Eine Spurensuche
Hatte Luther Humor?

Von: Hans Martin Dober
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Enorme Sprachkraft, Witz und Derbheit, Sarkasmus, Ironie und Polemik – das alles beherrschte Martin Luther zweifelsohne, aber hatte er auch Humor? Hans Martin Dober begibt sich auf eine Spurensuche, die ihn weit hinein führt in Luthers Theologie und Kirchenkritik, auch in dessen Verständnis von komödiantischer Kunst und Musik, die jedoch am Kern der religiösen Selbstvergewisserung gegenüber dem Judentum eine schauerliche Grenze findet.*

Man hat Luther vieles nachgesagt: seine enorme Sprachkraft und auch seinen »Sprachwitz«,1 sein zuweilen einfühlsames Wesen und seine Tatkraft. »Er hatte etwas Ursprüngliches, Unbegreifliches, Mirakulöses, wie wir es bei allen providentiellen Männern finden«, so Heinrich Heine, »etwas Schauerlich-Naives, etwas Tölpelhaft-Kluges, etwas Erhaben-Borniertes, etwas Unbezwingbar-Dämonisches.«2 Darauf, dass er Humor gehabt hat, ist man aber erst spät gekommen.3

Bei der Spurensuche, die im Folgenden aufzunehmen ist, verstehe ich »Humor« nicht nur als Oberbegriff für alle möglichen anderen Formen der Verfremdung (wie etwa Eric W. Gritsch), sondern auch als eine spezifische Form.4 Doch ihr Spezifikum suche ich nicht in der rhetorischen Funktion (wie Birgit Stolt), sondern in einer anthropologischen Annäherung.


1. Verfremdung als Form des Umgangs mit einer Welt und einem Selbst, die sich nicht von selbst verstehen

Der Witz oder die Satire, die Ironie, die Karikatur oder die Komödie kommen zum Einsatz im Umgang mit einer Welt oder mit anderen Menschen, die in gewissen Aspekten fremd geworden sind. Das ist immer schon so gewesen, wie ein geschärfter Blick auf die Quellen der Religion zeigt, der im biblischen Buch Jona eine Satire entdeckt oder in den Briefen des Paulus Formen der Ironie, ja gar des Sarkasmus (resp. auch im Talmud und in den Quellen des Islam).5 Umso mehr treten die unterschiedlichen Formen der Verfremdung in Zeiten des Umbruchs, der Kritik an bestehenden Verhältnissen und der Neudefinition des Eigenen auf, wie in der Reformationszeit. Karikaturen, die als Holzschnitt Verbreitung fanden, wurden damals zur Waffe, um einerseits den »Papstesel zu Rom« zu verspotten,6 andererseits mit den »Sieben Köpfen Martini Luthers« dessen Reformation zu verteufeln: In Anspielung auf das siebenköpfige Tier der Apokalypse wird Luther als ein Spieler mit vielen Rollen dargestellt, der »viele Gesichter« hat und »letztlich charakterlos« ist.7

Das durch solche polemische Darstellungen hervorgerufene Lachen wendet sich an die eigene Gruppe, die sich am Spott über die anderen ergötzen kann, so lange sie unter sich bleibt. Sobald solches Lachen in Anwesenheit der anderen geschieht, wird es zur »sozialen Züchtigung«, mit der die Ehre des anderen auf dem Spiel steht. Als ein derart soziales Phänomen hat Henri Bergson das Lachen begriffen: als Lachen einer Gruppe, das zugleich »einen Verstoß gegen das Grundprinzip des Zusammenlebens« ist.8 In einer anderen Perspektive hat Helmuth Plessner das Lachen als einen Kontrollverlust des Bewusstseins über den Körper beschrieben und die »exzentrische Positionalität« des Menschen in der Welt in den Blick genommen. Sie erlaubt es, mit Kurt Walter Zeidler den Humor als spezifische Form der Verfremdung näher zu bestimmen als die »Fähigkeit des Menschen, das Gleichgewicht von Selbstdistanz und Empathie [im Verhältnis zur Welt und zu den anderen] spielerisch zu fördern und das [auch durch Ironie und Sarkasmus] gestörte Gleichgewicht wieder herzustellen durch ein ausgleichendes Maß an Selbstdistanz und Empathie.«9

Wie es nachträgliche Theorie zu Recht vertreten hat, hängt eine im Zeitalter der Aufklärung und dann vor allem in der Romantik verstärkte Aufmerksamkeit für Witz und Ironie mit der Pluralisierung der Gesellschaft und der überkommenen Plausibilitätsstrukturen in der Moderne zusammen. Denn wenn »Menschen mit verschiedenen Werten und Weltanschauungen eng zusammen« leben, bringt das Widersprüche mit sich, »und die Wahrnehmung von Widersprüchlichkeiten ist es, die der komischen Erfahrung zugrunde liegt.«10 Schon die alltägliche Erfahrung kann Komik haben und zur Realsatire werden. Um wieviel mehr ist die Darstellung dieser Komik auf der Bühne in einer Komödie eine Möglichkeit, mit verstörenden, unsicher machenden Erfahrungen in einer schwer zu überschauenden Welt umzugehen. Rollen- wie Erkenntnisdistanz können »sehr wohl auch die Grundlage eines spezifisch modernen Humors sein.« (ebd.)

