Eine Anwendung von Fremdprophetie
Das Futur Zwei der Kirche

Von: Claus Müller
0 Kommentare zu diesem Artikel / Artikel kommentieren

Der Soziologie und Zukunftsforscher Harald Welzer hat mit seiner kompromisslosen Kritik an der gesellschaftlichen wie wirtschaftlichen Wachstumsideologie viel Aufsehen erregt. Die von ihm gegründete Stiftung »Futurzwei« widmet sich den Perspektiven einer lebens- und wünschenswerten Zukunft. Claus Müller hält Welzers Überlegungen für einen glück­lichen Fall von Fremdprophetie und fragt nach Anwendungsmöglichkeiten in der Kirche.


Fremdprophetie

Als »Fremdprophetie« bezeichnen wir in der Kirche gerne den (leider allzu seltenen) Fall, dass nicht wir den anderen oder bestenfalls wir uns selbst den Spiegel vorhalten, sondern dass uns von anderen der Spiegel vorgehalten wird und wir uns von dem, was wir sehen, betroffen fühlen und spüren, dass uns das (unbedingt) angeht. Solch eine Erfahrung von Fremdprophetie war für mich die Lektüre von Harald Welzers Buch »Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand«.1 Auch wenn das Buch bereits im März 2013 erschienen ist, so habe ich es erst jetzt für mich entdeckt, halte es aber nach wie vor für aktuell.2

Welzer analysiert darin die gegenwärtige wirtschaftliche, ökologische und gesellschaftliche Lage, zeigt deren Probleme auf und zeichnet Ansätze für einen Weg zu einer nachhaltigen und zukunftsfähigen Gesellschaft auf. Bei der Lektüre drängten sich mir an vielen Stellen die Parallelen von Welzers Gesellschaftsanalysen zur gegenwärtigen Situation von Kirche förmlich auf und es keimte die Frage, ob sich nicht auch aus seinen Lösungsansätzen etwas für das gegenwärtige Ringen um die Zukunft unserer Kirche lernen ließe.

Im Folgenden werde ich daher kurz die Analysen Welzers und insbesondere seine Lösungsvorschläge skizzieren, um sie dann auf unsere kirchliche Situation und Diskussion zu übertragen.


Kritik an einer expansiven Konsumkultur

Harald Welzer, geboren 1958, ist derzeit Direktor der von ihm mitbegründeten Futurzwei-Stiftung und Professor für Transformationsdesign an der Universität Flensburg. Er ist von Hause aus promovierter Soziologe und Sozialpsychologe. Seine Arbeitsschwerpunkte waren Gruppengewalt und Erinnerungskulturen, bevor er sich verstärkt der Zukunftsforschung zuwandte.

Sein Buch »Selbst denken« setzt dementsprechend mit Beobachtungen zum gesellschaftlichen Verständnis von Zukunft ein. Hierbei konstatiert Welzer in der Gegenwart einen Verlust der Zukunft. Während noch vor wenigen Jahrzehnten »Zukunft« positiv besetzt und als Versprechen verstanden worden sei, habe sie heute ihr utopisches Potential verloren. Stattdessen dominiere gegenwärtig ein Agieren im Rahmen scheinbar alternativloser Handlungszwänge, das versuche, überkommene Handlungsstrategien – bestenfalls optimiert – endlos fortzusetzen. Genau diese Strategie sei aber von vornherein zum Scheitern verurteilt, weil die moderne kapitalistische Industriegesellschaft auf der Voraussetzung stetiger Expansion und diese wiederum auf der Voraussetzung eines grenzenlosen Extraktivismus, also einer grenzenlosen Zuführung von Rohstoffen, beruhe.

Welzer zeichnet anhand vieler Beispiele die Mechanismen einer expansiven ausbeuterischen Konsumgesellschaft und ihre Aporien nach: von der schnellen, stetig sich selbst überbietenden Abfolge elektronischer Geräte und dem künstlichen Schaffen neuer Bedürfnisse, über Wegwerfprodukte und die Produktion für den Müll (d.h. von Produkten, die gekauft, aber nie genutzt werden), bis hin zu den Scheinlösungen eines »grünen« Wachstums und der faszinierenden Fähigkeit des kapitalistischen Systems, auch noch seine Kritik(er) zu integrieren. Zugleich stellt Welzer die (bekannten) Daten zur Begrenztheit der weltweiten Ressourcen und zur nachhaltigen Schädigung der natürlichen Lebensgrundlagen zusammen.


