Inspirationen aus der Ordenstheologie
Gemeinden als Anders-Orte – eine Perspektive für Gegenwart und Zukunft?

Von: Nicole Grochowina
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In der Welt, nicht von der Welt – mit dieser Formel umschreibt das Johannesevangelium die Existenz der Gemeinde Jesu Christi. Sie lässt sich haarscharf auf das Konzept der Heterotopien (der Anders-Orte) des französischen Philosophen Michel Foucault beziehen. Ausgehend hiervon fragt Sr. Nicole Grochowina nach den Möglichkeiten einer gegenweltlichen Lebendigkeit für christliche Orden und Gemeinden in dieser Welt.*


»Weckt die Welt auf!«

»Weckt die Welt auf!«, rief Papst Franziskus Ende 2013 gut 120 Ordensmenschen zu, die sich in Rom bei ihm zum Gespräch versammelt hatten. »Weckt die Welt auf! Seid Zeugen dafür, dass es einen anderen Weg gibt im Handeln, im Leben! Es ist möglich, anders in dieser Welt zu leben. Wir (…) reden von den Werten des Reiches Gottes, wie sie sich hier inkarnieren, hier mitten auf der Erde.«1

»Weckt die Welt auf!« – diesen Ruf an alle Ordensmenschen hat Papst Franziskus auch in sein apostolisches Schreiben übernommen, das er am 21. November 2014 zum Beginn des »Jahres der Orden« herausgegeben hat. Dort führt er dann weiter aus: »Ich erwarte, dass Ihr [i.e. die Ordensmenschen] die Welt aufweckt, denn das Merkmal, das das geweihte Leben kennzeichnet, ist die Prophetie.«2 Den Auftrag zum Wecken der Welt verbindet Papst Franziskus hier mit der Setzung, dass Ordensmenschen Propheten seien. Und präziser: Ein Prophet sei daran zu erkennen, dass er in seiner jeweils eigenen Art Zeugnis gebe, »wie Jesus auf dieser Erde gelebt hat.«3

Hoch engagiert hatte sich Papst Franziskus also an die Ordensmenschen gewandt. Dies erhebt die Frage: Was hat sein Aufruf an die Orden mit dem Leben in einer Kirchengemeinde zu tun? Die Antwort lautet: viel! Viel, denn hier wird von außen ein Impuls auch an Gemeinden herangetragen, der eine neue Richtung vorschlägt, die in Reflexion, in die Selbstvergewisserung ruft. Grund hierfür ist nicht zuletzt, dass Papst Franziskus für die Orden nicht allein den Weckruf zur Hand hatte, sondern auch eine konkrete Vorstellung davon, wie sich die Orden als Propheten sehen und verstehen könnten. Dafür prägte er den Begriff der »Anders-Orte«, der in all seinen Facetten auch für die Selbstvergewisserung der Gemeinden interessant ist. Orden, so Papst Franziskus, sollten »Anders-Orte« mitten in der Welt sein. Und genau an dieser Stelle und bei der Art und Weise, wie Papst Franziskus »Anders-Orte« versteht und ausdifferenziert, setzt die Inspiration für Gemeinden an – für Gemeinden als »Anders-Orte« mitten in einer Welt, die zwar als post-säkular gilt, aber ihr Bedürfnis nach Sinnstiftung nicht mehr unbedingt in kirchlichen Gemeinden stillt.

Konkret geht es damit für Orden und Gemeinden gleichermaßen um die Frage: Wie soll denn der Anders-Ort einen Unterschied machen und so die Welt aufwecken? Bereits an dieser Stelle deutet Papst Franziskus in seinem Schreiben an die Orden an, was er mit »Anders-Orten« meint und was demzufolge sowohl Orden als auch Gemeinden bei der Beantwortung dieser Frage konkret helfen könnte: »Ich erwarte mir also nicht, dass ihr [Ordensmenschen, d. Verf.] ›Utopien‹ am Leben erhaltet, sondern dass ihr ›andere Orte‹ zu schaffen versteht, wo die Logik des Evangeliums gelebt wird, die Logik der Hingabe, der Brüderlichkeit, der Annahme der Verschiedenheit, der gegenseitigen Liebe.«4 Papst Franziskus fordert also dazu auf, Anders-Orte zu schaffen und diese mitten in der Welt zu gestalten. Anders-Orte seien dabei Orte, an denen die Logik des Evangeliums regiere, an denen also die Verschiedenheit nicht nur erduldet, sondern angenommen und zugleich das Geheimnis der gegenseitigen Liebe und zugewandten Brüderlichkeit nicht aus dem Blick verloren werde.


1. Was ist ein »Anders-Ort«?

Der Begriff der Anders-Orte ist nicht neu, aber dennoch bislang – zumindest im Blick auf Gemeinden – deutlich unterbeleuchtet geblieben.5 Dabei ist dieser Begriff – so die hier zu bedenkende These – ein prophetischer, der auf die Gegenwart und die Zukunft der Orden und letztlich auch der Gemeinden ausgerichtet ist, weil er auf Gott schaut und dabei sowohl auf den Ort des Geschehens – also auf die Gemeinde – als auch auf ihr Wirken in der Welt zielt.

