Auftrag und Aufgaben der Kirche in der Welt
Wozu ist die Kirche da?

Von: Uta Pohl-Patalong
1 Kommentare zu diesem Artikel / Artikel kommentieren

In den aktuellen Debatten um die Zukunft der Kirche geht es immer wieder und häufig eher implizit darum, welchen Auftrag die Kirche hat und wie sich dieser im 21. Jh. konkretisiert. Uta Pohl-Patalong geht in ihrer Orientierung von der Formel »Kommunikation des Evangeliums« aus und weist der Kirche sechs konkrete Aufgabenbestimmungen zu.


Der grundlegende Auftrag der Kirche kann m.E. nach wie vor sinnvoll mit der Formulierung »Kommunikation des Evangeliums«, die von Ernst Lange in den 1960er und 1970er Jahren geprägt wurde, beschrieben werden.1 Dieses Verständnis ist einerseits spezifisch genug, um wesentliche Grundlinien des Auftrags vorzugeben, andererseits jedoch weit genug, um den komplexen Charakter des Auftrags zu erfassen. Mit diesem Auftrag wird die grundlegende Bestimmung der Kirche in der Welt beschrieben, die über den jeweiligen zeitlichen und gesellschaftlichen Kontext hinaus Gültigkeit besitzt. Er muss sich jedoch in bestimmten Aufgaben konkretisieren, die seine konkrete Ausgestaltung in der jeweiligen historischen Situation benennen. Diese Aufgaben wiederum konkretisieren sich in der Arbeit in bestimmten Handlungsfeldern als abgegrenzten Bereichen kirchlichen Handelns in bestimmten Kontexten.

Alternativ zu der Konkretisierung in Aufgaben wurde in den letzten Jahren häufig auch eine Orientierung an den Dimensionen Martyria, Leiturgia, Diakonia und Koinonia vorgeschlagen. Diese sind in der theologischen Tradition verwurzelt und sind insofern hilfreich, als sie Kriterien benennen, mit deren Hilfe eine Verengung kirchlichen Handelns in eine bestimmte Richtung (ganz missionarisch, ganz liturgisch, ganz diakonisch oder ganz vereinskirchlich) verhindert und die Vielfalt kirchlicher Aufgaben bewahrt werden kann. Um aus diesen ein konkretes kirchliches Handeln ableiten zu können, sind die Begriffe jedoch zu unbestimmt.

Im Folgenden soll ein Vorschlag für eine Konkretisierung des Auftrags in sechs Aufgaben entwickelt werden.2


1. Konkretisierung des Auftrags der Kirche in sechs Aufgaben

1.1 Drei Orientierungen der Kommunikation des Evangeliums

Die Kommunikation des Evangeliums als grundlegender Auftrag der Kirche beinhaltet drei Orientierungen, aus denen sich die konkreten Aufgaben der Kirche entfalten lassen. Jede dieser Orientierungen wird anschließend noch einmal in zwei Richtungen spezifiziert, sodass insgesamt sechs Aufgabenbereiche entstehen.

1. Dieser Auftrag richtet sich auf ein Thema, nämlich das Evangelium von Gottes Heil für die Menschen und die Welt.

2. Er richtet sich auf Subjekte als Empfängerinnen und Mitgestalter der Kommunikation des Evangeliums, als die Menschen, die Gott an seinem Heil teilhaben lassen will.

3. Er richtet sich an die Welt als Bezugsgröße kirchlichen Handelns, als Ort, an dem Gott sein Reich Wirklichkeit werden lassen will.

Dabei sind diese Orientierungen nicht als voneinander getrennte Größen zu verstehen, sondern eher als Eckpunkte eines Dreiecks, zwischen denen die Kirche ihren Auftrag in konkreten Aufgaben erfüllt – also quasi in der Fläche des Dreiecks. Die Eckpunkte bilden sozusagen Schwerpunkte der Orientierung, die die anderen Ecken ebenfalls im Blick haben.3


1.2 Ausdifferenzierung der drei Orientierungen in zwei Varianten

Jeder dieser drei Orientierungen (bzw. Eckpunkte) differenziert sich nun noch einmal aus in eine direkte und eine indirekte Variante, so dass insgesamt sechs Aufgaben entstehen. Das Thema in direkter Variante ist die Bewahrung, Vermittlung und Deutung des Evangeliums. Damit dieses Thema zur Sprache kommen kann, muss Kirche Orte schaffen, an denen Menschen sich in Freiheit mit dem Thema beschäftigen können, hier handelt die Kirche in Bezug auf das Thema indirekt. Auch in Bezug auf die Subjekte als von Gott zum Heil eingeladene Menschen handelt die Kirche zum einen direkt, indem sie sie dabei unterstützt, dieses Heil in ihrem Leben zu realisieren; damit dies gelingen kann, ist aber auch die Gemeinschaft im Raum der Kirche als deren indirektes Handeln an den Subjekten nötig. Auch in Bezug auf die Welt handelt die Kirche direkt und indirekt: Sie bietet direkte Hilfeleistung und lässt darin das Reich Gottes zeichenhaft Wirklichkeit werden; damit dies gelingen kann, dürfen die Subjekte und darf Kirche sich nicht darauf beschränken, Not zu lindern, sondern muss auch in indirektem Handeln ihre Stimme erheben, um die Not verursachenden Faktoren in der Gesellschaft anzuprangern und Wege zu ihrer Überwindung aufzuzeigen.