Humor hält die Möglichkeit eines unfanatischen Glaubens offen. Nie habe er einen Fanatiker mit Sinn für Humor gesehen, so Amos Oz, wohl aber für scharfsinnigen Sarkasmus,11 für beißenden Spott also. Humor kann »ein starkes Heilmittel« gegen Fanatismus überhaupt sein. Denn er »beinhaltet die Fähigkeit, über sich selbst zu lachen. Humor ist die Fähigkeit, zu realisieren, dass, egal wie recht man hat und wie großes Unrecht einem angetan wird, es da dennoch immer eine Seite an der ganzen Angelegenheit gibt, die etwas Komisches an sich hat. Je mehr man im Recht ist, desto komischer wird man.« (ebd.) Luther standen Hohn und Spott, Ironie und der scharfsinnige Sarkasmus desjenigen zu Gebote, der überzeugt davon ist, im Recht zu sein. Aber er kannte auch ein helles Aufblitzen des Komischen an den Auseinandersetzungen mit den »Papisten« einerseits, den Fanatikern in den eigenen Reihen andererseits, seien dies Bilderstürmer, Schwärmer oder aufrührerische Bauern gewesen. Sich selbst und denen gegenüber, die ihm nahestanden, hatte er durchaus Humor. »Er lächelte über die schwachen Seiten der anderen, aber über seine eigenen lachte er auch.«12


2. Die Kunst der Verfremdung bei Martin Luther

Polemische Sprachformen

Seine Gegner überzog Luther mit »Sprachgewittern«.13 Es ist leichter, die polemischen, anklagenden, zerfleischenden Formen bei ihm auszumachen als den spezifischen Humor. Im Bereich der Satire, der Polemik, der bissigen Kunst der Verfremdung »hat Luther befreiend […] gewirkt« – er hat diese Formen gesellschaftsfähig gemacht. (31) Zudem bedurfte es, um sich derart sprachmächtig in verschiedensten Konflikt-Konstellationen zu behaupten, eines besonderen Charakters. Heine hat dessen Beschreibung gegeben, als er in seiner Wahlheimat Paris den Franzosen zu erklären versuchte, was es denn auf sich hat mit diesem östlichen Nachbarn, dieser verspäteten Nation, diesem Land der Kultur, in dem die Revolution nicht – wie in Frankreich – zu einer Abschaffung der Herrschaft der Fürsten geführt hatte. Luther, der von der Freiheit eines Christenmenschen in den höchsten Tönen zu reden wusste, war auch ein Verteidiger der Ständeordnung. »Nicht bloß [sei er] der größte, sondern auch der deutscheste Mann unserer Geschichte« ge­we­sen.14 »In seinem Charakter [seien] alle Tugenden und Fehler der Deutschen aufs Großartigste vereinigt … Er war zugleich ein träumerischer Mystiker und ein praktischer Mann der Tat. Seine Gedanken hatten nicht bloß Flügel, sondern auch Hände; er sprach und handelte. Er war nicht bloß die Zunge, sondern auch das Schwert seiner Zeit.« (ebd.)

Um mit dem Schwert zu beginnen: Der Ton von Luthers Sprache ist »nicht immer sauber. Aber man macht auch keine religiöse Revolution mit Orangenblüthen … in seinen Streitschriften überlässt er sich einer plebejischen Rohheit, die oft ebenso widerwärtig wie grandios ist.« (40) »Die Feinheit des Erasmus und die Milde des Melanchthon hätten uns nimmer so weit gebracht wie manchmal die göttliche Brutalität des Bruder Martin.« (41) Der kann schreiben: »Ich hab den Papst mit den bösen Bildern sehr erzürnet. O, wie wird die Sau den Berzel in die Höhe recken.«15 Oder: »Alles ist durch die Papstesel verdunkelt und unterdrückt.«16 Andererseits kann er selbstironisch hinzufügen: »Ich habe Christus und den Papst aufeinandergehetzt und bin so zwischen Tür und Angel gekommen«.17

Auch in seiner Kritik des Aberglaubens, der sich an den Reliquienkult heftete, ist Luther die Kunst der Verfremdung zur Waffe geworden. Es muss ihm Spaß gemacht haben, »Pseudo-Reliquien zu erfinden, um die Reliquie selber abzuschaffen«. Dem Erzbischof von Mainz hat er die folgenden, einen »großen Ablass« versprechenden Reliquien angeboten. »Drei Flammen vom Busch des Mose … Zwei Federn und ein Ei vom heiligen Geist … Ein ganzes Pfund von dem Wind, der an Elia vorbeirauschte … Zwei Ellen von dem Ton der Posaunen, auf dem Berge Sinai«.18 Luther »weiß seiner fabulierenden Phantasie eine satirische Spitze zu geben«. Er arbeitet mit der »Ironie der Vieldeutigkeit«, um den Aberglauben ad absurdum zu führen, »der sich jedwedes ›objet trouvé‹ als heilsmächtige Reliquie aufbinden lässt«.19

Polemisch wendet er sich in seiner Sozialkritik gegen Geiz und Wucher. »Wo man nicht mit Gewalt wehren kann und der Wahrheit helfen, soll man sich doch zum Recht der Armen, Geringen und Angefeindeten bekennen und mit Worten dazu helfen und den Ungerechten nicht zufallen und recht geben, sondern die Wahrheit frei heraussagen.«20 Schärfer: »Solche Finanzer heissen Gurgelstecher«, die den Preis der Ware willkürlich in die Höhe schrauben.21 Oder: »Geld kann den Hunger nicht stillen, sondern ist im Gegenteil der Grund für den Hunger. Denn wo reiche Leute sind, da ist alles teuer.«22

Was die Regierung, die Gewalt im Staate betrifft, so mischen sich realistische Beobachtungen mit spöttischer Beschreibung: »Die Gewaltigen lassen ihr Drücken nicht.«23 Deshalb gelte, beinahe schon modern: »Funktioniert die Regierung nicht, muss das Volk regieren.«24 Was die Fürsten betrifft, so gäben sie sich schon durch ihre Selbstdarstellung zu erkennen: »Nicht umsonst führt der Adel Löwen, Bären, Wölfe und andere wilde Tiere im Wappen. Es bezeichnet seine Art.« Was können sie denn, fragt er, »denn nur hübsche Hengste und feine Fräulein reiten?« (a.a.O.)