Vor diesem Hintergrund soll nun im Folgenden der Anders-Ort in seiner Kraft und Wirkmächtigkeit aufgeschlüsselt werden, um ihn zu befragen, was genau er von Gemeinschaften und Gemeinden fordert und wie er diese zugleich fördert. Der Begriff des Anders-Ortes ist also daraufhin zu befragen, ob ihm in der Tat das prophetische Potential zuwächst, die Gegenwart und Zukunft von Gemeinschaften und Gemeinden neu zu gestalten. Dazu ist zunächst eine erste Bestimmung dieses Begriffes vorzunehmen, der von Papst Franziskus ja nicht erfunden worden ist, sondern insbesondere in der philosophischen Debatte der 1960er Jahre zu finden ist.6 Der Spur von Papst Franziskus folgend, soll dann in einem zweiten Schritt das Reich Gottes als das geradezu klassische Beispiel für einen Anders-Ort herangezogen werden, um dessen Eigenschaften aufzuschlüsseln. Genau hier geht es dann auch explizit um die Frage, worin die »Logik des Evangeliums« genau besteht, die der Papst als ein wesentliches Kriterium eines Anders-Ortes benennt. Und schließlich ist drittens zu fragen, was es vor diesem Hintergrund bedeuten kann, dass Gemeinden sich als Anders-Orte verstehen dürfen und sollen, um auf diese Weise – allen finanziellen, personellen und nicht selten auch geistlichen Schwierigkeiten zum Trotz – ihre prophetische Kraft in Gegenwart und Zukunft zu entfalten.


1.1 Anders-Orte statt Utopien

Papst Franziskus selbst gibt einen Hinweis, wie Anders-Orte zu verstehen sind, wenn er in seinem apostolischen Schreiben von 2013 festhält: »Ich erwarte mir (…) nicht, dass Ihr ›Utopien‹ am Leben erhaltet, sondern dass Ihr ›andere Orte‹ zu schaffen versteht.«7 Utopien, das sind einer ersten Übersetzung nach »unwirkliche Orte«; es sind Träume von einer perfekten Gesellschaft und nicht selten auch einer ebensolchen Gemeinde, die aber an einem Nicht-Ort geträumt werden müssen, weil sie sich schlussendlich nicht realisieren lassen.


Thomas Morus’ »Utopia« und andere »Nicht-Orte«

Und in der Tat: Als Thomas Morus im Jahr 1516 seine »Utopia« verfasste und damit dem gesamten Literaturzweig der Utopien den Namen gab,8 tat er genau dies: Er schrieb seinen Traum von der besten aller möglichen Welten auf und verlegte diese perfekte Gesellschaftsordnung auf eine Insel, die irgendwo im weiten Ozean lag und als unentdeckbar galt. Hier hatten die Menschen alles, was sie zum Leben brauchten. Zudem hatten sie sich eine Struktur geschaffen, in der alle dasselbe besaßen, dasselbe lebten und darin glücklich zu sein schienen. Auch gab es keine Kritik an der bestehenden Ordnung – und sollte jemand diese Ordnung durch Krankheit oder Eigenmächtigkeit gefährden, wurde er bestraft und schließlich ausgeschlossen.

Eine Utopie von einer idealen Gesellschaft, in der alle einander zugeneigt sind und wo alle mit dem glücklich sind, was sie haben, kann nur an einem Nicht-Ort entstehen, denn in der gegenwärtigen Welt ist sie dauerhaft nicht denkbar – und dies galt allerdings ebenso für die Welt, in der Thomas Morus lebte. Sie war und ist deswegen nicht denkbar, weil sie auf Idealen basiert, die kein Mensch ein Leben lang einzulösen vermag, da es über das menschliche Vermögen hinausgeht, dies dauerhaft zu tun.9

Konsequenterweise sind deshalb auch alle Utopien, die nach der Schrift von Thomas Morus entstanden sind, auf unbekannten Inseln, also an Nicht-Orten, oder in zukünftigen Zeiten angesiedelt worden, die sich kein Zeitgenosse genau vorstellen konnte. Francis Bacon etwa entwarf eine Welt, in der sich das ganze Leben den Naturwissenschaften unterordnete,10 Margret Cavendish beschrieb eine entfernte Welt, in der allein Frauen regierten,11 Tomasso Campanella führte aus, wie der ideale Gottesstaat im Nirgendwo aussehen könnte, und Louis-Sebastian Mercier, ein Zeitgenosse des 18. Jh., schrieb darüber, wie sich Paris im Jahr 2440 darstellte.12

Wenn der Papst also davon spricht, dass es nicht gelte, Utopien am Leben zu erhalten, dann ist damit auch gemeint, sich nicht hinter Idealen und irrealen Vorstellungen vom Leben etwa in der Gemeinde zu verschanzen. Denn das Problem mit diesen Idealen ist, so hat es der Soziologe Michael Hochschild ausgeführt, dass diese sich nicht selten aus der Vorstellung speisen, wie erfolgreich eine Gemeinschaft doch in der Vergangenheit gewesen sei,13 als beispielsweise die Gottesdienste zahlreicher besucht wurden, junge Menschen mit dabei waren, der Gesang inbrünstiger war oder die Seelsorge mehr Zeit als die Verwaltung in Anspruch nehmen durfte. Eine solche Rückschau kommt nicht selten einer Verklärung der Geschichte gleich – und Ideale finden in dieser Verklärung ihren Nährboden, um zu wachsen und zu gedeihen. Dies allerdings lähmt wiederum alles Suchen und Fragen in der Gegenwart, das doch nicht darauf zielen kann, einen Zustand wiederherzustellen, der entweder längst vergangen ist oder in dieser Weise vielleicht niemals existiert hat.14 Kurzum: Utopische Ideale haben in der realen Welt tatsächlich keinen Ort, sie entsprechen allein einer virtuellen Realität. Und dort, wo sie bestehen und gepflegt werden, müssen und werden sie sich notwendigerweise an den gegenwärtigen Gegebenheiten abschleifen, um schließlich – wenn es gut läuft – zu sterben.


