Warum nur eine vielgestaltige Kirche zukunftsfähig sein kann
Diverse Kirche

Von: Arne Dembek / Florian Gärtner
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Phänomene wie Globalisierung, Mobilität, Digitalisierung, Migrationsbewegungen sorgen dafür, dass wir im Alltag mit wachsender Vielfalt und Diversität konfrontiert sind. Die ­Kirchen verfügen über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Diversität, von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart. Arne Dembek und Florian Gärtner unternehmen den Versuch, Vielfalt als Charakteristikum von Kirche herauszustellen, und ­empfehlen einer Kirche, die in einer komplexer werdenden Welt zukunftsfähig und relevant bleiben will, sich auf die Vielfalt als eine ihrer Stärken zu besinnen.


In einer großen Menge bewegten sich die Gläubigen zum Altar; dort angekommen wurden sie von allen anwesenden Pastoren gesegnet, unabhängig von Konfession, Kultur oder Hautfarbe. Die so entstandene Segensgemeinschaft ließ ein Gespür für Pfingsten aufkommen. In den vielen Rand- und Nachgesprächen im Anschluss an den Gottesdienst waren viele Menschen begeistert von der Klarheit, in der hier gerade der eigene Glaube und das eigene Leben miteinander »versprochen« wurden. Das Erlebnis des lebendigen Glaubens von Menschen aus anderen Kulturen und Kontexten, der erfrischend und herausfordernd wirkt, in Verbindung mit den tief verwurzelten Glaubenserfahrungen der eigenen Tradition – diese Mischung hatte für viele Teilnehmer*innen des Gottesdienstes eine ungeheure Dynamik, die noch lange weiterwirken sollte …

Diese und ähnliche Erfahrungen in Kontakt mit Christen anderer Kultur und Sprache, in unseren Partnerländern und hier vor Ort haben uns zu den folgenden Überlegungen animiert. Wir verfassen diesen Beitrag als Menschen, die in ihren Arbeitsfeldern immer wieder die Erfahrung machen, wie herausfordernd und zugleich bereichernd der Umgang mit Verschiedenheit sein kann. Wir sind also parteiisch und insofern ist auch unser Beitrag als ein engagiertes Plädoyer für eine diverse Kirche zu lesen.

Unsere Welt wird immer komplexer. Globalisierung, Mobilität, Digitalisierung, Migrationsbewegungen – all diese Phänomene sorgen dafür, dass wir in unserem Alltag mit einer wachsenden Vielfalt und Verschiedenheit (Diversität) konfrontiert sind. Viele Menschen sind verunsichert durch diese komplexen Herausforderungen. Manche suchen nach einfachen Antworten und folgen denen, die sie ihnen vermeintlich geben können.

Als Kirche verfügen wir über einen reichen Erfahrungsschatz im Umgang mit Diversität, von den Anfängen des Christentums bis in die Gegenwart. Wir gründen uns auf das vielfältige Zeugnis der Schrift. Wir wissen um den Reichtum konfessioneller Vielfalt. Wir sind vernetzt mit Christinnen und Christen in der weltweiten Ökumene. Doch wir aktivieren diesen Erfahrungsschatz nur selten, bleiben häufig lieber im Gewohnten und sehen uns selbst lieber vor allem regional verortet.

Eine Kirche, die in einer komplexer werdenden Welt zukunftsfähig und relevant bleiben will, tut jedoch nach unserer Auffassung gut daran, sich auf die Vielfalt als eine ihrer Stärken zu besinnen. Darum möchten wir in diesem Beitrag den Versuch unternehmen, Vielfalt als Charakteristikum von Kirche herauszustellen. Wir sind davon überzeugt, dass Vielfalt vom ntl. Zeugnis her für die Kirche wesentlich ist. Wir wollen aufzeigen, dass sich Einheit kirchenhistorisch immer nur in Form von Vielfalt gezeigt hat. Und wir sind davon überzeugt, dass Kirche den Herausforderungen unserer Zeit besser begegnen kann, wenn sie sich als diverse Kirche versteht. Schließlich möchten wir Anregungen geben und Vorschläge machen, wie sich unsere Landeskirchen zu einer größeren Vielfalt und – wie wir glauben – damit auch zu einer zukunftsorientierten und relevanteren Form von Kirche entwickeln können.


Der eine Leib und die verschiedenen Glieder – ekklesiologische Grundlegung

Wer über eine diverse Kirche schreibt, muss zunächst sagen, welche Kirche er meint. Als Grundlegung und Abgrenzung soll das paulinische Bild des Leibes Christi dienen (1. Kor. 12). In diesem Bild (ja, es ist ein Bild und kein dogmatischer Grundsatzentwurf) finden sich alle Kriterien, die es braucht, um in einen theologischen Dialog auf Augenhöhe zu gehen.

Natürlich gibt es in der Bibel viele andere ekklesiologische Bilder, die die Vielgestaltigkeit von Kirche voraussetzen oder explizit reflektieren (wanderndes Gottesvolk, Gemeinschaft der Heiligen, Leib mit Christus als Haupt …), für den Versuch aber, diverse Kirche zu denken, interkulturellen Dialog zu ermöglichen und den Unterschied zum interreligiösen Dialog herauszuarbeiten, eignet sich dieses Bild u.E. in besonderer Weise.


