Ein bisher unbekannter Brief von Emanuel Hirsch
Von der Schwierigkeit akademischer Theologie mit politischer Relevanz

Von: Uta Feddersen/Jobst Reller
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Das Beispiel Emanuel Hirschs im Nationalsozialismus zeigt in erschreckender Weise, wohin akademische Theologie tendiert, wenn sie sich für politische Zwecke instrumentalisieren lässt. Uta Feddersen und Jobst Reller rekonstruieren ausgehend von einem bislang unveröffentlichten Brief Emanuel Hirsch aus dem Jahr 1939 den Gesamtzusammenhang seines politischen Denkens und Handelns.


Im Privatarchiv von Dr. Reinhard Deichgräber, Hermannsburg, haben sich ein Brief und in der Anlage ein Portraitfoto1 Emanuel Hirschs, des seiner Zeit weit bekannten Professors für systematische Theologie (seit dem Wintersemester 1936/37, vorher seit 1921 Professor für Kirchengeschichte) an der Evang.-theol. Fakultät der Georg-August-Universität Göttingen aus dem Herbst 1939 erhalten. Der Brief ist ein bestürzendes Dokument der Instrumentalisierung der theologischen Wissenschaft.



Ein umstrittener und politisch belasteter Theologe

Hirsch, der größte Schüler Karl Holls,2 hatte früh für die Kirchenpartei der Deutschen Christen optiert und war auch nach dem Aufflammen des sog. »Kirchenkampfes« im Herbst 1933 über die Bekenntnissynoden von Barmen und Dahlem 1934 hinaus dieser Linie treu geblieben – nach der Deutung des renommierten Kirchengeschichtlers Kurt Dietrich Schmidt, weil ihm im Gefolge Fichtes das Volkstum als eigentlicher Bezugsrahmen einer Theologie der Neuzeit erschien.3 1945 ließ Hirsch sich aus Krankheitsgründen vorzeitig in den Ruhestand versetzen – wohl ahnend, dass er sein Lehramt an der Universität Göttingen wegen seiner eindeutigen Parteinahme in der folgenden Entnazifizierung verloren hätte. Er verstarb völlig erblindet 1972 im Alter von 84 Jahren, von vielen geehrt wegen seiner Arbeiten zur systematischen Theologie der Neuzeit, ohne den Geruch seiner nationalsozialistischen Parteinahme je wieder losgeworden zu sein.4

Zur Illustration seiner bleibenden Leistungen sind nur seine monumentale fünfbändige »Geschichte der neuern evangelischen Theologie im Zusammenhang mit den allgemeinen Bewegungen des europäischen Denkens«5 oder auch seine Übersetzung Kierkegaards6 zu nennen. Die Urteile über ihn reichen von »einem der intelligentesten nationalsozialistischen Theologen« und Vertreter zeitgemäßer »Modernisierung«7 bzw. einer »militante[n], nationalprotestantische[n] Mentalität« und einem »Sozialdarwinisten«8 bis zu selbstverständlicher, wenn auch kritischer Benutzung in der systematisch-theologischen Detailarbeit.9 Hirschs Parteinahme für den Nationalsozialismus ist in der Regel die Erwähnung wert,10 aber im Gesamtzusammenhang von Hirschs Theologie auch in jüngster Zeit nicht wirklich erforscht.11


Keine Spur von Zweifeln an der eigenen Position

In einer unveröffentlichten biographischen Skizze schrieb Hirsch über sich selbst:12 »Sie (zwei Schriften aus dem Jahr 1934)13 sind der Versuch gewesen zu zeigen, unter welchen Bedingungen ich den Nationalsozialismus als eine mit dem Christlichen vereinbare Gestaltung des Menschlichen anerkennen könnte. Sie sind vergeblich gewesen. Die christlichen und kirchlichen Kreise haben sie kaum zur Kenntnis genommen. Von Seiten des Nationalsozialismus aber wurde die Schrift über die gegenwärtige geistige Lage angesichts ihrer theologischen und kirchlichen Erfolglosigkeit als Werk eines Einzelgängers gering geschätzt.« »Es ist mir klar, daß ich mit meinem Wollen, so wie die Dinge sich im Augenblick ausnehmen, als ein Gescheiterter dastehe, daß die Wogen und Winde der Geschichte das Schiff in eine andere Richtung getrieben haben, als ich von Jugend auf für richtig gehalten.«

