Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf als Vollender des Pietismus
»Disponiert zum Fröhlichsein«

Von: Prof. Dr. Peter Zimmerling
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Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf ist aufgrund seiner Hinwendung zu Luther im Verlauf seines Lebens einerseits zum Vollender, andererseits sogar zum Überwinder des Pietismus geworden. Eine Würdigung zu seinem 250. Todestag.1


Seit Albrecht Ritschls »Geschichte des Pietismus« aus den 80er Jahren des 19. Jh. wurde es üblich, das Herrnhutertum zum älteren Pie­tismus zu zählen.2 Bis dahin hatte man die Herrnhuter Brüdergemeine als ein vom übrigen Pietismus zu unterscheidendes Phänomen betrachtet, das auch gesondert zu würdigen war. Wie ich meine ganz zu Recht! Graf Zinzendorf ist aufgrund seiner Hinwendung zu Luther im Verlauf seines Lebens nämlich einerseits zum Vollender, andererseits sogar zum Überwinder des Pietismus geworden. Auch wenn er von Familie, Erziehung und eigener Frömmigkeitsauffassung her zunächst eine prototypische Erscheinung des älteren Pietismus war, hat doch seine Wiederentdeckung der lutherischen Rechtfertigungslehre im Lauf der Zeit zu einer Revision vieler pie­tistischer Anliegen im reformatorischen Sinne geführt. Das ist im Folgenden an fünf ausgewählten Themenkreisen zu zeigen.


1. Die Bibel, ein Buch mit vielen Fehlern: Das Recht der Bibelkritik und ihre Grenzen

Zeitlebens hat sich Zinzendorf mit der aufkommenden Bibelkritik der Aufklärung auseinandergesetzt.3 Als einziger pietistisch geprägter Theologe seiner Zeit gelang es ihm, das Recht der Bibelkritik anzuerkennen und gleichzeitig ihre Grenzen aufzuzeigen. Dadurch hat er die defensive Haltung, in die sich der ältere Pietismus mehr und mehr von der aufklärerischen Bibelkritik hineinmanövrieren ließ, überwunden und eine Chance eröffnet, am Vertrauen in die biblischen Aussagen festzuhalten, ohne fundamentalistischen Positionen zu verfallen.
Erstaunlicherweise hat dem Grafen bei der Entwicklung seines Schriftverständnisses Pierre Bayles »Dictionnaire historique et critique« geholfen.4 Bayle, einer der großen Frühaufklärer, fordert das christliche Denken auf, seinen Wahrheitsanspruch von der Voraussetzung zu lösen, selbstverständlich anerkannt zu sein. Stattdessen soll sich der christliche Glaube der Kritik stellen.5 Christliche Erkenntnisse werden seit der Aufklärung in Europa nämlich nicht mehr automatisch als wahr anerkannt. Damit ist der Theologie eine Neubegründung ihrer Wahrheit aufgetragen. Zinzendorfs Auseinandersetzung mit Bayle und der Bibelkritik zeigt ihn als Theologen, der die Zeichen der Zeit erkennt und richtig deutet. Der Graf sieht, dass die ganze traditionelle Theologie und deren Schriftlehre auf der unbezweifelten Anerkennung der christlichen Wahrheit fußt. Die Göttlichkeit der Schrift konnte sie aber nur so lange auf vernünftigem Wege beweisen, wie die menschliche Vernunft von vornherein vom biblischen Wahrheitsbewusstsein geprägt war. In dem Moment, wo das öffentliche Wahrheitsbewusstsein nicht mehr bib­lisch geprägt war, musste auch der Versuch in sich zusammenfallen, die Göttlichkeit der Schrift vernünftig zu beweisen.