1. Zugehörigkeit zu dem einen Leib

Paulus legt in seinem Bild des Körpers sehr ausführlich dar, wie sich Zusammengehörigkeit definiert: Es sind die Leibgrenzen des einen Körpers, dessen einzelne Teile durchaus sehr unterschiedlich sein können, funktionale Trennung erleben und erleiden und immer nur Teile der Sinneswahrnehmungen teilen und erfahren. Der Leib Christi ist einer »und hat viele Glieder, alle Glieder Christi aber, obschon es viele sind, bilden den Christus«1. Die Vielfältigkeit des Leibes ist für Paulus selbstverständlich vorausgesetzt. »Entscheidend ist aber, daß nicht Uniformität, sondern Pluriformität für den Leib Christi lebenswichtig sind.«2 Das bedeutet: das »Weltbild« eines Gliedes, eines Teiles ist immer fragmentarisch, einmal aufgrund der beschränkten Sinneswahrnehmung und zum anderen aufgrund der funktionalen Trennung.

Daraus aber folgt: jedes Glied, jedes Kirchenmitglied, jede Gliedkirche, jede Denomination, jede christliche Gruppierung hat nur eine fragmentarische Wahrnehmung der Wirklichkeit, auf das Ganze von Gottes Schöpfung.

Dies ist nach Paulus nichts Defizitäres, sondern notwendige Folge des Leib-Seins. Es lassen sich daraus demütige Erkenntnisse ableiten. Bildlich gesprochen kann ich als Glied des Leibes maximal über mich sprechen, da mir der umfassende Blick von außen nicht zugänglich ist.

Diese demütige Selbstbeschränkung bezieht sich auch auf die rechte Funktionalität einzelner Glieder: Ich kann als Glied des Leibes maximal beurteilen, ob ich meinen Funktionen gerecht werde, bei den Funktionen der anderen Glieder kann ich fragen, mahnen, diskutieren, aber nicht verurteilen. Das hat Folgen mit Bezug auf mögliche Ausschlussüberlegungen, wie Paulus ausführlich darlegt.


2. Selbstausschluss und Fremdausschluss

Die Idee, einer Gemeinschaft nicht würdig zu sein, ist ein altes Problem und resultiert meist aus der Kombination einer stark restriktiven Powergruppe innerhalb einer Gemeinschaft und/oder einer defizitären Selbstwahrnehmung.

Wenn wir den Leib Christi als zentrales ekklesiologisches Bild verstehen und damit eine christologische Zentrierung der »Kirchendebatte« favorisieren, kann es weder einen Selbstausschluss noch einen Fremdausschluss geben. Der Ausschluss aus dem Leib Christi ist deshalb nicht möglich, weil es so immer zu einer Verstümmelung des Leibes kommt. Einem Selbstausschluss, der aufgrund einer defizitären Selbstwahrnehmung geschieht, gilt es von Seiten der Gemeinschaft mit viel Liebe und Geduld entgegen zu wirken. Dem Selbstausschluss aufgrund restriktiver Powergruppen gilt es entgegenzustehen und der Zusammengehörigkeit das Wort zu reden.

Theologisch gesprochen, ist die Häresie eine interne Herausforderung, die es im Körper, in der Gemeinschaft anzunehmen und zu bearbeiten gilt. »Paulus sagt zwar nicht explizit, daß es abgestorbene Glieder und passive Gliedschaft in einem lebendigen Leib wesensmäßig nicht geben kann, wohl aber setzt er voraus, daß kein Glied ohne Funktion ist, weil jeder Getaufte Charismatiker ist.«3 Paulus will gerade die Rücksichtnahme auf die schwachen Glieder am Leib hervorheben. Wer denkt, mehr wert zu sein als ­andere, verkennt das notwendige Aufeinanderbezogensein im Leib. Diverse Kirche spiegelt genau dieses Bild wider. Ein Bild des Diskurses, der Diskussion, der deutlichen theologischen Worte, des Ringens um die christologische Mitte, der Anfragen an ekklesiologische Ansätze – aber immer aus der Mitte zu der Mitte oder besser von einem (funktionalen) Teil an einen anderen.


3. Bekenntnis und Synkretismus

Alles, was Christus bekennt, ist erfüllt vom Heiligen Geist, der in der Taufe wirkt. Einheit verdankt sich nicht menschlicher Initiative, sondern ist Wirken des Geistes – der Rest ist Begabung. Wenn Menschen Christus bekennen, sind sie Teil des einen Leibes der Christenheit. Wenn, wie z.B. in Bolivien, darüber hinaus zusätzlich etwa die Mutter Erde verehrt wird oder Christen andernorts den Ahnenglauben integrieren, dann stellt sich dies zunächst als eine Gabe dar – die Gabe des additiven Denkens. Für die Gemeinschaft ist das Christusbekenntnis notwendig und hinreichend. Die Unterschiede entstehen durch die unterschiedlichen Gaben, und beides – Gemeinschaft und Gaben – sind Werk des Heiligen Geistes. Vor diesem Hintergrund erledigen sich viele Synkretismusdebatten und Häresieanfragen – nicht was den theologischen Diskurs angeht, wohl aber in der wechselseitigen Verurteilung.

