Anliegen und Einsichten der Reformation im Kontext nichtchristlicher Religionen
Verbundenheit, Provokation, Impuls

Von: Hans-Martin Barth
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Wie soll sich der Protestantismus im Verhältnis zu den nichtchristlichen Religionen positionieren? Hans-Martin Barth sieht die Keimzelle des Protestantismus, die Reformation, in ­einer dreifachen Beziehung zu nichtchristlichen Religionen – als Verbündete, als Provokation und als Reform-Impuls.

Alle Jahre wieder am Reformationsfest denken Protestanten darüber nach, worin der Sinn der Reformation bestand und was sie für heute bedeutet. Über Jahrzehnte, ja Jahrhunderte hin hat sich der Protestantismus in seinem Verhältnis zum Katholizismus definiert: Protestant sein hieß dann: nicht katholisch sein; keinen Papst haben, keine Marienanrufung, keine Bevormundung in Glaubensdingen. In der Tat kann man das eigene Profil immer dann am besten darstellen, wenn man es zu dem in Beziehung setzt, was und wie man selber nicht ist. Will man, ohne allgemeine Formeln zu verwenden, zum Ausdruck bringen, was »evangelisch sein« heißt, so ist das ja nicht ganz einfach. Inzwischen leben in Europa Millionen von Muslimen; der Dalai Lama macht durch werbewirksame Auftritte den Buddhismus bekannt, und in Hamm in Westfalen steht ein hinduistischer Tempel. In vielen unserer Städte gibt es interreligiöse Initiativen und Dialoge. Die Kirchen der Reformation haben sich heute nicht nur den anderen christlichen Konfessionen, sondern auch den nichtchristlichen Religionen gegenüber zu profilieren. Wie ist hier vorzugehen? Ist der Protestantismus der große Störenfried unter den Religionen? Muss man sich erst einmal, wie es ein EKD-Papier1 sagt, die »Leitdifferenzierungen« klar machen?

Ich sehe die Reformation in einer dreifachen Beziehung zu den nichtchristlichen Religionen: Reformation kann Verbündete nichtchristlicher Religionen sein; sie wird aber, zweitens, immer auch als Provokation nichtchristlicher Religionen wirken. Drittens kann die Reformation einen Reform-Impuls für alle Religionen – einschließlich des Christentums! – darstellen.

1.  Die Reformation als Verbündete der Weltreligionen

Die Reformation als Verbündete der Weltreligionen zu sehen, mag im ersten Augenblick überraschen. Zunächst einmal wird man klären müssen, wovon die Rede ist: Ich greife aus der Vielzahl von Religionen im Folgenden vier große religiöse Traditionen der Menschheit heraus: unter den asiatischen Religionen Hinduismus und Buddhismus, bei uns im Westen Judentum und Islam.2 Will man in diesem schwierigen Gelände nach möglichen Verbündeten suchen, so kann es natürlich immer nur um einzelne Aspekte gehen. Aber es lohnt sich zu fragen: Wo lassen sich positive Beziehungen, wenigstens partielle Gemeinsamkeiten oder sogar gemeinsame Anliegen entdecken? Es versteht sich ohnehin, dass auch Verbündete nie in allen Punkten miteinander übereinstimmen; aber sie können doch im Blick auf einzelne Projekte und Ziele sich abstimmen und zusammenwirken.

1.1  Verbündet in der Auslegung der ­Heiligen Schrift: Reformation und­ ­Judentum

Am einfachsten ist das im Blick auf das Judentum. Dass Christentum und Judentum auf besondere Weise zusammengehören, ist offensichtlich. Daran ändert auch nichts, dass Luther in seinen späten Jahren die Synagoge zusammen mit Papsttum und Türken als die großen endzeitlichen Widersacher des Reiches Gottes gesehen hat. Seine schrecklichen Judenschriften sind durch nichts entschuldbar.3 Auf der anderen Seite ist es Luther, der eine großartige und bleibende Verbindung zwischen Reformation und Judentum hergestellt hat – in Gestalt seiner Übersetzung des AT. Gewiss, er hat die Hebräische Bibel verchristlicht, aber uns damit doch auch Grundanliegen des Judentums in ihrer ganzen religiösen Tiefe in einzigartiger Weise vermittelt. Mir fällt das immer wieder beim Lesen der ursprachlichen Losungen auf: Wo im Hebräischen nur das kleine Wörtchen »tow« / »gut« steht, übersetzt er: »Das ist ein köstlich Ding« – dem Herren danken (Ps. 92,2). Wo das Hebräische nur von »jeschuah« / »Hilfe« spricht, sagt Luther: »Heil« (Ps. 27,1). Heutige Exegese des NT ist ohne Kenntnis des jüdischen Hintergrunds überhaupt nicht zu denken, und gerade jüdische Bibelwissenschaftler haben uns beide Testamente auf eine ganz neue Weise nahe gebracht. In der Auslegung der Heiligen Schrift können und müssen das Judentum und die Kirchen der Reformation heute Verbündete sein. Sie gehören einer gemeinsamen Heilsgeschichte an.