1.3 Sechs Aufgabenbestimmungen der Kirche

Damit ergeben sich insgesamt sechs Aufgabenbestimmungen der Kirche in der gegenwärtigen Gesellschaft:

1. Liegt der Fokus auf der Kommunikation des Themas in einer direkten Orientierung, lautet die entsprechende Aufgabe: Die Kirche bewahrt, vermittelt und deutet die christliche Botschaft.

2. Wird der Fokus auf der Kommunikation des Themas indirekt angelegt, kann als Aufgabe formuliert werden: Die Kirche eröffnet Räume für Religion.

3. Liegt der Fokus der Kommunikation des Evangeliums auf den Subjekten und wird diese wiederum direkt am Leben der Einzelnen orientiert, bedeutet dies als Aufgabe: Die Kirche bietet individuelle Lebensbegleitung an.

4. Wird der Fokus der Kommunikation des Evangeliums auf den Subjekten indirekt im Sinne eines Zusammenhangs zwischen Menschen begriffen, lautet die Aufgabe: Die Kirche eröffnet Gemeinschaft.

5. Liegt schließlich der Fokus der Kommunikation des Evangeliums auf der Welt, bedeutet dies in direkter Orientierung: Die Kirche hilft Menschen in ihren Lebensverhältnissen.

6. Der Fokus der Kommunikation des Evangeliums auf der Welt in einer indirekten Orientierung meint als Aufgabenstellung: Die Kirche erhebt die christliche Stimme in der Gesellschaft.


1.4 Ausführung der Aufgaben in Handlungsfeldern

Diese sechs Aufgaben werden in der kirchlichen Praxis in unterschiedlichen Handlungsfeldern ausgeübt. Aufgaben und Handlungsfelder sind dabei nicht deckungsgleich. Einerseits können sich die Aufgaben auf mehrere Handlungsfelder erstrecken: So findet beispielsweise die Vermittlung und Deutung des Evangeliums im Gottesdienst, im Unterricht, in der Erwachsenenbildung, im Kindergarten oder in medial publizierten Kolumnen statt. Andererseits können in einem Handlungsfeld mehrere Aufgaben Gestalt finden: So wird in der Kindergartenarbeit die christliche Botschaft vermittelt und gedeutet, Raum für Religion eröffnet, Gemeinschaft gelebt und diakonisch gehandelt. Die folgenden Ausführungen sind also nicht als eindeutige Zuweisung von Handlungsfeldern zu Aufgaben zu verstehen, sondern die Nennung von Handlungsfeldern dient der Konkretion der zunächst abstrakt bestimmten Aufgaben.

Die Unterscheidung zwischen Aufgaben und Handlungsfeldern erlaubt eine Reflexion der Handlungsfelder beispielsweise einer Gemeinde und stellt Kriterien bereit, nach denen die Handlungsfelder der Kirche zu betrachten sind. Dann sind die Fragen zu stellen: Welche der sechs Aufgaben werden in einem kirchlichen Handlungsfeld bearbeitet? Welche davon stehen im Vordergrund, welche im Hintergrund? Wie sind darüber hinaus die sechs Aufgaben in einer Region, in einem Kirchenkreis oder einer Landeskirche gleichmäßig repräsentiert? Ist eine gar nicht vorhanden? Können mögliche Schwerpunkte theologisch gerechtfertigt werden?


2. Die Aufgaben der Kirche

2.1 Fokus »Thema« – direkt: Die christliche Botschaft bewahren, vermitteln und deuten

Was genau ist das Thema, was meint der Begriff »Evangelium«? Zentral für die Beantwortung der Frage ist der Bezug zum Wirken Jesu von Nazareth, der in seinem Leben, seinem Sterben und seiner Auferstehung die Liebe Gottes und seinen Willen zum Heil für alle Menschen gezeigt hat. Damit werden alle, die an ihn glauben, hineingenommen in den in der Hebräischen Bibel bezeugten Bund Gottes mit dem Volk Israel. An diesem zentralen Thema orientiert sich die Kirche, und dafür steht sie.

Von ihren Anfängen an und durch die Geschichte hindurch hat die Kirche es als eine wesentliche Aufgabe begriffen, die Inhalte des Christentums zu bewahren und weiterzugeben. Dabei geschah dies in der Regel zunächst als Neubegegnung mit dem christlichen Glauben, was sich dann im Mittelalter weitgehend zur Weitergabe an die nächste Generation wandelte. Die Dimension der Neubegegnung mit dem Christentum wurde seit der Kolonialzeit in die »Mission« – verstanden als Überseemission – ausgelagert oder beschränkte sich auf eng umgrenzte Impulse (Erweckungsbewegungen, Innere Mission). Erst gegen Ende des 20. Jh. geriet, ausgehend vor allem von ostdeutschen Wahrnehmungen und Impulsen, die Vermittlung christlicher Inhalte als Neubegegnung der Menschen mit ihnen erneut ins Bewusstsein, als deutlich wurde, dass viele Menschen in Deutschland nicht mehr mit der christlichen Botschaft in Berührung kommen. Insofern nimmt die Bedeutung der Kirche als Bewahrerin und Vermittlerin der christlichen Religion gegenwärtig zu.