Nutzlose Nostalgien

Vor diesem Hintergrund wird verständlich, warum Papst Franziskus davon abrät, sich in »nutzlosen Nostalgien« zu verlieren und so allein eine »Archäologie« zu betreiben, die keinerlei Bezug zu den Fragen und zu den sehr konkreten Herausforderungen der Gegenwart herstelle.15 Diese Setzung ist deshalb plausibel, weil eine solche Nostalgie in der Gefahr steht, Ideale zu kultivieren und somit einen Nicht-Ort zu schaffen, der dann allein das Zuhause der Artefakte der Vergangenheit würde, ohne dabei Inspirationskraft für die Gegenwart zu entfalten.

Doch auch wenn der Papst diese Nostalgie ablehnt, verweist er dennoch darauf, dass die Dankbarkeit für den bereits zurückgelegten Weg unerlässlich sei, denn dieser zeigte, wie das Charisma einer Gemeinschaft oder eben auch einer Gemeinde »im Laufe der Geschichte gelebt« worden sei. Darin stecke ein »inspirierender Funke«, der viel Kreativität freigesetzt hätte und so zahlreiche Schwierigkeiten überwinden konnte. Vor diesem Hintergrund sei deshalb gut zu unterscheiden, was und wie erinnert werde, denn in jeder Zeit käme es darauf an, dieses Charisma auf eine »neue Weise« zu verwirklichen, dem Charisma also – so wäre dies zu übersetzen – einen konkreten Raum zu geben, der sich durch Wort und Tat – entsprechend der Zeit – und nicht durch überkommende Ideale auszeichnet. Genau dieses Suchen und Fragen, so der Papst weiter, würde dann allen Suchenden ihre ganz eigene »Schönheit« verleihen und sie für ihre »guten Werke ausrüsten,«16 die nun folgen sollten.


Anders-Orte als Widerlager

Die Utopie schafft also einen virtuellen Ort voller Ideale; der Anders-Ort, die Heterotopie, hingegen findet sich mitten in der realen Welt, er ist ein ganz konkreter und erkennbarer Teil der Gesellschaft – und genau hier ist er wirksam. Der Philosoph Michel Foucault nennt die Anders-Orte deshalb auch »Gegenplatzierungen« oder »Widerlager«, weil sie einerseits die gegenwärtige Kultur repräsentieren, diese aber andererseits auch in dem Sinne bestreiten und wenden, dass sie dadurch ihr Eigenes nicht aufgeben.17 Werden explizit Gemeinden als Anders-Orte gesehen, dann ist analog dazu festzuhalten, dass diese sich so verstehen, im Grunde in der Welt, aber nicht wirklich von der Welt sind,18 da hier der Versuch unternommen wird, im gemeinschaftlichen Dienst am Reich Gottes den Himmel zu erden. Dies geschieht in den Gruppen, im Gottesdienst, im Miteinander – und es lohnt sich sicher, diesen Erdungsprozessen in der eigenen Gemeinde auf die Spur zu kommen und diese zu würdigen.

Geschieht dies, lassen sich Schätze heben, denn: Anders-Orte leben von einer großen Freiheit, weil hier das in den Mittelpunkt rücken darf, was an anderen Orten eher ausgeschlossen wird oder das zur Sprache gebracht werden darf, was ansonsten ungesagt bleibt.19 Auch Gemeinden werden also zu Anders-Orten, weil sie sich als Orte erkennen, an denen Menschen verstummen dürfen, um dann in eine intensivere – und eben auch: andere – Kommunikation einzutreten, die sich auf den orientiert, der »Himmel und Erde gemacht hat.« Es sind Anders-Orte, weil sich Menschen hier im Miteinander und in der gemeinsamen Ausrichtung (und der gemeinsamen Freude daran!) in eine unsagbare, aber jahrtausendalte Hoffnung hineinversenken können, die von Gott und damit von dem »Ganz-Anderen« erzählt, der ungeachtet aller menschlichen Mühen, mit ihm in Kontakt zu treten, immer auch der »Andere« bleibt. Es sind also Orte, an denen diese wundersame Beziehung zwischen Gott und Mensch in der Weise aufleuchten kann, dass der Glaubende hier etwas entdeckt, »was in ihm die Unmöglichkeit stiftet, ohne es zu leben.« An Anders-Orten kann also etwas »zu jener Luft [werden] (...), ohne die wir nicht mehr atmen können.« Und hier kann dann auch das »bescheidene Bekenntnis des Glaubens [wachsen](…): Ohne dich [i.e. Gott, d. Verf.] kann ich nicht mehr leben. Ich habe dich nicht, aber ich halte mich an dich. Du bleibst für mich der Andere, und du bist mir notwendig, denn das, was ich wirklich bin, geschieht zwischen uns.«20


Gemeinden als Orte des »Ganz-Anderen«

Ist das ein Ideal von Gemeinden? Nein, das ist vielmehr die Gründungsurkunde von Gemeinden, die sich doch aufmachen, in und mit der Kirche den »Ganz-Anderen« zu entdecken und diesem zu leben. Wo also macht sich der »Ganz-Andere« in der Gemeinde, im gemeinsamen Glauben und Handeln hörbar, wo reizt er zu diesem Bekenntnis, ohne ihn nicht sein zu können?

