Schulbehörde in Hamburg aufgrund eines mehrwöchigen Besuches von Oberschulrat Walther Merck, dem Bevollmächtigten für das Erziehungswesen in der Britischen Zone. Die Zeugnisse über die theologischen Examina fanden durch die Zentralstelle für die Begutachtung ausländischer Vorbildungsnachweise in Göttingen ihre Anerkennung. Außerdem wurden hier die an der Theologischen Schule belegten Semester bestätigt und bei einer Umimmatrikulation an einer deutschen Fakultät angerechnet.

Eine weitere wichtige Disziplin im Ausbildungsangebot der Theologischen Schule war die Diakonen- und Laienschulung, für die ab Eröffnungssemester 1945 gesonderte Ausbildungskurse angeboten wurden. Im Oktober 1947 wurde ein eigenständiger Jugendleiterkursus des CVJM unter der Leitung von Pfarrer Werner Jentsch eröffnet. Parallel dazu lief ein katholischer Jugendleiterkursus, betreut von Benediktinerpater Oskar Wahler.

Die Theologische Schule war auch für die religiöse Erziehung an der Pädagogischen Schule mitverantwortlich. Der Religionsunterricht, der in verschiedenen Klassen stattfand, wurde ab Eröffnung der Pädagogischen Schule – ebenfalls wie die Theologische Schule im August 1945 - bis zu ihrer Schließung im September 1947 von Dozenten der Theologischen Schule erteilt.


Brüderliche vita communis

Durch die Gefangennahme wurden viele POWs nicht nur gedemütigt und beschämt, sondern sie sahen darin auch eine Chance, ihr Leben neu zu überdenken. Außerdem bereiteten ihnen die Trennung von den Angehörigen in der Heimat und die Ungewissheit über deren Schicksal sowie die Nachrichten vom Verlust der ostdeutschen Gebiete und Errichtung einer sowjetisch besetzten Zone große Sorgen. So war der Wunsch nach geistlichem Zuspruch und seelsorgerlicher Begleitung in einer brüderlichen vita communis dringend. Persönliche Gespräche mit den Dozenten nahmen oft Beichtcharakter an. Auch Forell führte oft stundenlange Einzelgespräche mit Studenten aus beiden Schulen und ebenso mit Dozenten, die Angehörige in den Bombennächten verloren hatten und im Weiterleben keinen Sinn mehr sehen konnten.

Darüber hinaus diente das Studienlager Norton auch anderen Gruppen als Ort der Sammlung und Zurüstung. In der Lagergemeinde Norton herrschte aber nicht nur ein reges geistliches, sondern auch ein vielfältiges kulturelles Leben. So boten einige ausgezeichnete Kirchenmusiker ein reiches musikalisches Angebot zur Ausgestaltung der Gottesdienste. Auf dem Gebiet der weltlichen Musik traten mehrere Kreise hervor, in denen auch Angehörige der Pädagogischen Schule mitwirkten. Den Leistungen in der Musik waren die der Schauspielkunst ebenbürtig.

Auch Sport wurde als Ausgleich zum Studium gepflegt, vor allem Fußball, Leichtathletik, Tischtennis, Faustball und sogar Boxen. Die Fußball-Lagermannschaft, seit Mitte 1946 wurde ein Verein gegründet mit dem Kommandanten Major Boughton als Präsidenten, bestand vor allem aus Pädagogen und wenigen Theologen. Nach der Fraternisierung (Verbrüderung) Ende 1946 erwies sich der Sport auch als Brücke zur englischen Zivilbevölkerung.


Verbindungen zu Gemeinden und Kirchen

Da es sich beim Norton Camp um ein von Forell gegründetes Studienlager handelte, war die Versorgung der POWs mit geeigneter Literatur von größter Wichtigkeit. Das wusste auch der kluge Geschäftsmann Barwick, der mit Hilfe der YMCA in Luton bei London eine Druckerei, die Dragon Press, erwerben konnte. Hier sollen bis zur Schließung des Camps 174 im April 1948 etwa eine Million Bücher gedruckt worden sein. Zudem entstand in Luton eine eigene Taschenbuchreihe, die »Zaunkönig-Bücher«. Sie erschienen ebenfalls in Millionenhöhe und zeigten auf dem Cover den kleinen listigen Vogel mit einem Krönchen auf dem Kopf. Aus dem Norton Camp selbst ging eine ausschließlich von POWs für POWs gestaltete Zeitschrift, der »Monatsbrief« in alle Lager im englischen Empire.

