6. Januar 2019, Matthäus 2,1-12
Epiphanias

Von: Christiane Borchers
0 Kommentare zu diesem Artikel / Artikel kommentieren

Eine faszinierende Geschichte

Die Geschichte aus dem Morgenland ist schön, aber kann ich dazu noch etwas Neues sagen? Ist nicht alles gesagt oder geschrieben? Im Predigtzentrum in Wittenberg habe ich gelernt: Eine bekannte biblische Geschichte erscheint in einem anderen Licht, indem ich eine fiktive Person mit in die Geschichte hineinnehme. Das habe ich versucht.


Leila darf mitreisen

Der Vater hat Leila soeben angekündigt, dass sie auf eine Reise mitkommen darf. Sie ist schon alt genug, dass sie die Strapazen einer langen Reise durchhalten wird. Und sie ist noch jung genug, dass es sich schickt, dass eine Tochter mit ihrem Vater reist. Leila ist zehn. Der Vater ist ihr von den anderen siebzig Geschwistern besonders zugetan.

Leila ist von seiner Lieblingsfrau, einer Prinzessin aus Äthiopien. Er möchte seiner kleinen Tochter, bevor sie eine junge Frau wird, eine besondere Freude bereiten. Leila liebt es, wenn sie mit ihrem Vater zusammen sein darf. Alle Leute am Hof fühlen sich geehrt, wenn der König ihnen bei seinem morgendlichen Empfang die Aufmerksamkeit eines Blickes oder einer Geste schenkt.

König Balthasar ist beliebt bei seiner Familie. Seine Frauen und seine Kinder vergöttern ihn, aber auch seine Sklaven und Soldaten sind ihm zugetan. Er ist großzügig, schenkt seinen Frauen Stoffe aus kostbarem Gewebe, durchwirkt mit Silber und Gold. Die Frauen lassen sich von ihren Sklavinnen daraus raffinierte Gewänder schneidern, die Kinder überhäuft er mit süßen Früchten. Der König freut sich, wenn er ihre lachenden und glücklichen Gesichter sieht. Aber auch die Sklaven bekommen schmuckvolle Liv­reen, wie es ihrem Stand gebührt. Balthasar staffiert seine Soldaten prächtig aus, rüstet sie mit einem scharfen blanken Säbel aus, mit Edelsteinen verziertem Griff.


Die Reise geht los

Die letzten Vorbereitungen sind getroffen, morgen geht die Reise los. Leila kann vor lauter Aufregung nicht einschlafen. Es ist ihre erste Reise ohne ihre ältere Schwester Scharife. Ihre Schwester Scharife wird sie noch vor Sonnenaufgang wecken. Das hat sie ihr versprochen.

Leila macht in dieser Nacht kein Auge zu. In der Frühe hört sie geschäftiges Treiben, schnell springt sie vom Divan auf, zieht ihre bereitgelegten Kleider an und läuft geschwind in den Vorhof des Palastes.

Endlich ist es soweit, alles ist für die Reise bereit. »Komm, meine kleine Prinzessin«, ruft der Vater ihr lachend zu und hebt Leila in die Luft, »wir steigen auf das Kamel.« Der Kamelführer legt ein Bein auf das Bein des hockenden Kamels, das andere dient als Tritt für den König. Mit Schwung landen Vater und Tochter auf den Polstern, die auf dem Rücken der Kamele befestigt sind. Als Vater und Tochter sicher sitzen, nimmt der Kamelführer sein Knie vom Bein des Kamels. Sogleich steht das Kamel auf, der König und Leila werden durch die Bewegung des Kamels erst nach vorne, dann nach hinten und dann wieder nach vorne geschwungen. Jetzt sitzen sie richtig. Der König gibt Signal zum Aufbruch, der Tross setzt sich in Bewegung. Balthasar und sein Gefolge sind auf einem Weg, dessen Ziel sie nicht kennen.


Der Stern weist den Weg

Ein Stern ist dem König besonders aufgefallen. Er stand schon seit Tagen hellleuchtend am Himmel, als ob er auf ihn wartete und sagen würde: Zieh los. Ich zeige dir den Weg. Seine beiden königlichen Freunde Caspar und Melchior haben den herausragenden Stern auch beobachtet. Alle drei haben beschlossen, dem Stern folgen zu wollen, wenn er weiterzieht.

Der Stern hat sich in Bewegung gesetzt. Alle drei Könige haben daraufhin alle nötigen Reisevorbereitungen getroffen und sind aufgebrochen. Balthasar wird seine Freunde unterwegs treffen, sie werden gemeinsam die Reise fortsetzen.

Der König guckt liebevoll zu seiner kleinen Leila, wie sie sich vertrauensvoll an ihn schmiegt. Das regelmäßige Schaukeln des Kamels hat seine kleine Tochter müde gemacht und einschlafen lassen. Die Reise ist nicht nur für das Kind, auch für ihn von hoher Bedeutung. Wohin wird der Stern ihn führen? Es muss ein neuer König geboren sein, die alten weisen Schriften geben eindeutige Hinweise. Seine königlichen Freunde Caspar und Melchior, die so wie er Wissenschaftler in der Sternenkunde sind, vermuten es auch. Nach drei Tagesreisen wird Balthasar auf sie treffen. Liebevoll drückt er der schlafenden Leila einen Kuss auf die Wange. Er ist froh, dass er sie mitgenommen hat.

Die Geschichte lässt sich weiter spinnen …


Lieder

EG 546 (ev.-reform.) »Stern über Bethlehem«
EG 52 »Wißt ihr noch, wie es geschehen«


Literaturhinweis

Inspirationen zu einer Reise eines orientalischen Königs habe ich aus dem Buch von Emily Ruete, geb. Prinzessin Salme von Oman und Sansibar, »Leben im Sultans­palast« erhalten. Das Buch ist im Verlag »Die Hanse«, Hamburg 2013 (ISBN 978-3-86393-043-1), erschienen.


Christiane Borchers

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2018

0 Kommentare zu diesem Artikel


Kommentieren Sie diesen Artikel










Bitte geben Sie die angezeigte Zahl in das nachfolgende Textfeld ein



Sicherheitszahl


zurück

Christfest II
26. Dezember 2018, Römer 1,1-7
Artikel lesen
Ende der Kirche – Anfang des Glaubens?
Wege durch die Krise
Artikel lesen
Christfest I
25. Dezember 2018, Johannes 1,1-5.9-14 (16-18)
Artikel lesen
Christnacht
24. Dezember 2018, 1. Timotheus 3,16
Artikel lesen
Neujahrstag
1. Januar 2019, Josua 1,1-9
Artikel lesen
Dem deutschlandweiten Pfarrer-Bashing energisch widersprechen

Artikel lesen
Christvesper
24. Dezember 2018, Jesaja 9,1-6
Artikel lesen

PDF

Sie können diesen Artikel als PDF-Dokument runterladen.

PDF-Dokument

Impressum

Dieser Text wurde im Deutschen Pfarrblatt veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

Impressum


Hinweis

Für Adressänderungen sowie Abonnementbestellungen oder –kündigungen wenden sie sich an ihren zuständigen Pfarrverein.

Nur dort können die Daten geändert werden. Vielen Dank!