»Mentale Infrastrukturen« der Konsumhaltung

Besondere Aufmerksamkeit widmet Welzer jedoch der Analyse der »mentalen Infrastrukturen« der expansiven Konsumgesellschaft. Hier konstatiert er eine »tiefe Industrialisierung« bis hinein in Sprach- und Denkmuster (z.B. im Blick auf die Wahrnehmung von Zeit oder die Bedeutung des Begriffs »Energie«). Diese gehe einher mit der Ausbildung einer Konsumhaltung, die immer sofort alles haben will. Dieser Lebensstil bleibe jedoch ständig von externer Fremdversorgung abhängig. Seine Folgen seien eine Zerstörung von inner- und intergenerativer Sozialität (Leben auf Kosten der »Dritten« Welt und der nachfolgenden Generationen), aber auch eine Zerdehnung von Verantwortlichkeit durch unüberschaubare Produktionsketten und komplexe Strukturzusammenhänge. Dies alles führe dazu, dass sich letztlich jeder selbst für unschuldig halten könne bzw. dass viele trotz eines vorhandenen Problembewusstseins nicht anders handelten.

Die Analysen Welzers kulminieren in den beiden Schlagworten vom »Verlust der Zukunft« und der eigenen »Selbstentmündigung« aufgrund der scheinbar alternativlosen Handlungszwänge einer utopie- und transzendenzlosen Gegenwart.


»Essayistischer Lebensstil«

Genau hier setzt nun aber auch Welzers Gegenstrategie an: er möchte die Zukunft zurückgewinnen, indem er zum »Selbst denken« aufruft. Welzer möchte Wege zur Transformation der Gesellschaft von einer expansiven zu einer nachhaltigen, reduktiven Moderne erkunden. Genauer gesagt, möchte er Strategien entwickeln, wie man den »zivilisatorischen Standard in Sachen Freiheit, Demokratie, Rechtstaatlichkeit, Bildungs- und Gesundheitsversorgung aufrechterhalten und zugleich die Ressourcenübernutzung radikal zurückfahren kann« (129). Dazu sei es jedoch nötig, die üblichen Denk- und Handlungsmuster zu verlassen und selbstdenkend die eigenen alternativen Handlungsspielräume zu eruieren und zu erweitern.

Sympathisch ist hierbei, dass Welzer nicht den Anspruch erhebt, einen fertigen Masterplan zu besitzen. Vielmehr ruft er zu einem »essayistischen Lebensstil« (173) auf, der versucht, an verschiedener Stelle (durch selbst Denken) alternative, neue Handlungsspielräume zu eröffnen. Dabei betont er zum einen den Prozesscharakter solcher Versuche, deren Potentiale sich erst im Ausprobieren erschließen. Zum anderen unterstreicht er, dass alternative Handlungsmodelle auch den Verzicht gewohnter (aber nicht zukunftsfähiger) Bequemlichkeiten beinhalten. Er bezeichnet diese Versuche deshalb als »moralische Streckübungen« (s.u.).

Immer wieder flicht Welser Beispiele für solche alternativen Handlungsmodelle in seine Ausführungen ein; im letzten Viertel des Buches stellt er dann mehrere Projekte ausführlich vor. Das Aufzeigen solcher funktionierender Gegenmodelle ist für seinen Ansatz nicht unerheblich, denn um neue Handlungsspielräume zu eröffnen und die Zukunft zurückzugewinnen, müssen nach Welzers Ansicht Gegengeschichten gegen eine resignative Weiter-so-Haltung erzählt werden.


»Futur zwei«

Kriterium und zugleich Katalysator für die essayistischen Kreativprozesse ist die Leitfrage, wie wir uns (angesichts absehbar begrenzter Ressourcen) eine wünschenswerte Zukunft vorstellen. Dabei spitzt Welzer die Frage weiter zu, indem er sie personalisiert und ins Futur 2 setzt: Wer werde ich – angesichts der momentan sich abzeichnenden Entwicklungen – dereinst gewesen sein? Und man mag ergänzen: eine(r), der bzw. die aus Bequemlichkeit einfach so weitergemacht haben wird oder eine(r), der bzw. die nach alternativen Handlungsmöglichkeiten gesucht haben wird, auch wenn das unbequem war?

Welzer geht jedoch noch einen Schritt weiter; er macht sich auf die Suche nach konkreten Ansatzpunkten für eine solche Transformation zu einer nachhaltigen Moderne. Diese findet er zum einen in »widerständigen Vergemeinschaftungsformen« (182ff), zum anderen in tradierten, veraltet scheinenden, aber künftig hilfreichen »Ideen, Konzepten, Haltungen und Kulturtechniken« (199).