Dies ist das Tor, die Brille, die Perspektive, die ekklesiologische Grundbestimmung, welche »diverse Kirche« ermöglicht, ja fordert. Menschen als Geschöpfe Gottes, bekennende Christen und geistbegabte Wesen zeichnen sich durch Unterschiede aus, im Bild des Leibes durch unterschiedliche Funktion und Glieder. In der Kirche herrscht notwendigerweise große Diversität in der Gemeinschaft. Einst war das Leitbild des Protestantismus die »Einheit in versöhnter Verschiedenheit« – heute scheuen wir die Konsequenzen dieses Bildes hin und wieder, wenn es um die neuen internationalen christlichen Gemeinden in unserer Umgebung geht. Dabei haben sie – ekklesiologisch gesehen – »nur« von uns unterschiedene »Begabungen«.

Natürlich mag es auch innerhalb des einen Leibes Situation geben, in denen die einen das Christusbekenntnis der anderen anzweifeln, ja, sich sogar gezwungen sehen, deren Bekenntnis mit dem Verweis auf einen status confessionis öffentlich anzuzweifeln und die Beziehungen abzubrechen.4 Die gelebte Gemeinschaft ist in diesem Fall unmöglich geworden. Davon unbenommen bleibt jedoch die eigene Erkenntnis immer fragmentarisch, so dass die Ausrufung eines status confessionis – so berechtigt sie auch sein mag – stets unter einem Vorbehalt geschieht. Kein Glied des einen Leibes kann einen Erkenntnisstandpunkt einnehmen, von dem es als letztgültiger Richter über die Zugehörigkeit eines anderen Gliedes zum Leib entscheiden kann. Diese Perspektive ist ­allein Gott vorbehalten.


4. Begabungen

Begabungen sind von Gott gewollt und vom Geist gegeben. Dabei wird die Frage, was ist eine Gabe und was ist ein Spleen5, immer virulent bleiben. Wähle ich aber den paulinischen Blickwinkel, muss ich zunächst an alle konfessionellen und kulturellen Ausformungen des Christentums, die sich von meiner eigenen unterscheiden, herangehen mit dem »Vorurteil«, dass sie alle von Gott gewollt und vom Geist gegeben sind. Sie alle sind Teil des funktional getrennten Leibes Christi oder der bunten, diversen Kirche. Ob etwas eine Gabe oder ein Spleen ist, entscheidet sich am Christusbekenntnis und an der Dienlichkeit für die Gemeinschaft, wie Paulus schreibt.


5. Bruchstückhafte Erkenntnis

Dass wir als Christen Gottes Willen nur in Bruchstücken oder in Spiegelbildern sehen, ist eine Erkenntnis, die allen theologischen Überlegungen sowohl vorausgeht als auch nachfolgt. Beim ekklesiologischen Bild des Leibes ergibt sie sich auch aus der Frage des Standpunktes von selbst: Als Teil des Körpers sehe ich das Ganze nur fragmentarisch und funktional. Möglicherweise gibt es Glieder, die mir selbst »nichts bringen« oder mich gar einschränken. Deshalb ist das »Prä-« und das »Post-« eines Erkenntnisprozesses immer mit Unsicherheit oder besser Demut verbunden. Erkenntnisse und kirchengeschichtliche Bekenntnisse sind für mich, meine Gruppe, mein Glied-Sein wichtig, richtig und sogar bindend, aber nicht für die Gesamtgemeinschaft der Christen. Alle Bekenntnisse atmen Gottes Geist, wenn sie Christus bekennen – würde Paulus wohl sagen. Alle anderen Unterschiede sind lediglich Unterschiede in den Gaben und Begabungen, in den Kulturen, Kontexten und in der Zeitgenossenschaft. Das entbindet keinen vom Dialog oder der Diskussion – sie sind nötiger denn je –, aber es ermöglicht beides vor einem anderen Hintergrund.


Zwischenfazit

Eins zu sein im Glauben – eins zu sein im Leib Christi – das ist die Grundlage, auf der wir uns mit unseren je unterschiedlichen Kontexten, Kulturen, Glaubenstraditionen und geistesgeschichtlichen Prägungen begegnen. Wenn wir einen Austausch gestalten wollen, um Beziehungen aufzubauen, dann gilt es, einen »Zwischenraum« zu eröffnen und zu gestalten. Dazu gehören immer mindestens zwei. An uns selbst ist darum die Frage zu richten: Sind wir bereit, anderen als Glieder am Leib Christi auf Augenhöhe zu begegnen?


Postulierte Einheit und tatsächliche Vielfalt – kirchen- und theologiegeschichtlicher Überblick

Obwohl Paulus uns mit der Metapher des Leibes das Idealbild einer vielfältigen Kirche vorgibt, hat doch der Gedanke der Einheit in der Geschichte der Christenheit als positiv besetztes Ideal immer eine wesentlich stärkere Wirkung entfalten können. Dabei war »Einheit«6 meist nur erstrebtes, beschworenes und oft genug auch politisch instrumentalisiertes Prinzip, wohingegen sich »Kirche« in Wahrheit stets in einer großen Vielgestaltigkeit von Bekenntnis, Lehre und Glaubenspraxis präsentiert hat.7


1. Urchristentum – Alte Kirche – Mittelalter

Schon im NT ist von Uneinigkeit und Spaltungen die Rede. Die Frage nach dem Verhältnis zur jüdischen Mutterreligion, die Auseinandersetzung mit der Gnosis und der Umgang mit prophetischen Protestbewegungen (z.B. Offb.) führte schon früh zu einer Ausdifferenzierung: »In Auseinandersetzung mit der Grundfrage: Was ist Christentum? begegnen uns viele Antworten«8. Die Ausbildung des Kanons, welche die Alte Kirche in Abgrenzung von Markion vollzog, kann als Antwort auf diese Krisen und zugleich als »Bekenntnis zur Pluralität«9 verstanden werden.

