Psalm 34,15: »Suche Frieden und jage ihm nach!«
Jahreslosung 2019

Von: Andreas Kahnt
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I

»Heute einen Krieg beenden!«, so prangt es zum Buß- und Bettag auf einem Plakat an der Fassade des Hauses der Kirche in Kassel. Noch mehr ins Auge fällt die große geöffnete und ausgestreckte Hand, die das Motto unterstreicht. Eine einfache Geste, aber voller Kraft, einladend und doch oftmals so schwer: beides, die Hand zu reichen und sie zu ergreifen.

Plakat und Motto illustrieren die Jahreslosung. Zu beendende Kriege können solche sein, die im Individuum selbst stattfinden und situationsbezogen oder lebensbegleitend auftreten. Aber auch solche zwischen Familienmitgliedern, Nachbarn, Kollegen oder Freunden. Zu denken wäre außerdem an gesellschaftliche Konflikte wie soziale Ungerechtigkeit oder Defizite in der Teilhabe von Minderheiten und nicht zuletzt verschärfte Formen politischer Auseinandersetzung in bi- oder multilateralen Beziehungen, in Parlamenten, Talkshows oder auf der Straße. Schließlich nicht zu vergessen die militärisch geführten Kriege gegen oder zwischen Völkern mit all der damit einhergehenden Gewalt und traumatischer Erfahrung. Heute einen Krieg beenden und die Hand zur Versöhnung ausstrecken, hat also viele Facetten, die als intensive Suche nach Frieden entfaltet werden können


II

Ps. 34 entfaltet sich dahingehend allerdings nicht. Als Danklied oder Hymnus des Einzelnen widmet er sich im ersten Teil der dankbaren persönlichen Rückschau auf die Bewahrung in Bedrängnis, Not und Ängsten. Im Weiteren wird Bewahrung, Rettung und Vergebung als Folge von gerechtem Tun und Vertrauen in Gott charakterisiert und somit persönliche Erfahrung in den Horizont göttlicher Verheißung gestellt.

Zwischen den beiden Teilen des Psalms finden sich als Brücke V. 12-15. Sie beginnen mit einer ermunternden familiären Aufforderung: »Kinder, hört mal zu! (…) Wer möchte gern gut leben und schöne Tage sehen?« Antwort: »Suche Frieden und jage ihm nach!« Allerdings wird die Suche nach Frieden in einen bestimmten Kontext gestellt, nämlich den von Gut und Böse, und zwar in Wort und Tat. Friede ist nicht irgendwo, sondern zuallererst persönliche Aktivität. Suche nach Frieden beginnt daher im Innern, im eigenen Herzen, in den eigenen Gedanken. Lasse ich mich von meinem Verständnis der Dinge, von meinen Emotionen, von meinen politischen Überzeugungen, von meinem vermeintlichen Recht lenken oder stelle ich all das in den weiten Raum des Shalom, der die anderen Menschen einbezieht? Tritt die Suche, das Trachten nach Frieden als gemeinsames Anliegen auf, hängt ihr Erfolg dennoch davon ab, ob mit in der Tasche oder sogar sichtbar geballter Faust oder mit geöffneter, ausgestreckter Hand gesucht wird.


III

Suche bedarf aller Aufmerksamkeit und Geduld. Langer Atem ist gefragt. Die eigene Bereitschaft zum Frieden muss erinnert und verinnerlicht werden, muss zur Haltung werden, die zwischen guten, Frieden stiftenden und schädlichen, Konflikte schürenden Worten und Taten zu unterscheiden weiß und sensibel nach Kräften das Gute tut und das Böse lässt.

Auch die Jagd bedarf aller Aufmerksamkeit und Geduld. Ungestümes Jachtern ist hier nicht gemeint, sondern eher eine sportliche Beharrlichkeit: nicht aufgeben, dranbleiben, Haltung zeigen, konsequent sein und verlässlich; es geht um hohe Aktivität bei gleichzeitiger innerer Ruhe und Sachlichkeit um des Friedens willen. Wer Frieden sucht und ihm nachjagt, darf sich zu den Gerechten zählen, denen die Verheißungen Gottes gelten, von denen im weiteren Verlauf des Ps. 34 erzählt wird.

Die Jahreslosung kommt in ihrem unmittelbaren Kontext als Ermahnung daher. Ihr Ziel ist aber eher die Motivation zu einem aktiven, dem Frieden in der ganzen Weite seiner Bedeutung (und Gefährdung) dienenden Leben. Die Predigt wird aus dieser Weite das entfalten, was die Hörenden beschäftigt, was der gottesdienstlichen Situation entspricht und als christliche Zeitansage laut werden muss. Auch dies freilich in Frieden.


Andreas Kahnt

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2018

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