Im Blick auf die widerständigen Vergemeinschaftungsformen sieht Welzer Ansatzpunkte bei verschiedenen lokalen Kulturen, Communities of Practice und resilienten Gemeinschaften, die gerade nicht von einem ökonomischen (Eigen-)Profitdenken beherrscht werden, sondern in denen Menschen sich prosozial und gemeinwohlorientiert engagieren (z.B. NGOs, Open-source-Projekte oder klassische Dorfgemeinschaften). Im Blick auf Haltungen und Konzepte erinnert Welzer an traditionelle Tugenden wie Sparsamkeit oder Verantwortung. Er rekurriert aber auch auf Konzepte wie Genossenschaften oder Tauschbörsen. Spannend (auch theologisch) sind seine Analysen zur Frage, inwieweit wir zukünftig wieder an vormoderne Haltungen, z.B. gegenüber der Zeit oder dem Tod anknüpfen könnten.

Aus all diesen Elementen entwickelt Welzer Bausteine einer alternativen »Lebenskunst«. Und er fordert dazu auf, schon jetzt damit anzufangen, um die Zukunft zurückzugewinnen.


Expansive Konsumkultur und Kirche

Welzers Buch steckt voller nachdenkenswerter Beobachtungen und vor allem voller Anregungen, wie der Weg in eine zukunftsfähige Zukunft aussehen könnte. Liest man dieses Buch jedoch zugleich vor dem Hintergrund der gegenwärtigen Umbrüche in unserer Kirche und vor dem Hintergrund der Suche nach einer zukunftsfähigen Gestalt von Kirche, so ergeben sich noch einmal ganz neue Assoziationen und fremdprophetische Anregungen. So könnte man z.B. fragen, inwieweit wir als Kirche(n) (in Deutschland am Anfang des 21. Jh.) Anteil haben an jener expansiven Konsumkultur, die Welzer beschreibt.

Diese Frage kann man zunächst im ganz materiellen, ökonomisch-ökologischen Sinne verstehen. Wie viele Ressourcen verbrauchen wir in der Kirche unnötigerweise – sei es aus Gedankenlosigkeit, sei es aus Bequemlichkeit? Ich erspare mir, auf die kirchlichen Papierberge, unzählige Kilometer Auto-Dienstfahrten oder kuschelig warme Gemeindehäuser hinzuweisen … Zwar beansprucht Kirche für sich selbst ein gehobenes ökologisches Bewusstsein und ist in manchen Bereichen auch tatsächlich Vorreiterin (gewesen?) – nicht zuletzt aufgrund des konziliaren Prozesses »Friede, Gerechtigkeit, Bewahrung der Schöpfung«. Von einer ausgeglichenen Ökobilanz sind wir alle aber noch meilenweit entfernt.


Dienstleistungsorganisation Kirche

Noch tiefer geht die Frage nach der dahinterstehenden von Welzer so genannten »mentalen Infrastruktur«. Sind wir nicht auch als Kirche mental zutiefst von jener expansiven Konsumkultur geprägt, und zwar bis in theologische und ekklesiologische Denkmuster hinein? Oder sollte man schärfer formulieren: Wir sind zutiefst verstrickt in eine expansive Konsumkultur! Und verstehen es, diese auch noch theologisch zu verbrämen! Wir starren gebannt auf Statistiken und Zahlen und wollen damit am Puls der Zeit sein. Wir hecheln einer (Gemeinde-)Wachstumsideologie hinterher; begründen dies mit Bibelstellen wie Lk. 2,8 oder Mk. 4,30ff (Senfkorn) und nennen das Ganze »verheißungsorientiert«.3 Und wenn dies nichts fruchtet, propagieren wir, um auch noch die letzten Kräfte zu mobilisieren, ein »Wachsen gegen den Trend«. »Gemeinde geht weiter« heißt die jüngste Initiative unserer pfälzischen Landeskirche. Wir kommen anscheinend vom »höher, schneller, weiter« nicht los!

Zugleich herrscht nicht nur der Kirche gegenüber, sondern bis tief in unsere eigenen Denkmuster hinein jene von Welzer konstatierte »alles-jetzt-Konsumorientierung«. Dass Kirche ein Dienstleister (unter anderen) ist, der möglichst alle religiösen Bedürfnisse und Wünsche erfüllen soll, ist schon fast eine Selbstverständlichkeit. Allein im Blick auf Hochzeiten und Beerdigungen hätte hierzu vermutlich jede(r) Pfarrer(in) viel zu erzählen. Ein ganzer Strauß von immer neuen kirchlichen Angeboten(!) soll möglichst flächendeckend die Interessen unterschiedlicher Zielgruppen allzeit befriedigen bzw. diese überhaupt erst wecken. Auch Glaube und Religion sind zum Konsumgut geworden. Und das gilt nicht nur für die sogenannten »Kirchendistanzierten«, deren »punktuelle Aktualisierung von Spiritualität« geradezu zum Normalfall der Religiosität in der Gegenwart erklärt wird, sondern bis weit in die Reihen der kirchlich »Hochverbundenen« hinein. Das Schiff, das sich Gemeinde nennt, gleicht vielerorts mehr einem Ausflugsdampfer als einem Fischerboot.4


Grenzen des Wachstums – auch in der Kirche

Zwar wächst auch in der Kirche – wenn auch bei weitem nicht überall – das Bewusstsein, dass es so nicht ewig weitergehen kann. Auch für die Evangelische Kirche in Deutschland gibt es kein grenzenloses Wachstum, noch nicht einmal ein »Weiter-so-wie-gehabt«. Sprechen doch allein schon die sinkenden Kirchenmitgliederzahlen eine eindeutige Sprache. Längst macht das Schlagwort: »Wir werden kleiner und ärmer« die Runde. Zugleich werden Spar- und Konsolidierungsprogramme gestartet.