Doch selbst auf der Grundlage eines gemeinsamen biblischen Kanons ließen sich auf zentrale theologische Fragen unterschiedliche Antworten finden. Auch wenn bereits Cyprian von Karthago (Unitas Ecclesiae, 251) Einheit als Einzigkeit interpretiert und die Zugehörigkeit zu dieser einen Kirche für heilsnotwendig erklärte hatte (extra ecclesiam salus non est) – die trinitarischen und christologischen Auseinandersetzungen des 4. und 5. Jh. führten dennoch zu Spaltungen und einer weiteren Ausdifferenzierung der Christenheit.

Weitere Schismata folgten. Ursache waren dabei nicht immer unterschiedliche theologische Positionen, sondern oft auch ein »Auseinanderleben« aufgrund verschiedener kultureller Prägungen: Abendländisches und byzantinisches Christentum bildeten unterschiedliche Formen des Gottesdienstes, der Frömmigkeit und der theologischen Prioritätensetzungen aus. Man sprach buchstäblich nicht dieselbe Sprache. Dem großen Schisma von 1054 ging ein langer Prozess der Entfremdung voraus.

Doch auch die Einheit der abendländischen Kirche des Mittelalters, die mancher im Rückblick zu erkennen glaubt und die natürlich bis heute Teil des römisch-katholischen Selbstverständnisses ist, ist ein gedankliches Konstrukt, welches die Vielfalt innerhalb der Papstkirche schon vor der Reformation schlicht ausblendet. So konnten Diversifizierungsprozesse ganz handfeste politische Hintergründe haben, wie etwa das Große Abendländische Schisma (1378-1417), das Westeuropa zwei päpstliche Obödienzen bescherte. Auch gab es bereits im späten Mittelalter, etwa in Frankreich, erste Tendenzen, »Kirche« stärker in »nationalen« Bezügen zu sehen und politisch zu gestalten.

Vielfältig waren im Mittelalter aber auch die Wege, auf denen Menschen versuchten, die Nachfolge Christi ernst zu nehmen: Von den verschiedenen Formen des Mönchtums und ihren jeweiligen Reformbewegungen, über die christliche Mystik, bis hin zur Armutsbewegung in ihren unterschiedlichen Ausprägungen, die im Fall der Humiliaten und Bettelorden innerhalb, im Fall der Waldenser außerhalb der römischen Kirche und ihm Fall der Katharer auch außerhalb des christlichen Lehrkonsenses ihren Ort fanden. Schließlich sind die sog. frühreformatorischen Bewegungen der Hussiten und Lollarden zu nennen, die deutlich machen, dass die Auslegung der Bibel auch im späten Mittelalter nicht einheitlich war.

Darüber hinaus ließen sich die vielen unterschiedlichen regionalen, kulturellen und sprachlichen Formen christlichen Lebens anführen, die es – auch unter dem päpstlichen Primat und mit einer einheitlichen römischen Messform – gab und bis heute im römischen Katholizismus gibt.


2. Einheit als geistliche Größe – der Neuansatz reformatorischer Theologie

Dass die Einheit der abendländischen Kirche nur eine postulierte Einheit war, wurde nun jedoch im Zuge der Reformation für alle sichtbar. Die Trennung von der Papstkirche stellte die Reformatoren vor die Frage: Wie kann die eine, heilige, apostolische und allgemeine Kirche des Bekenntnisses noch verstanden werden, wenn die (vermeintliche) äußere Einheit nicht mehr existierte? Die Reformatoren begegneten dieser Herausforderung, indem sie erstmals inhaltliche Kriterien für die Einheit der Kirche benannten:

Dass die Kirche eine ecclesia una sancta apostolica et catholica ist, ist für sie keine empirische Erkenntnis mehr, sondern eine Glaubenswahrheit. So schreibt Luther: »es weiß gottlob ein Kind von 7 Jahren, was die Kirche sei, nämlich die heiligen Gläubigen und ›die Schäflin, die ihres Hirten Stimme hören‹, denn also beten die Kinder: ›Ich ­gläube [an die] eine heilige christliche Kirche‹«.10 Die Kirche ist für Martin Luther, wie auch für Johannes Calvin, also ihrem Wesen nach communio sanctorum auf dem Fundament des Evangeliums Jesu Christi.

Empirisch ist die Kirche jedoch immer ein corpus permixtum. Darum unterscheidet Luther zwischen einer sichtbaren, äußerlichen Kirche und der verborgenen Kirche, die der Definition des Apostolikums entspricht. Wer zu dieser wahren Kirche gehört, wen Gott rechtfertigt, entscheidet nur er selbst. Die Grenzen der wahren Kirche sind somit nicht durch Menschen festzulegen, sie sind ihnen vielmehr verborgen.

