13. Mai 2018, Jeremia 31,31-34
Exaudi

Von: Johannes Gerrit Funke
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Zugang zum Lebendigsten

Gottes Souveränitätsansprüche

Die Verheißungen des Textes verweisen zum einen auf Gottes Hoheitsrechte an Menschen, bzw. an seiner Schöpfung. Das wird durch das hebräische Verb »b’l« in V. 32 vermittelt, welches meistens mit »Herr sein« übersetzt wird. Auf der anderen Seite wird zugesagt, dass Gott diese Souveränitätsansprüche zum Zuge bringt, indem er Schuld vergibt und Verschuldungen nicht anrechnet (V. 34b). So reagiert Gott auf die »unmögliche Möglichkeit« (K. Barth, KD III/3, 405), dass Menschen den Bund brechen können, den er mit ihnen geschlossen hat.

Man tut gut daran, das Brechen des Bundes in solchen Dimensionen einer eigentlich unmöglichen Möglichkeit zu sehen und es nicht »nur« in Kategorien von ungehorsamem Verhalten aufzufassen. So wird es in Jer. 33,20f damit verglichen, wie es wäre, wenn jemand den Rhythmus von Tag und Nacht außer Kraft setzen wollte. Es wird an den Grundfesten von allem gerüttelt, was füreinander verlässlich sein darf und was in solcher gegenseitigen Verlässlichkeit eine gemeinsame Lebenswelt bildet.


Grundpfeiler wechselseitiger Verlässlichkeit

Wo an den Grundpfeilern wechselseitiger Verlässlichkeit gerüttelt wird, werden auch die Grundlagen zwischenmenschlicher Beziehungen ausgehöhlt. Wir verlieren dann immer mehr die Fähigkeit, einander spontan als Nächste oder als geschwisterlich verbundene Menschen wahrzunehmen. Davon handelt V. 34a. Da kommen z.B. Ambitionen ins Spiel, Anderen erkennbar machen zu wollen, was allein Gott ihnen erkennbar machen kann. Oder da nimmt man einander mehr und mehr nur noch durch die Brille von Konkurrenz und Wettbewerb wahr. Man gibt als Maxime aus: »Wir/Ich zuerst«. Man erwartet auch bei seinen Mitmenschen kaum noch anderes, als dass sie von solcher Maxime programmiert sind wie von nichts sonst. Nicht umsonst heißt es in der Mt.-Fassung der Endzeitrede Jesu, dass da, wo nach und nach in die Brüche geht, was füreinander verlässlich sein soll, die Liebe erkaltet (Mt. 24,12).


Gottes Verlässlichkeit

Doch wie in dieser Endzeitrede Jesu geht es auch im Predigttext zuerst und zuletzt darum, wie Gott die Hoheitsansprüche seines Bundes zum Zuge bringt. Jer. 31,34 sagt zu, dass er das tut, indem er Schuld vergibt und der Verschuldungen nicht gedenkt. Was auch immer je als Belastung auf uns ruhen wird, Gott wird nicht aufhören, in uns sein Ebenbild zu sehen, wie er es immer schon in uns gesehen hat. Daran lässt Gott nichts und niemanden rütteln. Darin bleibt er für uns absolut verlässlich.

So erhält uns Gott den Zugang zu dem Lebendigsten, das es im Leben für uns geben kann. Das sind Momente, in denen wir unsere Nächsten als Nächste und unsere Menschengeschwister als Menschengeschwister spontan bejahen, begrüßen und annehmen können, und sich darin einfach spiegelt, wie wir uns selber von Gott bejaht, begrüßt und angenommen erfahren haben.


Vorpfingstlicher Horizont

Am Sonntag Exaudi kann man das auch in einen vorpfingstlichen Horizont stellen. Paulus hat den neuen Bund mit dem Wirken des Geistes Gottes in Verbindung gebracht. In 2. Kor. 3,18 spricht er dabei von dem Anblick der Herrlichkeit des Kyrios, durch den wir in dasselbe Bild verwandelt werden (bzw. uns verwandeln) von Herrlichkeit zu Herrlichkeit.

Die Verheißungen Gottes aus Jer. 31 sind dann wie ein sicherer Ort für das lebendigste Leben, das wir überhaupt erleben können. Sie können es in uns neu wecken und freisetzen, wo wir uns von ihm schon fast abgeschnitten haben.


Johannes Gerrit Funke

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2018

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