Es würde jedoch dem Charakter des Christentums und seinen Inhalten nicht entsprechen, die christliche Botschaft nur zu konservieren und unverändert weiterzugeben. Denn die Heilsbotschaft zielt darauf, dass Menschen sie annehmen und sie als bedeutungsvoll für ihr Leben erfahren. Da Menschen aber immer nur in einem bestimmten sozialen und kulturellen Kontext existieren, muss die christliche Botschaft in diesen hinein vermittelt und auf die jeweilige Lebenssituation von Menschen bezogen werden, damit sie für sie jeweils relevant werden kann. Daher ist eine Deutungsleistung der christlichen Religion gefordert, ohne die sich die christliche Botschaft von der Lebenswelt von Menschen entfernen und musealen Charakter gewinnen würde. Das Evangelium tritt dabei in Beziehung zu unseren alltäglichen Erfahrungen. Die Kirche muss entsprechend Sorge dafür tragen, dass das Evangelium immer wieder auf die jeweilige Situation hin, in der es relevant werden soll, ausgelegt und gedeutet wird.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Die klassischen Handlungsfelder für die Erfüllung dieser Aufgabe sind zunächst Gottesdienst und Predigt. Sie intendieren eine Begegnung mit der christlichen Botschaft, die idealerweise den Glauben der Einzelnen bestärkt, vertieft, durchaus auch in Frage stellt und neue Impulse bietet. Besonders die Predigt dient zentral der aktualisierenden Auslegung der christlichen Tradition, die einen biblischen Text für die Gegenwart deutet.

• Ein weiteres klassisches Handlungsfeld für diese Aufgabe ist der Konfirmationsunterricht. Mit dem Ziel, ein bewusstes und verantwortetes Bekenntnis zum christlichen Glauben ablegen zu können und die dafür notwendigen grundlegenden Kenntnisse zu erwerben, erfolgt eine Auseinandersetzung mit dem Evangelium und eine Deutung auf die Lebenssituation der Jugendlichen hin.

• Auch in der konfessionellen Kindertagesstätte findet eine Vermittlung zentraler christlicher Gehalte an die nächste Generation statt, selbstverständlich erneut in aktualisierender und in diesem Fall in kindgerechter Deutung.

• In der gegenwärtigen Situation wachsender Unkenntnis christlicher Gehalte gewinnen Glaubenskurse an Bedeutung, in denen eine Erstbegegnung mit dem Evangelium, durchaus aber auch eine vertiefende Begegnung erfolgen kann. Auch hier geht es nicht nur um Weitergabe der Tradition, sondern um ihre Aktualisierung und Deutung, die eine kritische Auseinandersetzung einschließt.


2.2 Fokus »Thema« – indirekt: Räume für Religion eröffnen

Richtet sich die am Thema orientierte Kommunikation des Evangeliums weniger auf den einzelnen Menschen, sondern auf einen größeren Zusammenhang, lässt sich als zweite Aufgabe der Kirche beschreiben, Räume für Religion zu eröffnen. Diese Aufgabe orientiert sich an den für die Spätmoderne typischen religiösen Suchbewegungen. Sie ist offener angelegt als die erste Variante und nimmt die vielfältigen und nicht selten diffusen Formen von Religion in der Gesellschaft der Gegenwart ernst. In diesen bleibt es zufällig, nicht selten ungestaltet und oft beliebig, welchen Formen von Religion Menschen begegnen und wie sie diese aufnehmen und verarbeiten. In dieser Situation hat die Kirche die Aufgabe, Räume zur Verfügung zu stellen und zu gestalten, in denen Religion Gestalt gewinnt und thematisch wird. Solche Räume ermöglichen zuverlässig und gestalten eine Begegnung mit Religion und fördern gleichzeitig die Kommunikation und Reflexion des Erlebten.

Menschen brauchen die Möglichkeit, Religion in einem geschützten Rahmen zu begegnen und sich mit ihr auseinanderzusetzen, ohne manipuliert zu werden. Außerhalb der großen Kirchen gibt es im europäischen Raum keine Instanz, die dazu in dieser Weise in der Lage wäre. Denn solche Räume müssen uneigennützig bereitgestellt und gestaltet werden und nicht auf Werbung für die eigene religiöse Organisation zielen, sondern auf die Förderung religiöser Suchbewegungen.

Eine solche Haltung bedeutet jedoch nicht Positionslosigkeit. Diese ist in religiösen Fragen grundsätzlich nicht möglich, weil Menschen immer in bestimmten religiösen Traditionen stehen und von diesen geprägt sind, und wird auch dem Gegenstand der Religion nicht gerecht, da dieser immer das Subjekt mit seinen Erfahrungen und Prägungen betrifft und nicht »neutral« vermittelt werden kann. Insofern sind die kirchlichen Räume für Religion durchaus christlich geprägt, eröffnen und fördern aber die Auseinandersetzung mit der christlichen Tradition, so dass sie durchaus auch zu einem anderen Ergebnis als dem persönlichen christlichen Glauben führen kann.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Zunächst stellt die Kirche solche Räume für Religion bereit in Form von realen Kirchenräumen. Waren protestantische Kirchen bis zum Anfang des 21. Jh. außerhalb kirchlicher Veranstaltungen in der Regel geschlossen, sind viele mittlerweile großzügig geöffnet. Immer häufiger stehen auch Menschen in den Kirchen zum Gespräch bereit – sowohl über die Kirche als auch über persönliche Themen und Anliegen.