Auch den Berufsstand hat er im Blick, in den einzutreten sein Vater ihn an die Universität geschickt hatte: die Juristen; einige Semester lang hatte Luther selbst Jura studiert. Mit bodenständigem Realismus vermag er zu sagen: »es wird kein Mensch besser von dem Gesetz, sondern nur ärger.«25 Oder: »Die Juristen können nur Mücken fangen, die großen Hummeln und Wespen reissen hindurch.«26

Insbesondere war die Bildung ein hohes Anliegen des Reformators, denn »wo die Schrift und die Kunst untergeht, was will da bleiben in deutschen Landen denn ein wüster wilder Haufe Tartaren oder Türken, ja vielleicht ein Saustall und eine Rotte von lauter wilden Tieren.« Deshalb komme es auf gute Schulen an. »Einen fleißigen, frommen Schulmeister oder Magister oder dergleichen, den kann man nimmer genug lohnen und mit keinem Geld bezahlen.« Und damit jedermann lesen könne, solle »man weder Fleiss noch Kosten sparen, besonders in den großen Städten gute Bibliotheken einzurichten.«27


Biblische Metaphorik

Als »Zunge … seiner Zeit« bediente Luther sich stets der medialen Sprache der Bibel und ihrer Metaphorik. Hier hatte er ein Potential der Verfremdung, Pointierung und Verwandlung gefunden.28 Wie auch immer man die Leistung der Metapher genauer bestimmen möchte – jedenfalls ist sie mehr als ein Ornament, und ihr geglückter Gebrauch kommt einer Sagbarkeit zugute, die sich einer trockenen Begriffssprache noch verschließt. Wie Witze können Metaphern komplexe Sachverhalte auf den Punkt bringen, indem sie auf einer Ebene des Vergleichs – und das ist hier das narrative Potential der Bibel – verfremdend, korrigierend und also auch verwandelnd auf existentielle Lebenssituationen einzugehen erlauben. Die Erfahrung der Differenz wird in Metaphern nicht nur benannt, sondern indem sie im Vergleich auf eine andere Ebene gehoben wird, tut sich ein Deutungsraum auf, in dem sich die Möglichkeit eines Umgangs mit dem Ungewohnten, Anderen öffnet. Indem Luther sich den in Metaphern spielenden medialen Sprachgebrauch zu eigen machte, wie er ihn in der Bibel vorfand, nutzte er das hier sich findende Verfremdungspotential zur Ironisierung, zu Spott und Hohn, aber auch zum Humor in der Form des Zitats.

Zu welchem Anlass auch immer er schrieb – seien dies thematisch auf eine bestimmte Situation bezogene Schriften, die der Klärung von Sachfragen dienen, seien dies Streitschriften, seien dies Predigten oder Briefe gewesen: meist bediente er sich des Beispiels biblischer Personen oder Sentenzen, um entweder die eigene Argumentation zu stützen, einen Gedanken anschaulich zu machen oder ein Deutungsmuster für die eigene Erfahrung anzubieten. »Grüßt mir Eure liebe Rippe«, schreibt er in einem Brief an Johann Rühel mit Bezug auf Gen. 2,22.29 Oder er reflektiert seine eigene reformatorische Rolle, indem er sich auf eine ganze Konstellation von biblischen Vorbildern bezieht: »Vielleicht bin ich der Vorläufer des Philippus [Melanchthon], dem ich nach dem Vorbild des Elias den Weg bereite ›im Geiste und in der Kraft‹ (Luk. 1,17), indem ich Israel und die Anhänger Ahabs (1. Kö. 18,17) verwirren werde.«30 Weitere Beispiele sind ­Legion.


3. Die befreiende Funktion des Lachens in den Künsten und im Gespräch

Die darstellende, spiegelnde, verfremdende Funktion der Komödie

Zur Frage, wie sich die witzige Darstellung des Menschlichen in einer Komödie theologisch beurteilen lasse – ob solch Spielwerk einem Christenmenschen angemessen sei –, hat sich Luther in den Tischreden differenziert geäußert. Sein Argument ist großenteils analog zu dem, welche Künste überhaupt denn im schulischen oder kirchlichen Gebrauch passabel seien: 1. sei dies eine nützliche Sprachübung, zumal wenn die Komödie auf Latein gegeben werde, 2. spiegelten die Komödien ein Bild der Gesellschaft, im Angesicht dessen man – auch gerade durch (witzige) Verfremdung hindurch – sich seines und anderer Stände vergewissern könne, »was einem Knecht, Herrn, jungen Gesellen und Alten gebühre, wohl anstehe und was er tun soll, ja es wird darinnen … vor die Augen gestellt aller Dignitäten Grad, Ämter und Gebühre [Verhalten], wie sich ein Jeglicher in seinem Stande halten soll im äußerlichen Wandel«. 3. Bevorzugtes Thema der Komödien sei die erwachende Sexualität von Jugendlichen, die Frage der Partnerwahl und der Eheschließung. Durch die Darstellung auf der Bühne könne man lernen, wie die Eltern »ihre Kinder und junge Leute zum Ehestande ziehen und halten, wenn es Zeit mit ihnen ist.« Insgesamt könne gelten: »Christen sollen Comödien nicht ganz und gar fliehen, drum, dass bisweilen grobe Zoten und Bühlerei darinnen seien, da man doch um derselben willen auch die Bibel nicht dürfe lesen.«31

Wie in der Frage des Bildergebrauchs ist das Argument des Reformators mit Blick auf die dramatische Kunst streng am pädagogischen Nutzen orientiert. Dass das Komische ein lösendes bzw. sogar »erlösendes Lachen« hervorrufen, und als ein »Signal der Transzendenz« gedeutet werden kann, findet an Ort und Stelle keine Erwähnung. Aber man kann »eschatologischen Humor« bei Luther finden,32 wie er vor allem die seelsorgerlichen Trostbriefe begleitet, und diese spezifische Form der Verfremdung mit Peter L. Berger begrifflich skizzieren. Sei es in Komödien, sei es in biblischen Geschichten, sei es in Metaphern – jeweils blitzt »eine andere [bzw. veränderte] Realität« momenthaft auf, und das Lachen deutet auf »eine Welt, die geheilt … ist«.33 Die anthropologische Perspektive, in der Plessner das Lachen analog zum Weinen als eine körperliche Reaktion an der Kontrolle des Bewusstseins vorbei und über sie hinaus beschrieben hat, wird von Berger in einen religiösen Deutungsrahmen eingerückt, in dem dieses Aufblitzen als Prolepse der »Erfüllung« verstanden werden kann, die der Glaube glaubt (254). Eine solche die Erlösung antizipierende Funktion hat Luther noch nicht der dramatischen Kunst, wohl aber der Musik zuerkannt.