1.2  Verbündet im unbedingten Respekt vor dem Ewigen: Reformation und ­Islam

Wie steht es mit dem Islam, bei dem uns zuallererst Terrorakte, Steinigungen und Christenverfolgungen in den Sinn kommen? Terror, Steinigung und Verfolgungen von Andersgläubigen oder Konvertiten zum Christentum werden unter Berufung auf den Koran durchgeführt. Aber das ändert nichts daran, dass im Zentrum des muslimischen Glaubens etwas ganz anderes steht, nämlich die absolute Souveränität und die Barmherzigkeit Allahs, von der – mit einer einzigen Ausnahme – am Beginn aller Suren die Rede ist. »Es gibt keinen Gott außer Gott« – das ist in gewisser Weise eine Variante des atl. Gebots »Du sollst keine anderen Götter haben neben mir!« (Ex. 20,3). Natürlich bezieht sich das muslimische Bekenntnis auf »Allah« und das erste Gebot auf den Gott Israels, christlich verstanden auf den dreieinen Gott. Aber man muss sich doch der Tatsache stellen: Ähnlich wie Juden und Christen kennen Muslime eine letzte Instanz, der sie sich in unbedingtem Gehorsam beugen wollen. Viele Muslime würden Luthers Auslegung des ersten Gebots akzeptieren und nachsprechen können: »Wir sollen Gott über alle Dinge fürchten, lieben und vertrauen«.

Vor Jahren hat ein amerikanischer Methodist Luthers Theologie zusammengefasst mit der Formel: »Let God be God!« / »Lasst Gott Gott sein!«4 Das ist auch die Grundformel muslimischen Glaubens: Allahu akbar! Gott ist groß, er ist unendlich groß, der unendlich immer noch Größere – man hat das den »unendlichen Komparativ« genannt – das gilt Christen und Christinnen auch im Blick auf den Gott Jesu Christi. Oder denken wir an die 99 schönsten Namen Allahs, die im Islam vergegenwärtigt und meditiert werden – im Bewusstsein dessen, dass Gott größer ist als alle seine Namen. Geht es nicht auch uns Christen um die Heiligung des Gottesnamens, im Sinn von Luthers Kleinem Katechismus darum, dass Gottes Name »auch bei uns heilig werde«? Sollten wir uns nicht in dem Bemühen um einen letzten Respekt vor dem unendlichen ewigen Gott mit Muslimen verbünden können?

1.3  Verbündet in der Wahrnehmung des Menschen: Reformation und ­buddhistische Traditionen

Der Buddhismus scheint auf den ersten Blick überhaupt nichts mit Luthers Reformation Gemeinsames zu haben, da er ja bekanntlich nicht einmal die Vorstellung eines Gottes – jedenfalls nach unserem Verständnis – kennt. Doch der Schein trügt. Zwar sind die äußeren Formen, in denen er sich darbietet, radikal verschieden von dem, was den christlichen Glauben ausmacht, aber spirituell gibt es durchaus eine gewisse Nähe zwischen beiden.5 Nach buddhistischer Vorstellung kommt alles Leid daher, dass der Mensch auf sich bezogen ist, beherrscht von der Lebensgier, die in ihm tobt, von einem unstillbaren Durst. Dabei geht es keineswegs nur um die Übertretung einzelner Regeln und Gebote oder um amoralisches Verhalten. Für Buddhisten wie für die lutherische Reformation ist »Sünde« ein transmoralischer Begriff. Die Ichbezogenheit gilt es aufzugeben, los zu werden! Das berührt sich durchaus mit dem, wie Luthers Reformation den sündigen Menschen wahrgenommen und zur Buße aufgerufen hat. Buddhisten versuchen, diese Situation durch Disziplin und strenge Meditation zu überwinden; deswegen hat man sie im Westen als eine Religion gebrandmarkt, in der Menschen sich selbst erlösen wollen. Doch auch Buddhisten wissen bei aller Strenge der Disziplin, dass das Heil, wie sie es verstehen, unverfügbar ist. Es gibt sogar eine buddhistische Tradition, die japanische Jodo Shinshu, die fast wie der Protestantismus davon redet, dass durch menschliche Leistung, durch die eigene Kraft nichts zu erreichen ist; diese Buddhisten wollen, wie sie sagen, der »anderen Kraft« vertrauen – für mich eine wunderbare Umschreibung von »Gnade«.6 Die Ähnlichkeit zum Grundanliegen der Reformation ist so frappierend, dass das die Jesuiten-Missionare, die in der zweiten Hälfte des 16. Jh. nach Japan kamen, auf den Gedanken brachte, die Lutheraner könnten schon da gewesen sein.

1.4  Verbündet in der Ausrichtung auf das Ewige: Reformation und ­hinduistische Traditionen

Am schwierigsten ist es, zwischen der Reformation und den hinduistischen Traditionen eine Verbindung herzustellen. Pandit Nehru hat sich ausgesprochen abfällig über Luther geäußert7; die hinduistische Götterwelt wäre Luther eine Gräuel gewesen, die sexualisierte religiöse Atmosphäre hätte ihn abgestoßen und der Umgang mit Waschungen, Leichenverbrennungen und Opfern hätten ihn mit Abscheu erfüllt. Wäre er aber der bhakti-Frömmigkeit begegnet, in der es um die liebevolle Hingabe an die Gottheit geht, hätte er dafür vielleicht ein gewisses Verständnis aufgebracht. Vermutlich hätte ihn auch der hinduistische Gedanke angesprochen, dass alles, was auf Erden lebt und sich regt, in einen großen Zusammenhang hineingehört. Sympathisch wäre ihm wohl auch die Vorstellung gewesen, dass jedes Lebensalter und jeder Stand seine spezifischen Aufgaben hat. Gandhi hat Luther wohl kaum gekannt. Aber er hat sich an der Bergpredigt orientiert und sich um die Ärmsten der Armen, die »Unberührbaren« gekümmert, die er »Harijans«, »Kinder Gottes« nannte. Er wollte sein Volk befreien von entwürdigenden Abhängigkeiten, es voranbringen durch Bildung und ein bestimmtes Berufsethos, so dass sich wohl auch hier Berührungspunkte mit Luthers Reformation finden lassen.