Wie stand es um die Verbindung der Theologischen Schule nach außerhalb des Lagers? Zuerst wurden Beziehungen zu deutschen Pfarrern geknüpft, die in den deutschen Gemeinden in England Dienst taten. Die seit Dezember 1946 erlaubte Fraternisierung und die tatkräftige Hilfe des gläubigen Kommandanten Major Jack Boughton gaben der Lagergemeinde die Möglichkeit, Verbindung zur anglikanischen Nachbargemeinde Cuckney-Norton aufzunehmen. Kirchliche Institutionen bahnten außerdem Kontakte an, z.B. das Christian Student Movement und die Ökumenische Kommission zur Pastoration der Kriegsgefangenen in Genf.

Nach der bereits erwähnten Aufhebung des Fraternisierungsverbotes im Dezember 1946 kam es zu vielen Begegnungen mit den POWs. Sowohl Privatpersonen, zumeist aus Kreisen der Arbeiter, als auch Angehörige kleinerer Denominationen, wie z.B. der Quäker und der Heilsarmee, luden die POWs zu sich nach Hause oder in ihre Gemeinderäume ein. Mancher POW durfte hierbei erleben, dass Herzensgüte und Menschlichkeit stärker als alle nationalen Schranken waren.


»Von diesem Lager ist viel Segen ausgegangen«

Am 12. April 1948 feierte die Theologische Schule im Norton Camp ihren Abschluss nach knapp dreijähriger Existenz hinter Stacheldraht. Es dauerte aber noch bis zum 22. Juni 1948, ehe die Theologische Schule Norton durch ihren letzten Studienleiter, den Alttestamentler und Hebraisten Ernst Dammann, vollständig aufgelöst wurde. In seinem letzten Rundbrief von England aus rief Dammann alle ehemaligen »Nortonen« dazu auf, miteinander weiterhin in Kontakt zu bleiben.

Eine geplante Weiterführung des Studienlagers im Nachkriegsdeutschland, etwa in Espelkamp oder im ehemaligen Kloster Möllenbeck bei Rinteln in Niedersachsen, konnte leider nicht realisiert werden, nicht zuletzt auch aufgrund schwerfälliger bürokratischer Überlegungen. Forells Grundsatz »schnelle Hilfe ist doppelte Hilfe« war vielen unserer kirchlichen Stellen nicht geläufig. Seine »Nortonen« aus beiden Schulen trafen sich aber alljährlich, zum letzten Mal 2010, im Haus Hessenkopf bei Goslar, einem Heim der Braunschweigischen Kirche. In einem erhebenden Abendmahlsgottesdienst wurde auch in großer Dankbarkeit Birger Forells, des Gründers der Theologischen Schule im Norton Camp gedacht. Alle waren sich einig: »Von diesem Lager ist viel Segen ausgegangen«.

Auf eine Besonderheit soll noch hingewiesen werden. Das Studienlager Norton hatte insofern einen Sonderstatus, als hier entgegen der Genfer Konvention Offiziere, Unteroffiziere und Mannschaften zusammen untergebracht waren.

Insgesamt war Forell zur Kriegsgefangenenbetreuung dreimal jeweils für Monate in England. Sein erster Aufenthalt zur Gründung der beiden Schulen im Norton Camp im August 1945 nahm neun Monate in Anspruch. Daneben blieb aber seine Hauptaufgabe, das unermüdliche Reisen von Lager zu Lager, zunächst ohne Auto, oft ohne »ziviles« Nachtquartier in einer Gefangenenbaracke. Wir dürfen aber nicht vergessen: Birger Forell hatte nach wie vor als Hauptpastor auch eine große Gemeinde in Borås zusammen mit vier weiteren Kollegen zu betreuen, die ihn ebenso wie seine Familie nur schwer entbehren konnte. Trotz aller Strapazen, Entsagungen und Doppelbelastung durch Pfarramt in Borås und Gefangenenbetreuung in England kümmerte er sich ganz persönlich als treuer »Vater« um jeden der ihm anvertrauten Kriegsgefangenen und behandelte diesen so, als sei er sein eigener Sohn!