Bei näherem Hinsehen erweisen sich jedoch fast alle diese Bemühungen lediglich als Optimierungsversuch innerhalb des bestehenden Systems.5 Das System selbst wird aber gerade nicht in Frage gestellt – selbst wenn es kleiner und ärmer gedacht wird. Kirche hat damit genau an dem Phänomen Anteil, das Welzer als »Verlust der Zukunft« beschreibt. Und sie wählt genau die gleiche scheinbar alternativlose Strategie der Optimierung und Intensivierung des bislang Erfolgreichen (14).6

Demgegenüber verweist Welzer mehrfach warnend auf Systeme, die florierten, dann aber aufgrund des Festhaltens an überholten Strategien mehr oder weniger schnell zusammenbrachen. Dabei könnten sie »lange über ihr eigentliches Verfallsdatum hinaus weiterexistieren, um dann wie ein von Termiten ausgehöhltes Haus geräuschlos zusammenzubrechen« (18). Als jüngstes Beispiel hierfür steht der Zusammenbruch des Ostblocks.

Man kann sich auf diesen Warnhinweis hin durchaus die Frage stellen: Inwiefern ähnelt die Situation der Evangelischen Kirchen in Deutschland der Situation der DDR vor ihrem Zusammenbruch? Offensichtlich liegt in beiden Fällen ein schwindender Rückhalt bei der Bevölkerung bei gleichzeitigem Aufrechterhalten des Apparates vor, ebenso strukturelle Finanzprobleme bei gleichzeitiger Abhängigkeit von externer Unterstützung (Was passiert beispielsweise, wenn das Kirchensteuersystem und die Staatsleistungen fallen?); schließlich scheinen die eigenen »Produkte« gegenüber Konkurrenzangeboten so nicht mehr attraktiv zu sein.


Es geht um Umkehr!

Doch gegen allen »Verlust der Zukunft« lädt Welzer ein zur Suche nach den Ausgängen, den Ritzen und Löchern, zum »Suchen also nach den Stellen, an denen man die feste Wirklichkeit perforieren kann, die uns in der vermeintlichen Massivität ihres So-Seins im Griff zu haben scheint« (16). Oder wie er fast schon theologisch formulieren kann: Es geht »heute nicht mehr um Korrekturen, sondern um eine Umkehr« (29).

Freilich muss dazu vorgängig die Frage geklärt werden: Umkehr wohin? Was ist denn eine lohnende Zukunftsperspektive? Nach welchen Ritzen und Löchern sollen wir suchen? Welzer selbst entwirft deshalb an mehreren Stellen seines Buches (bes. 150ff) in durchaus attraktiven Bildern eine alternative Zukunftsvision des nachhaltigen Umgangs mit Ressourcen und sich selbst.

Im Anschluss daran müssten auch wir als Kirche uns vor allen hektischen Optimierungsversuchen zunächst die Frage stellen und diskutieren, wie wir uns (angesichts absehbar begrenzter Ressourcen) eine wünschenswerte Zukunft für unsere Welt und unsere Kirche vorstellen: Wie soll eine wünschenswerte Zukunft der Kirche aussehen? Welche Gestalt und Funktion wünschen wir uns für unsere Kirche – angesichts und trotz sinkender Mitgliederzahlen, sinkender Finanzmittel und sinkenden gesellschaftlichen Einflusses? Diese Diskussion müsste eigentlich auf allen Ebenen, von den Gemeinden über die Synoden bis zur EKD, intensiv geführt werden. Das Eingeständnis: »Wir werden ärmer und kleiner« ist der erste notwendige Schritt. Er bedeutet jedoch gerade nicht den Verlust der Zukunft, sondern nur das Zerbrechen der Illusion einer Zukunft in einer bestimmten Form. Das Eingeständnis des Ärmer-und-kleiner-Werdens stellt vielmehr lediglich Rahmenbedingungen für ein neues Nachdenken über die Zukunft dar. Ganz nach der ersten Welzer’schen Regel für erfolgreichen Widerstand: Alles könnte auch anders sein (293).

