14. Januar 2018, 1. Korinther 2,1-10
2. Sonntag nach Epiphanias

Von: Dörte Kraft
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»WARUMLOS«


I

Ein seltsames Wort als Überschrift für einen Predigtimpuls? Es ist kein Wort von mir, sondern stammt aus einem Gedicht von Sr. Christamaria Schröter1:


Ganz innen

Du
ganz innen –
nicht
weil ich so oder so bin dass …
nicht deshalb weil …
nicht als Folge von …
oder als Belohnung für …
Du
warumlos
entschieden für mich
leise eingewohnt
einfach da aus Liebe zu mir
Heute schon jetzt Du ganz innen
meine Stille
mein Geheimnis
das Gewicht meiner Ewigkeit
Du
mein Gott
ganz innen
in mir


Nicht, dass ich behaupten möchte: wäre der Apostel Paulus außer dem brillanten Theologen auch noch Dichter gewesen, er hätte es so schreiben können. Das behaupte ich nicht, aber ich stelle es mir einfach einmal vor. Würde es zu seinen Aussagen in 1. Kor. 2,1-10 passen?


II

Wir lesen von seiner Verkündigung, vor 2-3 Jahren, als Paulus für 18 Monate in Korinth war und die Gemeinde entstand, an die er nun schreibt. Einfach sei sie gewesen, geradezu simpel unter rhetorischen Gesichtspunkten. Einfache Worte, klare Gedanken, kein intellektueller Zauber. Aber schließlich ging es ja auch um eine ganz klare Botschaft: um Jesus Christus, den Gekreuzigten, dessen Leben und Tod und Botschaft in den Systemen des religiösen und philosophischen Denkens eben nicht aufging.

Er hätte es anders gekonnt, Paulus, mit seinem reichen Hintergrund pharisäischer Bildung – aber er wollte es nicht. Wollte nicht denen Hürden bauen, die nicht so gebildet waren; wollte nicht mit rhetorischer Eleganz Anhänger gewinnen, die ihn beeindruckend gefunden hätten. Sie sollten ja nicht ihm folgen, sondern Christus. Die Kraft Gottes sollte Eindruck hinterlassen, sie sollte ziehen.

Dennoch redet Paulus von Weisheit – einer Weisheit, die schon von Anbeginn der Welt an wusste, was sie wollte: die Menschen in die Nähe Gottes zu ziehen. Weisheit Gottes, die in Bewegung setzt, was niemand sich auch nur hätte träumen lassen. Und dieses nie Erträumte denen schenkt, die Ihn lieben (V. 9). Weisheit Gottes, von Ewigkeit her verborgen – unerreichbar für alle menschlichen Fähigkeiten, aber zugänglich für die, denen es der Geist Gottes aufschließt. Zu unserer Verherrlichung: in Jesus Christus dem Gekreuzigten jetzt schon zur Wirklichkeit Gottes zu gehören. Jetzt und für immer.


III

Ich könnte mir vorstellen, dass Paulus mit diesem Gedicht einverstanden wäre, liegt doch in beiden für heute derselbe Trost und Zuspruch. Vielleicht ist die Grundfrage des Menschen heute nicht mehr die nach einem gnädigen Gott. Dafür ist es die Frage: Wo gehöre ich hin? Werde ich gesehen? Darf ich sein? Gehöre ich dazu? Und auch solche Fragen kann sich niemand selbst beantworten. Da hinein kann die Antwort des Paulus fallen: nicht die Weisen, nicht die Mächtigen, nicht die Angesehenen, nicht die Überredenden, nicht die dem Gesetz Gehorsamen… nichts von all dem und auch nichts anderes ist Voraussetzung, Zugangsvoraussetzung zu Gott (und hoffentlich seiner Gemeinde!).

Wir heute brauchen den »Freispruch« von den Erfordernissen unserer Zeit: Jugend und Schönheit, Bildung und Erfolg, Herkunft und Vernetzung, Gewandtheit und Überzeugungskraft, Selbstbehauptung und Auftritt. In unseren Zeiten der permanenten Selbstoptimierung hat es heilende Kraft, zu hören, dass es einen gibt, der immer schon – warumlos – ganz entschieden für mich ist. Das zu entfalten auf die Selbstannahme und die Annahme des Anderen (Nächsten) hin, könnte Aufgabe dieser Predigt sein.


Anmerkung:

1 Sr. Christamaria Schröter gehört zur Communität Christusbruderschaft Selbitz, lebt und arbeitet dort. © 2003 Christusbruderschaft Selbitz – Buch- & Kunstverlag, 95152 Selbitz, Text zur Faltkarte Nr. 7719 »Ganz innen« (www.verlag-christusbruderschaft.de).


Dörte Kraft

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 12/2017

1 Kommentar zu diesem Artikel

13.01.2018
Ein Kommentar von Lorenz Kock


Sehr warmherzig Paulus Worte in das Heute übertragen, dank der lyrischen Sprache in "Warumlos" von Sr. Christamaria Schröter aus der Communität Christusbruderschaft Selbitz.- Das Leben in der miteinander geteilten Stille vor Gott und dem hörenden Christus hat für uns "da draußen" eine erhellende Wirkung.

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