Zumindest war Hirsch zu der Einsicht gekommen, dass seine Parteinahme für den Nationalsozialismus auch in der NSDAP selbst, weil sie sich machtpolitisch nicht verwerten ließ, auf wenig Gegenliebe gestoßen war. Von Zweifeln am eigenen Idealbild des Nationalsozialismus ist aber auch im Rückblick keine Spur zu entdecken.14 Nichtsdestoweniger nahm Hirsch von Äußerungen wie z.B. einem Gutachten für die Reichskirchenleitung vom 7.10.1933, das den Ausschluss von Judenchristen aus einer deutschen Reichskirche rechtfertigte und doch für die Wertschätzung der Juden – wenn auch als »fremdes« Volk – warb, nie etwas zurück.15


Ein bislang unveröffentlichter Brief

Empfänger des hier erstmals publizierten Briefes ist der Altphiloge Prof. Dr. Karl Marienus Deichgräber (1903-1984), der 1938 aus Marburg als Nachfolger von Max Pohlenz an die Göttinger Universität berufen worden war. Deichgräber war seit 1938 Mitglied der NSDAP und dann Professor geworden, weil nach Ansicht des Dekans über ihn auch »in weltanschaulicher Hinsicht nur Vorzügliches zu berichten« war.16 Deichgräber amtierte von 1939-1945 auch als Dekan der philosophischen Fakultät und hatte Hirsch, der seinerseits bis 1939 Dekan der evang.-theologischen Fakultät war, bei einem Antrittsbesuch in dessen Zuhause kennen gelernt. Die Dekanate der theologischen und philosophischen Fakultät waren gemeinsam in einem Haus an der Theater­straße untergebracht, sodass man sich als Kollege schon allein aus diesem Grund ­begegnete.

Professor D. E. Hirsch Hainholzweg 66, Göttingen 7.11.39
Lieber Herr Deichgräber,
ich danke Ihnen herzlich, daß Sie mir Ihre Äschylosarbeit geschenkt haben. Die griechischen Tragiker und daneben etwas Musik sind eigentlich das einzige Teil, das ich an den Genüssen dieser Welt nehme.
Ich füge diesen Worten ein kleines Buch bei, in dem kein Wort von mir steht. Es ist seit einigen Jahren mein wissenschaftl[iches] Ziel, die Überlieferungsgeschichte der Evangelien18 zum Abschluß zu bringen. Meine Studien darüber brauchen noch eine Weile technischer Arbeit. Um aber dem Wunsch einer frei werdenden Kirche, für deutsche Männer heute eine geschichtlich brauchbare Sammlung der Zeugnisse von Jesus in ihrer jeweils erreichbaren oder rekonstruierbaren ursprünglichen Gestalt zu besitzen, entgegenzukommen, hab ich das Ergebnis meiner Arbeit, so wie es sich [...]19 stellt, veröffentlicht ohne Gründe und Beweise. Die Rekonstruktion des »ersten Erzählers« ist endgültig; bei Matth[äus] und Luk[as] werde ich noch Verfeinerungen des Ergebnisses erzielen können. Herzlich grüßend Heil Hitler Ihr E[manuel] Hirsch
 

Auch Deichgräber verlor im Rahmen der Entnazifizierung im Januar 1946 zunächst seine Professur, obwohl ihm bestätigt worden war, dass er es an Eifer für die nationalsozialistische Aufbauarbeit habe fehlen lassen,17 erhielt allerdings 1951 als Fachgelehrter, der sich besonders durch Forschungen zur Geschichte der griechischen Medizin auswies, die Lehrbefähigung zur Wiederverwendung und 1957 die Professur wieder zurück.