• Stärker im übertragenen Sinne stellt die Kirche in der religiösen Bildung Erwachsener Räume bereit, in denen Menschen zuverlässig Religion erfahren, entdecken und erleben und sich mit ihr reflektierend auseinandersetzen können. Dies setzt kirchlicherseits eine religiöse Sprachfähigkeit voraus, die es versteht, die christliche Tradition als relevant für Lebensfragen von Menschen zu zeigen, ebenso aber auch die Fähigkeit zur Wahrnehmung und zum Hinhören, um die Fragen von Menschen wirklich zu verstehen und sie in ihren Wegen zu unterstützen.

• Räume für Religion bieten weiter Meditationskurse und andere spirituelle Angebote, die im Raum der Kirche ein offenes Angebot für Menschen auf religiöser Suche darstellen und diese begleiten.

• Räume für Religion werden schließlich in nichtparochialen kirchlichen Handlungsfeldern angeboten, die Menschen in bestimmten Situationen und Kontexten zur Verfügung stehen wie Citykirchen, Urlauberseelsorge, Flughafenseelsorge, Autobahnkirchen oder Räume der Stille. Solche Angebote sind stärker als die Ortsgemeinde auf offene religiöse Suchbewegungen angelegt. Sie sind »Kirche bei Gelegenheit«, die nicht auf verbindliche Vergemeinschaftung ausgerichtet ist, sondern Menschen »im Vorübergehen« begleitet.

• Schließlich stellt die Kirche in emotional aufwühlenden Situationen wie Naturkatastrophen oder Terroranschlägen in Form von Gottesdiensten Räume für religiöse Ausdrucksformen zur Verfügung, die Worte und Rituale als Hilfe zur Bewältigung anbieten. Sprache und Bilder aus der christlichen Tradition können Worte finden helfen, wo die eigene Sprachfähigkeit versagt.


2.3 Fokus »Subjekt« – direkt: Individuelle Lebensbegleitung anbieten

Selbstverständlich spielen die Subjekte auch bei den bisher dargestellten Aufgaben eine wichtige Rolle: Der christliche Glaube kann nicht an den Subjekten vorbei oder unter Absehen von ihnen formuliert und ausgelegt werden, und die Räume für die religiöse Suchbewegung zielen auf die Suchbewegungen der Subjekte. Dennoch gehen beide Aufgaben stärker vom Thema »Evangelium« bzw. »Religion« aus, während sich die nächsten beiden schwerpunktmäßig an den Subjekten selbst orientieren.

Theologisch begründet sich die Aufgabe lebensbegleitenden Handelns der Kirche in der Einsicht, dass die Gottesbeziehung das gesamte Leben des Menschen betrifft. Glaube ist kein religiöser Sonderbereich, sondern erfasst den Menschen in seinem Alltag, seinen Beziehungen, seinen Orientierungen. Er hat Konsequenzen für die Lebensgestaltung des Menschen und wirkt auf sein Denken und Tun.

Dies gilt grundsätzlich unabhängig von der institutionellen Bindung an die Kirche und begründet sich jenseits mitgliedschaftlicher Erwägungen – sofern der christliche Referenzrahmen und die christliche Prägung des kirchlichen Handelns akzeptiert werden, gibt es zumindest in der Seelsorge und der Beratung keine Vorbedingungen – anders ­jedoch bei den Kasualien.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Das klassische Handlungsfeld individueller Lebensbegleitung ist die Seelsorge. Diese wird seitens der Kirchenmitglieder (und auch Nichtkirchenmitglieder) meist recht klar als pastorale Zuwendung bei Bedarf, als Angebot intensiver Gespräche, Hilfe in Krisensituationen und Beratung in Lebensfragen verstanden und als ­wesentliche Aufgabe der Kirche eingeschätzt.

• Neben dem traditionellen Handlungsfeld der Seelsorge bietet die Kirche psychologisch orientierte Beratung in deutschlandweit über 200 kirchlichen Beratungsstellen an. Auch die Telefonseelsorge und die Internetseelsorge zählen zu den niederschwelligen Beratungsangeboten der Kirche, wo Menschen ohne bisherigen Kontakt zur Kirche Hilfe und Begleitung in Lebenskrisen und bei existentiellen Fragen finden.

• Schließlich leistet die Kirche Lebensbegleitung in den Kasualien. Diese stellen – in einem »lebenszyklischen Teilnahmerhythmus« – für die Mehrheit der Kirchenmitglieder die wichtigsten Kontaktpunkte zur Kirche dar.


2.4 Fokus »Subjekt« – indirekt: Gemeinschaft eröffnen

Liegt der Fokus der Kommunikation des Evangeliums auf den Subjekten in indirekter Perspektive, kommt die Aufgabe der Gemeinschaftsbildung in den Blick: Die Kirche unterstützt nicht nur die Individuen in ihrem Glauben und ihrer Lebensführung, sondern stellt auch eine inhaltlich qualifizierte Gemeinschaft von Christinnen und Christen dar.