Er wird nicht zuletzt da hörbar und er reizt dort zum Bekenntnis, wo die von ihm geschenkte Beheimatung ernstgenommen und bedankt wird. Gemeint ist damit eine Beheimatung, die nicht »von (gesellschaftlichen bis ökonomischen) Bedeutungen gefesselt, von profanen Interpretationen erdrosselt wird.«21 Diese »ganz andere Erfahrung der Beheimatung« entsteht, wenn Gemeinden auf die wachsende Entwurzelung von Menschen antworten, indem sie in allen vielfältigen und globalen Angeboten die Möglichkeit des »lokalen Einwohnens«22 stiften und sich darum in Offenheit weiter bemühen. Dies gelingt insbesondere dann, wenn sich hier weite Sinnhorizonte eröffnen, »ohne die Lebenswelt dafür fliehen zu müssen. [Wenn sie also] Orte [sind], an denen Geschichte, Zeit und die (Mit)welt erlebbar, die ganzen Veränderungen des Lebens gesehen werden«, sie aber darin »Orte der (eigenen) Wahrheit« bleiben,23 in denen also eine Botschaft explizit gemacht wird und deshalb Orientierung und Stärkung schenkt, die in dem Stimmenwirrwarr der Welt nicht immer leicht herauszufiltern ist.

Genau in diesem Mit-Sein mit der Welt, aber ebenso in dem gleichzeitigen »nicht von der Welt«-Sein liegt auch das Fordernde der Anders-Orte, an denen Gemeinden in ihrem Selbstverständnis und ihrem Selbstbewusstsein wachsen können. Dies verlangt ein bemerkenswertes Maß an Wachheit für die Zeit und für die Sorgen der Sinnsuchenden, die nicht im gemeindlichen »das war schon immer so« und den daraus entstehenden Kleinkriegen in Gruppen und Kirchenvorständen erstickt werden mögen.


Eine »andere Grammatik des Lebens«

Weiterhin liegt eine nicht weniger bedeutsame Herausforderung darin, den Auftrag des Anders-Ortes auch tatsächlich – und womöglich auch im deutlichen Widerspruch zur gesellschaftlichen Ausrichtung – anzunehmen und an der so »anderen Grammatik des Lebens«24 festzuhalten, die hier aufgrund ihrer Sendung gelten soll, ohne dabei den klaren Blick auf die Fragen der Zeit zu verlieren. Die aktuellen Auseinandersetzungen zum Thema Kirchenasyl (gerade in Bayern) deuten an, was hiermit gemeint ist.

Doch mitten in diesen Herausforderungen wird auch deutlich, welch förderliches Potential darin steckt, Gemeinden als Anders-Orte zu verstehen, verbirgt sich doch in dieser »anderen Grammatik des Lebens« auch mit Gott der Ganz-Andere, der sämtliche Gemeinschaften und Gemeinden überhaupt erst als Anders-Orte begründet. Dieses Glaubenswissen und das damit einhergehende dringende Bedürfnis, nicht ohne diesen Ganz-Anderen leben zu wollen und diesen auch im alltäglichen Leben mitten in der Welt Gestalt werden zu lassen, fördert in besonders nachhaltiger Weise das Leben und Wirken der Anders-Orte. Beide finden dann nach dem Jesuiten Michel de Certeau ihren Ausdruck in einem Leben als Pilger, die suchen, »wovon sie genau wissen, dass sie es nicht finden werden. Und [dann] stößt es ihnen eines schönen, eines blendenden Tages zu. (…) Dann dringt [plötzlich] unbemerkt [in sie], was ohne uns ist: die Weiße, die über alle Teilung hinaus ist, die Ekstase, die das Bewusstsein tötet und den Spektakeln ein Ende macht, ein Tod im Licht, ein ›glücklicher Schiffbruch‹, wie die Alten sagen.«25

An Anders-Orten kann sich dieser »glückliche Schiffbruch«, dieses Weiße, das über alle Teilung hinausgeht, dieses Eindringen dessen, »was ohne uns ist«, also ereignen, weil sie den Raum dazu bereitstellen und letztlich – ungeachtet von innergemeindlichen Auseinandersetzungen – auf das Handeln des Ganz-Anderen warten.


1.2 Hier kann die Gemeinde lernen: das Reich Gottes als Anders-Ort

Wenn Papst Franziskus Anders-Orte beschreibt, an denen die »Logik des Evangeliums«26 gelten soll, dann legt er damit eine wesentliche Spur zum Verständnis dieser »anderen Grammatik des Lebens«27, die durch die Anders-Orte sichtbar wird. Doch was konkret ist mit der »Logik des Evangeliums« gemeint? Der Theologe Hans-Joachim Höhn gibt in seiner Studie über Wege der theologischen Erkenntnis eine mögliche Beschreibung von dieser Logik: »Das Evangelium Jesu überführt die Logik der Über- und Unterordnung in eine wohltuende Anarchie. Er setzt das Unterste zuoberst. Kein Aufstieg zum Göttlichen ist der Heilsweg des Evangeliums. (…) In seinem Zentrum steht [vielmehr] die Rede von einem ›heruntergekommenen Gott‹ (vgl. Phil 2, 6-8).«28 Das heißt für ihn in der Konsequenz: »Gott ist nicht dort zu finden, wo er vermeintlich als Gott hingehört – nämlich ›ganz oben‹.«29