Positive Aufgeschlossenheit für den nationalsozialistischen Staat

Hirsch und Deichgräber sind sich als Kollegen begegnet, ohne befreundet oder mit einander vertraut zu sein. Die Vermutung positiver Aufgeschlossenheit für den nationalsozialistischen Staat mag beiderseits vorgelegen haben. Der ausdrückliche Gruß am Ende »Heil Hitler« kann Floskel gewesen sein, aber im Fall Emanuel Hirschs war er wohl doch auch mehr.20 Der Anlass des Briefs entspricht kollegialer akademischer Gepflogenheit und der Anteilnahme an der Forschungsarbeit des Kollegen auch über Fachgrenzen hinweg. Deichgräber hatte Hirsch offenbar seine neueste Veröffentlichung »Die Lykurgie des Aischylos. Versuch einer Wiederherstellung der dionysischen Tetralogie«21 übersandt, Emanuel Hirsch im Gegenzug und wohl durch das Stichwort »Rekonstruktion« inspiriert, sein eben im Verlag »Kommende Kirche« erschienenes 112-seitiges in Fraktur gedrucktes Buch »Jesus. Wort und Geschichte Jesu nach den ersten drei Evangelien«22.

Die populär gedachte Sammlung und Rekonstruktion der Urerzählung von Jesus Christus gilt Hirsch gewissermaßen als Nebenprodukt der historischen Forschung zur Überlieferung der Evangelien – eine Frage, von der Emanuel Hirsch hofft – was vermessen klingen mag – sie in nicht allzu ferner Zukunft nach einzig Zeit erfordernden technisch-handwerklichen Untersuchungen endgültig geklärt zu haben. Das Buch selbst ist seiner Meinung nach jedenfalls schon die endgültige und zuverlässige Rekonstruktion der christlichen Urüberlieferung von Jesus – wenn auch nur in deutscher Übersetzung. Abgesehen von den Eingriffen in der Rekonstruktion findet sich tatsächlich kein einziges Wort von Hirsch selbst im Buche.

Was für Hirsch als endgültige Erschließung des ersten Erzählers der Jesusgeschichte galt, hat sich zumindest in der Forschung nicht durchsetzen können. Hirschs Mehrquellentheorie im Gegenüber zur gängigen Zweiquellentheorie gilt sogar als zu den »besonders willkürlichen« Theorien gehörig.23 Rudolf Bultmann hatte bereits 1937 in einer Rezension zu Hirschs Büchern über das Johannesevangelium24 nachgewiesen, dass dieser um der Aktualität willen unsachgemäß interpretierte.25 Zumindest die Rekonstruktion des Johannesevangeliums durch Hirsch hatte also unmittelbar Widerspruch geweckt. Viel spricht dafür, dass Bultmann im Gegenzug zu Hirschs Ansatz bei einem neuzeitlichen Wahrheitsbewusstsein sein eigenes Entmythologisierungsprogramm formulierte.26


Die Bewegung »Die kommende Kirche«

Ein Kreis von Schülern Karl Holls gab seit 1933 die Zeitschrift »Deutsche Theologie« heraus, die von den Kirchenhistorikern Hanns Rückert und Heinrich Bornkamm verantwortet wurde. Zum Herausgeberteam gehörte auch Emanuel Hirsch, der als informeller Leiter Kontrolle über die anderen Mitglieder ausgeübt haben soll. Die Hollschüler fuhren regelmäßig zu Hirsch, um von ihm auf ihre politische, kirchenpolitische und theologische Haltung befragt zu werden. 1936 verlor Hirsch seinen Einfluss, als Bornkamm und Rückert sich vom Nationalsozialismus distanzierten.27 Es ist wohl bezeichnend, dass Hirsch seinen Weg unbeirrt allein fortsetzte.