Die seelische Funktion der Musik

»Musica ist der besten Künsten eine … Sie verjagt den Geist der Traurigkeit … Musica ist das beste Labsal einem betrübten Menschen, dadurch das Herze wieder zufrieden, erquickt und erfrischt wird … [Sie ist] Zuchtmeisterin, so die Leute gelinder und sanftmütiger, sittsamer und vernünftiger macht.«34 Die Musik ist Luther ein Gottesgeschenk, über dem »vergehen Zorn, Begierden, Hochmut«.35 Oder: »Wenn du entweder Traurige aufrichten willst, oder Fröhliche schrecken, Verzweifelnde ermuthigen, Hoffährtige niedergeschlagen machen, Rasende stillen, Gehässige begütigen – und wer kann alle diese Herren des menschlichen Herzens aufzählen, nämlich die Herzensbewegungen und Triebe oder Geister, welche zu allen Tugenden und Lastern antreiben? – was kannst du Wirksameres finden als eben die Musik?«36

Luther hat um diese Wirkungen gewusst. »Wenn er des Tags über mit seinen dogmatischen Distinktionen sich mühsam abgearbeitet, dann griff er des Abends zu seiner Flöte und betrachtete die Sterne und zerfloss in Melodie und Andacht.«37 Ihre ausgleichende, kathartische Funktion für die menschliche Seele mit den ihr eigenen, augenblicksverhafteten emotionalen Zuständen, ihren Affekten, hebt die Musik auf die gleiche Stufe mit der Theologie. Er »urteile frei heraus und scheue … [sich] nicht zu behaupten, dass nach der Theologie keine Kunst sei, die der Musik gleichzustellen wäre, weil sie allein nach der Theologie das schenkt, was sonst allein die Theologie schenkt: ein ruhiges und fröhliches Herz«.38 Sie kann diese Funktionen kraft ihres metaphorischen Charakters ausüben, ist sie doch ein Gleichnis für das Leben, dessen Zusammenhang von der Theologie in Begriffe gefasst wird. Der metaphorische Charakter der Musik bringt nicht nur den einzelnen Seelenzustand auf den Punkt oder einen geistigen Zusammenhang im Medium der Töne zur Darstellung, sondern er erlaubt es auch, dass sie selbst sich als eine Kunst der Verfremdung entfaltet. Durch das Gegenteil hindurch kann sie seelenhygienisch wirken, wie Luther das in dem gegebenen Zitat in Anspruch nimmt. Das erlaubt eine Analogie zum Humor,39 und das nicht nur in seinen ästhetischen Formen, sondern auch in seiner Alltagspräsenz.


Selbstdistanz und Empathie in Luthers Seelsorge

Wenn Bekannte oder Freunde Verluste zu verkraften hatten, wenn sie in Trauer waren, wenn Luther zu Ohren kam, dass sie in der Gefahr standen, in Melancholie und Depression abzurutschen – all diese Erfahrungen hatte Luther selbst auch gemacht –, dann zögerte er nicht, ihnen zu schreiben. Gerhard Ebeling hat in seinem Alterswerk die Briefe auf diese Fragen hin ausgewertet.40 Für den, der zudem die gemeinsam mit Karin Bornkamm besorgte Auswahl von Briefen zur Hand nimmt, bestätigt sich bald: die beiden Pole des Spannungsverhältnisses, zwischen denen der Humor als spezifische Form der Verfremdung spielt: die Selbstdistanz und die Empathie, bilden auch die Konstellation, innerhalb derer Luther hier auf die Leiden und Gebrechen anderer eingeht.41

Nur wer selbst um die befreiende Funktion des Lachens wusste, konnte der Frau eines von Schwermut betroffenen Mannes schreiben, »Einsamkeit … [sei] ihm eitel Gift«. Es schade nicht, wenn man ihm etwas vorlese, »ob’s [auch] zuweilen faule oder falsche Possen und Märlein wären, vom Türken, Tattern [Tartaren] und dergleichen, wenn er nur damit zum Lachen und Scherzen könnte erregt werden«.42 Auf die Bedeutung des Folgesatzes »und dann flugs drauf mit tröstlichen Sprüchen der Schrift« komme ich noch zurück, denn hier wird der Humor in einen bemerkenswerten Zusammenhang mit der Frömmigkeit gebracht.

Diesem Beispiel für Luthers Empathie kann man ein anderes für seine Selbstdistanz zur Seite stellen. Als er 1530 auf der Veste Coburg weilte, während der von Melanchthon erstellte Entwurf des reformatorischen Bekenntnisses in Augsburg diskutiert (und dann abgelehnt) wurde, war er von heftigen Kopfschmerzen geplagt, die er mit einem »unablässigen … Sausen«, einem »Dröhnen, einem Windsturm gleich« verglich; sie hatten ihn von der Arbeit (an der Bibelübersetzung) abgehalten. Mit einer gehörigen Portion Selbstironie schreibt er seinem Briefpartner nun, »wäre das nicht gewesen, so hätte ich vielleicht alles fertiggebracht, was ich mir für den Rest meines Lebens vorgenommen hatte. Nun muss ich anstelle dessen aus lauter Verzweiflung kleine Kommentarchen schreiben, um nicht völlig müßig zu sein.«43


4. Der Humor

Trotz und Trost

Der Trost, den Luther in seinen müden Phasen, zuweilen aussichtslosen Kämpfen und in den späteren Jahren erfuhr und den er anderen weitergab, zeigt sich selten ohne eine starke Beimischung von Trotz gegen eine widerständige Realität. So findet ein weiteres Bestimmungsmoment des Humors Bestätigung, das die Theorie von Sigmund Freud bis Hans Blumenberg herausgearbeitet hat.44

In seiner späten kleinen Schrift über den Humor von 1927 – zum Witz war ihm Jahre vorher ungleich mehr eingefallen – bestimmt Freud den Humor von seiner Trotz-Funktion aus als einen »Triumph des Narzissmus«. Momenthaft blitze hier die sieghafte Stellung des »Ichs« auf, das nun (so die bekannte Formel) Herr in seinem eigenen Hause bleiben könne. Denn der Vorrang des »Lustprinzips« sei im humorvollen Lachen bzw. Lächeln gerettet, des »Lustprinzips, das sich … gegen die Ungunst der realen Verhältnisse zu behaupten vermag«.45 Der Trost, in den der Humor führen kann, setzt also solchen Trotz voraus, auch wenn mit Blick auf die Veränderung der Verhältnisse eine Prise Resignation beigemischt ist und man mit Blumenberg hier vom resignativen Humor sprechen kann.