Die Logik des Evangeliums

Eine solche Einschätzung hat unmittelbare Konsequenzen für das menschliche Miteinander gerade auch in den Bereichen der Gemeinde, in denen offen oder verdeckt Machtbeziehungen ausgehandelt werden – selbst dann, wenn dazu eigentlich keine Notwendigkeit besteht. Gemeinden als Anders-Ort zu verstehen, heißt dem gegenüber zu akzeptieren und zu wollen, dass in wesentlicher Weise die menschliche »Erwartungs- und Entsprechungslogik [durchkreuzt wird], dass (…) vor [einem großen] Gott, [der ganz oben steht,] kein Ansehen findet, wer in dieser Welt mit leeren Händen dasteht.«30 Die Logik des Evangeliums durchbricht gerade solche Erwartungen und gründet sich stattdessen auf die Verheißungen der Seligpreisungen, welche all jenen die Zuwendung Gottes sichern, die im sozialen Abseits stehen oder dorthin gedrängt werden. Dies bedeutet gleichsam, dass das »Gottsein Gottes [nicht] in der Verlängerung einer Demonstration menschlicher Größe und Stärke bzw. des Vermögens zur Beherrschung von Mensch und Naturgesetzen gedacht werden kann. [Eine solche] Überbietungslogik [wird] von Jesus nicht überboten, sondern aufgehoben.«31 Sich diese Einschätzung zu eigen zu machen, kann das Leben von Gemeinden nachhaltig verändern.

Wenn Papst Franziskus also in seinem apostolischen Schreiben von der »Logik des Evangeliums«32 spricht und dabei gleichzeitig auf das geschwisterliche Miteinander verweist, das in gegenseitiger Liebe zu leben sei, entsagt auch er – ganz im Sinne von Höhn – der menschlichen Überbietungslogik, die ihr Heil im Beherrschen sucht und demnach einen schwachen, einen »herunterkommenden« Gott nicht erträgt. Höhn führt dies weiter, indem er zugleich darauf aufmerksam macht, dass das »Gottverhältnis des Menschen (…) fortan Maß nehmen muss am Menschenverhältnis Gottes, d. h. an seiner Zuwendung zu denen, die ›ganz unten‹ sind.«33 Vor diesem Hintergrund erscheint auch der päpstliche Aufruf folgerichtig, nicht vom Mittelpunkt, sondern von der Peripherie einer Gesellschaft her zu denken und zu handeln.34


Die Fülle der Anders-Orte im Christentum

Aus diesen Beobachtungen lässt sich folgern, dass das Christentum im Grunde über eine Fülle von Anders-Orten verfügt, die für die Gegenwart und Zukunft von Gemeinden inspirierend wirken können, denn: zur Umkehrung der Herrschaftsverhältnisse kommt es nicht nur in den Worten der Seligpreisungen, sondern ganz konkret auch in der Krippe, die Gott als Menschen aufnimmt, dazu am Kreuz, im Abendmahlsaal, im Taufbecken, am leeren Grab und selbst im Beichtstuhl oder eben auch in einer Gemeinde. Das bedeutet gleichermaßen, dass der schlechthinnige Anders-Ort, der letztlich alle anderen christlichen Anders-Orte stiftet, das Reich Gottes selbst ist: Hier regiert eine Ordnung, die nicht von dieser Welt ist und diese dennoch gestaltet, hier stehen Gottes- und Nächstenliebe in einer untrennbaren Beziehung und hier werden sämtliche menschliche Herrschaftsverhältnisse umgekehrt, so dass letztlich die Mühseligen und Beladenen nicht nur Wertschätzung erfahren, sondern auch Befreiung.35

Die Theologin Hildegund Keul macht diese Umkehrung aller menschlichen Herrschaftsideen und damit die »Logik des Evangeliums« am Beispiel des Magnificats deutlich. So hält sie fest, dass hier die Niedrigen angesehen und erhoben, die Mächtigen von den Thronen gestoßen, die Hungernden beschenkt und die Reichen leer ausgehen würden, kurzum: die Armen würden angesehen und befreit. Im Erkennen dieser Umkehrung greife es aber zu kurz, hier nun schlicht von der »einfache[n] Identität von Armut und Reich Gottes« auszugehen. Das Reich Gottes stünde nicht für die Armut als solcher, sondern vielmehr ereigne sich das Reich Gottes dort, »wo der übermächtige Zugriff der Armut auf das Leben von Menschen gebrochen wird.«36 Genau dies ist für Keul die Umkehrung menschlicher Herrschaftsverhältnisse mitsamt dem Ruf an die Reichen, durch ihren Reichtum nicht noch mehr die Spirale der Armut zu verstärken.

Doch am Klarsten, so Keul, leuchte die »Logik des Evangeliums« mit all der genannten Umkehrung in der Auferstehung Jesu auf und finde deshalb im leeren Grab ihren einzigartigen Ausdruck, denn: »An diesem Andersort Gottes wird die vorherrschende Macht des Todes entmachtet, und das Leben kommt endgültig zum Durchbruch.«37 Durch die Auferstehung Jesu wird der Tod besiegt und damit – nach Keul – auch das letzte und vielleicht wirkmächtigste Herrschaftsverhältnis umgekehrt, welches jedwedes Leben beeinflusst.

Das Reich Gottes ist also der eigentliche Anders-Ort, von dem sich alle anderen Anders-Orte ableiten lassen. Mit seiner Umkehrung menschlicher Logik und seiner »wohltuenden Anarchie«38 fordert es heraus, weil es mit allen Gottes- und Menschenbildern kollidiert, die auf eine herrschaftlich ausgerichtete Überbietungslogik setzen. Diese neue, diese »andere Grammatik des Lebens« zu lernen, ist zwar mühsam, aber es deutet sich doch gerade auf diesem Lernweg an, wie förderlich sie letztlich für den eigenen Pilgerweg durch die Zeit ist.