Indem Zinzendorf darauf verzichtet, die Schrift mit den stumpf gewordenen Waffen der herkömmlichen Theologie zu verteidigen, schafft er Raum für eine neue, zeitgemäße Begründung ihrer Einzigartigkeit. Diese Begründung kann für ihn nicht mit Hilfe der menschlichen Vernunft erfolgen. Die Ratio ist unfähig, auf dem Gebiet des Glaubens zu endgültigen und damit gewissen Einsichten zu gelangen. Mit Bayle geht er davon aus, dass Überzeugungen in Fragen der Religion niemals zu Vernunfteinsichten erhoben werden können.6
Wenn nicht mit Hilfe der Vernunft, wie begründet Zinzendorf dann die besondere Wertschätzung der Schrift gegenüber ihrer Infragestellung durch die aufklärerische Kritik? Zunächst fällt auf, dass seine Aussagen zur Qualität der Bibel uneinheitlich sind. Einerseits spricht er unbefangen von Irrtümern,7 Gegensätzen8 und Fehlern,9 von schlechtem Stil,10 zeitbedingtem Ausdruck und zeitbedingter Argumentation11 und meint, dass die Bibel ganz unsystematisch sei.12 Andererseits behauptet er, dass keine einzige »Contradiction« darinnen sei,13 dass unter den unterschiedlichen Arten sich auszudrücken allemal eben derselbe Sinn sei,14 dass die Bibel unfehlbar sei,15 dass die Harmonie ihrer Ideen gleich bleibe16 und schließlich, dass ihre Ausdrücke unfehlbar seien.17 Schaut man genauer hin, so entdeckt man, dass er zwischen einer zeitbedingten äußeren Gestalt und den das Heil unmittelbar betreffenden Aussagen unterscheidet.18 Nur im Hinblick auf ihre Heilswahrheiten ist die Bibel unfehlbar.19 Ihre äußere Gestalt kann er umso leichter der Kritik preisgeben, als er es geradezu genial versteht, diese Kritik für sein Anliegen, die Schrift groß zu machen, in Dienst zu nehmen. Zinzendorf sagt: »[...] das die Schrift so viel Fehler hat, als kaum ein Buch, das heutiges Tages herauskommt, welches mir wenigstens ein unumstößlicher Beweis für ihre Göttlichkeit ist.«20
Wieso das? Er wendet hier einen Gedanken seiner Kreuzestheologie auf sein Schriftverständnis an: Die Fehler – etwa bei Zeitangaben – sind Beispiele für die Anpassung des Heiligen Geistes an das menschliche Fassungsvermögen.21 Der Geist Gottes streitet auch nicht gegen die natürlichen Voraussetzungen der biblischen Autoren, sondern nimmt die Menschen in ihren Eigenarten für sich in Dienst.22 Das gilt auch für ihre Unvollkommenheiten. Als Geist des Gekreuzigten bringt er keine der menschlichen Irrtumsfähigkeit entrückte Bibel hervor. Die Offenbarung Gottes bleibt wie in Jesus von Nazareth auch in Gestalt der Schrift in dieser Weltzeit unter ihrem Gegenteil verborgen: Sie ist unansehnlich, überhörbar und missverständlich. Zinzendorf hat hier gegenüber der herkömmlichen Theologie das theologische Recht auf seiner Seite.