Mit Blick auf Einheit und Vielfalt ist für Luther klar: Einheit, genauso wie Heiligkeit, Christlichkeit und Katholizität können nur für die im Glauben erfasste verborgene Kirche als gesichert gelten. Um die irdische sichtbare Kirche zu erkennen, bedarf es vielmehr äußerlicher Kennzeichen, an denen »ein armer irrender Mensch merken [kann], wo solch christliches, heiliges Volk in der Welt sei«11. Die Zahl dieser notae externae schwankt bei Luther – je nach Schrift –, doch am Ende ist es ein entscheidendes Charakteristikum: »Das christliche heilige Volk ist daran zu erkennen, dass es das heilige Gotteswort hat (…). Dies ist das Hauptstück und das hohe Heiligtum, nach dem das christliche Volk heilig ist«.12

So hilfreich die Benennung von äußerlichen Kennzeichen ist, um die Verbindung der sichtbaren zur unsichtbaren Kirche zu bezeugen, so groß ist jedoch auch die Gefahr, diese Kennzeichen als Beleg für die Identifikation der eigenen Kirche mit der universalen unsichtbaren Kirche misszuverstehen, nach dem Motto: »Weil wir die Merkmale der unsichtbaren Kirche haben, sind wir auch die eine, wahre, allgemeine, apostolische Kirche – und alle anderen nicht!« Dass die sichtbare Kirche immer nur vorläufig, fehlerhaft und fragmentarisch die eine, unsichtbare Kirche repräsentieren kann, bleibt hier außen vor. Und leicht wird dann in der Folge den anderen, die das eine Wort Gottes auch bezeugen – wenn auch vielleicht anders als wir – die Verbindung zur unsichtbaren Kirche abgesprochen. Was ein Hilfsmittel sein sollte, wird so zur konfessionellen Waffe. Die Frage lautet dann nicht mehr: »Wo erkenne ich das Licht, das ich bei mir scheinen sehe, auch noch und freue mich daran?«, sondern: »Wie versammle ich alle um das wahre Licht, das nur bei mir wirklich leuchtet?«

Vier Jahrhunderte konfessioneller Auseinandersetzungen zeugen von diesem Missverständnis der notae ecclesiae und von der falschen Ineinssetzung der eigenen (Konfessions-)Kirche mit der unsichtbaren Kirche Christi. Erst infolge der ökumenischen Bewegung ist diese Engführung in größerer Form überwunden worden. Festgehalten wurde daher in der Basisformel und anderen Erklärungen des ÖRK ein Grundkonsens, der die »Kennzeichen« der Mitgliedskirchen in einer Weise benennt, die bewusst eine Einheit in Vielfalt ermöglicht. Zumindest »Elemente der wahren Kirche« müssen die Mitglieder des ÖRK untereinander finden können und somit gewissermaßen »Anteile« an der einen unsichtbaren Kirche.13


Zwischenfazit

Ausgehend von dieser Basisformel des ÖRK, aber über sie hinausgehend, legt sich für uns aus den dargestellten theologischen Gründen eine Neudefinition des Umgangs miteinander in einer diversen Christenheit nahe:

Wir schlagen vor, dass in Rückbezug auf 1. Kor. und die ÖRK-Voraussetzungen

1. die Selbstdefinition als Christen,

2. die Dialogbereitschaft (nicht zu verwechseln mit Missionsinteresse im klassischen Sinne)

3. und die Anerkennung des Gegenübers in seiner Selbstdefinition als Christ und damit Teil des gleichen, einen Leibes (unsichtbare Kirche),

die notwendigen und hinreichenden Bedingungen sind, um als Glieder des Leibes in einen interkulturellen innerchristlichen Dialog zu treten. Da es sich nicht um die Frage nach einer organisatorischen Mitgliedschaft handelt, müssen nur diese drei Faktoren zusammenfallen, um in einen Dialog zu treten, der uns als Teile des einen Leibes ziert und ehrt.

Ziel eines solchen interkulturellen Dialogs sollte ein geschärftes Verständnis für kulturell geprägte Formen des Umgangs mit dem Evangelium sein, um in einem neuen Miteinander die Offenbarung Gottes in Christus preisen und loben zu können. Oder bildlich: Je besser die Glieder einander kennen, um die unterschiedlichen Funktionen wissen und sich schätzen, umso besser kann der Leib die Liebe Gottes in der Welt und in der Zeit bezeugen.


Diversitätsmanagement in der Kirche

1. Diversitätsmanagement

Neben den theologischen Überlegungen möchten wir in einem zweiten Argumentationsgang den praktischen Nutzen einer diversen Kirche aufzeigen und versuchen, die Erkenntnisse aus dem Bereich des Diversitätsmanagements auch für unsere Kirche als Organisation herauszuarbeiten.

Im Begriff Diversitätsmanagement (»diversity management«) steckt die Erkenntnis, dass eine diverse, d.h. kulturell breit aufgestellte Organisation besser auf die Herausforderungen der Gesellschaft und des Marktes reagieren kann und dadurch langfristig erfolgreicher ist: »Diversitätsmanagement ist einer der jeweiligen organisationalen Zielerreichung dienender multidimensionaler Managementansatz, welcher gezielt Vielfalt von MitarbeiterInnen sowie für die Organisation relevanter Anspruchsgruppen […] wahrnimmt, fördert und nutzt«.14

Zwar ist es immer problematisch, wenn man versucht, Vielfalt und Unterschiede zu fassen und zu kategorisieren, da dies die Gefahr einer Verfestigung und Festschreibung mit sich bringen kann. »Kategorien erfüllen aber auch eine wesentliche Orientierungsfunktion, indem sie Komplexität reduzieren und Handlungsfähigkeiten im Alltag herstellen.«15 Die heuristische Funktion einer Kategorisierung von Vielfalt muss also stets im Bewusstsein sein, d.h. es geht um die dahinterliegenden Bedürfnisse von Menschen.16 So können z.B. stark doxologisch geprägte Gottesdienste mit Tanzelementen auch Menschen aus mittel­europä­ischen Kulturkreisen ansprechen und ihrem Bedürfnis, Gottesdienst mit Leib und Seele zu feiern, entsprechen.

