Brief aus der Bundeshauptstadt

Von: Siegfried Sunnus
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Es ist schon etwas Merkwürdiges mit den Jubiläen: Runde Geburtstage bringen verhältnismäßig viele Ehrungen, Briefe und Anrufe, Glückwünsche und Geschenke. Aber Ordinationsdaten sind etwas anderes. Gut, zum 25jährigen Dienstjubiläum gab es eine Urkunde von der Kirchenleitung, zum 40jährigen ebenfalls, mit schönen und aufmunternden Worten, die Bibelsprüche waren gut gewählt – zum 25. das schöne Pauluswort aus 2. Kor. 5,18.20: »Lasst euch versöhnen mit Gott« und zum 40. aus Joh. 15,16: »Nicht ihr habt mich erwählt …« – aber sonst fehlten die üblichen Anerkennungen. Als ob die Ordination doch etwas irgendwie Selbstverständliches sei und keine besondere Bedeutung habe. Bei meiner Ordination kommentierten die Konfirmanden den Vorgang so: »Er ist noch einmal konfirmiert worden« – und meinten die Einsegnung mit Handauflegung.

Die Urkunde zum 50jährigen Jubiläum war schon knapper. Der Bibelvers aus Phil. 2 sagte »Denn Gott ist’s, der in euch wirkt, beides, das Wollen und das Vollbringen nach seinem Wohlgefallen«, und der Text formulierte: »Wir grüßen Sie … und freuen uns mit Ihnen über diesen Tag, den Ihnen Gott durch seine Gnade geschenkt hat. Er ­stehe Ihnen auch weiterhin bei mit seiner Güte und mit seinem ­Frieden.« Der beigefügte Brief vom Kirchenpräsidenten war ausführ­licher und herzlich.

Ja, und dann kam ein Brief vom »Stabsbereich Chancengleichheit«. Er war handschriftlich, geschrieben auf der Karte zur Jahreslosung der Evang. Frauen in Deutschland, ein Ruderboot lag auf dem Wasser und der Text lautete: »Ich werde den Dürstenden aus der Quelle des Lebenswassers umsonst geben« (Offb. 21,6). Auf der Innenseite las ich: »Vor 50 Jahren war Ihre Ordination zum Pfarrer – es ist lange her. Viel ist seitdem geschehen, beruflich und sicherlich auch privat. In der EKHN hat sich einiges verändert. Sie haben sich an manchen Prozessen beteiligt. Wir vom Stabsbereich Chancengleichheit wissen, dass Sie sich für die gleichberechtigte Teilnahme von Frauen und Männern in der EKHN eingesetzt haben. Sie waren Mitglied im Beirat der Arbeitsstelle Frauen in der Kirche, aus der wir hervorgegangen sind. Wir nehmen Ihr Jubiläum zum Anlass, Ihnen für den Einsatz, das Mit-Denken für das Thema ganz herzlich zu danken. Wir wünschen Ihnen alles Gute und der Segen Gottes sei stets mit Ihnen.«

Da habe ich mich sehr gefreut, weil diese Anerkennung nach mehr als zwei Jahrzehnten synodaler Arbeit eine Genugtuung war. So ­etwas braucht der Mensch …

Siegfried Sunnus 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2018

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