1. April 2018, 1. Thessalonicher 4,13-14
Osternacht

Von: Christiane Borchers
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Bis die Morgenröte erscheint

Glaubensgewissheit

Perikope für die Osternacht sind die ersten beiden Verse eines Abschnitts über die Auferstehung der Toten. Paulus versichert der Gemeinde in Thessalonich, dass Christus wiederkommen und das Reich Gottes anbrechen wird, auch wenn sich die Ankunft verzögert. Paulus lebt, wie die christliche Gemeinde, in der Naherwartung und rechnet zu Lebzeiten damit. Als die ersten Christinnen und Christen sterben, bringt diese Tatsache den Glauben ins Wanken. Gemeindeglieder in Thessalonich machen sich Sorgen um ihre Schwestern und Brüder, die bereits gestorben sind. Wie können sie mit ins Gottesreich kommen, wenn sie schon tot sind? Paulus beruhigt die verängstigten Gläubigen. Auch die Toten werden ins Reich Gottes kommen. Gott wird sie auferwecken. Wie Jesus gestorben und auferstanden ist, werden auch die Verstorbenen auferstehen und ins neue Leben gehen. Paulus hält an der Wiederkunft Christi fest, spendet den besorgten Gemeindegliedern Trost und Hoffnung und vergewissert sie im Glauben.


Christus ist auferstanden

Wir leben heutzutage nicht mehr in der Naherwartung. Viele glauben gar nicht mehr an die Wiederkunft Christi und wenn, dann liegt sie in ferner Zukunft. Sind aber damit die Hoffnungen auf das Anbrechen des Gottesreiches verschwunden? Nein, die Hoffnung, dass das Reich Gottes kommt, bleibt. Jedes Jahr zu Ostern feiern wir die Auferstehung Christi. Das Thema der Naherwartung werde ich in der Osternacht nicht ausführen, wenn überhaupt, dann höchstens streifen.


Auferstehungsgottesdienst

Der Gottesdienst in der Osternacht beginnt in der Nacht und endet, wenn die Sonne aufgegangen ist. Symbolisch erlebt die Gemeinde, wie aus Tod Leben wird. Es wird kein Licht in der Kirche eingeschaltet, die Gemeindeglieder betreten die Kirche im Dunkeln und tasten sich nach einem Platz. Während des ganzen Gottesdienstes sitzt die Gemeinde im Kreis um eine gestaltete Mitte mit Symbolen des neuen Lebens: Frühlingsblumen, freier Platz im Zentrum der Mitte für die Osterkerze, Taufschale mit Wasser.

Die Gemeinde versammelt sich im Namen des dreieinigen Gottes, um mit dem Aufgang der Sonne die Auferstehung Jesu Christi zu feiern. In dieser Nacht ist Christus von den Toten auferstanden. Wir nähern uns dem österlichen Geheimnis, a) indem wir biblische Verheißungen hören, b) in dem wir miterleben, wie die Dunkelheit dem Licht weicht, c) indem wir uns vergegenwärtigen, dass wir getauft sind.

Auf ersttestamentliche Texte vom Auszug aus Ägypten nehme ich Bezug, auf die Erschaffung des Lichts in der Schöpfungsgeschichte, auf den Regenbogen als Zeichen göttlicher Zusage.

Folgende biblische Texte wecken die Hoffnung auf einen neuen Morgen auf: »Meine Seele wartet auf Gott, mehr als die Wächter auf den Morgen, mehr als die Wächter auf den Morgen« (Ps. 130,6). »Die Nacht hofft auf Licht, bis die Morgenröte kommt« (nach Hiob 3,9) und Ps. 30,6: »Die Nacht lang währet das Weinen, aber des Morgens ist Freude.«

Zwischendurch singt die Gemeinde mehrmals: »Die Nacht ist vorgedrungen, der Tag ist nicht mehr fern« (EG 16,1a). Nur diesen Anfang, nicht mehr.

Die Osterkerze wird nach Möglichkeit im Chorraum entzündet, hereingetragen und zur Mitte gebracht. An der Osterkerze entzünden alle ihre kleinen Kerzen, die die Gemeindeglieder zu Beginn am Eingang erhalten haben. Erleuchtet vom Osterlicht hören sie das Osterevangelium (Mk. 16,1-7 oder Lk. 24,1-9). Die Gemeinde singt mehrmals den Liedruf aus EG 118: »Der Herr ist auferstanden«. Ich erinnere an die Taufe, die Gemeinde spricht das Glaubensbekenntnis. Falls kein Kind getauft wird, tauche ich symbolisch die Hand dreimal ins Wasser der Taufschale und spreche die Taufformel. Der Osterauferstehungsgottesdienst endet mit Gebet und Segen.

Weitere Liedvorschläge: EG 105: »Erstanden ist der heilig Christ«, EG 177: »Der schöne Ostertag« und EG 100: »Wir wollen alle fröhlich sein«.


Christiane Borchers

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 2/2018

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