Nun stellt sich die Frage nach der Zielsetzung einer Diversifizierung im Kontext von Kirche. Theologisch ist die Ausgangslage klar: Die Kirche Jesu Christi ist divers und das Evangelium »inkulturiert« sich. In der Organisation »Kirche« ist jedoch aktiv nur eine begrenzte Zahl an Milieus und Kulturelementen vertreten.17 Andere, z.B. Christen anderer Sprache und Herkunft, aber auch Menschen aus bestimmten Milieus, bleiben vielfach außen vor und werden von kirchlichen Angeboten18 nicht erreicht. Der Anspruch der Landeskirchen, »Volkskirche«19 zu sein, schließt aber ein, sich an alle Menschen in ihrem Zuständigkeitsbereich zu wenden. Um diesem Anspruch gerecht zu werden, muss die Organisation »Kirche« sich selbst diverser aufstellen. Geschieht dies nicht, wird die Diskrepanz zwischen denen, die das Evangelium »an alles Volk« (Barmen 7) ausrichten sollen, und den Menschen, die von dieser Botschaft erreicht werden, immer größer. Verweigert sich Kirche der Diversifizierung, reden die Mitarbeiter im Haupt- und Ehrenamt gewissermaßen wie Blinde von der Farbe. Blinde können natürlich von Farbe sprechen und haben ihre eigene Vorstellung davon, sie tun es nur vielleicht anders als die Sehenden. Eine Kirche, die nicht divers aufgestellt ist, kann zwar versuchen »allen alles zu werden«, aber dies wird ihr höchstens ansatzweise gelingen. Eine Organisation, die in einer sich vernetzenden, »globalisierten« Welt die Möglichkeiten und Anforderungen nicht erkennt, muss die verheerenden Folgen für ihre Zukunft tragen. »Disregarding these […] trends can be devastating to companies, their employees and the communities surrounding them.«20

Kirche als Organisation hat nicht nur die theologische Verantwortung, Gemeinschaft im Glauben zu ermöglichen, sie ist sich auch der Verantwortung gegenüber ihren Angestellten und der Gesellschaft bewusst und verpflichtet. Das Ziel »inklusiver, lernorientierter Organisationen (nämlich) (ist) die Schaffung von Arbeitszusammenhängen:21

• in denen individuelle und gruppenbezogene Unterschiede innerhalb der Belegschaft geschätzt und genutzt werden,

• innerhalb derer unterschiedliche Communities unterstützt und mit diesen Kooperationen aufbauen werden (sic!),

• in denen Bedürfnisse benachteiligter Gruppen im Umfeld der Organisation berücksichtigt werden und

• eine Zusammenarbeit zwischen Individuen, Gruppen und Organisationen über nationale und kulturelle Grenzen hinaus angestrebt und unternommen werden.«22

Was hier über Organisationen im Allgemeinen gesagt wird, entspricht einer »Urforderung von Kirche« und lässt sich übersetzen als Einsatz für Marginalisierte und Randgruppen, Wissen um das Eingebundensein in die weltweite Christenheit, die Vernetzung mit anderen gesellschaftlichen Akteuren und die Gemeinwesen-Diakonie sowie das Wissen um die Individualität der jeweils eigenen Glaubensprozesse und Ausdrucksformen. Was wäre also so schlimm, wenn wir von »diverser Kirche« sprechen würden, deren Organisation sich den Herausforderungen des Diversity Management stellt?


2. Integration oder Inklusion

Wir sind der Meinung, dass unsere Kirche den Mut haben sollte, Vielfalt und Diversität innerhalb ihrer Organisationsstrukturen – eben weil sie ihren theologischen Grundsätzen entsprechen – durch gezieltes Vorgehen zu fördern. Dazu muss sie sich der Frage stellen, ob dies durch Integration oder Inklusion geschehen soll.23

Integration wird häufig in Abgrenzung zu Inklusion verstanden als ein Prozess, in dem sich das »andere« an eine vorhandene Mehrheitskultur oder Organisationsordnung annähert und schließlich integriert wird, ohne dass sich die Organisationsform und Kultur entscheidend ändert. Inklusion wäre hingegen die Entwicklung einer neuen Form der Organisationsordnung und Organisationskultur, die nach einer Aushandlungs- und Kennenlernphase einen »Modus vivendi (schafft), der möglichst allen Bedürfnissen entgegenkommt und insbesondere Ausgrenzungen«24 basierend auf der ehemaligen Organisationsform und Organisationskultur entgegenwirkt.