Ohne dass Resignation allerdings der Terminus wäre, der durch Luthers Trost-Briefe bestätigt werden könnte, findet sich Trotz in ihnen – so mit Blick auf den im Sog depressiver Stimmungen stehenden Freund. Ihm empfiehlt der Seelsorger: »Ja, bindet Eure Ohren fest an unsern Mund und lasst unser Wort in Euer Herz gehen, so wird Gott durch unser Wort Euch trösten und stärken.« Nicht eigener Sprachwitz ist es, dessen Luther sich hier bedient, sondern der Verweis auf ein äußeres Licht, das allein ins Dunkel der Seele des andern fallen könnte, und das vermöge der Worte, die der Seelsorger spricht in einer Autorität, die ihm nur der Verweis auf das göttliche Wort verleihen kann. »Ihr … [müsst] feste dawieder stehen«, schreibt er, Widerstand leisten gegen die Trauer, die den andern übermannen will. Die Kraft zu solchem Widerstand komme aus einem Blickwechsel weg vom eigenen Leid hin zum Zeugnis derer, die selbst gelitten und ihr Leiden mit Gottes Hilfe überwunden haben. »Elias, Jonas und mehr Propheten riefen und schrien nach dem Tod vor großem Weh und Verdruss des Lebens und verfluchten dazu ihre Geburt, Tag und Leben, dennoch mussten sie leben und solchen Überdruss mit aller Macht und Ohnmacht tragen, bis ihr Stündlein kam.« Dem suizidalen Briefpartner hält Luther hier Beispiele vor, in denen die Verzweiflung vom Lebenswillen überboten worden ist. »Teufels Pfeile … [muss man] mit Kraft … herausreißen.«46


Frömmigkeit als Nährboden des Humors

Hier ist eine Grenze des befreienden Lachens erreicht – »nicht mit Lachen« und in solcher Leichtigkeit »ohne Mühe« lassen sich diese »tief steckenden« Pfeile herausziehen. Die hierzu nötige Kraft ist zwar, mit Freud gesprochen, auch eine solche des Ichs, aber das Ich bezieht sie nicht aus sich selbst, sondern muss sie sich zusprechen lassen. Das verbum externum erweist sich auch in diesen schweren seelsorgerlichen Fragen als die treibende Kraft, von der dann das »arme, schwache Ich« (Freud) profitieren kann, indem es mit Humor sich vom erfahrenen Leid distanziert. »Feste dawieder [zu] stehen« kann zwar, wenn alles im Lot ist, leicht sein. Dann greift der Rat, gegen »die Gedanken, so vom Teufel kommen, … [müsse er] einen starken Possen reißen, bis … [er sich] herausreiße.«47 Nicht selten aber – immer dann, wenn der Mensch schwach wird – bedarf es der Stütze des von außen kommenden, die curvatio in seipsum unterbrechenden und die Perspektive verändernden Wortes, das ein anderer zu mir spricht.

Der Humor als Selbstdistanz hält auch ein innerpsychisches Herrschaftsverhältnis aufrecht, in dem das Ich »Herr in seinem eigenen Hause« bleiben kann. Doch das vermag er bei Luther als Frucht und Integral der gelebten Religion, so dass man sagen kann: ein gewisser Seelenfriede »in voller Zuversicht eines frommen Herzens«48 ist die Voraussetzung für das freie Spiel der Kreativität in humoristischer Verfremdung des Widerfahrenden. In diesem Sinne war »Luther … als Humorist Künstler, der in seinen heiteren Gestaltungen seine angeborene Fabulierkunst auslebte.«49 Anders, mit Bezug auf die Säftelehre der alten Medizin gesagt: Die humores werden in einem ausgewogenen Verhältnis gehalten, indem der Humor die Schwebe zwischen Selbstdistanz und Empathie hält (Zeidler). Doch eben dieses Gleichgewicht immer wieder neu herzustellen kann – jedenfalls auch – als höchste Frucht der Religion gelten.50 Der Friede jedenfalls, den die Religion (etwa im Gebet des 23. Psalms) zu schenken vermag, »kann durch keinen Humor überstiegen werden«.51


Luther, der Mann, im Angesicht seiner Frau Katharina von Bora

Die Fähigkeit zur Selbstdistanz und Empathie findet sich vor allem in den Briefen, die Luther seiner Frau auf Reisen geschrieben hat.52 Die Ehe ist ihm zu der Lebensform geworden, in der die Sexualität zu leben ist. Nur um den Preis der Verwirrungen lässt sie sich als Teil der Schöpfung verleugnen. Der Mann wird durch die Frau zum Mann, und die Frau durch den Mann zur Frau. Dazu bedarf es für Luther der Ehe als einer Ordnung der Kultur.53 Und die gibt zu seiner Zeit feste Rollen vor, die auch der Reformator bestätigt, wenn er etwa sagt: »Weiber Regiment nimmt selten ein gut End«.54 In einem Brief an seine Frau aber spielt er humorvoll mit diesen Festlegungen, die immer auch Aufschluss darüber geben, wer in welchem Lebensbereich das Sagen hat. »Meinem freundlichen, lieben Herrn, Katharina Lutherin, Doktorin, Predigerin zu Wittenberg«, beginnt sein Schreiben vom 4. Oktober 1529, in dem er von einer Reise nach Marburg berichtet.55 »Bei aller Beherrschung des Formulars« spielt Luther hier – und anderswo – mit ihm »auf souveräne Weise«,56 und eben dieses Spiel lässt sich als ein humorvolles im hier vorausgesetzten spezifischen Sinn deuten. In diesem Brief spricht er seiner Käthe nicht nur die Rolle des Mannes, des Herrn im Hause, zu, sondern er spielt auch mit seinem akademischen Grad und seiner beruflichen Funktion, um der gleichberechtigten Wechselseitigkeit auf Augenhöhe Ausdruck zu verleihen, die – bei aller Asymmetrie zwischen den Geschlechtern – der gegenseitige Respekt zwischen den Ehepartnern hervorruft.