Das Nachdenken über eine wünschenswerte Zukunft von Kirche (und Welt) ist dabei eine theologische Aufgabe im besten Sinne. Sie muss nach den äußeren Rahmenbedingungen fragen, kann dabei aber nicht stehenbleiben, sondern muss theologisch fragen, was Kirche – unter diesen Bedingungen – denn eigentlich ist und sein soll.


Zwingende Standards

Im Anschluss an Welzer lässt sich die Frage nochmals weiter konkretisieren und präzisier formulieren: Welche Standards wollen und sollen wir dabei unbedingt aufrechterhalten – oder gar ausbauen? Der Knackpunkt ist die Frage: Wie können wir diese Standards aufrechterhalten, wenn wir zugleich ärmer und kleiner werden. Exakt an dieser Stelle bedarf es dann der Entwicklung neuer und alternativer Strategien.

Für seine eigenen Überlegungen nennt Welzer »zivilisatorische Standards« wie Freiheit, Demokratie, Rechtsstaatlichkeit (129). Für eine theologische Diskussion der Zukunft von Glaube und Kirche wären für mich – ausgehend vom Missionsbefehl (Mt. 28) und Jesu besonderer Zuwendung zu den Armen und Schwachen – die Standards leitend, die sich mit dem Begriff der »Volkskirche« verbinden lassen; Volkskirche freilich verstanden in der Deutung, wie sie z.B. Wolfgang Huber entwickelt hat, nämlich als eine offene und öffentliche Kirche7 – und ich würde hinzufügen: offene und öffentliche und zugleich missionarische und diakonische Kirche. Dabei ist nicht der quantitative Aspekt (Kirche umfasst die Mehrheit des Volkes), sondern der qualitative Aspekt entscheidend: Kirche ist, gerade weil und indem sie auf Gott bezogen ist, auf das ganze Volk hin oder besser noch: auf alle Menschen ausgerichtet. Dann könnte man vielleicht sogar statt von einer »Volkskirche« besser von einer »Menschenkirche« sprechen.

Damit verbietet sich zugleich jeder Rückzug auf ein frommes (scheinbar heiles) Konventikel und jeder Rückzug aus der öffentlichen und diakonischen Verantwortung. Bedenkt man die faktische Milieuverengung der Kerngemeinde, ist allein schon dies eine herausfordernde Zukunftsaufgabe. Ebenso verbietet sich damit aber auch die Resignation vor einem realen oder befürchteten Bedeutungsverlust von Religion und (christlichem) Glauben außerhalb und innerhalb der Kirche. Aufgabe der Kirche ist und bleibt die »Kommunikation des Evangeliums« in Wort und Tat. Sie muss aber Glauben und spirituelles Leben nicht nur in der Gesellschaft, sondern auch und gerade in der Kirche selbst vertiefen, die Relevanz des Glaubens für die Menschen heute und die Welt heute verdeutlichen und neue Formen und Gestalten christlichen Lebens und Handelns entwickeln.

Mit diesen kurzen Hinweisen dürfte aber auch klar sein, dass ich weder das gegenwärtige kirchliche Finanzsystem noch den aktuellen Gebäudebestand noch die gegenwärtige Parochialstruktur noch die enge Einbindung der Diakonie in den subsidiären Sozialstaat und noch nicht einmal den flächendeckenden standardisierten Agende-Sonntagsgottesdienst für zwingende Standards halte. Alles hat jeweils seine Vor- und Nachteile, aber es ist nicht zwingend notwendig; es könnte auch anders sein …


Alternative Konzepte und Bilder von Kirche

Ein weiterer wichtiger Schritt auf dem Weg zu einer Kirche der Zukunft, jenseits von Expansionsträumen auf der einen und depressiver Resignation auf der anderen Seite wäre die Besinnung auf alternative Konzepte und Bilder von Kirche. Dafür bietet die biblische Tradition einen reichen Schatz: Konzepte und Bilder, die weniger den quantitativen Aspekt betonen als vielmehr den qualitativen oder die sogar von einem Schrumpfen und Kleinwerden sprechen.

Das Bild vom wandernden Gottesvolk im Hebräerbrief verbindet ohne zu quantifizieren z.B. die Momente der Dynamik und der Veränderung sowie der Gemeinschaft mit dem Moment der Verheißung, umfasst allerdings auch den Aspekt der Entbehrung. Das Bildwort vom Salz der Erde, geht von einer kleinen Menge und gar einer Auflösung (des Salzes) aus – freilich mit einem würzenden Effekt für das Ganze. Ebenso verströmt sich das Licht der Welt in die Welt. Auch die ntl. Texte zur Nachfolge bieten hinreichend Möglichkeit zur Selbstreflexion und Korrektur.8 Und was ist mit den Stellen, die für Jünger Leiden und Verfolgung »verheißen« (z.B. Joh. 15,18ff)?