2. Gemeinden als Anders-Orte in Gegenwart und Zukunft

»Das Evangelium von Gottes Verhältnis zum Menschen als Verhältnis unbedingter Zuwendung gibt zu tun und nicht bloß zu denken.« So klar ruft der Theologe Hans-Joachim Höhn dazu auf, die einmal erkannte »Logik des Evangeliums« im eigenen Leben in die Tat umzusetzen und so einen Anders-Ort entstehen zu lassen und auszugestalten. Diese Tat, dieses Konkret-Werden in einem jedweden Leben, so sagt es Papst Franziskus, sei das Zeugnis für das Wirken des Auferstandenen in der Welt.39 Das bedeutet allerdings, dass zunächst die »Logik des Evangeliums« erst einmal zumindest erahnt werden muss. Ansonsten kann es nicht zu einer entsprechenden Tat kommen.

Wie findet die Tat aber ihre Gestalt? Papst Franziskus macht hier einen wesentlichen Vorschlag: »Euer Leben [gemeint sind die Ordensmenschen, aber hier sind problemlos auch Gemeindeglieder zu denken, d. Verf.] ist es, das sprechen muss – ein Leben, das die Freude und die Schönheit, das Evangelium zu leben und Christus nachzufolgen, zum Ausdruck bringt.«40 Und mehr noch: »Jesus verlangt von uns, (…) seine Worte zu leben.«41 Die hier benannte Freude ist ein wesentlicher Baustein auch von Gemeinden als Anders-Orte, denn diese Freude weiß um die Logik und die Schönheit des Evangeliums und damit auch um die wohltuende Unordnung, welche dieses in menschliche Vorstellungen und Logik hineinträgt und sie damit in lebensfördernder Weise herausfordert.


Zugewandtheit zu den Fragen der Welt

Und doch muss an dieser Stelle noch konkreter gefragt werden, wie sich Anders-Orte gestalten. Wesentlich erscheint dabei die Zugewandtheit zu den Fragen der Welt, um diesen als hörende und betende Gemeinden zu begegnen.

Stellvertretend für diesen Ansatz hält Hildegund Keul fest: »Ob ein Kloster [oder eben auch eine Gemeinde, d. Verf.] sein heterotopisches Potential [i. e. sein Potential als Anders-Ort] nutzt, entscheidet sich an seinem Verhältnis zur Welt.«42 Anders-Orte seien, so Keul, »gesellschaftlich relevante Orte«, und die Chance dieser Anders-Orte inmitten der Gesellschaft liege darin, dass sie dieser durch ihr Sein und Leben »neue Gravuren« geben könnten. Konkret heißt dies in den Worten von Thomas Merton, dass eine Gemeinschaft – und damit auch eine Gemeinde – kein Schneckenhaus sein dürfe, kein »geistiger Luftschutzraum, in den man untertauchen kann, um der verbrecherischen Wirklichkeit eines apokalyptischen Zeitalters zu entfliehen.«43 Vielmehr ginge es darum, in der Welt, aber nicht von der Welt zu sein – und dies heißt in den Worten von Papst Franziskus, hinauszugehen und deutlich danach zu fragen, »was Gott und die Menschheit heute verlangen.«44 Dazu helfen zwei Fragen, die der Papst auch klar stellt: »Was lernen wir von der Welt? Und: Worin besteht unser Dienst an der Gesellschaft?«45 Diese Fragen deuten an, dass alle Gemeinschaften – ganz gleich, ob sie nun eine Gemeinde oder ein Orden sind – einer Weltzugewandtheit bedürfen, die sich in einer ausgeprägten Wachheit für die Fragen und die Zeichen der Zeit zeigt, um dann unter- und entscheiden zu können, wo und wie mithilfe des Evangeliums alternative Sicht- und Lebensweisen aufgezeigt werden können. Während dieser mühsamen Suche nach einer Antwort werde sich dann – nach Ulrich Engel – ein Weg auftun, wie der »himmelwärts gerichtete Blick« schließlich das »weltgewandt-prophetische Engagement«46 ermöglicht, das sich in der Bezeugung des Evangeliums an einem Anders-Ort mitten in der Welt zeigt.

Um Gottes und der Menschen willen gibt es demnach die glaubende Existenz, welche sich traut, Anders-Orte zu schaffen, zu denen die Welt – nicht uneingeschränkt, aber doch – Zugang hat und ihre Fragen bringen kann, um dann Antworten zu bekommen, die sich aus der »Logik des Evangeliums« speisen.47 Solche zeigen sich dann durchaus auch in sehr konkreten Taten, wenn sie dem Aufruf des Papstes folgen, Flüchtlinge aufzunehmen, die Nähe zu den Armen zu suchen, Kreativität in der Verkündigung walten zu lassen und Menschen – und auch sich selbst – zum Gebet zu ermutigen.48