Der Göttinger theologische Licentiat Heinz Weidemann (1895-1976), von daher mit Hirsch gut bekannt und deutschchristlicher Bischof von Bremen, hatte als eine Nachfolgerin der zerbrochenen älteren nationalsozialistischen »Deutschen Christenbewegung« (DC) im Frühjahr 1935 die »Christus bekennende Reichskirche-Bewegung DC« gegründet, für die er auch Emanuel Hirsch gewinnen konnte.28 Meist wurde diese Bewegung nach ihrer Zeitschrift genannt: »Die kommende Kirche«. Im Verlag dieser Zeitschrift war auch Hirschs Buch erschienen. Weidemann setzte »auf eine offene Sammlungsbewegung mit betont kirchenreformerischem Anspruch. Durch eine theologisch-philologisch abgestützte ›Entjudaisierung‹ bzw. ›Eindeutschung‹ der christlichen Botschaft – in der Bibelübersetzung, in Kirchenlied und Liturgie – sollte das Fundament für eine undogmatische, überkonfessionelle Nationalkirche gelegt werden, in der Christentum und Nationalsozialismus zu einer dynamischen Einheit verschmolzen.«29

1936 hatte man ein »Johannes-Evangelium deutsch« herausgebracht, in dem man Worte wie »Israel« und »Zion« strich, »Hosianna« durch »Heil« ersetzte. Hirsch trug bei den jährlichen Kirchentagungen in Bremen vor und schrieb auch in der Wochenzeitung »Kommende Kirche« mit einer Auflage von 15.000 Exemplaren. Für ein auf einer Vorarbeit »Lieder der kommenden Kirche« aus dem Jahr 1938 aufruhendes neues bremisches Kirchengesangbuch, das auch eine Gruppe von Liedern für politische Feiertage enthielt wie den »Tag der nationalen Erhebung« (30. Januar), steuerte Hirsch im Oktober 1939 elf eigene Dichtungen bei.

Weidemann schwebte auch ein neuer Pfarrertyp vor, der »ein strafforganisiertes, politisch-religiöses Glaubenskämpfertum« vertrat. Zu diesem Zweck und wohl kaum ohne Beteiligung Hirschs als Dekan der theologischen Fakultät war im Januar 1939 ein ­bremisches Studienhaus in Göttingen als »Kirchen­burg« eröffnet worden.


Manipulierte Wissenschaft

Aus diesem Kreis kam offenbar der von Hirsch im Brief so formulierte »Wunsch einer frei werdenden Kirche, für deutsche Männer heute eine geschichtlich brauchbare Sammlung der Zeugnisse von Jesus in ihrer jeweils erreichbaren oder rekonstruierbaren ursprünglichen Gestalt zu besitzen«. Historisch-kritische Rekonstruktion sollte eine historisch brauchbare Sammlung der Zeugnisse von Jesus liefern, um der Utopie einer – so mag man ergänzen – von Tradition und Dogma freien Kirche deutscher Männer zu dienen.30 Nicht zufällig hatte Hirsch 1930 zusammen mit Paul Althaus und Heinrich Rendtorff die »Christlich-deutsche Bewegung« gegründet.31

Historisch-kritische Arbeit an der »Urkunde« des Christentums im NT galt Hirsch also unmittelbar als praktisch nutzbare Vergewisserung »für deutsche Männer« im Blick auf die für Christen zentrale Gestalt des irdischen Jesus. In interessanter Weise ist hier historisch-kritische Theologie mit nationalem Pathos und männlichem Heroentum32 verknüpft, was aus moderner Sicht chauvinistisch erscheint. Dabei ist deutlich, dass die »Lebensmacht« von Volk oder Nation von Hirsch zeit seines Lebens mit antiinternationalistischer und anfangs auch antipazifistischer Spitze pointiert wurde.33 Umgekehrt liegt hier ein deutlicher Beleg vor, wie aus nationalprotestantischem Engagement historisch-kritische wissenschaftliche Bemühung wächst und diese im Blick auf deutsch-christlich kirchliches Engagement im nationalsozialistischen Staat fruchtbar gemacht werden soll. Hirsch hat in seinem Bemühen, für die Gegenwart politisch relevante Theologie zu treiben, Anteil an der Gefährdung jeder wie auch immer gearteten kontextuellen Theologie, nämlich den Kontext zur Norm zu machen.34 Es ist kein Zufall – wenn auch bestürzend –, dass Hirsch gerade 1939 die These von der arischen und nicht-jüdischen Abstammung Jesu vertrat.35