Radikal wäre natürlich auch eine Anknüpfung an die atl. Exilstexte, die den Schock des Zusammenbruchs der jüdischen Staaten zu verarbeiten suchen, z.B. mit Hilfe des Gedankens vom »Rest« oder von einer zweiten Wüstenzeit, der Reinigung oder gar des stellvertretenden Leidens.

Um alternative Zukunftskonzepte jenseits einer theologisch verbrämten Wachstumsideologie zu entwickeln, müssten solche und ähnliche Traditionsstränge neu entdeckt und fruchtbar gemacht werden.

Jedoch: Auch als Kirche haben wir kein Geheimwissen darüber, wie die Zukunft aussehen wird. Es gibt zurzeit noch keine wirklich durchschlagenden und überzeugenden Konzepte für eine Kirche der Zukunft. Geben wir es zu: Auch als Kirche haben wir keinen Masterplan! Wir haben keinen Masterplan, wie wir die sich im Gang befindlichen Umwälzungen (ärmer und kleiner) bewältigen können und gleichzeitig unsere theologischen und ekklesiologischen Standards halten können. Klar ist nur, dass ein »hektisches Basteln«9 und ein ständiges Nachjustieren innerhalb der überkommenen Rahmenbedingungen und das ständige Betonen, dass dies alles »alternativlos« sei, letzten Endes nicht zukunftsfähig sein wird.

Vielmehr bedarf es jetzt der Entwicklung und des Ausprobierens alternativer Konzepte und des Mutes, neue Wege zu gehen. Dabei wird sich einiges bewähren, manches aber auch nicht. Es wird Fehler, Scheitern und Irrwege geben. Deshalb bedarf es zugleich der Entwicklung einer innovativen und fehlerfreundlichen Kultur in unserer Kirche, die das Scheitern nicht nur zulässt, sondern als Chance begreift. Davon sind wir tragischerweise gerade als Kirche aber noch weit entfernt …


»Moralische und ekklesiologische Streckübungen«

Weil es aber keinen einfachen Masterplan gibt (weder global noch gesellschaftlich noch kirchlich) propagiert Welzer einen »essayistischen Lebensstil«. Er fordert dazu auf, die vorhandenen Handlungsspielräume (die Ritzen und Löcher) zu entdecken und konsequent zu erweitern. Dabei ist ihm bewusst, dass ein solcher Lebensstil alles andere als bequem ist (»Die emotionale Sexyness der Aufforderung ›Lasst uns von allem weniger haben!‹ ist arg begrenzt …«, 146) und dass er eigene Selbstüberwindung kostet. Weil aber ein einfaches »Weiter so« mit expansivem Konsumismus für ihn die wesentlich schlechtere Alternative ist, fordert Welzer im Anschluss an Günther Anders zu »moralischen Streckübungen« auf.

Moralische Streckübungen sind »Überdehnungen seiner gewohnten Phantasie- und Gefühlsleistungen« (230). Diese kosten Anstrengung, erweitern aber sukzessive die eigenen Handlungsmöglichkeiten. Geleitet werden diese Streckübungen einerseits von der Vision einer wünschenswerten Zukunft (und der Antivision einer Selbstzerstörung der eigenen Lebensgrundlagen). Andererseits spitzt Welzer diesen allgemeinen Rahmen durch die Frage »Wer will ich (in Zukunft) gewesen sein?« konkret auf den einzelnen zu. Diese Frage im Futur 2 stellt die Verbindung zwischen Gegenwart und gewünschter Zukunft (mit allen Unsicherheiten), zwischen meinem Tun (und Lassen) und deren Folgen sowie zwischen meinem Selbstbild und meinem Handeln her. Vorausgesetzt natürlich: Man nimmt sich selbst ernst.

Als eigenes konkretes Beispiel einer »Streckübung« berichtet Welzer von seinem Zwiespalt bei einer Essenseinladung, bei der Thunfisch serviert wurde, dessen Verzehr er eigentlich ökologisch nicht verantworten konnte. Er ringt sich dann durch, den Gastgeber darauf anzusprechen und bekommt eine andere Vorspeise.

Zweifellos können wir uns als Kirche, im Blick auf das Engagement für Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung auf Welzers Aufforderungen zu moralischen Streckübungen anschließen. Noch spannender werden diese Übungen aber dann, wenn wir sie auf unser Kirche-sein beziehen: Was wären denn theologische oder ekklesiologische Streckübungen? Streckübungen für eine Kirche, die nicht resigniert, sondern die nach religiösen »Ritzen und Löchern« sucht und die versucht, sukzessive ihre Handlungsmöglichkeiten zu erweitern? Streckübungen für eine Kirche, die nach Alternativen zum Gewohnten, aber nicht Zukunftsfähigen sucht? Streckübungen für eine Kirche, die von einer Hoffnung für die Zukunft geleitet konsequent zurückfragt: Wer wollen wir dereinst gewesen sein? Eine Frage, die geradezu ein enormes eschatologisches Potential in sich birgt.