Ob sich Mitglieder nichtchristlicher Religionen ihrerseits als mögliche Verbündete reformatorischer Anliegen sehen können, ist eine eigene Frage. Die gemeinsame Arbeit an Texten der Heiligen Schrift dürfte mindestens für liberale Juden kein großes Problem sein. Sich gemeinsam mit Christen für den Respekt gegenüber Gott zu engagieren, hat für Muslime schon eine gewisse Tradition: Muslimische Initiativen haben sich gegen die Abschaffung des Bußtags als eines gesetzlichen Feiertags verwendet. Am Eidgenössischen Dank-, Buß und Bettag 2009 in Luzern haben Muslime sogar aktiv teilgenommen. Muslime haben auch für den Gottesbezug in der Präambel der Europäischen Verfassung plädiert. Buddhisten kämpfen mit Christen zusammen gegen Konsumterror und kapitalistisches Wirtschaften.8Am schwierigsten dürfte es für Hindus sein, die Anliegen der Reformation zu verstehen.

Zwischen den Kirchen der Reformation und nichtchristlichen Religionen bestehen jeweils eigene Beziehungsmöglichkeiten, aber auch Verstehensbarrieren. Während man früher ganz allgemein von »den Heiden« sprach, gilt es heute, die jeweils spezifischen Beziehungen zu den nichtchristlichen Religionen auszuloten und die entsprechenden Konfliktfelder zu durchmessen. Denn die Reformation stellt ja für nichtchristliche Religionen auch eine jeweils spezifische Provokation dar.

2.  Die Reformation als Provokation der Weltreligionen

Mögen sich also durchaus positive Beziehungen zwischen Reformation und nichtchristlichen Religionen ausmachen lassen, so stellt sich doch die Frage, ob damit auch die Grundanliegen und -einsichten der Reformation getroffen sind. Noch war ja nicht die Rede von den Standard-Themen der Reformation, von Rechtfertigung und Heilsgewissheit, von Freiheit und dem Glauben an Jesus Christus allein. Wie werden die Kirchen der Reformation angesichts der zahlenmäßigen Übermacht schon der nichtprotestantischen Kirchen und erst recht der nichtchristlichen Religionen ihre Botschaft verteidigen und vermitteln können? Wie sollten ein paar hundert Millionen Menschen, die die Anliegen und Einsichten der Reformation teilen, den Rest der Welt provozieren dürfen oder können? Die Reformatoren haben Zahlenspiele nicht angestellt. Sie haben sich leiten lassen von dem, was ihnen in ihrer Begegnung mit der in der Bibel festgehaltenen Überlieferung von Jesus Christus als Leben spendende Wirklichkeit aufgegangen war. Damit provozierten sie zunächst die spätmittelalterliche Kirche. Damit provozieren die Kirchen der Reformation heute auch die nichtchristlichen Religionen.

2.1  Rechtfertigung aus Gnade statt ­Leistung

Luther hat die Botschaft von unserer Rechtfertigung vor Gott zunächst gegen die spätmittelalterliche Frömmigkeit formuliert und gepredigt. Er ist der damals herrschenden Spiritualität nicht völlig gerecht geworden, wie man heute etwa daran zu erkennen beginnt, in welchem Ausmaß Johann von Staupitz, sein Beichtvater, es war, der Luther auf seinen Weg gebracht hat.9 Luther hat das religiöse Leistungsdenken seiner Zeit aber auch als eine jüdische, pharisäische Fehlhaltung kritisiert. Ja, er hat sich selbst einbezogen und in diesem Zusammenhang sich selbst als einen »Juden« bezeichnet, der durch Werkerei sein Heil erwirken will. Aber das Judentum besteht nicht nur in vordergründiger Werkfrömmigkeit. Heutige Wahrnehmung des Judentums zeigt, dass der Reformator auf eine unhaltbare Weise generalisiert hat. Ähnliches gilt im Blick auf den Islam, der in Gestalt seiner Mystik gewiss nicht mit reinem Leistungsdenken identifiziert werden darf.