Es liegt nahe zu fragen, ob bei Emanuel Hirsch zwischen wissenschaftlicher historischer Theologie und politisch nationalem und nationalsozialistischem Engagement wirklich getrennt werden kann. Selbst wenn man akademische persönliche Eitelkeit und Isolation in der Studierstube in Anschlag bringt, zeugt dieser Brief von einer auch nach sechs Jahren Kirchenkampf und zwei Monaten Weltkrieg offenbar völlig unerschütterten selbstgewissen Überzeugung, die aus heutiger Sicht um vermeintlicher oder erhoffter Relevanz willen wissenschaftliche Theologie instrumentalisiert.36 Als Karl Barth, aus seinen Göttinger Jahren mit Hirsch gut bekannt, 1940 in einer Schrift »Des Christen Wehr und Waffen« das Recht zur Selbstverteidigung der Schweiz gegen eine Macht der bewussten Lüge, des absichtlichen Unrechts, der grundsätzlichen Menschenverachtung und Menschenvergewaltigung, gegen eine »Revolution des Nihilismus« darlegte, antwortete Hirsch mit einem Pamphlet »Karl Barth, das Ende einer theologischen Existenz. Brief an einen ausländischen Freund«, das zu propagandistischen Zwecken vom deutschen Gesandten in Bern verbreitet wurde.37 Das überrascht angesichts des im oben publizierten Brief exponierten, unbeirrbaren idealistischen Selbstbewusstseins in keiner Weise.38


Anmerkungen:

1 Foto als Postkarte »Prof. D. Emanuel Hirsch« v. Joachim Heinrich Bahr, Göttingen in Privatarchiv Deichgräber.

2 Kurt Dietrich Schmidt: Einführung in die Geschichte des Kirchenkampfes in der nationalsozialistischen Zeit, hg. v. Jobst Reller, Hermannsburg 20102, 63.

3 Ebd., 257.

4 In Sammelwerken der neueren Theologiegeschichte wie: Gestalten der Kirchengeschichte, Bd. 10,2, hg. v. Martin Greschat, Stuttgart-Berlin-Köln 1984, oder: Theologen des 20. Jahrhunderts, hg. v. Peter Neuner/Gunther Wenz, Darmstadt 2002, fehlt Hirsch. Vgl. Hans-Walter Schütte: Mit der Gegenwart gleichzeitig sein. Vor hundert Jahren wurde Emanuel Hirsch geboren, in: Lutherische Monatshefte (1988), 249f; Heinrich Assel: Der andere Aufbruch. Die Lutherrenaissance – Ursprünge, Aporien und Wege. Karl Holl, Emanuel Hirsch, Rudolf Hermann (1910-1935), FSÖTh 72, Göttingen 1994; Ulrich Barth: Die Christologie Emanuel Hirschs. Eine systematische und problemgeschichtliche Darstellung ihrer geschichtsmethodologischen, erkenntniskritischen und subjektivitätstheoretischen Grundlagen, Berlin/New York 1992; Robert P. Ericksen: Theologen unter Hitler. Das Bündnis zwischen evangelischer Dogmatik und Nationalsozialismus, übers. v. A. Lösch, München 1986; H.J. Schjörring: Theologische Gewissensethik und politische Wirklichkeit. Das Beispiel Eduard Geismars und Emanuel Hirschs, AZG 7, 1979; Hans Walter Krumwiede: Kirchengeschichte Niedersachsens, Göttingen 1996.