5. Grenzen humorvoller Distanz und Empathie

In den Briefen an seine »freundliche liebe Käthe Lutherin« hält sich die Spannung zwischen »gutmütigem Necken« und »Respekt« durch.57 Nicht aber hat sie sich im Streit um die religiöse Wahrheit auswirken können. In der Tat hat Luther mit seiner späten Judenschrift der Nachwelt ein Beispiel für einen Fanatismus hinterlassen, der nur noch Spuren des Sarkasmus trägt.58 »Die Satire wird ohne Selbstdistanz und Empathie zur Schmähschrift. Und jeder Scherz ohne ein Quentchen Selbstdistanz und Empathie entartet zum üblen Scherz oder zur Zote.«59

Hat der Humor für Luther seinen angestammten Ort zwar im Zwischenmenschlichen, aber nicht im Bereich der Religion? Dann könnte man es als Interpret des Reformators mit Blankes Einschätzung gut sein lassen: »Wo es um die letzten Entscheidungsfragen … geht, hört bei Luther der Humor auf.«60 Dies ist zwar ein hermeneutisch stimmiges Urteil, normativen Rang muss man ihm aber nicht zusprechen. Es sei denn, man wollte Nathan Söderblom recht geben, der meinte, dass »Humor als Lebensform … mit dem Pathos der Religion unvereinbar« sei.61 Die »Komödien des Glaubens« (G.B. Shaw) könnten unter dieser Voraussetzung gar nicht in den Blick treten. Der Humor müsste als Korrektiv einer Religiosität ausfallen, die in der Gefahr steht, in Dogmatismus und Fanatismus abzugleiten. Und ihre anthropologische Gründung bliebe abgeschattet.

Um in der Frage weiterzukommen, wie der Humor regulativ auch auf die (gelebte) Religion wirken kann, suche ich noch einmal Wegweisung bei Heine, der – ein Motiv der Romantiker aufgreifend62 – mit Tiefsinn bemerkt hat: »Luthers Vater war Bergmann zu Mannsfeld, und da war der Knabe oft bei ihm in der unterirdischen Werkstatt, wo die mächtigen Metalle wachsen und die starken Urquellen rieseln, und das junge Herz hatte vielleicht unbewusst die geheimsten Naturkräfte in sich hineingesogen, oder wurde gar gefeit von den Berggeistern. Daher mag auch so viel Erdstoff, so viel Leidenschaftsschlacke an ihm kleben geblieben sein, wie man Dergleichen ihm hinlänglich vorwirft.« Wie der Witz – Freud zufolge – eine Beziehung zum Unbewussten hat, so scheinen die Quellen der an Fanatismus grenzenden späten Polemik gegen die Juden eben die »Leidenschaftsschlacke« zu tragen, von der Heine schon schrieb. Um welch »mächtiges Metall« handelt es sich hier, um welche »starke Urquelle«?63

Wie es scheint, hat sich in der späten Auseinandersetzung mit dem jüdischen Wahrheitsanspruch die Kraft des Trotzes, die auch in Witz und Humor eingeht, ganz auf den Weg der Sicherung des Eigenen fixiert, der nur um den Preis der Abwehr anderer zu begehen ist. Denn auch der Weg dogmatischer Selbstbehauptung (in besagter Schrift mit Blick auf die Christologie und die Bibelhermeneutik) ist ein Triumph des Ichs, von dem Freud mit Blick auf den Humor gesprochen hatte. Nur fand die Kränkung des narzisstischen Selbstbewusstseins hier keine Ruhe in einem verwindenden Lächeln, sondern sie verschaffte sich Ausdruck in einer Schmähschrift, die – bis heute – das Fürchten lehrt. Und die Spannung zwischen Selbstdistanz und Empathie, in der der Humor spielt, verlor ihren gründenden Bezug auf das – auch und gerade durch die Bibel begegnende – verbum externum, das gehört zu haben bei allem Festhalten einer Religionsgemeinschaft an ihrem Wahrheitsanspruch die Bewährung der letzten Wahrheit Gott selbst überlassen müsste. Als in christlicher, ja in reformatorisch neu verstandener religiöser Tradition beheimateter Mensch an der ganzen Wahrheit nur Teil zu haben, diesen Anteil aber Gott zu verdanken, der »noch über dem Ganzen … der Eine« ist,64 – diese Einsicht, die auch an Paulus Bestätigung hätte finden können, wirkte sich in dieser späten Abwehr des Anderen, und d.h. sowohl des anderen jüdischen Wahrheitsanspruchs und des anderen hermeneutischen Weges, sich seiner zu vergewissern, nicht aus. Man kann auch theologisch »an Gottes Stelle sorgen«,65 um mit dem Trostbemühen zu sprechen, das sich in den letzten Briefen an Käthe findet.

Dass Luther sich selbst vor der Resignation zu bewahren suchte, die ihn in seinen späten Jahren angesichts des Verlaufs der Reformation befiel, mag man nachvollziehen. Doch die wohl eingeübten Weisen im Selbstverhältnis, die er in seelsorgerlichen Briefen anderen empfahl, griffen mit Blick auf die In-Frage-Stellung des eigenen Glaubensgrundes nicht. Die Frömmigkeit Luthers hatte wohl seinen Humor begünstigt, wo er sich nachweisen lässt. Doch der Humor vermochte nichts gegen die Anfechtungen der Frömmigkeit, die nun zu einer Polemik führten, die ihresgleichen sucht. Wenn es sich so verhält, müsste in der Tat der Humor als ein Korrektiv auch noch der Frömmigkeit stark gemacht werden, wie Amos Oz ihn beschrieb. Der Friede, den die Religion schenkt, kann zwar »durch keinen Humor überstiegen werden« (Cohen). Aber die Unruhe, in die die Vergewisserung eines angefochtenen Glaubens führen kann, ist durch den Humor zu entspannen. Gewachsen auf dem Nährboden der Frömmigkeit ist er zugleich als deren Regulativ in Anspruch zu nehmen. Denn er vermag die dem Glauben immanente Spannung zwischen einem Gefühl des Vertrauens in den Grund des eigenen Daseins und der begrifflichen bzw. hermeneutischen Arbeit an der Erkenntnis auszugleichen. So gesehen hätte der Humor gewiss seinen Ort in einer Kirche, die semper reformanda ist, und in einer Theologie, die sich auf die reformatorischen Grundlagen bezieht.