Trotzdem hat Luther im Blick auf den damaligen Katholizismus, auf das Judentum und den Islam etwas Richtiges gesehen: Offenbar ist das Bedürfnis, lieber selber etwas zu leisten, statt sich etwas schenken zu lassen, tief im Menschen verankert. Wenn führende Stimmen des Judentums das Ethos in den Mittelpunkt ihrer Religion stellen10 und wenn Muslime sich u.a. durch das im Koran als drohend angekündigte Gericht motiviert sehen, Gebets- und Fastenvorschiften ihrer Religion nicht zu übertreten, und nach jenseitiger Belohnung Ausschau halten, so muss beiden die Botschaft von der unverdienten und unverdienbaren Gnade Gottes als Provokation erscheinen. In den hinduistischen Traditionen liegen die Dinge etwas anders; dort hat man kein Verständnis für die Alternative zwischen Selbst- und Fremderlösung. Buddhisten schließlich suchen nicht Rechtfertigung, sondern ein Erwachen, das man sich selbst nicht besorgen kann und das vergangene Schuld und verbleibende Ichbezogenheit nicht ungeschehen macht. Für alle stellt die Botschaft von der Rechtfertigung aus Gnade eine Provokation dar – und damit zugleich eine Einladung, sich das Joch religiöser Verpflichtungen abnehmen zu lassen und in diesem Sinn fröhlich und dankbar zu leben.

2.2  Heilsgewissheit statt Unsicherheit und Selbstzweifel

Mit der Rechtfertigung aus Gnade hängt – in christlicher Terminologie – die Frage nach der Heilsgewissheit zusammen. Darf man des ewigen Heils und damit des Gelingens des Lebens gewiss sein? Die spätmittelalterliche Kirche hatte mit Fegefeuer und Hölle gedroht, die Menschen verängstigt und dies auch finanziell zu nutzen gewusst. Die Reformation hat für den Glaubenden die Lebensfreude zurückgewonnen. Der im vorigen Jahrhundert bekannte Volksmissionar Heinrich Gießen hat das so ausgedrückt: Evangelisch sein heißt wissen, dass man in den Himmel kommt. Das Judentum scheint an dieser Frage nicht sehr interessiert, weil es stark auf das Diesseits ausgerichtet ist. Im Islam dagegen spielt sie eine große Rolle. Obwohl Allah als der Gnädige und Barmherzige verstanden wird, weiß doch kein Muslim genau, ob er wirklich ins Paradies gelangen wird. Das Gericht wird ihm häufig und in bedrohlichen Farben vor Augen gestellt. Er wird sich daher eifrig bemühen, seinen religiösen Pflichten nachzukommen. Hinduistisches und buddhistisches Reinkarnationsdenken sieht bei irdischem Fehlverhalten eine mögliche Wiedergeburt in tierischer oder untermenschlicher, dämonischer Gestalt vor. Christen können demgegenüber die Botschaft von dem uns zugesagten ewigen Heil, wie auch immer es aussehen mag, nur als befreiende, provozierende und zugleich einladende Botschaft verstehen. Sie ermutigt zu einem Leben, das auch angesichts unglücklicher und in Schuld verstrickter Umstände die Freude am Dasein nicht verliert. Die Angst vor dem Sterben ist damit nicht beseitigt, aber der Tod selbst und das Gericht sind nicht mehr zu fürchten.

2.3  Freiheit statt religiöse ­Abhängigkeiten

Nicht von ungefähr hat Luther das neue Leben, das den Glaubenden erfüllt, unter dem Stichwort »Freiheit eines Christenmenschen« beschrieben. Als Glaubende wissen wir uns mit Christus verbunden, der uns von Sünde, Tod und Teufel erlöst hat. Wir gewinnen unsere Lebenskraft aus unserer Beziehung zu Gott und versuchen, das uns geschenkte Leben in einer liebevollen Beziehung zu unseren Mitmenschen zu verwirklichen. Liebe zu Gott und zu den Nächsten ist schon atl. Gebot und damit jüdisches Erbe. Aber die Gottesliebe wird im Judentum primär als Gebot verstanden, nicht als Geschenk, und die ebenfalls gebotene Nächstenliebe bedarf der Kraft, die zu ihrer Verwirklichung führt. Im Koran kommt die Liebe nur an wenigen und noch dazu marginalen Stellen vor. Allah gegenüber gilt es in erster Linie Gehorsam zu üben, nicht Liebe. Nur die Mystiker sehen das anders; sie sind deswegen vom offiziellen Islam kaum anerkannt. Wenn alles auf den Gehorsam gegenüber Allah ankommt, der seinen Willen klar und unmissverständlich im Koran geäußert hat, dann kann hier nicht viel von Freiheit die Rede sein – weder im Blick auf die Auslegung des Korans selbst noch im Blick auf eigenständige menschliche Entscheidungen. Hindus sehen sich ohnehin hineinverwoben in die Kette des Geburtenkreislaufs und in übergreifende kosmische Zusammenhänge; Freiheit gäbe es nur jenseits dieses Kreislaufs, wenn alles Karma verbraucht ist. Buddhisten, besonders diejenigen, die sich vom Zen inspirieren lassen, vermögen auf eine erstaunliche Weise von Freiheit zu reden, aber es ist eine Freiheit, die nicht aus der Geborgenheit kommt und nicht notwendig zu einem verantwortungsbewussten Handeln in Freiheit führt. Freiheit im Sinn der Reformation provoziert Menschen, die sich an die Kette der Reinkarnationen gefesselt sehen, weil es für Christen um die Reinkarnation in diesem Leben, um Wiedergeburt zu einem Menschsein in Freude und innerem Frieden geht. Es ist eine Freiheit, die handlungsfähig und handlungsfreudig macht. Das aus ihr resultierende Engagement konzentriert sich nach dem Vorbild des barmherzigen Samariters auf diejenigen Menschen, die jeweils Hilfe nötig haben. Dieser Ansatz hat in gewisser Weise auf andere Religionen abgefärbt, wie das Beispiel Gandhis oder der von dem vietnamesischen Mönch Tich Nhat Hanh ins Leben gerufene »Engagierte Buddhismus« zeigen. Wenn nicht alles trügt, ist hier ein Stück christlicher Provokation aufgenommen worden, freilich ohne die Basis, die das Evangelium nach reformatorischem Verständnis dafür anbieten könnte.