5 Gütersloh 1949-54.

6 Gesammelte Werke, übers. u. hrsg. v. E. Hirsch/H. Gerdes u. H.M. Junghans, Düsseldorf/Köln 1951-69.

7 Gerd Theißen: Neutestamentliche Wissenschaft vor und nach 1945. Karl Georg Kuhn und Günther Bornkamm, Schriften der Phil.hist Klasse der Heidelberger Akademie der Wissenschaften Bd. 47, Heidelberg 2009, 11, 56.

8 Krumwiede, 403, 555f.

9 Dietz Lange: Glaubenslehre, 2 Bde., Tübingen 2001, passim.

10 Eilert Herms: Emanuel Hirsch, in: Profile des Luthertums, Die Lutherische Kirche Geschichte und Gestalten Bd. 20, Gütersloh 1998, 301-320, 301. Herms meint, dass Hirsch in der Nachfolge Kants gegenüber den ontologischen Kontinua der »Geistesmächte«, der »Lebensmächte« wie Volk und Familie und der »Ordnungsmächte« wie Staat und Gesellschaft christliche Inhalte historisch vollständig relativiert und damit irrelevant gemacht habe (317).

11 Vgl. z.B Matthias Wilke: Die Kierkegaard Rezeption Emanuel Hirschs, Hermeneutische Untersuchungen zur Theologie 49, Tübingen 2005, der die Untersuchung 1933 abbrechen lässt und für die Zeit von 1933-1945 nur eine unvollständige Bibliographie Hirschs gibt (547). Ähnlich Martin Zierath: Vollendung und Neuzeit. Transformation der Eschatologie bei Blumenberg und Hirsch, Marburger Theologische Studien 108, Leipzig 2011.

12 Zit. bei Schütte, a.a.O.

13 Das kirchliche Wollen der Deutschen Christen, Berlin-Charlottenburg 1933; Die gegenwärtige geistige Lage im Spiegel philosophischer und theologischer Besinnung. Akademische Vorlesungen zum Verständnis des deutschen Jahres 1933, Göttingen 1934. Dazu vgl. Lange, Bd. 1, 466. Vgl. auch: Der Weg des Glaubens, Hammer und Nagel 1, Bordesholm 1934; Der Offenbarungsglaube, Hammer und Nagel 2, Bordesholm 1934.

14 Vgl. auch das bei Martin Ohst Mitgeteilte: Der I. Weltkrieg in der Perspektive Emanuel Hirschs, in: Evangelische Kirchenhistoriker im »Dritten Reich«, Veröffentlichungen der Wissenschaftlichen Gesellschaft für Theologie Bd. 21, hg. v. Thomas Kaufmann/Harry Oelke, Gütersloh 2002, 64-121, 119, 121.

15 Krumwiede, 555.

16 Cornelia Wegeler: »… wir sagten ab der internationalen Gelehrtenrepublik«. Altertumswissenschaft und Nationalsozialismus. Das Göttinger Institut für Altertumskunde 1921-1962, Wien 1996, 254. Vgl. auch Wilt Aden Schröder: Deichgräber, Karl Marienus, in: Biographisches Lexikon für Ostfriesland, hg. v. Martin Tielke, Bd. 1, Aurich 1993, 98-103.

17 So die Erinnerung des Sohnes Dr. Reinhard Deichgräber.

18 Studien zum vierten Evangelium, BhTh 11, 1936; Das vierte Evangelium in seiner ursprünglichen Gestalt verdeutscht und erklärt, 1936; Frühgeschichte des Evangeliums I: Das Werden des Markusevangeliums (1940), 19512; II: Die Vorlagen des Lukasevangeliums und das Sondergut des Matthäusevangeliums 1941.