Anmerkungen:

* Dies ist die erweiterte Fassung eines Beitrags, der 2017 erscheinen wird in: H.M. Dober (Hg.), Religion und Humor. Tübinger Ringvorlesung im Wintersemester 2015/16.

1 J. Lauster, Die Verzauberung der Welt. Eine Kulturgeschichte des Christentums, München ³2015, 303.

2 H. Heine, Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland (1834), zit. nach: Ders., Sämmtliche Werke. Bibliothek-Ausgabe Bd. 7, Hamburg 1885, 15-150, 40.

3 Vgl. N. Söderblom, Humor och melankoli och andra lutherstudier, Stockholm [1919] 1983. F. Blanke, Luthers Humor. Scherz und Schalk in Luthers Seelsorge, Hamburg 1954. B. Stolt, Humor in Martin Luthers Schrifttum, in: Dies., Martin Luthers Rhetorik des Herzens, Tübingen 2000, 147-172. E.W. Gritsch, Martin Luthers Humor, in: Word&World, Vol. 32/2 (Luther Seminary, Saint Paul, Minnesota) 2012, 132-140.

4 Hierbei kann ich die Reflexion auf den Humorbegriff von B. Stolt (Dies., Humor, 149-151) voraussetzen.

5 Vgl. die Beiträge von A. Schart, H. Lichtenberger, M. Morgenstern und R. Boutayeb in: Dober (Hg.), Religion und Humor.

6 Vgl. Martin Luther, Briefe [Ausgewählte Schriften, hg. v. K. Bornkamm u. G. Ebeling, Bd. 6], Frankfurt/M. 1995, 33.35 [folgend zitiert: Luther, Schriften Bd. 1-6].

7 W. Hofmann (Hg.), Luther und die Folgen für die Kunst. Ausstellungskatalog Hamburger Kunsthalle, Hamburg 1983, 160.

8 H. Plessner, Lachen und Weinen. Eine Untersuchung nach den Grenzen menschlichen Verhaltens, Bern/München ³1961, 151.

9 Zeidler, Scherz, Satire, Ironie, in: Dober (Hg.), Religion und Humor [Ergänzungen von H.M.D.].

10 P.L. Berger, Erlösendes Lachen. Das Komische in der menschlichen Erfahrung, Berlin 1998, 240.

11 A. Oz, Wie man Fanatiker kuriert, Frankfurt/M. 72004, 55.

12 Blanke, Luthers Humor, 39.

13 Hofmann, Luther, 31. Eine Darstellung der Ironie und des Sarkasmus, derer sich Luther in den Streitschriften bediente, hat H. Zschoch gegeben (Ders., Art. Gattungen – Streitschriften, in: A. Beutel [Hg.], Luther Handbuch, Tübingen 2005, 278f). Vgl. die »Lächerlichmachung« Hieronymus Emsers 1521 (Stolt, Humor, 153-157).

14 Heine, Zur Geschichte, 40.

15 Luther, Tischreden, hg. Förstemann (Schriften Bd. 22), Leipzig 1844, 82.

16 Luther, Schriften Bd. 4, 270 [Warnung D. Martin Luthers an seine lieben Deutschen (1531)].

17 M. Luther, Lektüre für Augenblicke. Gedanken aus seinen Schriften, Briefen und Tischreden, Frankfurt/M. (Insel Verlag) 1983, 64.

18 Neue Zeitung vom Rhein [1542], WA 53, 404, zit. nach: Luther, Schriften Bd. 3, 293f.

19 Hofmann, Luther, 46.

20 Luther, Schriften Bd. 1, 76 [Von den guten Werken (1520)].

21 Die Stelle konnte nicht nachgewiesen werden. Zit. nach: Ich, Martin Luther. Starke Sprüche über Weiber, Fürsten, Pfaffen undsoweiter. Ausgewählt und übersetzt von Arnulf Zitelmann, Frankfurt/M. (Eichborn) 1982, o.S. Vgl. WAT 2, 58f.

22 Luther, Tischreden, hg. v. Förstemann (Schriften Bd. 22), 105.

23 D. Martin Luthers Evangelien-Auslegung Bd. 1, hg. v. E. Mühlhaupt/E. Ellwein, Göttingen 1957, 154.

24 Zit. nach: Starke Sprüche (Hg. Zitelmann) o.S.

25 WA 7, 654 [Antwort an Emser 1521].

26 Luther, Sämtliche Schriften (hg. v. J.G. Walch) Bd. 22, Groß-Oesingen 1987, Sp. 1224. Vgl. WAT 1, 526f. WAT 2, 121.124.490f.

27 Alle Zitate dieses Abschnitts nach: Starke Sprüche (hg. Zitelmann), o.S. Zu den Bildungsherausforderungen vgl. den Brief an Kurfürst Johann, 22. November 1526, in: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 83f. Einen Überblick zur Thematik gibt M. Wriedt, Art. Bildung, in: Beutel (Hg.), Luther Handbuch, 231-236.

28 J. Anderegg, Sprache und Verwandlung. Zur literarischen Ästhetik, Göttingen 1985, 47-69.

29 Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 73.

30 Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 27 [An Johann Lang. 18. August 1520], Hinzufügung von H.M.D.