2.4  Gemeinschaft statt hierarchische Strukturen

Luther hat an der spätmittelalterlichen Kirche beklagt, dass sie vielfach in sich gespalten war. Den Priestern standen die Laien gegenüber; die Mönche und Nonnen bildeten einen eigenen Stand; innerhalb des Klerus gab es unterschiedliche Stufen, bis hin zum Papst; daneben hatten sich vielerlei Bruderschaften etabliert. Dieses Bild entspricht einer Situation, die auch in manchen Weltreligionen zu beobachten ist. Im ursprünglichen Buddhismus steht die Gemeinschaft der Mönche in scharfem Kontrast den Laien gegenüber. Selbst buddhistische Nonnen mussten sich ihren Platz im System erst erobern. Meditation soll der Laie nicht von sich aus und auf eigene Faust üben, sondern nur unter der Führung eines erfahrenen Meisters, der seinerseits durch eine Kette von Installationen abgesichert ist. Besonders deutlich ist die religiöse Aufspaltung im Kastensystem der Hindus, das offiziell abgeschafft, ja verboten ist, aber religiös noch immer tiefe Spuren hinterlassen hat. Luther hat mit seiner Vorstellung vom allgemeinen Priestertum der Glaubenden ein anderes Modell vor Augen: Wenn das Evangelium unmittelbar für jeden einzelnen gilt und wenn jeder Glaubende eine eigene intime Beziehung zu Gott haben darf, dann machen solche Unterschiede keinen Sinn; nur funktionale Unterscheidungen sind noch zu rechtfertigen. Vor allem aber sind die Glaubenden dann auch aneinander gewiesen; als Glaubende dürfen sie füreinander und gemeinsam für andere da sein, alle für alle, jeder für jeden – ein faszinierendes Modell von Gemeinschaft: Einander Priester sein!11 Im Sinne Luthers handelt es sich vor allem um gegenseitiges und gemeinsames Priestertum – eine Provokation für alle hierarchisch organisierten religiösen Gruppierungen – und selbst noch für den heutigen Protestantismus.

2.5  Trennung von Religion und Politik statt Theokratie

Luther hat zwar die Unterschiede zwischen verschiedenen geistlichen Stufen innerhalb der Kirche zu beseitigen versucht, dafür aber die Trennung zwischen Politik und Religion, zwischen Staat und Kirche, würden wir heute sagen, stark gemacht. Eines der großen Probleme der spätmittelalterlichen Kirche bestand ja darin, dass sie auch die politische Welt bestimmen wollte. Es war das Ideal, das heute noch bei den orthodoxen Juden im Staat Israel und natürlich in den islamischen Ländern herrscht. Wenn Allah seinen Willen für die Welt offenbart hat, dann kann es da keine Ausnahme geben; Politik und Religion lassen sich dann nicht voneinander trennen, religiöse Gesetze müssen im Staat gelten, und die staatlichen Gesetze müssen dem Gebot Allahs entsprechen. Auch die Genfer Reformation hatte einen Hang zur Theokratie. Calvin hatte gedacht, es würde dem Willen Gottes und dem Wohl der Gemeinde dienen, wenn die Gesellschaft sich an den Geboten ausrichtete. Luther aber hatte das spätmittelalterliche System vor Augen, in dem das politische Handeln in kirchlich-klerikale Abhängigkeit geraten war und die geistlichen Würdenträger sich mehr um die Ausübung politischer Macht als um ihre geistlichen Aufgaben kümmerten. Daher griff er die Idee von den zwei Regierweisen Gottes auf, denen zufolge Gott gleichsam mit der Linken die Politik, mit der Rechten das Reich steuerte, das nach Jesu Aussage »nicht von dieser Welt« ist (Joh. 18,36). Er war nicht der Meinung, dass beides nichts mit einander zu tun hätte (wie man das später oft ausgelegt hat). Die Kirche sollte sich durchaus melden und gegen Unrecht protestieren und soziales Verhalten einfordern, aber sie sollte ihr Anliegen nicht mit Gewalt, mithilfe äußerer Machtmittel durchzusetzen versuchen.

Dieser Ansatz hat sich im Prinzip in den westlichen Ländern durchgesetzt. Er allein ermöglicht auch die weltanschauliche Pluralität einer Gesellschaft, die auf gegenseitige Toleranz angewiesen ist – für radikale Hindus, tibetische Buddhisten und vor allem für den Islam eine Herausforderung, die in der Reformation eine ihrer Wurzeln hat und sich für ein gedeihliches Zusammenleben der künftigen Menschheit als unumgänglich erweisen dürfte.

