Forum Reformation wird in Wittenberg gegründet
Nicht abgehakt

Von: K. Rüdiger Durth
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»Mit einer solchen Wirkung hatte ich nicht ernsthaft gerechnet«, gesteht der Bischof der Evang. Kirche von Kurhessen-Waldeck, Prof. Martin Hein, freimütig ein – nämlich, dass im 500. Jahr der Reformation 2017 rund 200.000 Protestanten ihrer Kirche den Rücken gekehrt haben. Und für viele in den Kirchenleitungen und -gemeinden ist das Jubiläumsjahr mit seiner unübersehbaren Zahl von Gottesdiensten, Ausstellungen und Veranstaltungen abgehakt. Nicht aber für den Bonner Gemeindepfarrer, Buchautor und Landessynodalen Siegfried Eckert. Er schaffte am 31. Oktober 2017 mit seiner »Reformationsgala« in der ehemaligen Bundeshauptstadt etwas, was kaum jemand für möglich gehalten hatte: Über 5000 Menschen zahlten 20 Euro Eintritt pro Person. Und selbst der (katholische) Ministerpräsident von Nordrhein-Westfalen, Armin Laschet, kam zu dieser größten Gemeindeveranstaltung zum Abschluss des Jubiläumsjahres und 320.000 saßen an den Bildschirmen.

Getreu der Einsicht von Martin Luther: »Wir sind immer auf dem Wege und müssen verlassen, was wir kennen und haben, und suchen, was wir noch nicht kennen und haben«, hat sich Sigfried Eckert, der sich gern einen »Dorfpfarrer« nennt , seit dem 3.10.2017 auf den Weg gemacht, um für sein Forum Reformation e.V. zu werben, das am 30. Oktober 2018, um 18 Uhr, in der Wittenberger Marienkirche mit einem Gründungsgottesdienst ins Leben gerufen wird. Die Predigt hält Friedrich Schorlemmer, der auf der Homepage des Vereins schreibt: »In einer Gesellschaft, in der Wahrheit mehr und mehr statistisch ermittelt wird, da wird die evangelische Kirche eine Gemeinschaft der Entschiedenen und Entschlossenen bleiben müssen.«


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Das Forum Reformation will mit 153 Mitgliedern und einem großen Förderkreis bis zum Jahr 2030 mit jährlichen hochkarätigen Tagungen und Veranstaltungen aktuelle Fragen aus Kirche, Religion und Gesellschaft behandeln. Dann soll es in ein interkonfessionelles, interreligiöses und interkulturelles Weltreformationsforum Wittenberg münden – was Eckert selbst »einen kühnen Versuch« nennt.

Das zu gründende Forum will »die Erfahrungen von 2017 nicht verpuffen lassen« und in protestantischer Freiheit »die Impulse der Reformation in einer uns mutlos erscheinenden Welt mit neuer Kraft entfalten.« Als Logo wurde der Tintenfleck gewählt, um Gutes zu bewirken und Ungutes in der Welt begrenzen zu wollen. Auf der Wartburg soll der Reformator einer Legende nach mit einem Tintenfass nach dem Teufel geworfen haben.

Inzwischen hat Eckert einen großen Unterstützerkreis gefunden, zu dem u.a. Eckart von Hirschhausen zählt: »Reformation ist eine aktuelle Geisteshaltung; ohne Angst vor falschen Autoritäten sagen, was dran ist. Und: wir sind dran.« Für Initiator Eckert will das Forum »ein produktiver Stein des Anstoßes sein, damit es mit der reformatorischen Idee weitergeht.« Und das neue Forum, das mit der Lutherstadt Wittenberg auf dem nächsten Kirchentag vertreten sein will, soll den Weg zu einem »Think-Tank« ebnen, für die guten Geister und »Gutmenschen« in allen Konfessionen, Religionen und Kulturen.

Ist das Ziel zu hoch gesteckt? Immerhin steht hinter dem unabhängigen Forum noch keine einflussreiche Kirche oder große Akademie. Aber das ist gerade der Reiz dieser Idee, die von einzelnen Persönlichkeiten lebt und vor allem in die Gemeinden hineinwirken will. Da bleibt der »Dorfpfarrer« eben der Gemeindepfarrer, der er seit über dreizehn Jahren in Bonn ist und zuvor zehn Jahre in Essen war. Nicht zuletzt erinnert Eckert in diesem Zusammenhang an den ostdeutschen Liedermacher Gerhard Schöne: »Alles muss klein beginnen, lass etwas Zeit verrinnen, es muss noch Kraft gewinnen und endlich ist es groß.«

Wie geht es nach dem Eröffnungsgottesdienst in der Mutterkirche der Reformation weiter? Inzwischen hat die Lutherstadt Wittenberg große Erwartungen an das Forum und will es nach Kräften unterstützen. Demnächst soll eine Geschäftsstelle in Wittenberg im Alten Rathaus eröffnet werden. Und erste Veranstaltungen sind geplant: so soll vom 5. bis 7. April 2019 in Leipzig eine reformationsgeschichtliche Tagung u.a. mit Prof. Dr. Alexander Deeg und Prof. Dr. Thomas Kaufmann stattfinden. Anlass ist der 500. Jahrestag der Disputation zwischen Luther und Johannes Eck, die damals drei Wochen dauerte. Nach Leipzig ruhte Eck nicht eher, bis Rom die Bannbulle gegen Luther ausstellte.

Auch eine zweite Tagung unter dem Thema »Wofür es sich zu streiten lohnt« ist festgelegt, vom 18. bis 22. August 2019 in Wittenberg. Und 2020 soll es ein erstes Gemeinde-Base-Camp am Spiritus Loci der Reformation geben. Eckert hofft, dass auch EKD, Landeskirchen und Kirchentag das Forum Reformation unterstützen und vor Ort sich alles in guter Nachbarschaft entwickelt.

Mehr dazu unter www.forumreformation.de.


K. Rüdiger Durth

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2018

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