Theologisch müssen zunächst die von Gott gestiftete geistliche Gemeinschaft und die kirchlichen Sozialformen als empirisch fassbare Gemeinschaft unterschieden werden. Erstere unterliegt nicht dem Handeln der Kirche, sondern gehört zu ihrem Wesen und ereignet sich jenseits der Grenzen rechtlicher Mitgliedschaft und Beteiligung am kirchlichen Leben als »communio sanctorum«. Letztere bildet sich in bestimmten Sozialformen, die von der Kirche aktiv zur Verfügung gestellt werden und in denen Menschen soziale Gemeinschaft im Raum der Kirche erleben. Die beiden Perspektiven sind theologisch klar voneinander zu unterscheiden. Dies ist vor allem wichtig gegenüber Tendenzen, die Teilhabe an kirchlichen Sozialformen theologisch als Bedingung des Christseins zu identifizieren. Theologisch ist festzuhalten, dass die Gemeinschaft einer bestimmten kirchlichen Sozialgestalt nicht mit der durch Gott gestifteten Gemeinschaft der Getauften identisch ist.

Gleichzeitig sind der Gemeinschaftsgedanke und das konkrete Gemeinschaftserleben nicht irrelevant für den christlichen Glauben. Der Austausch mit anderen fördert die Pflege und Weiterentwicklung des eigenen Glaubens. Geprägte liturgische Formen sowie Rahmenbedingungen, die das Individuum in der Gestaltung seines spirituellen Lebens und seiner christlichen Orientierung im Alltag entlasten, sind dabei hilfreich. Auf Dauer überlebt christlicher Glaube in einer Gesellschaft angesichts seiner beständigen Infragestellung durch Begegnungen mit anderen Lebensentwürfen und Weltanschauungen nur dann, wenn Kirche ihn gemeinschaftlich pflegt.

Um Glauben und Lebensgestaltung von Menschen zu unterstützen und zu fördern, gehört es zu den Aufgaben der Kirche, Formen christlich geprägter sozial erfahrbarer Gemeinschaft zu initiieren und zu pflegen. Diese dürfen in einer Großkirche nicht auf bestimmte Sozialformen, die für bestimmte Milieus deutlich attraktiver sind als für andere, eingeschränkt werden, sondern müssen so vielfältig sein, dass sie die ganz unterschiedlichen Kirchenmitglieder in ihren unterschiedlichen Orientierungen potenziell ansprechen.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Seit der Gemeindebewegung ist die Initiierung und Durchführung von Gruppen und Kreisen im Gemeindehaus ein wesentliches Element der Ortsgemeinde. Diese können auch unter dem Fokus inhaltlicher Orientierung zusammenkommen (z.B. die Eine-Welt-Gruppe), sind aber ursprünglich naturständischer Logik entsprungen (Kinder-, Jugend-, Frauen- Männer oder SeniorInnengruppen), was auch heute noch leitend sein kann. Hier steht dann der Gemeinschaftsaspekt im Vordergrund. Besonders Seniorinnen- und Seniorenarbeit ist traditionell auf die soziale Gemeinschaft ausgerichtet mit Ausfahrten, Kaffeetrinken, Geburtstagsfeiern etc.

• Typisch für nichtparochiale Arbeitsformen ist Gemeinschaftsbildung auf Zeit. Im Rahmen von Akademietagungen, Jugendlager, Familienfreizeiten, Fortbildungen etc. ereignet sich christliche Gemeinschaft für die Dauer der Veranstaltung, die ihre Qualität und häufig auch Intensität durch gemeinsames Erleben gewinnt.

• Viele Gemeinden bieten Freizeiten und Gemeindereisen an, aber auch nichtparochiale Arbeitsformen wie z.B. Akademien und Frauenwerke veranstalten Fahrten und Reisen. Diese können thematisch ausgerichtet sein, Gemeinschaftsbildung und Gemeinschaftserleben sind jedoch wichtige Bestandteile dieser Arbeit.

• Gemeinschaft kann auch medial vermittelt werden, beispielsweise durch Berichte von bestimmten gemeindlichen Ereignissen im Gemeindebrief, mittlerweile auch über Netzwerke wie Facebook oder You­tube.


2.5 Fokus »Welt« – direkt: Menschen in ihren Lebensverhältnissen helfen

Die letzte der der drei genannten Orientierungen, auf die sich die Kommunikation des Evangeliums bezieht, ist die »Welt«: Die Kirche kann nicht selbst Bezugsgröße ihres eigenen Handelns sein; dies würde sie um sich selbst kreisen lassen und sie selbst zum Zweck ihres Daseins machen. Sie ist theologisch an die Welt gewiesen. Besonders Dietrich Bonhoeffer hat dezidiert eine Ausrichtung der Kirche als »Kirche für andere« gefordert, damit sie ihren Zweck erfüllt (»Die Kirche ist nur Kirche, wenn sie für andere da ist«4).

Jesu Botschaft war mit seinem Handeln eng verbunden – er hat nicht nur gelehrt, gepredigt und diskutiert, sondern ebenso geheilt und in einer Weise ethisch gehandelt, die Tun als notwendige Folge des Glaubens ausweist. Die christlich motivierte Zuwendung zum Nächsten gehört seit den Anfängen – beruhend auf jüdischen Wurzeln – unverzichtbar zum christlichen Glauben hinzu. Im NT wird besonders in Mt. deutlich, dass das menschliche Handeln am Nächsten nicht von der Nachfolge Jesu zu trennen ist (vgl. z.B. Mt. 7,21 und Mt. 25).