Was sind in unserer Tradition »Ideen, Konzepte, Haltungen und Kulturtechniken, die heute ziemlich aus der Mode gekommen scheinen, die man künftig aber vielleicht wieder gut gebrauchen kann«? Was ist z.B. mit dem Priestertum aller Gläubigen? Oder der Tradition des »Zehnten«? Oder der Asketik?


Ansätze und Beispiele zukunftsfähiger Kirche

Freilich bedarf es vor den ekklesiologischen Streckübungen zunächst noch der theologischen Aufwärmübung: nämlich des Eingeständnisses, dass für einen Großteil (und stetig wachsenden Teil) der Menschen in unserem Land unsere Botschaft (zumindest in der von uns gepredigten und gelebten Form) schlicht irrelevant geworden ist. Dieses Eingeständnis mag schmerzhaft sein; aber es ist der notwendige erste Schritt zur Veränderung.

Mir fallen einige Bereiche ein, wo wir uns noch gewaltig strecken können. Wobei bekanntlich die Dehnfähigkeit – je nach Ausgangsfitness – stark unterschiedlich ist.

Erstes Beispiel: die verschiedenen Milieus unserer Gesellschaft: Der »Inner Circle« der meisten Kirchengemeinden ist faktisch auf zwei bis drei Milieus verengt. Was »die anderen« denken, brauchen, bevorzugen, welche Kirche sie sich wünschen würden, ist dann zumeist jenseits des eigenen Vorstellungs- und Interessenhorizonts. Allein schon danach zu fragen, bedeutet für manche Kirchengemeinde eine erhebliche Dehnübung, geschweige denn, das Gemeindeleben zu öffnen und anders zu gestalten.

Zweites Beispiel: die Gebäude: Jeder, der rechnen kann, weiß, dass wir uns auf Dauer nicht mehr alle unsere Gebäude leisten können. Aber sich vorzustellen, wie Kirche und Gemeindeleben aussehen kann, wenn wir weniger, kleinere oder gar keine (eigenen) Räumlichkeiten mehr vor Ort haben, erfordert doch erhebliche Anstrengungen. Und sogar bei dem Thema »Kooperationen über Gemeindegrenzen« hinweg scheint für manche bereits die Schmerzgrenze erreicht zu sein.

Drittes Beispiel: die Diakonie: Die Rückgewinnung der diakonischen Dimension in der Gemeinde und die Rückgewinnung der kirchlichen Dimension in der Anstaltsdiakonie wird schon länger von verschiedener Seite gefordert. Doch wie sieht diakonische Gemeinde (jenseits des Abführens der Mitgliedsbeiträge an die Sozialstation und des Stöhnens, dass die KiTa schon wieder auf der Tagesordnung der Presbyteriumssitzung steht) konkret aus? Bei der Flüchtlingsarbeit ist kurzzeitig etwas davon aufgeblitzt: dort, wo sich Gemeindeglieder vor Ort (oft gemeinsam mit Nicht-Christen) unmittelbar für Menschen engagiert haben.

Zum Glück gibt es aber auch Beispiele gelungenen Aufbruchs, an die man anknüpfen kann. Besonders beeindruckend finde ich zurzeit z.B. die Entwicklung der »fresh-expressions«-Bewegung in Großbritannien. Hier lassen Christen traditionelle Strukturen hinter sich und begeben sich bewusst in säkulare Kontexte, um dort Menschen zu begegnen, diakonisch zu unterstützen und den Glauben ins Gespräch zu bringen. Getragen ist diese Bewegung von der theologischen Überzeugung, dass Kirche eine Funktion der missio dei für die Welt ist (und nicht umgekehrt). Kirche hat eine dienende Funktion; sie ist kein Selbstzweck.


Einfach anfangen

Nach Welzer kommt es bei gesellschaftlichen Transformationsprozessen zuerst einmal nicht auf eine große Zahl an Protagonisten an, sondern darauf, dass einige (wenige) Menschen einfach damit anfangen. Nach seiner Einschätzung reichen 3-5% der Bevölkerung aus, »um einen tiefgreifenden und nachhaltigen gesellschaftlichen Wandel in Gang zu setzen« (185), nämlich dann, wenn es diesen gelingt, alternative Modelle und Praktiken in alle gesellschaftlich relevanten Schichten hineinzutragen (ebd.). Eben deshalb fordert Welzer den Einzelnen zum Selbstdenken, zum Sich-selbst-Ernstnehmen und zum alltäglichen Widerstand gegen das eingefahrene, aber nicht zukunftsfähige »Weiter so« auf. Und eben deshalb verweist er ständig auf gelungene Beispiele »alternativer Modelle und Praktiken«10.