Dazu tritt ein weiterer Gedanke: Weil Gottes Schatz in der Schrift unter vielen unscheinbaren Dingen verborgen ist, kann er nicht von der menschlichen Vernunft gehoben werden.23 Dass die Bibel Gottes Wort ist, kann ein Mensch nur in der durch den Heiligen Geist gewirkten Hinwendung des Herzens zu Jesus Christus erfahren.24 Der Glaube an Jesus ist das Tor, durch das man gehen muss, um den Raum der Bibel betreten zu können und in ihm daheim zu sein, ohne dauernd Anstoß zu nehmen.25 Den logischen Zirkel, dass Christus andererseits nur durch die Schrift erkannt werden kann, löst Zinzendorf nicht auf. Dass der Leser der Schrift auf den Geist Gottes angewiesen bleibt, ist für Zinzendorf gerade Beweis für die Glaubwürdigkeit der Schrift: Weil die Schrift Gottes Wort ist, kann ein Mensch sie nicht aus eigener Vernunft und Kraft verstehen, sondern muss Gott dem Leser ihr Verständnis durch seinen Geist erst öffnen.26 Zinzendorf steht hier in unmittelbarer Nähe zum Schriftverständnis Martin Luthers, vor allem von dessen Unterscheidung zwischen äußerer und innerer Klarheit der Schrift.27
Die Konzentration des Schriftverständnisses auf Jesus Christus bietet die Möglichkeit, an der Einzigartigkeit der Bibel festzuhalten: »Warum setzen denn eben dieselben der heiligen Schrift Göttlichkeit auf die akribeian [=Genauigkeit; im Original in griechischer Schrift] der Ausdrükke, der harmonirenden Geschichte, des Stili, der chronologischen, der mathematischen und astronomischen Observationen [= Beobachtungen], und endlich der logicalischen Argumentationen? Ists nicht besser, daß die ganze Brüder=Gemeine [...] lediglich Gott ihren Heiland in der Schrift suchen, und was sie von Ihm finden, behalten und in ihrem Herzen bewegen? Werden nicht diese gewiß reussiren [= Erfolg haben], die Göttlichkeit der Bibel erfahren, auch an allen übrigen Stellen, darauf ihnen der heilige Geist deuten wird?«28 Zinzendorf beruft sich für seine Ansicht auf Paulus: Das AT hatte für den Apostel seinen Wert nur im Hinblick auf Christus. Darum konnten er und die anderen ntl. Autoren ohne Hemmungen aus dem Gedächtnis oder nach schlechten Übersetzungen zitieren, wenn sie in ihren Schriften auf das AT Bezug nahmen.29 Angesichts der alles überstrahlenden Botschaft vom gekreuzigten Heiland verschwinden die »Bibel-Schwürigkeiten« für den Grafen zwar nicht, sie werden aber relativiert.
Zinzendorfs Umgang mit der Bibelkritik erscheint mir heute noch richtungweisend: Er ersparte seiner Gemeinde nicht die Auseinandersetzung mit ihr, sondern führte sie in seinen Reden in ihre Problematik, ihr relatives Recht und ihre Grenzen ein.30 Dadurch befähigte er die Brüdergemeine, angesichts eines in weiten Kreisen der Christenheit schwindenden Vertrauens in die Schrift mit einer Form von reflektiertem Vertrauen an ihrer Glaubwürdigkeit und Einzigartigkeit festzuhalten. Dass damit ein ganz anderer Weg zur Förderung des Vertrauens in die Bibel eingeschlagen wurde, als vom übrigen älteren Pietismus, der sich mehr und mehr die traditionellen Positionen der lutherischen Orthodoxie zu eigen machte, liegt auf der Hand.


2. Überwindung von Bußkampf- und Heiligungsmethodismus

Die Wiederentdeckung der lutherischen Rechtfertigungslehre durch Zinzendorf ist nicht von heute auf morgen erfolgt.31 Ausgelöst wurde sie durch seine Auseinandersetzung mit dem Halleschen Pietismus. Ein Hallenser Theologe namens Mischke sprach Zinzendorf 1729, zwei Jahre nach dem Tod August Hermann Franckes, die Bekehrung und damit das Christsein ab.32 Für die Schüler und Nachfolger Franckes war die Bekehrung nur dann echt, wenn ihr ein Bußkampf mit Tränen der Reue über die eigene Schuld vor­ausgegangen war. Zinzendorf, der aus einer pietistischen Familie stammte und schon als Kind in den Glauben hineingewachsen war, hatte kein solches Bekehrungserlebnis aufzuweisen. In der nun folgenden Auseinandersetzung mit den pietistischen Theologen aus Halle erkannte er, dass nicht der Bußkampf, sondern der Glaube an den Erlösungstod Jesu Christi das entscheidende Kriterium des Christseins ist. Zinzendorf knüpfte dabei an Luthers reformatorische Erkenntnis der Rechtfertigung allein aus Gnade an. Dadurch wurde in der Brüdergemeine wieder die durch Jesus Christus geschenkte Vergebung zur alleinigen Heilsbedingung.33 Anstelle der halleschen Bekehrungsmethodik mit Bußkampf und Heiligungsstreben trat der »kurze Prozeß« der Begnadigung des Menschen durch Jesus Christus.34 Im Blick auf die Kreuzigung Jesu erkennt der Mensch seine Verlorenheit vor Gott und gleichzeitig das Angebot von Gottes Gnade.