31 WAT 1, 431f.

32 Gritsch, Luthers Humor, 133.

33 Berger, Erlösendes Lachen, 241-255, 241. Ähnlich E.L. Fellechner, Der Stoff, aus dem das Lachen ist, in: DPfBl 8/2016, 453: »Lachend versöhnt sich der närrisch glaubende Weise mit der unvollkommenen Welt – bis Gottes Tag anbrechen wird.«

34 WAT 1, 490.

35 Zit. n. J. Schilling, Art. Musik, in: A. Beutel (Hg.), Luther Handbuch, 240.

36 Luther, Sämtliche Schriften (hg.v. Walch) Bd. 14, Sp. 430. Vgl. WAT 1, 86.

37 Heine, Zur Geschichte, 40.

38 Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 134 [an Ludwig Senfl. 1. Oktober 1530].

39 »Ebenso wie die Musik und die Natur bereitete der Humor ihm Stunden ästhetischen Daseins, wo er leben durfte, ohne zu handeln, wo er einfach existieren … durfte.« (N. Söderblom, zit. b. Blanke, Luthers Humor, 41)

40 G. Ebeling, Luthers Seelsorge. Theologie in der Vielfalt der Lebenssituationen, an seinen Briefen dargestellt, Tübingen 1997. Das Stichwort »Humor« findet sich im Register allerdings ebenso wenig wie die anderen Formen der Verfremdung.

41 F. Blanke vermag an den von ihm ausgewählten Beispielen die mit Zeidler hier vorausgesetzte Definition des Humors zu bestätigen, wenn er schreibt: »Nur wo die liebende Haltung und die sie enthüllende Sprachform gepaart sind, haben wir den Humor« (Ders., Luthers Humor, 36; vgl. Stolt, Humor, 161 mit Bezug auf Luthers Briefe an seine Frau). Oder: »Das schalkhafte Versteckspiel«, das Luther immer wieder treibt, sei es seinem Diener Sieberger gegenüber, den er von seiner Vogelstellerei abbringen will, indem er die Vögel selbst sprechen lässt (Blanke, Luthers Humor, 13-16), sei es auf der Veste Coburg, auf der er die sich 1530 in Augsburg versammelnden »Reichstagsedelleute« mit Dohlen vergleicht (a.a.O., 23-33, 31), »ist wohlwollend« (a.a.O., 37).

42 An Frau von Stockhausen. 27. November 1532, zit. nach: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 154 (Hinzufügungen von H.M.D.). J. Schilling, Art. Briefe, in: Luther Handbuch, 344, spricht davon, dass »hier das Miteinander von Verkündigung und Einfühlung exemplarisch zur Geltung« komme – das für den Humor charakteristische Moment der Selbstdistanz spielt in dieser Interpretation noch keine Rolle.

43 An Konrad Cordatus in Zwickau. Veste Coburg, 23. September 1530, in: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 132. Vgl. die selbstironische Beschreibung körperlicher Leiden, der Herr habe ihn »am Hintern geschlagen (Ps. 78,66) mit großen Schmerzen. Der Stuhl ist so hart, dass ich ihn mit großer Kraftanstrengung, bis mir der Schweiß ausbricht, herausdrücken muss« (a.a.O., 36). Söderblom folgend hat auch Blanke dieses Moment von Luthers Humor schon hervorgehoben: »Er amüsierte sich über sich selbst« (Ders., Luthers Humor, 40). Vgl. die »Selbstbelächelung« angesichts seines offenen Beins im Brief an seine Frau vom 10. Februar 1546 (Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 272f; Blanke, Luthers Humor, 22).

44 Dass Humor jedenfalls auch eine Form des Trotzes ist, der in jedem Trost steckt, ist eine Formel, die ich Benjamin Dobers Magisterarbeit über Blumenberg verdanke.

45 S. Freud, Studienausgabe Bd. IV, hg. v. A. Mitscherlich u.a. Frankfurt/M. 1982, 278.

46 An Jonas von Stockhausen, 27. November 1532, in: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 152f. Entsprechend hatte Luther auch schon in einem Brief an Melanchthon den Trotz gegen die Angst stark gemacht. (a.a.O., 120-122) Auch hier trägt der Trost, den er spendet, zugleich den Ton der Ermahnung (vgl. Ebeling, Luthers Seelsorge, 290ff). Trotzig ist schließlich auch der Humor, mit dem Luther dem Ansinnen des Kurfürsten Johann Friedrich antwortet, sich vor der Pest an einen sicheren Ort zurückzuziehen (Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 173f; vgl. die Interpretation von F. Blanke, Luthers Humor, 5-7).

47 WAT 1, 9.

48 An Wenzeslaus Link, 19. März 1522, in: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 56.

49 Blanke, Luthers Humor, 39.

50 H. Cohen, Religion der Vernunft aus den Quellen des Judentums. Nach dem Manuskript des Verfassers neu durchgearbeitet und mit einem Nachwort versehen von Bruno Strauß, Frankfurt/M. (Kaufmann) ²1929 [Nachdruck Wiesbaden (Fourier) 1978], 515-533.

51 Cohen, Religion, 532.

52 Wer bisher Luthers Humor auf der Spur war, hat sich auf diese Briefe bezogen: Blanke, Luthers Humor, 17-22; Stolt, Humor, 160-167.

53 Die hierfür einschlägigen Stellen in den Tischreden sind zu zahlreich, um alle zitiert zu werden.

54 WAT 1, 528.

55 Zit. nach: Luther, Schriften Bd. 6 [Briefe], 107f.

56 Schilling, Art. Briefe, in: Luther Handbuch, 342.

57 Stolt, Humor, 167.164.

58 M. Luther, Von den Juden und ihren Lügen. Neu bearbeitet und kommentiert von Matthias Morgenstern, Berlin 2016.

59 Zeidler, Scherz, Satire, Ironie.

60 Blanke, Luthers Humor, 43.

61 Zit. in: Stolt, Humor, 150f.

62 Vgl. E.T.A. Hoffmann, Die Bergwerke zu Falun, 1819. L Tieck, Der Runenberg, 1804.

63 Heine, Zur Geschichte, 41.

64 F. Rosenzweig, Der Stern der Erlösung, Frankfurt/M. 1988, 463.

65 Stolt, Humor, 169.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Hans Martin Dober, Pfarrer der Evang. Landeskirche Württemberg in Tuttlingen, apl. Prof. für Prakt. Theologie an der Universität Tübingen; zahlreiche Veröffentlichungen.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 4/2017

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