24. Februar 2019, Apostelgeschichte 16,9-15
Sexagesimae (2. Sonntag vor der Passionszeit)

Von: Jochen Hegner
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Kommunikation mit Gott


Text

Auf den ersten Blick erschließt sich unser Predigttext dem Leser nicht ganz einfach: Zunächst erfahren wir etwas von der »alltäglichen Arbeit« des Apostels Paulus. Er besucht die verfolgte christliche Gemeinde in Lystra. Da Paulus zuvor seinen Mitarbeiter Silas verloren hat, empfehlen ihm die Brüder der Gemeinde den jungen Timotheus, als neuen Mitarbeiter, der sich ihm später sogar als Freund erweisen wird.

Um für die Juden ein Zeichen des Entgegenkommens zu setzen, beschneidet Paulus den Timotheus. Er tut dies in der »Freiheit eines Christenmenschen« um den Juden die Tür für Jesus zu öffnen. Paulus macht damit deutlich, dass er sich in dieser Hinsicht an keine starren Regeln gebunden fühlt.

Offenbar hatte Paulus zunächst als Reise- und Missionsziele die großen Städte Asiens vorgesehen. Jedoch wird ihm dies innerlich verwehrt. Deshalb reist Paulus nach Mysien und von dort aus soll es nach Bithynien gehen. In einer nächtliche Vision jedoch, lenkt der Geist Gottes den Apostel Paulus ganz konkret nach Mazedonien. Gott will Europa als Reiseziel, alle anderen Türen sind vom Geist Jesu verschlossen. Und Paulus gehorcht.

In Cäsaräa Philippi trifft der Apostel auf die verwitwete Purpurhändlerin Lydia. Ihre Bekehrung zu Christus bestätigt dem Apostel Paulus das Missionsziel Europa.


Auslegungsansatz

In der erwähnten nächtlichen Vision des Paulus sehe ich einen Ansatz für die Auslegung unseres Predigttextes. Man darf zweifellos feststellen, dass unser Herr Jesus über diese Vision mit dem Apostel Paulus kommunizierte.

Das provoziert für mich die Frage, wie wir eigentlich mit unserem Herrn kommunizieren? Nutzen wir ausschließlich die Gebete der Gottesdienste dafür – ansonsten jedoch herrscht »Funkstille«? Oder sind wir bereit auch im Alltag, im Urlaub, oder wo wir uns auch sonst aufhalten, in persönliche Zwiesprache mit unserem Gott zu treten?

Unser Zeitalter wird allgemein sehr unkritisch als das Zeitalter der Kommunikation bezeichnet. Über das Internet bzw. soziale Medien können wir mit fast jedem Menschen auf der Erde in Verbindung treten und Informationen austauschen. Viele Menschen nutzen heute die sozialen Medien, um sich untereinander Nachrichten, Bilder, Filme, mitunter sogar sehr persönlicher Natur, zu übermitteln. Auch in Wirtschaft und Politik sind das Internet bzw. die sozialen Medien nicht mehr wegzudenken. Das alles sehen wir als völlig normal an.

Im Gegensatz dazu ist zu beobachten, dass wir Christen häufig ein Problem damit haben, in Gebet und Studium der Bibel eine Kommunikation mit unserem Herrn Jesus aufzubauen, zu erhalten und zu verbessern.

Christus war sich der ständigen Verbindung und Kommunikation mit seinem Vater stets bewusst. Ohne diese enge Verbindung wären sein irdisches Wirken, sein Gehorsam und seine Heilstat am Kreuz für uns nie möglich geworden. In Joh. 10,30 sagt Jesus sogar: »Ich und der Vater sind eins.«


Botschaft

Für mich wird aus dem Predigttext und dem Erleben des Apostels Paulus ganz deutlich: Wir werden in unserem persönlichen Glaubensleben und in der Gemeindearbeit nur Erfolg haben, wenn wir unsere Verbindung und Kommunikation mit Gott dem Herrn nicht abreißen lassen. Unsere Anliegen Sorgen, Nöte und auch Freuden dürfen wir im Gebet vor unserem Herrn hinlegen und von dort auf Erhörung hoffen. In Ps. 50,15 lesen wir es so: »Rufe zu mir am Tage der Not, ich helfe dir, und du wirst mich neu preisen.«

Zweifellos dürfen wir deshalb sagen, dass unsere Kommunikation mit dem Herrn, wie wir sie im Predigttext beim Apostel Paulus erleben, unabdingbar für unser Christenleben ist. Ohne die lebendige Gottesverbindung ist auch unser Arbeiten in den Gemeinden fruchtlos. Bereits Martin Luther erkannte: »Wer das Werfen nicht gelernt hat, bleibt Zeit seines Lebens ein verworfener, zerworfener Mensch.«


Jochen Hegner

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2019

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