Ein »Brückenbauer«

Der Schwede verstand sich auch als »Brückenbauer« zwischen dem jeweiligen Lagerkommandanten und dessen Gefangenen. »Alle Deutschen zwischen 12 und 60 Jahren müssen erschossen werden, sonst gibt es keinen Frieden in der Welt!«, erklärte ihm einmal ein englischer Lagerkommandant. »Und was würde Ihre Mutter dazu sagen?«, warf der Schwede ein. »Sie ist nicht meiner Meinung!«, entgegnete lächelnd der Engländer. Am Schluss bedankte er sich für die »interessante und lehrreiche Stunde«.

Birger Forell kam nie mit leeren Händen in die Lager. Er brachte Schreibpapier, Bibeln, Fußbälle und Musikinstrumente mit. Und immer war sein dickes Notizbuch zur Hand, um Wünsche, Grüße, auch Beschwerden seiner Schutzbefohlenen einzutragen und nach Möglichkeit zu erfüllen.

Nach seiner ersten Reise in das zerstörte Deutschland, bereits im September 1945, schrieb er in sein Tagebuch: »Es ist unmöglich, Deutschland noch länger hilf- und steuerlos zu lassen, ohne eine Katastrophe heraufzubeschwören. Die Not der Deutschen bedeutet einen der größten Anrufe, der je an die christlichen Kirchen der Welt ergangen ist.« So wächst Forell eine neue Aufgabe zu: Aus dem »Vater der Kriegsgefangenen« wird jetzt ein Helfer aller in Not befindlichen Deutschen.

Auf die Anfrage einer schwedischen Journalistin nach seiner Arbeit an den Flüchtlingen antwortete Forell: »Es muss sehr stark betont werden, dass die Flüchtlingsfrage nicht nur eine materielle ist, sondern vor allem ein seelsorgerliches Problem. Ich könnte über Flüchtlingsschicksale berichten, die so grausam sind, dass ein Durchschnittsschwede es kaum fassen wird, wie solche Menschen noch weiter leben können. Darum sah ich mich genötigt, meinen sicheren Gemeindedienst in Schweden aufzugeben, um wenigstens einigen aus der Schar der Flüchtlinge zu helfen, mit sich und ihrem Lebensschicksal fertig zu werden.«


Im Dienst für Gott und für seine Mitmenschen

In seiner pausenlosen Reisetätigkeit zwischen England, Deutschland und Schweden hatte er einst in seiner Caroli-Gemeinde Borås das »Comitee für Christliche Nachkriegshilfe« gegründet. Allein durch die Bürger dieser Stadt floss jahrelang ein ununterbrochener Strom an Hilfe in die Flüchtlingslager nach Deutschland. So wurden im Lauf der Jahre 300.000 schwedische Kronen und 350 Tonnen Lebensmittel und Kleidungsstücke gesammelt und nach Deutschland gebracht.

Forells Entschlossenheit ist auch die Gründung der Stadt Espelkamp 1948 für Flüchtlinge und zurückkehrende Kriegsgefangene zu danken. So trug er zum Aufbau eines neuen Deutschland bei. Dabei wollte er die christlichen Werte wieder fördern, die in Nazideutschland vielfach unterdrückt wurden. Stets wollte er seinen Dienst als »Hilfe zur Selbsthilfe« verstanden wissen. Bereits 1947, in den ersten Verhandlungen zur Gründung Espelkamps, sagte er sinngemäß: Die Zeit ist gekommen, nicht nur wie bisher für Kleider und Schuhe, sondern auch für eine Ansiedlung industrieller Betriebe. Er wollte seinen Einsatz als Dienst für Gott und für seine Mitmenschen verstanden wissen.

Am 4. Juli 1958 ist Birger Forell im Krankenhaus in Borås an den Folgen eines Herzinfarktes gestorben. Trauerfeiern fanden in der Caroli-Kirche in Borås, Espelkamp und in Onsala statt, wo er auch begraben wurde. Die Welt war um einen Menschenfreund ­ärmer geworden.