Im Zusammenhang seiner Auseinandersetzung mit Mischke hat Zinzendorf einen Gedanken formuliert, der schlagartig die Verknüpfung der Bekehrung mit dem Bußkampf überwand und für viele junge Menschen, die in einer vom Halleschen Pietismus geprägten Frömmigkeit aufgewachsen waren, eine religiöse Befreiung bedeutete. Der Graf benutzte dabei die reformatorische Rechtfertigungslehre als hermeneutischen Schlüssel für die Auslegung des von den synoptischen Evangelien berichteten Kampfes Jesu in Gethsemane (Mk. 14,32-42): Damals habe Jesus stellvertretend für alle den Bußkampf mit Tränen durchlitten. Seitdem sei es nicht mehr nötig, dass irgendjemand diesen Kampf durchleiden müsse.
Die Konzentration auf die bedingungslose Vergebung durch Jesus Christus hatte einschneidende Folgen für die Lebenseinstellung der Herrnhuter. Sie wurde in der Folgezeit von Freude und Dankbarkeit geprägt. Die Sorge um eine bestimmte Methode, nach der die Bekehrung sich ereignen müsste, wenn sie echt sein sollte, und um den eigenen Glaubenszustand fiel weg. Der Christ brauchte nicht mehr über seine Sünden grübeln, vielmehr sollte sein ganzes Leben von der Freude über die Vergebung erfüllt sein, die er aus dem Umgang mit dem »Schmerzens-Mann« gewann.35 Zinzendorf hat den Unterschied zwischen dem Halleschen Pietismus und dem Herrnhutertum anschaulich beschrieben: »Nämlich eines genuinen [=echten] Pietisten Sache ist, sein Elend und Verderben zu figieren [= vorzustellen] bis ans Ende seines Lebens, und nur zum Trost auf die Seite des Heilands [= die Seitenwunde Jesu, d.h. die durch ihn vollbrachte Erlösung] zu schielen, unser Prinzipium aber ist, auf die Seite das Auge unverwandt zu figieren und mit Leib und Seele dahinein zu fahren, aber auf die Sünde und das Elend nur zuweilen und zur Beugung und Moderation [=Mäßigung] der Freude zu schielen [...]. Ein solcher [Pietist] ist ein hinkender Bruder, der eben den Weg hinkt, den wir [Herrnhuter] tanzen.«36
Neben der Freude wurde die Dankbarkeit zum Grundmotiv christlichen Handelns. Das erneuerte Handeln des Christen war Konsequenz, nicht länger Bedingung der Gemeinschaft mit Jesus Christus, weil nicht das eigene Tun, sondern allein die Versöhnungstat Jesu Christi den Menschen selig macht.37 Damit war die reformatorische Verhältnisbestimmung von Rechtfertigung und Heiligung wieder entdeckt. Gleichzeitig wurden Gesetzlichkeit und Moralismus des alternden Halleschen Pietismus überwunden. Allein der Glaube wurde wieder zum Motor des Handelns. Den Vorwurf, dass darunter die Moral des Christen leiden würde, wies der Graf zurück: Die guten Werke folgen automatisch aus der Gemeinschaft des Menschen mit Jesus Christus. »Wird da nicht die moral drunter leiden, wenn man nicht alle tage bedenkt, wozu uns der geistliche mensch verbindet [=verpflichtet]? O nein! Denn es ist ein actus, der immer fortgeht, wie die circulation des geblüts: und wie der mensch der sünde immerfort gewirkt hat, so machts nun auch der mensch aus Christo, der darum auch Christus in uns genennet wird, Col. 1, 27.«38
Dabei führt der Glaube an Jesus Christus nicht zur Vollkommenheit, zur Sündlosigkeit, sondern zur Heiligkeit des Sünders.39 Zinzendorfs Frau Erdmuthe hat diese Paradoxie in einem Brief wie folgt ausgedrückt: »Unsre Gemeine wird täglich heiliger und gantzer / aber auch täglich Sünder=mäßiger.«40 In die gleiche Richtung weisen Gedanken des Grafen: Je näher ein Mensch Jesus Christus kommt, desto mehr verliert die Sünde an Boden, umso mehr erkennt er aber auch seine Schuld vor Gott.41


3. Ein neues Gottesverständnis: Gott als Familie

Zinzendorf bemüht sich darum, die traditionelle pietistische Ausrichtung des Glaubens allein auf Jesus Christus zugunsten einer trinitarischen Orientierung zu überwinden.42 Auch angesichts heutiger Infragestellungen des christlichen Glaubens von Seiten des Judentums und des Islams scheint es mir sinnvoll, sich mit seinen Überlegungen zu beschäftigen.