Ob das nicht auch ebenso für Kirche und Gemeinde gilt? Es wäre sicherlich ein Leichtes, kirchengeschichtlich nachzuweisen, dass viele kirchliche Reformbewegungen genau so, nämlich mit wenigen Mutigen, Visionären und anders Denkenden, anders Glaubenden und anders Lebenden, begonnen haben. Wir haben eben das 500. Reformationsjubiläum gefeiert. Initialzündung der Reformation war das kritische Fragen und die mutige Tat eines Einzelnen, dem sich dann viele Menschen angeschlossen haben. Eine der Grundeinsichten der Reformation war die fortwährende Reformationsbedürftigkeit der Kirche: ecclesia semper reformanda. Sollten wir nicht gerade im Reformationsjubiläumsjahr diese Forderung ernst nehmen und statt ängstlich auf schwindende Zahlen und Finanzen zu starren die Transformation unserer Kirche und unserer Gesellschaft mutig angehen und mitgestalten? Oder um es mit Welzer zu sagen: Alles könnte anders sein …


Anmerkungen:

1 Alle im Text aufgeführten Verweise beziehen sich auf Harald Welzer, Selbst denken. Eine Anleitung zum Widerstand, Fischer, Frankfurt 5. Aufl. 2015.

2 Es gibt durchaus bereits auch »kirchliche« Reaktionen auf Welzers Thesen, z.B. in Chrismon: (https://chrismon.evangelisch.de/artikel/2014/thunfisch-auf-dem-teller-20592; Stand: 9.3.2017).

3 Interessanterweise werden dabei die Bibelstellen, die der Gemeinde Jesu Leiden, Verfolgung und Bedrängnis »verheißen« (z.B. Joh. 15,18ff), einfach unterschlagen …

4 »Vom Ausflugsdampfer zum Fischerboot«, so lautet die schöne Überschrift eines Artikels von Birgit Dierks und Oliver Schippers im 3E-Magazin (3/2013, 52-54).

5 Welzer spricht in diesem Zusammenhang von »hektischem Basteln« (12).

6 Es ist verräterisch, wie oft auch in kirchlichen Diskussionen Dinge als »alternativlos« hingestellt werden.

7 Vgl. Wolfgang Huber, Kirche in der Zeitenwende. Gesellschaftlicher Wandel und Erneuerung der Kirche, Gütersloh 1999.

8 Auch eine Relektüre von Bonhoeffers »Nachfolge« wäre sicherlich nicht schädlich.

9 Siehe Anm. 5.

10 »Man muss sie dort aufsuchen, wo sie sind, die Engagements und die Engagementbereitschaften, man muss von den neuen Assoziations- und Aktionsformen lernen und man muss die veränderten Kommunikations- und Mobilisierungsformen in Rechnung stellen, wenn man eine soziale Bewegung zu einer nachhaltigen Moderne in Gang bringen will. Es geht um das Lernen von Widerständigkeit …« (Welzer, 198).

 

Über den Autor

Dekan Dr. Claus Müller, Jahrgang 1969, Studium in Mainz, Glasgow und Heidelberg, Promotion mit einer Arbeit über das Verhältnis von theologischer und philosophischer Ethik, 2003-2009 Pfarrer an der Gedächtniskirche der Protestation in Speyer, seit 2009 Dekan des Kirchenbezirks Germersheim.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2017

0 Kommentare zu diesem Artikel


Kommentieren Sie diesen Artikel










Bitte geben Sie die angezeigte Zahl in das nachfolgende Textfeld ein



Sicherheitszahl


zurück

20. Sonntag nach Trinitatis
14. Oktober 2018, 1. Korinther 7,29-31
Artikel lesen
Zukunft braucht Entwicklung
Kirchlicher Entwicklungsdienst wird 50
Artikel lesen
Zwischen Event und Übung
Gottesdienst im großen Wandel kirchlichen Lebens
Artikel lesen
22. Sonntag nach Trinitatis
28. Oktober 2018, Römer 7,14-25 (8,2)
Artikel lesen
Engel der Barmherzigkeit

Artikel lesen
»Nicht mehr steigerbarer Wahnsinn«
Vor 100 Jahren endete der Erste Weltkrieg, Teil I: Kriegsbeginn und Reaktionen
Artikel lesen
Die neue Weltunordnung nach Ukraine und Aleppo
Herausforderung für Kirche und Friedensethik
Artikel lesen

PDF

Sie können diesen Artikel als PDF-Dokument runterladen.

PDF-Dokument

Impressum

Dieser Text wurde im Deutschen Pfarrblatt veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

Impressum


Hinweis

Für Adressänderungen sowie Abonnementbestellungen oder –kündigungen wenden sie sich an ihren zuständigen Pfarrverein.

Nur dort können die Daten geändert werden. Vielen Dank!