2.6 Christus allein

Rechtfertigung und Heilsgewissheit, Freiheit und Engagement, Gemeinschaft in Gegenseitigkeit und schließlich geistliche, aber gewaltfreie Kompetenz im Blick auf eine mündige säkulare Welt – das sind Provokationen und zugleich Einladungen an die nichtchristliche Welt, die sie freilich in unterschiedlicher Weise betreffen. Sie haben aber ihre Wurzel und ihren Grund in der Provokation, die bis heute als die stärkste und radikalste Herausforderung der Reformation empfunden wird, nämlich in der Bezugnahme auf »Jesus Christus allein«. »Solus Christus!« – das war die Parole, mit der sich die Reformation gegen den frommen Aktionismus der spätmittelalterlichen Kirche wandte, gegen die der Heiligen Schrift widersprechenden Traditionen, gegen Heiligen- und Marienverehrung, gegen den geistlichen Machtanspruch des Papstes. Die katholische Kirche beantwortet dieses »Christus allein« bis heute mit einem »ja, aber«, die nichtchristlichen Religionen lehnen es rundweg ab. Für gläubige Juden ist Jesus aus Nazareth ein Rabbi, den es ins Judentum heimzuholen gilt. Für den Islam ist er ein Prophet, und wenn ein Muslim von Jesus spricht, fügt er an: »der Friede sei mit ihm«, als ob er diesen frommen Wunsch nötig hätte. Für Hindus steht Jesus als eine religiöse Gestalt neben anderen. Buddhisten haben vielleicht die von allen Religionen tiefste Wahrnehmug der Gestalt Jesu: sie sehen ihn als einen »Bodhisattva«, einen erwachten, erleuchteten Menschen, der sich nichts aus seinem Erwachtsein macht, sondern unter den Nicht-Erwachten bleibt und sich vorgenommen hat, sie zu retten, alles Leid der Welt auf sich zu nehmen und solange nicht ins Nirvana einzugehen, bis das letzte aller lebenden Wesen Erlösung gefunden hat.

Wie soll man als Christ auf diese Jesus-Bilder reagieren? An der Reformation ausgerichteter Glaube wird sagen: Ja, ein Rabbi; aber er »predigte gewaltig und nicht wie die Schriftgelehrten« (Mt. 7, 29); hier war mehr als Jona und mehr als die Weisheit Salomos (Mt. 12,41f). Ja, ein Prophet, und tatsächlich hat speziell die evangelische Dogmatik ein Lehrstück vom »propehtischen Amt« Jesu Christi entwickelt; aber hier ist mehr als ein Prophet, auch mehr als ein letzter und alle anderen überbietender Prophet: hier ist der lebendige Jesus Christus »gestern und heute und derselbe auch in Ewigkeit« (Heb. 13,8). Ja, Christus kann man als eine Inkarnation des Göttlichen verstehen, wie es manche Hindus versuchen. Aber hier ist Jesus Christus, der zugleich alle unsere Vorstellungen von Inkarnation sprengt und uns selbst zu unserer eigenen Menschwerdung drängt und befähigt. Ja, Jesus ist auch als Bodhisattva zu interpretieren, wie es Buddhisten nahe liegen mag. Aber er ist für uns nicht nur ein vages Versprechen und eine beflügelnde Idee, sondern eine Wirklichkeit, die uns unserer Erlösung gewiss und unseres Lebens froh macht: Jesus Christus allein.

Die hier skizzierten Provokationen wirken als Alleinstellungsmerkmale reformatorischen Glaubens. Sie wollen aber als Impulse zur Entfaltung der ihnen entsprechenden Elemente dienen, wo auch immer nur Spuren davon in anderen Konfessionen oder Religionen angelegt sein mögen.

3.  Reformation als Innovations- und Transformations-Impuls

Die Reformation kommt uns hier in Mitteleuropa als etwas Einmaliges und absolut Besonderes vor. Aber Reformationen kennt man in allen Religionen. Man könnte sogar sagen: Religionen leben von ihren Reformationen. Religionsgeschichte ist zugleich eine Geschichte von Reformationen. Eine Religion, die zu Reform und Reformation nicht mehr bereit ist, isoliert sich, stagniert, bringt sich um die Entfaltung der in ihr liegenden Potenzen.

3.1  Reformationen in der Geschichte der Religionen

Religionen sind in langwierigen Prozessen aus einander hervorgegangen. Oft war eine solche Entwicklung mit Reform – oder, wenn man so will: Reformation – verbunden; dies hat zu Spaltungen, aber auch zu Erneuerung geführt. Im Judentum gibt es zahlreiche und unterschiedliche Reformgemeinden. In manchen Religionen kennt man einzelne Reformer recht gut: im japanischen Buddhismus z.B. Shinran, der mit seiner Rede von der »anderen Kraft« regelrecht an Luther erinnert.12 In der Begegnung mit dem anglikanischen Christentum hat sich in Indien der sog. Neohinduismus herausgebildet, für den die unterschiedlichen Gottheiten des hinduistischen Pantheons Ausdruck einer einzigen universalen göttlichen Kraft darstellen. Auch im Islam gab es Ansätze zu solchen Reformen, die sich aber nicht durchsetzen konnten.13 Die protestantische Reformation des 16. Jh. ist besonders klar profiliert und dokumentiert. Sie dient daher nicht nur in ihren einzelnen Anliegen und Einsichten, sondern auch als solche als Provokation zu weiteren Reformationen innerhalb und außerhalb des Christentums.