Armutszeugnis

Birger Forell hatte einst mit Dr. Emil Weerts die Deutsch-Schwedische Flüchtlingshilfe gegründet. Diese wurde zwei Jahre nach seinem Tod aufgelöst. Dafür gründete die EKD 1960 eine Birger-Forell-Stiftung e.V. mit Sitz in Bonn und mit einer Geschäftsstelle in Wehrheim/Taunus, die Forells Lebenswerk an vertriebenen Bauernfamilien und Spätaussiedlern, damals vornehmlich aus der Sowjetunion, fortsetzen sollte. Ab 1994 etwa begann dann »Der Kampf ums Überleben«, schreibt Wolfgang Bühnemann, der letzte Geschäftsführer und Liquidator der Stiftung, in: »Dokumentation einer Hilfe zur Selbsthilfe. Deutsch-Schwedische Flüchtlingshilfe e.V. und Birger Forell-Stiftung e.V. 1953-2000« (Bad Homburg v. d. Höhe 2002).

War es aber ein wirklicher Kampf, der da im Jahre 2000 auslief? In seinem Vorwort deutet Bühnemann eine Begründung für die Beendigung dieser edlen Stiftung an: »Die Zeiten haben sich grundlegend geändert. Die heutige Generation hat mit den Schicksalen der Menschen der Kriegs- und Nachkriegszeit nicht mehr viel zu tun, sie hat andere Probleme und neue Idole.«

Ich halte diese Begründung Bühnemanns für nicht ausreichend. M.E. engagieren sich auch heute noch viele Jugendliche, etwa in der Pflege von Kriegsgräbern oder in Aktivitäten für caritative und soziale Einrichtungen. Angesichts der heutigen nach wie vor ungelösten Migrationsproblematik wären die Dienste der einstmals so segensreichen und hochherzigen Birger-Forell-Stiftung nach wie vor dringend notwendig. Deren Vorstand und Kuratorium, durchweg hochrangige Persönlichkeiten, als auch vornehmlich die EKD selbst, haben sich mit der Einstellung dieser Stiftung im Jahre 2000 ein großes Armutszeugnis ausgestellt.

Die heutige Frage ist doch vielmehr die: Wie würde sich Birger Forell selbst angesichts unserer gegenwärtigen Migrationsproblematik verhalten? Er wäre sich seiner Berufung und seines Auftrags durch Gott gerade auch für die verfolgten Flüchtlinge treu geblieben. Er hätte dazu seine Gnadengabe zur Versöhnung zwischen verfeindeten Völkern beherzt eingesetzt und hätte bei deren obersten Repräsentanten, den Politikern, angeklopft und vermittelt. Pastor Claus von Aderkas, ein enger Freund Forells, hat es beim Abschied am Sarge Forells treffend wiedergegeben: »Gott beruft sich seine Werkzeuge und Haushalter und Er rüstet sie aus mit der Kraft aus der Höhe. Er hat Birger Forell in besonderer Weise begnadet und mit einem so warmen Herzen für alle notleidenden, vor der Welt entrechteten und verachteten Menschen, mit praktischem Können und großer Tatkraft. In dieser Beauftragung durch Gott konnte er sich hinwegsetzen über menschliche Mauern und Schranken von Zuständigkeiten, Gesetzen und Paragraphen und so zum Botschafter der mancherlei Gnade Gottes unter uns werden. Das gab ihm die Freiheit vor den Menschen und hat ihn zu einem rechten Vater und Helfer der Verfolgten und Gefangenen, der Flüchtlinge und Vertriebenen werden lassen über Grenzen, Rassen und Sprachen hinweg.«


Ein großer Europäer

Claus von Aderkas erinnerte auch an eine Episode, die ihm Forell einst selbst erzählt hatte: »In einem Lager hatte er während eines Gesprächs mit einigen Flüchtlingsbauern bemerkt, dass sich eine kleine, schüchterne alte Frau mit Kopftuch zögernd näherte, klar ersichtlich in Angst zu stören. Forell fragte, was sie auf dem Herzen habe, und sie antwortete, dass sie nur wissen möchte, ob es wahr sei, dass der schwedische Pastor seinen Dienst in Schweden verlassen habe, um sich ganz der Hilfe für Flüchtlinge zu widmen. Als Forell bekräftigen konnte, dass das der Fall war, faltete die alte Frau die Hände über ihrer Schürze zusammen und sagte: »Dann hat Gott uns nicht vergessen.« (aus: Espelkamper Nachrichten, August 1958)