Hinsichtlich der Umsetzung christlicher Überzeugung im Alltag hat die Kirche eine doppelte Funktion: Sie unterstützt das christliche Handeln der einzelnen Christinnen und Christen, beispielsweise durch die Predigt, durch ihre Bildungsarbeit und durch die Ermöglichung exemplarischer sozialdiakonischer Tätigkeit von Kindern und Jugendlichen. Paradigmatisch handelt sie aber auch selbst als Akteurin christlich motivierter Nächstenliebe in der Perspektive, dass in ihrem Umfeld die heilvolle Wirklichkeit des Reiches Gottes zumindest fragmentarisch und zeichenhaft Gestalt gewinnt. Dabei engagiert sie sich auf sehr unterschiedlichen Ebenen, wo immer Menschen Unterstützung und Hilfe brauchen.

Anders als gelegentlich kolportiert, gehört ein solches diakonisches Handeln zu den unverzichtbaren Aufgaben der Kirche und ist keineswegs in finanziell schwierigen Zeiten ein verzichtbares Beiwerk, wie es die Rede vom kirchlichen »Kerngeschäft« (mit dem dann Gottesdienst und Verkündigung gemeint ist) gelegentlich suggeriert. Wenn eine Institution und Organisation für den christlichen Glauben steht und diesem gerecht werden möchte, kann sie das nicht nur mit Worten tun, sondern muss in ihrem Handeln zumindest exemplarisch etwas von den Konsequenzen des christlichen Glaubens umsetzen. Dabei steht sie vor der permanenten Herausforderung, dieses Handeln immer wieder auf seine christliche Grundlage und Motivation zu beziehen. Dies bedeutet nicht einfach, pflichtgemäß bestimmte religiöse Inhalte zu thematisieren, sondern, den Zusammenhang von Glaubensüberzeugungen und Handlungen zu reflektieren und die Formen des Handelns permanent daraufhin zu überprüfen, ob sie als Konsequenzen ihrem Grund entsprechen.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Das klassische Handlungsfeld der direkt ausgerichteten Orientierung an der Welt ist die organisierte Diakonie. Ausgehend von den christlich motivierten sozialen Tätigkeiten christlicher Vereine im 19. Jh. hat sich seitdem ein differenziertes Geflecht diakonischer Arbeit in diversen gesellschaftlichen Bereichen entwickelt. Das Verhältnis zwischen »Diakonie« und Kirche« ist komplex und spannungsvoll, denn die fachliche Professionalisierung der Diakonie, die Einbindung in sozialstaatlich refinanzierte Dienstleistungsaufgaben und die im Handeln selbst nicht explizite Christlichkeit können gegenseitige Entfremdungstendenzen befördern. Kirchentheoretisch ist jedoch unabhängig von der rechtlichen Ebene jegliche diakonische Arbeit als Teil der Kommunikation des Evangeliums durch die Kirche zu verstehen.

• Eine spezifische Form diakonischer Arbeit ist die kirchliche Stadtteil- oder Gemeinwesenarbeit. Die Kirche engagiert sich dabei für Menschen, die in ihrem Stadtteil leben, unabhängig von ihrer Kirchenzugehörigkeit.

• Auch die offene Jugendarbeit, die sich vor allem auf Jugendliche in schwierigen sozialen Verhältnissen richtet, ist hier zu nennen. Die Kirche unterstützt Jugendliche in ihren Lebenssituationen, begleitet sie und bietet ihnen Orientierung für ihre Lebensgestaltung an.

• Schließlich ist die kirchliche Entwicklungshilfe (»Brot für die Welt«) ein wichtiger Bereich kirchlichen Handelns, in dem die Kirche ihrer weitweiten diakonischen Verantwortung nachkommt.


2.6 Fokus »Welt« – indirekt: Die christliche Stimme in der Gesellschaft erheben

Als sechste Aufgabe schließlich ist die indirekte Hinwendung zur Gesellschaft zu nennen. Während das diakonische Handeln Linderung der Nöte von Personen und Gruppen zum Ziel hat, nimmt die Kirche mit dieser Aufgabe strukturell die gesellschaftlichen Bedingungen in den Blick, die zu Nöten, Ungerechtigkeiten und anderen Lebensumständen führen und damit dem Heilswillen Gottes für die Welt widersprechen. Hier ist es die Aufgabe der Kirche, »nicht nur die Opfer unter dem Rad zu verbinden, sondern dem Rad selbst in die Speichen zu fallen«5.

Dem Christentum ist von seinen Anfängen an eine gesellschaftskritische und insofern politische Perspektive eigen, ebenfalls beruhend auf seinen jüdischen Wurzeln (vgl. z.B. die Sozialkritik der atl. Propheten). Aus der Orientierung am Reich Gottes ergibt sich zwingend eine von der »Welt« unterschiedene kritische Perspektive, die faktische Verhältnisse als nicht dem Willen Gottes für die Menschen entsprechend erkennt.