3.2  Reformation als globaler Reform-­Impuls

Die Globalisierung ermöglicht via Internet und Tourismus einen unbegrenzten Austausch von weltanschaulichen Ansichten und religiösen Informationen. In Europa kann man wohl allen Religionen der Erde begegnen, wie es auch kaum ein Land geben dürfte, in dem das Christentum nicht in irgendeiner Weise mindestens marginal präsent ist. Angesichts dieser Situation stehen alle Religionen vor der Frage, ob sie so bleiben können, wie sie sind. Die Reformation, wie sie von Wittenberg und Genf und vielen anderen Orten ausgegangen ist, dient aber gerade angesichts dieser Situation als Provokation, sich den Herausforderungen einer jeweiligen Zeit – d.h. heute: eines neu zu gestaltenden Miteinanders der Menschheit – zu stellen. Religionen können sich gegenseitig auf ihre Schwächen und Stärken aufmerksam machen. Es ist zu prüfen, wo sie voneinander lernen können. Das Modell des gegenseitigen Austauschs und des Einstehens des einen für den andern, wie es Luther im Zuge des allgemeinen Priestertums für die Kirche vorgeschwebt hatte, lässt sich in gewisser Weise auf das Miteinander der Religionen übertragen. Der lutherische Theologe und Religionsphilosoph Rudolf Otto hatte schon vor knapp einem Jahrhundert gemeint, der christliche Westen könnte von buddhistischer Bedürfnislosigkeit lernen und sich an islamischer Abstinenz ein Beispiel nehmen.14 Inzwischen nehmen Christen wahr, wie sehr asiatische Meditationspraxis das christliche Gebet bereichert. Umgekehrt sind asiatische Religionen dabei zu erfassen, wie sehr diakonisches Handeln auch ihnen entsprechen müsste. Dabei sind bislang viele Probleme offen: die Stellung der Frau, die Religionsfreiheit, die Toleranz. Die protestantische Reformation des 16. Jh. kann in Gestalt der aus ihr hervorgegangen Kirchen als Herausforderung und Ermutigung zu nötigen Reformen auch außerhalb der Christenheit dienen.

3.3  Reformation als innerchristliche ­Aufgabe

Innerhalb der christlichen Ökumene könnten die verschiedenen Kirchen und Konfessionen sich gegenseitig zu »Reformation« provozieren. Hier ist allerdings zurzeit wenig Reformationsbereitschaft zu beobachten. Die nach Ansicht vieler Katholiken in ihrer Kirche anstehenden Reformen werden von konservativen Kräften zurzeit entschlossen abgewehrt. Wie steht es auf protestantischer Seite?

Früher war gelegentlich zu hören, man müsse die Reformation »vollenden«. Heute scheint eher klar, dass die Reformation weitergeführt werden muss und dass es dabei sogar zu Transformationen des Vertrauten kommen kann. Es ist nicht nur die Globalisierung mit der unerwarteten Präsenz fremder Religionen in unserer unmittelbaren Nachbarschaft, die dazu herausfordert. Es ist mehr noch die Situation eines allgemeinen Desinteresses an Religion. Mögen auf der einen Seite aggressive atheistische Stimmen sich melden und auf der anderen alle möglichen religiösen Grüppchen auf sich aufmerksam machen: Aufs Ganze gesehen nimmt wohl die Zahl derjenigen Menschen zu, für die Religion kein Thema ist. Das gilt gewiss für Mitteleuropa; aber auch weltweit wird ca. ein Viertel der Menschheit zu den »Areligiösen« gerechnet. Es ist von daher durchaus zu prüfen, inwieweit die Kirchen der Reformation auch mit nichtchristlichen Religionen sich verbünden können. Wichtiger noch scheint mir, wie der Protestantismus die Anliegen und Einsichten der Reformation weiterentwickeln und vermitteln kann. Die Botschaft von der Rechtfertigung lässt sich gegenüber allem Gesetzlichen in den nichtchristlichen Religionen profilieren, aber sie muss neu formuliert werden für Menschen, die religiös kaum ansprechbar sind. Dann kann sie vielleicht auch unter Reduktion des religiösen Vokabulars zum Ausdruck bringen, wie wir Menschen als Glaubende uns verstehen dürfen und wer wir sind. Heilsgewissheit meint dann nicht mehr in erster Linie den Ausblick auf ein ewiges Heil, sondern die Zuversicht, dass unser Leben nicht scheitern, sondern in einem großen Gelingen aufgehoben sein wird. »Freiheit« wird dann nicht mehr eine leere und von allen möglichen Weltanschauungen missbrauchte Formel sein, sondern das Grundgefühl von Menschen, die sich von persönlichen und gesellschaftlichen Abhängigkeiten nicht terrorisieren lassen. Kreativ und ohne Ängstlichkeit gehen sie mit ihren Chancen und ihrem Scheitern, mit ihren Kalamitäten und Kapazitäten um – frei nach Luthers Rat an Melanchthon: »Sündige tapfer, aber noch tapferer vertraue und freu dich in Christus (…)!«15 Die Gemeinden solcherart gestrickter evangelischer Christenmenschen werden sich zu Foren des geistigen und geistlichen Austauschs entwickeln, und der im Protestantismus zum Slogan erstarrte Begriff »allgemeines Priestertum« wird endlich in die Wirklichkeit umgesetzt werden. Das konstruktive Für-einander-Dasein unterschiedlicher Menschen und Gruppen wird zum Modell eines ökumenischen Miteinanders erkennbar werden. Es wird der Gesellschaft als Vorbild dafür dienen, wie Menschen unterschiedlichster Prägung und Auffassung miteinander auskommen und einander beistehen können. Politische Interessen werden nicht religiös frisiert und legitimiert werden, aber geistliche Kompetenz wird ohne Scheu sich auch politisch äußern und einmischen. Das reformatorische »Christus allein« wird nicht rechthaberisch gegen andere Konfessionen und Religionen ausgespielt, sondern es wird sich in der Erkenntnis bewähren, dass alles und jedes in dem erlösenden Licht gesehen werden darf, das mit Jesus aus Nazareth in die Welt gekommen ist.