Birger Forell, dieser überaus bescheidene Bote Jesu Christi, dem die Verleihung des Bundesverdienstkreuzes fast verlegen machte, verschwieg, dass es Tausende waren, denen er helfen konnte. Er sah »seine eigene Rolle als die des Vermittlers, nicht des Leiters. Das gilt besonders für Gespräche mit Behörden und militärischen Befehlshabern, und war ein wichtiger Schlüssel für Fortschritte« (Gerhard Könemann, in: Der Boråser Pastor, der eine deutsche Stadt gründete).

Die Laudatio der deutschen Bundespost, die ihm anlässlich seines 100. Geburtstages im Jahre 1993 eine Sonderbriefmarke mit der Aufschrift »Einer trage des anderen Last« widmete, endet mit zwei kurzen Sätzen: »Forell ist ein großer Seelsorger gewesen. Gleichzeitig dachte und handelte er über Grenzen hinweg als ein großer Europäer.«

Birger Forell soll uns unvergessen bleiben!

Über die Autorin / den Autor:

Pfarrer i.R. StD a.D. Dr. Klaus Loscher, Jahrgang 1942, Mag. theol. an der Universität Hamburg mit einer kirchensoziologischen Arbeit über Einstellungen und Verhaltensweisen aktiver Sportler zur Volkskirche (bei Prof. Hans-Rudolf Müller-Schwefe), Dr. theol. an der Augustana Hochschule Neuendettelsau mit einer Arbeit zur Kriegsgefangenschaft (bei Prof. Wolfgang Sommer), zuletzt von 1980 bis 2006 Fachbetreuer für Religion am Wirtschaftswissenschaftlichen Gymnasium der Stadt Bayreuth.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2019

2 Kommentare zu diesem Artikel

09.02.2019
Ein Kommentar von Klaus Loscher, der Autor


Werter Herr Hellfried Sandig, danke für Ihren Kommentar zu meinem Artikel. Ihren Vater Kurt Sandig, geb. 22.Juni 1914, habe ich von mehreren Nortonentreffen her gut gekannt.Vom 5. Nortonen- Treffen in Goslar im Haus Hessenkopf, 27.-30.August 2001, liegt mir seine Unterschrift auf der Teilnehmerliste vor. Bereits 1993 hatte er unterzeichnet, dass er an Nortonen-Treffen grundsätzlich interessiert sei. Kurt Sandig ist mir als stiller und sich zurücknehmender Nortone in guter Erinnerung, der aber bei den Vorträgen genau hinhörte. Danke für Ihren Kommentar. Dr. Klaus Loscher
02.02.2019
Ein Kommentar von Hellfried Sandig


Danke für die informative und aufschlußreiche Veröffentlichung Mein Vater, Jhg. 1914, war einer der Gefangenen im NortonCamp. Er bekehrte sich zum Glauben und absolvierte eine Ausbildung zum Laienprediger. Von England her ermunterte er meine Mutter sich einer christl.Gemeinde anzuschließen.So kamen wir zu einer evang. Freikirche, in der mein Vater bis in die 90er Jahre aktiv war. Nach Schließung des Camps kehrte er im Mai 1948 in die Heimat zurück. Während seines Aufenthaltes im Camp stellte er eine Verbindung zwischen einer engl. Familie und uns in Deutschl. her. Ich erinnere mich gut an die weihnachtlichen Zuwendun- gen engl. Spezialitäten, wie den Schocko-cake.Mit dem Sohn der Familie, wir korrespondierten in diesen Jahren, habe ich mich später einmal in Deutschland getroffen. Es bestand eine sehr freundschaftliche Beziehung. Mein Vater war mehrere Jahre psychisch krank und hat nach entsprechenden Behandlungen(u.a. Elektroschocks) vieles aus dem Gedächtnis verloren. Es gab ja dann die jährlichen Treffs der Norton-Veteranen,an der auch der spätere Theologie-Professor J.Moltmann teilnahm Für mich war es von Bedeutung, mehr über die Entstehung und Geschichte des Camps zu erfahren. Nochmals vielen Dank! Hellfried Sandig

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