2. April 2018, 1. Korinther 15,50-58
Ostermontag

Von: Johannes Gerrit Funke
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Vergebliche Mühen und Gottes Zuwendung

I

Am Ende seines weitgespannten Auferstehungs-Kapitels greift Paulus in V. 58 noch einmal zwei Stichworte auf, die bereits in dessen grundlegendem Teil eine stille Schlüsselrolle spielten. Das erste ist das Adjektiv »kenos« (leer, vergeblich, sinnlos, für die Katz). In V. 10 hatte der Apostel für die ihm geschenkte Zuwendung Gottes (charis) ausgeschlossen, dass sie »vergebens« gewesen sei. In V. 14 schließt er indirekt aus, dass das für die Botschaft des Evangeliums oder für den Glauben zutreffen könne. In V. 58 schließlich geht es um die korinthischen Birefempfänger*innen und über sie auch um uns, nämlich darum, dass »eure Bemühung (kopos) im Herrn nicht vergebens geschieht«. Hier ist bereits das zweite Stichwort gefallen: »kopos«. In ihm steckt sowohl ein bis an Schmerzgrenzen gehendes aktives Tun als auch eine Bereitschaft, manches auszuhalten, was einen gerne zu Reaktionen mit gleichen Mitteln (nach dem Motto: »wie du mir, so ich dir«) provoziert. Auch das war in verbaler Form schon in V. 10 zur Stelle und deutete dort an, wie sich die Gnade Gottes bei Paulus ausgewirkt hat. Ein Blick in eine Konkordanz zeigt, dass Paulus mehrfach beide Wörter in engem Zusammenhang verwenden kann, und dass das Thema der uns geschenkten Zuwendung Gottes (charis), wie Paulus sie von Christus her versteht, ebenfalls unmittelbar angrenzt (vgl. etwa 2. Kor. 6,1ff).


II

Die Botschaft von der Auferstehung der Toten, die in der Auferweckung des Gekreuzigten gründet, schließt, so entnehme ich den Sätzen des Apostels, aus, dass die uns geschenkte Zuwendung Gottes je wie eine verlorene Liebesmühe aussehen und ins Nichts verpuffen wird. Sie sagt uns damit zugleich zu, dass alles Wirken und Tun, das wir auf den Erweis der charis Gottes hin beginnen, und bei dem wir uns von ihr motivieren lassen, für Gott und Gottes öffentliche Welt (»Reich Gottes« in V. 50) bedeutsam ist, auch wenn wir das jetzt noch nicht sehen. Aber für die öffentliche Welt, die Paulus »Reich Gottes« nennt, und von dem Leben her, das die Auferstehung des Gekreuzigten begründet, werden solches Tun und was man in ihm manchmal aushalten muss, neu bedeutsam.


III

Mag sein, dass wir anscheinend niemanden erreichen oder nur herzlich wenig ausrichten. Wir mögen uns bisweilen so vorkommen, als stünden wir auf einsamer Flur. Es mag auch sein, dass nach menschlichen Kalkülen alles nur als völlig »ineffizient« o.ä. eingestuft würde. Doch die Verheißung, die vom auferstandenen Gekreuzigten ausgeht, stellt es in einen anderen Horizont. Das ist schon ein Stück von dem Sieg über den Tod in allen seinen Gestalten, dem biologischen Tod genauso wie dem sozialen Tod und anderen Gestalten des Todes, die Paulus meint, wenn er in V. 56 von der hamartia (Sünde) als dem Stachel des Todes spricht.


IV

Mir hilft ein Text von Ulrich Bach dazu, diese großartige Botschaft in alltägliche Erfahrung herunterzubrechen, ohne dass sie dabei an Substanz verliert: »Früher dachte ich, wenn mein Vetter den dicken Apfel bekommt und ich den kleineren, das wäre ungerecht. Heute weiß ich, wenn die Rede des Bundeskanzlers in jeder Zeitung steht, und was Gudrun, die dreijährige Nachbarstochter, vor der Tür zum Gips-Raum in ihre Kissen weint – zweimal schon wurde sie eingegipst, sie weiß, was das heißt –, und das steht nicht in der Zeitung, mit keiner Silbe, das ist ungerecht.« (Kraft in leeren Händen. Die Bibel als Kursbuch, 1983, 61). Wir werden sicher als Seelsorger*innen mit vielen Menschen zu tun haben, denen es ähnlich geht wie der dreijährigen Gudrun. Ihnen zur Stärkung möchte ich am Ostermontag predigen.


Johannes Gerrit Funke

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2018

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