Dieser intensive Blick auf die Welt ist auch deswegen so dringend erforderlich, weil er es außerdem verhindert, dass utopische Konzepte von Gemeinde außerhalb der Welt platziert werden, wo sie dann keine Wirksamkeit entfalten. Dies bedeutet, dass Gemeinden, die an den Fragen der Zeit vorbeileben oder sich in sich selbst zurückziehen und dabei nostalgisch ihre Geschichte pflegen,49 mehr als andere in der Gefahr stehen, auf ihrem Pilgerweg anzuhalten und so aus ihrem Dasein als Anders-Ort eine Utopie zu machen. Entsprechend klar warnt Thomas Merton vor einem solchen Rückzug: »Es ist nicht schwer, in einem stillen Kloster [oder in der komfortabel eingerichteten Gemeinde, d. Verf.] über Liebe, Demut, Gnade, innere Ruhe und Frieden zu meditieren. Aber eben ›keiner ist eine Insel‹. Ein rein individualistisches Innenleben, ohne sich von den Leiden der anderen berühren zu lassen, ist nicht wirklich.«50 Vielmehr ginge es darum, dass eine realistische Meditation um Krieg, Auseinandersetzung und Leid auf der anderen Seite der Welt wisse und sich so in den »Dienst an der zerbrechlichen, von Gewalt bedrohten Welt«51 stelle. Dies sorgt letztlich dafür, dass Gemeinden so die Chance erhalten, die »Logik des Evangeliums« in die jeweilige Situation hineinzusprechen und insbesondere auch hineinzubeten.


Der Versuchung der Sesshaftigkeit widerstehen – ein Fazit

Abschließend ist festzuhalten, dass Gemeinden das große Vermögen haben, als Anders-Orte wirksam zu sein, weil sie mitten in der Welt, aber eben doch nicht von der Welt sind. Wenn dabei das gemeinsame Leben und die Zugewandtheit zur Welt nicht von Idealen und einem nostalgischen Blick auf die Vergangenheit erstickt und so im Grunde zur Utopie werden, sind sie demnach immer auf der Suche danach, wo und wie sie die »Logik des Evangeliums« mit ihrem Leben verkündigen können. Und so entscheidet die Art und Weise, wie diese Aufgabe gelöst und damit der Anders-Ort mit all seinen Herausforderungen gestiftet und gestaltet wird, darüber, ob Gemeinden sich von dieser Aufgabe fördern lassen und dann umso mehr als Orte in der Welt erkennbar sind, in denen die »Logik des Evangeliums« aus gutem Grund und letztlich allen zur Freude regiert. Die Felder, auf denen dies ungeachtet der schwieriger werdenden Rahmenbedingungen gelingen kann, sind zahlreich. Dabei sind es insbesondere die Zeichen der Zeit und die Fragen der Welt, die einer Antwort nach der »Logik des Evangeliums« bedürfen; einer Logik, die dem Einzelnen dient und ihn fördert, weil sie sich nicht mit menschlichen Herrschafts- und Überbietungsansprüchen aufhält, sondern von einem Gott erzählt, der sich klein macht, den Himmel hinter sich lässt, den Menschen auf Augenhöhe begegnet und so – in der Sphäre der Interpersonalität – seine Zugewandtheit zu jedem einzelnen Menschen zum Ausdruck bringt.

Diese Beobachtungen legen insgesamt nahe, dass der Anders-Ort keine feste inhaltliche und damit zeitlose Bestimmung hat, sondern immer wieder neu erfunden wird – gerade so, wie sich glaubende Menschen als Gemeinde und Gemeinschaft pilgernd und suchend in der Welt fortbewegen. Dabei sollen sie nicht der Versuchung der Sesshaftigkeit erliegen,52 die auf ein vorgegebenes und damit auch geruhsames Leben hofft. Vielmehr gilt auch hier der Aufruf des Papstes: »Man muss in das Abenteuer der Suche nach der Begegnung eintreten und in das Sich-Suchen-Lassen von Gott, das Sich-Begegnen-Lassen mit Gott.«53 In diesem Geschehen entfaltet sich der Anders-Ort mit all seiner lebensverändernden Kraft, die auch dazu führt, den Aufruf des Papstes an die Ordensmenschen in derselben Intensität für die Gemeinden zu hören und in die Tat umzusetzen: »Seid Zeugen dafür, dass es einen anderen Weg gibt im Handeln, im Leben! [Und:] Weckt die Welt auf!«54


Anmerkungen:

* Diesem Text liegt der Aufsatz zugrunde: Orden als Anders-Orte? Perspektiven für Gegenwart und Zukunft, der in dem Sammelband Alexandru Ionita (Hg.): Das christliche Mönchtum und die postmoderne Welt. Interkonfessionelle Perspektiven. Studia Oecumenica 11, Presa Universitară Clujeană, 2017, in rumänischer Sprache erschienen ist. Im Zuge des weiteren Nachdenkens ist deutlich geworden, dass wesentliche Fragen und Ansätze des Aufsatzes auch für Kirchengemeinden relevant sind. Der Aufsatz ist entsprechend bearbeitet worden, Alexandru Ionita sei herzlich dafür gedankt, dass er sowohl die Überarbeitung als auch die Publikation in deutscher Sprache gestattet hat.

1 Antonio Spadaro: »Wake up the World!«. Conversation with Pope Francis about the Religious Life, 3; http://www.laciviltacattolica.it/articoli_download /extra/Wake_up_the_world.pdf [1.4.2016] [Übersetzung des englischen Textes ins Deutsche: N.G.].

2 Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben zum Jahr des geweihten Lebens, in: Ordenskorrespondenz 55 (2014), 468-478, hier: 473.

3 Ebd.

4 Ebd.

5 Vgl. Ulrich Engel: Die stillgelegten Propheten? Die Krise der Orden und Aufbrüche an verborgene »Anders-Orte«, in: Herder-Korrespondenz 69 (2015), 65-70, aber auch als eine wesentliche Reflexion die schon 2010 erschienene Sammlung: Ilona Biendarra (Hg.): Anders-Orte. Suche und Sehnsucht nach dem (Ganz)-Anderen. St. Ottilien 2010.