Selbstverständlich sind auch auf struktureller Ebene alle Christinnen und Christen im privaten und beruflichen Leben dazu herausgefordert, eine christliche Perspektive auf die Gesellschaft einzunehmen und diese zu äußern. Gleichzeitig ist es unverzichtbar, dass die Kirche als intermediäre Institution und Organisation ihre Stimme erhebt als Vertreterin christlicher Überzeugungen und damit ihre institutionalisierte Verantwortung wahrnimmt. Die Kirche sieht ihre Rolle darin, sich zu relevanten Themen zu äußern und die christliche Perspektive zu Gehör zu bringen. Sie übernimmt dabei eine Mitverantwortung für das Gemeinwesen. In ethischen Diskursen – Stammzellenfrage, Sterbehilfe etc. – sind diese Funktionen auch in diversen Gremien etabliert. Dabei ergreift die Kirche Partei. Sie vertritt »vorrangig die Option für die Armen und Schwachen, aber auch für die kommenden, noch nicht geborenen Generationen und ihre Lebensmöglichkeiten – und zwar im konkreten, materiell-physischen und im übertragenen psychischen sowie im geistlichen Sinn«6.

Diese Aufgabe wird beispielsweise in folgenden kirchlichen Handlungsfeldern ausgeübt:

• Besonders deutlich kommt diese Aufgabe in den Denkschriften und anderen öffentlichen Äußerungen (unterschieden in Impulspapiere, Orientierungshilfen, Argumentationshilfen und gemeinsame ökumenische Texte) der Kirche zum Ausdruck. Gekennzeichnet sind diese durch eine Verzahnung von theologischer Fundierung und gesellschaftlichen Konsequenzen.

• Die kirchliche Akademiearbeit entwickelte sich nach dem Zweiten Weltkrieg als Ort des Kontakts zwischen Kirche und Gesellschaft sowie als Ort der Diskussion gesellschaftlicher Themen in christlicher Perspektive.

• Der evangelische Kirchentag ist – wie der Katholikentag – ebenfalls ein Forum, das Stellung bezieht zu aktuellen gesellschaftlichen Fragen und in diesen besonders durch seine mediale Präsenz Gehör findet.

• Ebenso bearbeiten gemeindliche Gruppen gesellschaftspolitisch relevante Themen und vollziehen dabei nicht selten öffentlichkeitswirksame symbolische Handlungen wie beispielsweise beim Kirchenasyl.


3. Konsequenzen für die Strukturen der Kirche

Die sechs beschriebenen Aufgabenbereiche sind unabhängig von Organisationsformen und -strukturen zu denken, sie gelten für die gegenwärtige Gestalt der Kirche ebenso wie für alternative Modelle wie die kirchlichen Orte.7 In den exemplarisch angeführten Handlungsfeldern wurden vorrangig Beispiele vertrauter kirchlicher Formen gewählt, um die Anschlussfähigkeit zu erhöhen und die Verbindung zur kirchlichen Praxis zu erleichtern.

Alle sechs beschriebenen Aufgaben sind für das Handeln der Kirche, für die ihr aufgetragene Kommunikation des Evangeliums unverzichtbar, von keiner kann sie sich dispensieren. Die hier vorgeschlagene Systematisierung der Kommunikation des Evangeliums kann zur präziseren Wahrnehmung des jeweiligen kirchlichen Handelns in einer konkreten Einheit – beispielsweise einer Gemeinde, einer Region oder eines Kirchenkreises bzw. Dekanats dienen. Mit diesem Raster kann geprüft werden, welche Bezugspunkte kirchlichen Handelns im Vordergrund stehen und welche zurücktreten.

In einem »arbeitsteiligen« Verständnis von Kirche bedeutet dies jedoch nicht, dass jede Gemeinde und jede kirchliche Einrichtung alle sechs Aufgaben gleichermaßen erfüllen müsste, sie sollte jedoch ein klares Bild davon haben und dies auch transparent machen, an welchem Ort welche Aufgaben in welcher Form erfüllt werden und wer die anderen Aufgaben in erreichbarer Nähe erfüllt. Denn grundsätzlich sollten alle Aufgabenbereiche in einem Bereich vorhanden und auch für weniger mobile Menschen erreichbar sein. Sollte sich zeigen, dass eine der sechs Aufgaben in mehreren benachbarten Gemeinden und kirchlichen Einrichtungen gar nicht erfüllt wird, müsste dies Anlass zu einer Umorientierung sein, denn dann würde das Evangelium in dieser Region nur defizitär kommuniziert und wäre nicht in allen Dimensionen zugänglich.

Insofern haben die Überlegungen zu den Aufgaben der Kirche auch wieder Konsequenzen für die kirchlichen Strukturen und Organisationsformen, auch wenn sie nicht nur für eine einzige Organisationsform gelten. Das kann auch nicht anders sein, weil diese immer eine dienende Funktion besitzen: Sie sind ausgerichtet auf die Kommunikation des Evangeliums und müssen daran gemessen werden, wie sie dieser bestmöglich dienen. Getragen sind die Überlegungen von der Vision einer lebendigen, pluralen und offenen Kirche, die sich mit ihren Traditionen so beschäftigt, dass sie sich zugleich mit den Herausforderungen der Gegenwart mutig und konstruktiv auseinandersetzt.