Anmerkungen:

1 Christlicher Glaube und nichtchristliche Religionen. Theologische Leitlinien. Ein Beitrag der Kammer für Theologie der Evangelischen Kirche in Deutschland, Hannover 2003 (EKD Texte 77), 11-19.

2 Ich gehe ähnlich vor wie in: Hans-Martin Barth, Dogmatik. Evangelischer Glaube im Kontext der Weltreligionen, Gütersloh 3. Aufl. 2008.

3 Vgl. Hans-Martin Barth, Die Theologie Martin Luthers. Eine kritische Würdigung, Gütersloh 2009, 49-63, sowie dazu die mir unverständliche und äußerst unfair erscheinende Kritik von Volker Leppin, in: ThRev 106 (2010), 299.

4 Philip S. Watson, Let God be God. Eine Einführung in Luthers Theologie. Übertragen und bearbeitet von G. Gloege, Berlin 1952.

5 Leider war mir nicht zugänglich: Paul S. Chung, Martin Luther and Buddhism. Aesthetics of Suffering, Lutterworth Press 2008 (ISBN 10-0227172949).

6 Yasushi Kigoshi, »Sola fide« und das nembutsu. Die Begegnung von Jodo Shinshu mit dem Christentum, in: Hans-Martin Barth u.a. (Hg.), Buddhismus und Christentum, Hamburg 2000, 31-38, sowie Hans-Martin Barth, Luther und Shinran – Wegbereiter von »Säkularisation«?, in: ders. u.a. (Hg.), Buddhismus und Christentum vor der Herausforderung der Säkularisierung, Hamburg, 2004, 50-65; Takeo Ashizu, Shinran als »japanischer Luther«. Über das Nembutsu, in: Martin Kraatz (Hg.), Luther und Shinran – Eckhart und Zen, Köln1989, 1-20; ferner Karl Barth, KD I/2, 372ff.

7 In: The Glimpses of World History, nach O. Waack, Luther in Asien und Afrika, in: J. Becker (Hg.), Luthers bleibende Bedeutung, Husum 1983 (142-154), 142.

8 Karl-Heinz Brodbeck, Die fragwürdigen Grundlagen der Ökonomie: eine philosophische Kritik der modernen Wirtschaftswissenschaften, 4., durchges. und um ein aktuelles Vorw. erg. Aufl., Darmstadt, 2009.

9 Volker Leppin, Martin Luther, Darmstadt 2006, 72-89.

10 Vgl. Leo Baeck, Das Wesen des Judentums, Wiesbaden 3. Aufl. 1985, passim, bes.169-172.

11 Vgl. Hans-Martin Barth, Einander Priester sein. Allgemeines Priestertum in ökumenischer Perspektive, Göttingen 1990.

12 Yukio Matsudo, Hairetischer Protest. Reformatorische Bewegungen im Buddhismus und Christentum (Books on Demand GmbH, Norderstedt 2009, 408 S., ISBN 978-3-8370-8697-3).

13 Salman Rushdie hat am 7.8.2005 in der »Washington Post« einen Artikel veröffentlicht: The Right Time for an Islamic Reformation. Ein Beitrag vom 31.8.2008 im Internet (http://misawatruth worldpress.com/2008/08/31/31082008) setzt sich mit der Frage auseinander: »Ist eine islamische Reformation nötig?« Die Antwort fällt unter Berufung auf Diyanet, Said Nursi und Fethullah Gülen negativ aus, da der Islam nicht deformiert sei. Für Reza Aslan, Kein Gott außer Gott. Der Glaube der Muslime von Muhammad bis zur Gegenwart, München 2. Aufl. 2006, hat »die Zeit der islamischen Reformation« schon begonnen. »Wir leben mitten in ihr.«

14 Rudolf Otto, Ein Bund der guten Willen in der Welt, in: Die Hilfe 27 (1921), 206f.

15 WA.BR 2, 370-373 (Nr. 424).

Über die Autorin / den Autor:

Prof. em. Dr. Hans-Martin Barth, bis 2005 Prof. für Syst. Theologie und Religionsphilosophie an der Universität Marburg, 1997-2009 Präsident des Evang. Bundes; Schwerpunkte: Ökum. Theologie, interreligiöser Dialog.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 10/2011

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