Zinzendorf spricht von der Dreieinigkeit im Bild der göttlichen Familie als Vater, Mutter und Sohn für Vater, Heiliger Geist und Christus. In der schöpferischsten Zeit des Grafen (den 40er Jahren des 18. Jh.) steht dieses Bild ganz im Vordergrund seiner trinitätstheologischen Überlegungen. Die Rede von der göttlichen Familie ermöglicht Zinzendorf eine »gemein-mässige« Rede von der Dreieinigkeit und erlaubt ihm den Verzicht auf abstrakte metaphysisch-philosophische Definitionen:43 Alle Mitglieder der Brüdergemeine, egal welchen Alters, welcher Bildung oder geistlichen Reife, sollen die trinitätstheologische Rede begreifen können. Ihre »Gemeinmäßigkeit« ist Voraussetzung dafür, dass sie für die alltägliche Glaubenspraxis des einzelnen und der Gesamtgemeinde fruchtbar werden kann. Anders als die herkömmliche philosophisch geprägte trinitätstheologische Sprache erlaubt die Rede von der Dreieinigkeit als göttlicher Familie nämlich ein unmittelbares Verstehen dessen, was die einzelnen trinitarischen Personen für den Menschen bedeuten. Das Bild der göttlichen Familie ermöglicht eine »Familiarisierung« des Gläubigen mit der Dreieinigkeit.44 Die »Familiarisierung«, die Gemeinschaft mit der Trinität, soll besonders durch die Erkenntnis des Mutter-Amtes des Heiligen Geistes gefördert werden. Der Geist Gottes sorgt wie eine Mutter für die Gemeinde Jesu Christi.
Auch Zinzendorfs Überzeugung, dass der Glaube an die Dreieinigkeit dem Christen zur »Herzenswahrheit« werden muss, offenbart das Herausfordernde an seinen trinitätstheo­logischen Überlegungen. Es ist ja nicht zu übersehen, dass die Trinitätslehre bis zum heutigen Tag – nicht anders als im 18. Jh. – beim normalen Gemeindeglied bestenfalls auf rationale Zur-Kenntnisnahme, meist aber auf Unverständnis, wenn nicht sogar auf Ablehnung stößt. Mit seiner Rede von der Dreieinigkeit als »Herzenswahrheit« möchte Zinzendorf diese Vorbehalte überwinden und gleichzeitig verhindern, dass Menschen bei einer bloß rationalen Zur-Kenntnisnahme der Trinitätslehre stehen bleiben.45 Echte Erkenntnis der Trinität gibt es nur, wenn die ganze Person des Erkennenden vom dreieinigen Gott ergriffen wird. Eine ganz neue Art der Frömmigkeit spricht aus diesen Ausdrücken. Trockener Intellektualismus und dunkle Geheimniskrämerei sollen einem ungekünstelten, fröhlichen, dabei ganz praktischen Glauben an die Dreieinigkeit Platz machen. Beim Glauben an die Trinität als »Herzenswahrheit« geht es also um keine unbestimmte Gefühlsseligkeit, sondern um eine Glaubenserfahrung, die im Alltag konkrete Gestalt gewinnt.46
Das gleiche Ziel verfolgt Zinzendorf, wenn er mit dem philosophisch begründeten Grundsatz der herkömmlichen Gotteslehre, dass Gott leidensunfähig ist, dem sog. Apathie-Axiom, bricht. In den biblischen Texten wird ein vom Gott der griechischen Philosophie, dem unbewegten Beweger, unendlich verschiedener Gott beschrieben: Der Gott der Bibel durchlebt ein gewaltiges Drama!47 Zinzendorf spricht von durch den Kreuzestod Jesu Christi verursachten Schmerzen in der Dreieinigkeit.48 Nur ein leidenschaftlicher Gott kann ein echtes Gegenüber des Menschen sein. Ein vom menschlichen Schicksal unberührt bleibender metaphysischer Gott ist für uns letztlich uninteressant und irrelevant.