Die Vorstellung, dass sich Kirche durch einen Prozess der Inklusion selbst neu als »diverse Kirche« definiert, kann natürlich Ängste auslösen. Es geht um Veränderung (im schlechtesten Fall ohne klare Zielvision) und es geht um den Verlust von Sicherheiten, evtl. auch von Vorteilen. Dieser Angst kann jedoch begegnet werden mit dem, was als »broad umbrella for diversity«25 bezeichnet wird, also ein Prozess, in den alle Mitglieder, auch bisher Begünstigte, einbezogen werden. Ein solcher umfassender »Regenschirm« impliziert vor allem die klare Transparenz von dem, was geschieht: Wir als Kirche verändern uns, auch kulturell, wir werden diverser und wir wollen dies bewusst und aktiv gestalten. Dazu braucht es selbstverständlich auch den Willen und die volle Unterstützung der Leitungsorgane. Es bedeutet, einen solchen Prozess bewusst zu wollen, zu ermöglichen und zu kommunizieren, um die Aushandlungsprozesse gut und transparent zu begleiten und die organisationalen Voraussetzungen zu schaffen, die diese Prozesse und die Inklusion ermöglichen: »Ein inklusives Diversitätsmanagement sucht alle Beteiligten, nicht nur bisher mehr oder weniger exkludierte, in den Veränderungsprozess einzubinden.«26


Schlussfolgerungen

Wir plädieren für eine Weitung des Blickes, was wir (regional) als Kirche verstehen. Die interkulturelle, diverse Kirche der Zukunft versteht sich als eine offene Kirche, die ihren Ausdruck findet im Zeugnis (Martyria), im Gottesdienst und der Diakonie und die sich an Gerechtigkeit, dem Frieden und der Bewahrung der Schöpfung orientiert. Wenn man diesen geweiteten Blick der interkulturellen Öffnung als eine notwendige und theologisch angemessene Reaktion auf die gewachsene Vielfalt in unserer Einwanderungsgesellschaft, im Hinblick auf die Vielfalt an ethnischen Herkünften, religiösen und weltanschaulichen Überzeugungen, sozialen Zugehörigkeiten und kulturellen Formen der Lebensgestaltung betrachtet, dann drängen sich für uns folgende Fragen und Herausforderungen bezüglich der Organisation »Kirche« auf:

Braucht es anerkannte Gemeindeformen jenseits der Parochie? Beispielsweise Personalgemeinden mit speziellen kulturellen Prägungen? Oder Gemeinden auf Zeit? Internetgemeinden? Und damit einhergehend: Braucht es alternative Finanzierungs- und Mitgliedschaftskonzepte? Kann es z.B. eine Mitgliedschaft ohne Kirchensteuer, aber mit »Zehnt« in der Gemeinde geben? Kann es eine Form von Kirche als Verein oder gar als gGmbH geben? Wäre eine Mitgliedschaft von ganzen Personalgemeinden in der Landeskirche vorstellbar, die einen Anteil an den Einnahmen aufgrund der eingetragenen Mitglieder bekommt? Wie steht es Doppelmitgliedschaften? Kann man sich eine abgestufte Mitgliedschaft etwa als »Freundschaftsmitgliedschaft«, affiliierte Mitgliedschaft vorstellen? Wäre die Einrichtung eines gemeinsamen Solidaritätsfonds sinnvoll, der finanzschwache internationale Gemeinden unterstützt? Oder gäbe es Möglichkeiten, bestehende Projektfonds auszubauen?

Braucht es in den Landeskirchen ein Diversitätsmanagement als »Top-Down-Aufgabe«, die von der Kirchenleitungsebene verantwortet wird? Wie sinnvoll wäre eine neue Form der Öffentlichkeitsarbeit, um die Vielfalt in der Einheit stärker zu veranschaulichen?

Braucht es alternative Formen und Zugänge zum Pfarrdienst mit mehr Möglichkeiten der Nach- oder Zusatzqualifizierung? Wäre eine Trennung sinnvoll von gemeindeleitenden Funktionen und Aufgaben, die sich aus den Ordinationsrechten ergeben? Lassen sich interkulturelle Lektoren- und Prädikantenausbildungen vorstellen? Wie wäre ein differenzierteres »Gabenverständnis« in der Gemeinde machbar, so dass Menschen ihre Gaben mit kürzeren Teilhabezeiträumen einbringen könnten?

Braucht es interkulturelle pädagogische Konzepte in unseren Kitas und Bildungseinrichtungen? Könnte es ein exemplarisches Christusbekenntnis in versöhnter verschiedener kultureller Prägung geben? Wie geht das konkret – interkulturelle Diskussion und Kommunikation? Wie kann die internationale Studierendenarbeit besser fruchtbar gemacht werden für die kirchlichen Bildungsaufgaben?

Braucht es eine Neuaufstellung in unserer internationalen Partnerschaftsarbeit? Inwieweit haben Partner vor Ort und die Partner weltweit gemeinsame Anliegen? Wie lässt sich der Austausch regional und weltweit vernetzen und welche »Tagungs- und Lernkonzepte gibt es für weltweite und regionale Entwicklung«?


Anmerkungen:

1 W. Schrage, EKK VII/3, Neukirchen 1999, 211.

2 A.a.O., 242.

3 A.a.O., 221.

4 Zu denken wäre hier etwa an die Situation der Bekennenden Kirche gegenüber den sog. »Deutschen Christen« sowie an die Auseinandersetzung der Kirchen während des Apartheidregimes in Südafrika.