Anmerkungen:

1 Der Begriff wird bei Lange im Kontext homiletischer Überlegungen, aber auch im Blick auf das kirchliche Handeln insgesamt verwendet (vgl. Ernst Lange: Zur Theorie und Praxis der Predigtarbeit, in: Ders. (Hg.): Predigen als Beruf. Aufsätze (hg. v. Rüdiger Schloz), Stuttgart/Berlin 1976, 9-51, 9.11.13f u.ö.). Auch andere praktisch-theologische Entwürfe rekurrieren auf diese Formulierung. Eine zentrale Rolle spielt sie in den jüngsten Gesamtdarstellungen der Praktischen Theologie von Christian Grethlein (vgl. Christian Grethlein: Praktische Theologie, Berlin 2012) und Fritz Lienhard (vgl. Fritz Lienhard: Grundlegung der Praktischen Theologie. Ursprung, Gegenstand und Methoden, Leipzig 2012).

2 Vgl. dazu ausführlich: Eberhard Hauschildt/Uta Pohl-Patalong: Kirche (Lehrbuch Praktische Theologie), Gütersloh 2013.

3 Ein solches Dreieck ist auch in anderen Zusammenhängen beispielsweise im Blick auf Bildungsprozesse entworfen worden. Ruth Cohn versteht Lernprozesse als themenzentrierte Interaktion im Dreieck mit den Eckpunkten Es (Thema), Ich (Subjekt) und Wir (Gruppe), umgeben von der Umwelt (»Globe«) (vgl. Ruth Cohn: Von der Psychoanalyse zur themenzentrierten Interaktion, Stuttgart (1983) 142000, 113). Lehr- und Lernprozesse gelingen dann, wenn eine dynamische Balance zwischen diesen Polen erreicht wird. Nicht zufällig ist das Grundprinzip jeweils gleich: Die Organisation menschlichen Lebens und Handeln vollzieht sich zwischen bestimmten Grundcharakteristika, die alle auf jedes Handeln, jeden Bildungsprozess und jeden Gestaltungsversuch einwirken. Jedoch stehen nicht immer alle drei gleichmäßig im Vordergrund, sondern sie setzen bestimmte Schwerpunkte.

4 Dietrich Bonhoeffer: Widerstand und Ergebung. Briefe und Aufzeichnungen aus der Haft, in: Gremmels, Christian u.a. (Hgg.): Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 8, München 1998, 560.

5 Dietrich Bonhoeffer: »Die Kirche vor der Judenfrage« [1933], in: Nicolaisen, Carsten/Scharffenorth, Ernst-Albrecht (Hgg.): Dietrich Bonhoeffer Werke, Bd. 12, Gütersloh 1997, 348-359, 353f.

6 Kirchenamt der EKD (Hg.): Das rechte Wort zur rechten Zeit. Eine Denkschrift des Rates der evangelischen Kirche in Deutschland zum Öffentlichkeitsauftrag der Kirche, Gütersloh 2008, 37.

7 Vgl. Uta Pohl-Patalong: Von der Ortskirche zu kirchlichen Orten. Ein Zukunftsmodell, Göttingen (2004) 22005.

 

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Uta Pohl-Patalong, Jahrgang 1965, Studium der Evang. Theologie in Kiel, Heidelberg, Jerusalem und München, 1995 Promotion über »Seelsorge zwischen Individuum und Gesellschaft«, 1995-2001 Vikariat und Pastorinnendienst, 2002 Habilitation zu »Parochialität und Nichtparochialität im Konflikt«, seit 2007 Prof. an der Theol. Fakultät der Universität Kiel.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 7/2015

1 Kommentar zu diesem Artikel

23.07.2015
Ein Kommentar von Günter


Mt 28,19 Gehet [nun] hin und machet alle Nationen zu Jüngern, und taufet sie auf den Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes, Mt 28,20 und lehret sie, alles zu bewahren, was ich euch geboten habe. Und siehe, ich bin bei euch alle Tage bis zur Vollendung des Zeitalters. Wenn die Kirche diesen Auftrag erfüllen würde, würde sie nicht so, zu fast 100% versagen, wie sie versagt!

Kommentieren Sie diesen Artikel










Bitte geben Sie die angezeigte Zahl in das nachfolgende Textfeld ein



Sicherheitszahl


zurück

»Das tragische Lebensgefühl«
Anmerkungen zum philosophischen Hauptwerk Miguel de Unamunos
Artikel lesen
Klimakrise, Psyche und Glaube
Vom notwendigen Wandel und der Schwerfälligkeit der menschlichen Natur
Artikel lesen
3. Sonntag nach Trinitatis
7. Juli 2019, 1. Timotheus 1,12-17
Artikel lesen
»Aus guter Tradition Zukunft gestalten«
Weg und Wandel der Sareptaschwesternschaften
Artikel lesen
Trinitatis
16. Juni 2019, 2. Korinther 13,11-13
Artikel lesen
Von Paris nach Weimar und Dessau – und zurück

Artikel lesen
»… das macht’s, dass wir in seinem Schoß gesessen«
Abschied nehmen vom allmächtigen Gott und neu glauben lernen
Artikel lesen

PDF

Sie können diesen Artikel als PDF-Dokument runterladen.

PDF-Dokument

Impressum

Dieser Text wurde im Deutschen Pfarrblatt veröffentlicht. Weitere Informationen finden Sie hier:

Impressum


Hinweis

Für Adressänderungen sowie Abonnementbestellungen oder –kündigungen wenden sie sich an ihren zuständigen Pfarrverein.

Nur dort können die Daten geändert werden. Vielen Dank!