Friedrich Walz (1932-1984) zum 30. Todestag
Der »Lobsänger« Gottes

Von: Klaus Loscher
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»Herr, gib du uns Augen, die den Nachbarn sehn«; »Hört, wen Jesus glücklich preist, Halleluja«; »Komm, sag es allen weiter«; »Kommt, wir teilen das Brot am Tisch des Herrn«; »Redet gut vom Namen unsres Gottes«; »Seht, die gute Zeit ist nah«; »Sehet hin, er ist allein im Garten«; »Singt nun alle, singt mit uns«. – Wer kennt nicht diese Lieder zu Nächsten- und Feindesliebe, zu Abendmahl, Advent, Weihnachten und Passion? Sie sind in Jahrzehnten so etwas wie religiöse Volkslieder geworden, teilweise auch für die Ökumene. Ihre zu Herzen gehenden und aussagekräftigen Texte stammen alle aus der Feder eines Mannes: des so früh verstorbenen Pfarrers Friedrich Walz, dessen Todestag am 27. September dieses Jahres sich zum 30. Male jährt.


Kurzer Lebensweg mit vielen beruflichen Stationen

Im mittelfränkischen Schillingsfürst wurde er am 16. Oktober 1932 geboren und am 27. September 1984 sollte sein Leben wiederum in diesem Heimatstädtchen ein viel zu frühes Ende finden. Zwischen Geburt und Heimgang liegen nur knapp 52 Jahre.

Friedrich war das älteste von sechs Kindern des Molkereimeisters Friedrich Walz, der seit 1943 in Stalingrad vermisst ist. Mutter Babette, geb. Ulmer, musste die große Kinderzahl mit Hilfe ihres kleinen Milchgeschäftes ernähren. Nach dem Besuch der Oberschule in Rothenburg ob der Tauber studierte Friedrich zunächst drei Semester Chemie in Erlangen. Erst danach erfolgte ein Wechsel zur Theologie in Erlangen und Göttingen.

1959 war Walz Vikar in Traunstein mit Schwerpunkt Religionsunterricht an verschiedenen Schulzweigen. In dieser Zeit heiratete er Brigitte Klever, Tochter eines Arztes aus Crossen an der Oder. Von 1962 bis März 1973 war er dritter Pfarrer von St. Lorenz in Nürnberg. Außerdem wurde er 1972 zum Rundfunkprediger ernannt. Am 1. April 1973 wechselte er von Nürnberg auf die 3. Pfarrstelle in Erlangen-Neustadt, die auch die Studentenseelsorge einschloss. 1980 wurde er vom Evang. Landeskirchenrat nach München zum Beauftragten für Hörfunk und Fernsehen beim Bayerischen Rundfunk berufen. Hier war er hauptsächlich für die Begleitung der Rundfunkprediger sowie für kirchliche Sendungen verantwortlich.


Seelsorge und Musik

Bereits als Vikar in Traunstein hatte der musikalisch Hochbegabte einen Jugendchor gegründet. Als Seelsorger habe er zu Schülern selbst in schwierigen Notlagen gestanden, »so dass auch hier der Glaube neue Wurzeln schlagen konnte«.

Claudia Woitag schreibt von ihrer Erfahrung im Chor »Die Lobsinger« unter Friedrich Walz sowie dem Singen in dessen Folkloregruppe bei verschiedenen Anlässen in Jugendgottesdiensten, Taizé-Gebeten, ökumenischen Advents- und Weihnachtsgottesdiensten mit Liedern aus aller Welt.

Im Jahr 1979 brachte er eine Sammlung von 24 Liedern heraus. Sie erschien als Kassette und als Andachtsbuch unter dem Titel »Die ganze Welt hat sich gefreut« im Verlag der Evang.-luth. Mission in Erlangen. Walz hatte die Texte zusammen mit den Mitgliedern seiner Erlanger Studentenkurrende als Advents- und Weihnachtslieder von Christen aus anderen Kulturen und Ländern gesammelt. Darunter waren Lieder griechischer Sternsinger, ausländischer Arbeitnehmer und afrikanischer Studenten, aber auch solche aus seinen Besuchen anderer Länder.

Sein posthum erschienenes Buch »Das Leben ist der Weg. Gedanken für Zeit und Ewigkeit« lässt die große seelsorgerliche Begabung erkennen. Im Vorwort schreibt Oberkirchenrat Johannes Viebig: »Friedrich Walz war auch ein Liebhaber des Friedens, hatte er doch in der eigenen Familie die zerstörende Macht des Krieges schmerzlich erfahren müssen.« Das Buch enthält auch die Zeit des Klinikaufenthalts in Erlangen. »Hier versucht er, den ihn in seiner Krankheit tragenden Trost des Glaubens weiterzugeben.«


Frühes Lebensende

Im Herbst 1983 erkrankte Walz an einem Hirntumor. Die Gefahr schien nach einer Operation in Erlangen gebannt. An Ostern 1984 konnte er wieder eine bewegende Osternacht mit einem »Heiliger, starker Gott, Gott in alle Ewigkeit« (Gabriele Gräter) feiern. Alles schien gut zu werden. Doch der Tumor kehrte zurück. Am 27. September 1984, kurz vor seinem 52. Geburtstag, wurde Walz aus seiner irdischen Heimat Schillingsfürst in die himmlische Heimat geholt. »Gott der Herr hat seinen Lobsänger zu sich gerufen« stand in der Todesanzeige vor 30 Jahren. – Friedrich Walz soll unvergessen bleiben!


Klaus Loscher

 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 9/2014

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