5 Hier verstanden als die persönlich forcierte Entwicklung und Ausprägung einer Angewohnheit oder Eigenschaft.

6 Joh. 17,21 formuliert den Auftrag zur Einheit, doch erwächst dieser wahrscheinlich schon aus einer Sehnsucht, die kontrafaktisch zur erfahrenen Wirklichkeit steht.

7 »Einheit der Kirche (ist) ein für Christen selbstverständliches Ideal, das in der Geschichte der Christenheit aber nie dauerhaft erreicht worden ist.« Jörg Haustein, Art. Einheit der Kirche I. Kirchengeschichtlich, RGG4, 1160.

8 Gerd Theißen, Die Religion der ersten Christen. Eine Theorie des Urchristentums, Gütersloh 2000, 339.

9 A.a.O., 356.

10 Schmalk. Art., BSLK, 459f.

11 Von den Konzilien und Kirchen. 1539, in: Karin Bornkamm/Gerhard Ebeling (Hg.), Martin Luther. Ausgewählte Schriften 5, Frankfurt/M. 1995, 188

12 A.a.O., 188f. Auch Calvin nimmt Bezug auf die altkirchlichen notae ecclesiae und weist sie der unsichtbaren Kirche zu. Die eindeutigen Zeichen, die Gott uns zur Erkenntnis der wahren sichtbaren Kirche an die Hand gibt, sind auch für ihn die lautere Predigt des Wortes Gottes und die rechte Verwaltung der Sakramente. Darüber hinaus nennt Calvin weitere Merkmale, so vor allem die Kirchenzucht, um die Reinheit der kirchlichen Lehre und die Anstrengung der Gläubigen zur Heiligung zu schützen. Calvin hat es jedoch vermieden, Kirchenzucht und Ämtern die gleiche Bedeutung einzuräumen wie Predigt und Sakramenten (vgl. Inst. IV,7-12).

13 Konkret benennt die Basisformel des ÖRK folgende Elemente: Bekenntnis zum Glauben an den dreieinigen Gott wie er in der Bibel und im NT bezeugt ist; Verkündigung des Evangeliums und Feier der Sakramente nach der Lehre der (jeweiligen) Kirche; trinitarische Taufformel und Anerkenntnis, dass die Mitgliedskirchen die gegenseitige Anerkennung ihrer Taufe anstreben; Anerkennung der Gegenwart Christi und des Wirkens des Heiligen Geistes auch jenseits der Grenzen der eigenen Kirche; Anerkennung von »Elementen der wahren Kirche« in den anderen Mitgliedskirchen des ÖRK (Erklärung von Toronto).

14 Bendl, Hanappi-Egger, Hofmann (Hg.), Diversität und Diversitätsmanagement, Ulm 2012, 15.

15 A.a.O., 32.

16 Vgl. a.a.O., 33.

17 Vgl. Sinus-Milieu-Studie (http://www.sinus-institut.de/sinus-loesungen/sinus-milieus-deutschland) und die KMU 5 (https://www.ekd.de/ ekd_de/ds_doc/die_kmu5.pdf).

18 Von der Parochie über die Kirchenbezirke bis zu gesamtkirchlichen Angeboten umschließt dies alle Ebenen der Organisation.

19 Zum Begriff »Volkskirche« gibt es eine sehr ausführliche Diskussion. Vgl. die Zusammenstellung bei R. Preul, Kirchentheorie: Wesen, Gestalt und Funktionen der evangelischen Kirche, Berlin 1997, 178ff.

20 Michàlle E. Mor-Barak, Managing Diversity: Toward a Globally Inclusive Workplace. Toward a Globally Inclusive Workplace, Los Angeles 2005, 5.

21 Hier müsste man ergänzen: Schaffung von (missionarischen) Begegnungsmöglichkeiten.

22 Bendl, Hanappi-Egger, Hofmann (Hg.), Diversität und Diversitätsmanagement, 34.

23 Assimilation halten wir im kirchlichen Kontext für keine sinnvolle und zielführende Möglichkeit, weil sie den theologischen Grundvoraussetzungen widerspricht.

24 Ebd.

25 A.a.O., 225.

26 Ebd.

 

Über den Autor

Pfarrer Dr. Arne Dembek, Jahrgang 1975, Studium der Theologie in Wuppertal, Heidelberg und Edinburgh, Promotion zur Theologie des englischen Reformators William Tyndale, Beauftragter für Christen anderer Sprache und Herkunft in der Evangelischen Kirche der Pfalz und Gemeindepfarrer im südpfälzischen Kandel.

Pfarrer Florian Gärtner M.A., Jahrgang 1975, Studium der Theologie in Heidelberg, Tübingen und Port Elisabeth (Südafrika), Masterstudium »Management von Gesundheits- und Sozialeinrichtungen«, Pfarrer für Weltmission und Ökumene in der Evangelischen Kirche der Pfalz.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2018

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50 Jahre Prädikantinnen in Württemberg
Geschichte – Gegenwart – Würdigung
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Dem deutschlandweiten Pfarrer-Bashing energisch widersprechen

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1. Sonntag nach dem Christfest
30. Dezember 2018, Matthäus 2,13-18(19-23)
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Christvesper
24. Dezember 2018, Jesaja 9,1-6
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Christfest II
26. Dezember 2018, Römer 1,1-7
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