Zweitausendachtzehn

Von: Peter Haigis
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Das Jahr 2018 ist ein Jahr des Gedenkens und der Erinnerung. Da scheinen sich Ereignisse von welthistorischer Bedeutung, wie sie von den üblichen periodischen Gedenkabständen eingeholt werden, geradezu aufzudrängen: das Ende des Ersten Weltkriegs und die politischen Umbrüche danach im Spätherbst 1918, üblicherweise bezeichnet als »Novemberrevolution«, die Reichspogromnacht am 9. November 1938, die Gründung des Staates Israel im Mai 1948 sowie die Gründung des Ökumenischen Rates der Kirchen in Amsterdam im August 1948, das Attentat auf Martin Luther King am 4. April 1968, die Studentenunruhen in Paris wie in Deutschland, die später mit dem Schlagwort der »1968er-Generation« erfasst wurden, die gewaltsame Niederschlagung der Freiheitsbestrebungen in der kommunistischen Tschechoslowakei im August 1968 … – um nur weniges zu nennen.

Bei so viel Rückblick müsste aktuell eigentlich gar nichts mehr geschehen in der politischen Welt; wir hätten auch so genug mit dem Gedenken zu tun und die Medien fänden schon darin ausreichend Stoff. Doch das Gegenteil ist der Fall! Das Jahr 2018 ist politisch gesehen – bislang – alles andere als ein Pausenfüller. Das lässt die Frage aufkommen, ob angesichts der aktuellen Themen und Geschehnisse im politischen Raum überhaupt Zeit bleibt für den Blick zurück. Können wir uns die Vergangenheit aktuell leisten?

Die Antwort lautet: wir müssen! Gedenken und Erinnerung sind weder Luxus noch leichtfüßig nostalgisches Geplänkel. Gedenken und Erinnerung sind ein Kulturgut. Hier wird gegenwärtige Identität – ob politisch oder gesellschaftlich, kulturell oder religiös – fassbar, auf dem Weg über die Geschichte, hin in die Vergangenheit und zurück in die Gegenwart. Eingestiftet ist uns dieses Kulturgut übrigens durch die Traditionen jüdischen Glaubens – auch das sollte nicht vergessen werden!

Herzlich grüßt Sie Ihr

Peter Haigis.
 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 8/2018

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