6 Vgl. hierzu etwa Michel Foucault: Andere Räume, in: Karlheinz Barck u.a. (Hg.): Aisthesis. Wahrnehmung heute oder Perspektiven einer anderen Ästhetik. Leipzig 1992, 34-46.

7 Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 473.

8 Vgl. Klaus J. Heinisch (Hg.): Der utopische Staat. Morus-Utopia, Campanella-Sonnenstaat, Bacon-Neu-Atlantis. Reinbek bei Hamburg 1960, 7-111.

9 Für eine analoge Perspektive sei an dieser Stelle auf die Naherwartung verwiesen. Auch diese erfordere ein Maß an Spannung, das dauerhaft nicht aufrechterhalten werden könne. Vor diesem Hintergrund müssten andere Methoden gefunden werden, die damit verknüpften Hoffnungen wach zu halten. Vgl. Johann Baptist Metz: Zeit der Orden? Zur Mystik und Politik der Nachfolge. Freiburg, Basel, Wien 1986,78-88.

10 Vgl. Klaus J. Heinisch (Hg.): Der utopische Staat, 171-216.

11 Vgl. Katie Whitaker: Mad Madge. Margaret Cavendish, Duchess of Newcastle, Royalist, Writer & Romantic. London 2003.

12 Vgl. Herbert Jaumann (Hg.): Louis-Sébastian Mercier: Das Jahr 2440. Ein Traum aller Träume. Frankfurt am Main 1982.

13 Vgl. Michael Hochschild: Neuzeit der Orden. Kursbuch für Himmelsstürmer. Münster 2005, 9-17.

14 Vgl. zur lähmenden Erinnerungsroutine Oliver Dimbarth, Peter Wehling (Hg.): Soziologie des Vergessens. Theoretische Zugänge und empirische Forschungsfelder. Konstanz 2011, 301.

15 Für alle Zitate Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 469.

16 Ebd.

17 Michel Foucault: Andere Orte, 39.

18 Vgl. Joh. 17,16.

19 Vgl. Hildegund Keul: Das Reich Gottes und die heterotopische Macht der Klöster. Ein Perspektivwechsel mit Michel Foucault, in: Ilona Biendarra (Hg.): »Anders-Orte«, 53-79, hier: 57.

20 Michel de Certeau: GlaubensSchwachheit. Stuttgart 2009, 29f.

21 Michael Hochschild: Genius loci – oder: Vom Geist des Klosters als ganz anderem Ort, in: Ilona Biendarra (Hg.): »Anders-Orte«, 79-109, hier: 80.

22 Ebd., 81.

23 Ebd., 83.

24 Hildegund Keul: Das Reich Gottes, 56.

25 Michel de Certeau: GlaubensSchwachheit, 253.

26 Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 473.

27 Hildegund Keul: Das Reich Gottes, 56.

28 Hans-Joachim Höhn: Praxis des Evangeliums, Partituren des Glaubens. Wege theologischer Erkenntnis. Würzburg 2015, 34.

29 Ebd., 35.

30 Ebd., 32.

31 Ebd., 33.

32 Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 473.

33 Hans-Joachim Höhn: Praxis des Evangeliums, 34.

34 Vgl. Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 475.

35 Vgl. Hildegund Keul: Das Reich Gottes, 61.

36 Ebd., 62.

37 Ebd., 63.

38 Hans-Joachim Höhn: Praxis des Evangeliums, 34.

39 Vgl. hierzu den Aufruf des Papstes zur konkreten Tat, die sich etwa darin zeige könne, dass Ordensgemeinschaften geflüchtete Menschen aufnehmen. Vgl. Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 475.

40 Ebd., 473.

41 Ebd., 470.

42 Hildegund Keul: Das Reich Gottes, 65.

43 Thomas Merton: Gewaltlosigkeit. Eine Alternative. Zürich, Köln 1986, 357.

44 Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 475.

45 Ulrich Engel: Die stillgelegten Propheten?, 69.

46 Ebd.

47 Vgl. hierzu die Überlegungen in: Thomas Dienberg, Thomas Eggensperger, Ulrich Engel (Hg.): Himmelwärts und weltgewandt. Kirche und Orden in (post)säkularer Gesellschaft. Münster 2014.

48 Vgl. Papst Franziskus: Apostolisches Schreiben, 475.

49 Vgl. ebd., 469.

50 Thomas Merton: Gewaltlosigkeit, 91.

51 Hildegund Keul: Das Reich Gottes, 70.

52 Vgl. hierzu Mirjam Schambeck: Von Siedlern und Suchern. Ordensleben zwischen Sesshaftigkeit und Ausschauhalten, in: Geist und Leben 88 (2015), 344-353.

53 Andreas R. Batlogg (Hg.): Das Interview, 61.

54 Antonio Spadaro: »Wake up the World!«, 3.


Über den Autor

Sr. Dr. Nicole Grochowina, habilitierte Historikerin, Ordensschwester der Communität Christusbruderschaft Selbitz, Lehrbeauftragte am Lehrstuhl »Frühe Neuzeit« der Friedrich-Alexander-Universität Nürnberg/Erlangen.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 6/2017

1 Kommentar zu diesem Artikel

Ein Kommentar von Gerhard Kuppler / 05.07.2017
da hat es doch vor 500 Jahren jemand gegeben, der - ungehört von der rek Kirche und später verschüttet in den ev. Kirchen - sich wortmächtig gegen die theologia gloriae und für die theologia crucis ingesetzt hat. Geht man in der Redaktion davon aus, dass ev. Pfarrer diese Unterscheidung nicht mehr kennen?

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