19 Ein Wort unleserlich.

20 Nach der deichgräberschen Familienerinnerung wurden die Söhne Hirschs als »Johannes« und »Paulus« herbeigerufen, um den Gästen »Heil Hitler« zu sagen. Ganz passt dies nicht zu den Vornamen der Kinder von Rose und Emanuel Hirsch: Friedrich, gefallen 1941, »Hans« und Ulrike († 2003).

21 Nachricht der Gesellschaft der Wissenschaften Göttingen, Phil. hist. Klasse I, Göttingen 1939.

22 Bremen 1939.

23 Werner Georg Kümmel: Einleitung in das Neue Testament, Heidelberg 1980, 24f; so auch Philipp Vielhauer, Geschichte der urchristlichen Literatur. Einleitung in das Neue Testament, die Apokryphen und die Apostolischen Väter, Berlin-New York 1975, 277.

24 Das vierte Evangelium in seiner ursprünglichen Gestalt verdeutscht und erklärt, 1936; Studien zum vierten Evangelium, 1936.

25 Theißen, 203-213, unter Bezug auf »Evangelische Theologie« 1937, 115-142; anders Barth, 137.

26 Theißen, ebd.

27 Theißen, 24, 66: Hanns Rückert (nach dem Zeugnis von Leonore Siegele-Wenschkewitz).

28 Schmidt, 87.

29 Almuth Meyer-Zollitsch: Die Bremische Evangelische Kirche 1918-1953, in: Andreas Röpcke (Hg.): Bremische Kirchengeschichte im 19. und 20. Jahrhundert, Bremen 1994, 177-318, 254ff, 272.

30 Vgl. die Skizze dieses Gedankens bei Ohst, 111 113, 117ff, nach dem Hirsch in völliger Umformung des christlichen Denkens in Lutherrenaissance und Theologie der Krise eine Vorstufe »einer kommenden neuen deutschen Theologie in neuer deutscher Zeit« sah.

31 Schmidt, 72.

32 Noch in den dreißig Briefessays zu »Ethos und Evangelium«, Berlin 1966 (!), 54f, bringt Hirsch Maschinenmeister Müller vom Kreuzer Lützow als Beispiel eines solchen »Helden«, der mit festem Griff die rot glühenden Hebel hält, um die Pulverkammer gegen eine Explosion zu fluten und damit Schiff und Mannschaft zu retten (Ohst, 65).

33 Ohst, 66, 117.

34 Lange, Bd. 1, 466.

35 In: »Das Wesen des Christentums«, Weimar 1939, 158-165; eine Auffassung, die er 1920 noch für Unfug erklärt hatte. Vgl. Lange, Bd. 2, 25, Anm. 45.

36 Dies streitet Ohst, 67, vehement ab.

37 Eberhard Busch: Karl Barth im Zeitgeschehen. »Eine Schweizer Stimme« zwischen 1935 und 1950, in: Michael Beintker/Christian Link/Michael Trowitzsch: Karl Barth im europäischen Zeitgeschehen (1935-1950), Zürich 2010, 47-65, 51.

38 Herms, 319: »Davon, daß zunächst die biblischen und reformatorischen Quellen im Licht einer Geschichtsphilosophie interpretiert werden, deren Ursprünge in der Philosophie des deutschen Idealismus und dessen lebens/existenzphilosophischer Kritik mit Sicherheit nachzuweisen sind, deren Übereinstimmung mit dem Eigensinn der reformatorischen und biblischen Zeugnisse ­jedoch höchst zweifelhaft ist.«


 

Über den Autor

Pastorin Uta Feddersen, Jahrgang 1962, Schulpfarrerin mit einer halben Stelle an der KGS Schwarmstedt.

Pastor Dr. Jobst Reller, 1992 evang. Militärpfarrer Munster III, von 2001 bis zur Schließung 2012 Dozent für Kirchengeschichte und Prakt. Theologie am Missionsseminar in Hermannsburg.

Von 1992-2001 arbeiteten Pastorin Feddersen und Pastor Dr. Reller im Gemeindepfarramt in Peine bei Hannover.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 6/2018

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