4. Vollendung der kirchlichen Emanzipation der Frau

Nur wenige wissen heute noch: Die Anfänge der kirchlichen und gesellschaftlichen Emanzipation der Frau liegen im älteren Pietismus des 18. Jh.49 Gewöhnlich werden mit dem Stichwort einer »frommen Frau« Vorstellungen wie Zurückgezogenheit, Unterordnung und Farblosigkeit verbunden. Christliche Frauen engagieren sich beim Kuchenbacken, Kaffeekochen und Putzen bei Gemeindefesten. Dass sie verantwortlich in der Gemeindeleitung mitarbeiten, ist vielen mit dem heutigen Pietismus verbundenen Menschen immer noch ein fremder Gedanke. Erstaunlicherweise haben im Gegensatz dazu viele Frauen in der Geschichte des Pietismus öffentliche Bedeutung erlangt und diesen maßgeblich mitgeprägt.
Indem der Pietismus die Beziehung des Einzelnen zu Gott in den Mittelpunkt des Glaubens rückte, entdeckte er die Bedeutung der Einzelpersönlichkeit mit ihrem Willen und ihren Empfindungen für den Glaubensvollzug. Die damit verbundene Aufwertung des einzelnen Menschen machte auch vor der Frau nicht halt. Das zeigt sich z.B. daran, dass Frauen einen maßgeblichen Anteil an der reichen Tagebuch- und Briefkultur des älteren Pietismus besaßen. Neben der Entdeckung des Wertes der Einzelpersönlichkeit bildete die Gründung von Mädchenschulen eine wesentliche Voraussetzung für die Emanzipation der Frau im älteren Pietismus.50 August Hermann Francke hat in Halle das erste Mädchengymnasium ins Leben gerufen. Indem die Frau Anteil an der Bildung erhielt, wurde sie zur ernstzunehmenden Gesprächspartnerin und Mitarbeiterin im kirchlichen Raum.
Am weitesten verwirklicht wurde die Emanzipation der Frau jedoch nicht im Halleschen, sondern im Herrnhuter Pietismus z.Zt. Zinzendorfs.51 Herausgefordert durch die besonderen Aufgaben in Ortsgemeinde, Evangelisation und Gemeinschaftspflege in vielen europäischen Ländern und in der Weltmission entdeckte man hier anhand der ntl. Aussagen die Bedeutung der Frau im Urchristentum wieder und setzte diese Erkenntnisse im eigenen Zusammenleben um. Erstmals in der Geschichte des Protestantismus wurde die Frau von ihrer Beschränkung auf Haus und Familie befreit und konnte ihre Gaben und Fähigkeiten im Gemeindeleben aktiv einbringen. Die beiden Prototypen dieser Entwicklung waren Erdmuthe Dorothea, die erste Frau, und Anna, die zweite Frau Zinzendorfs.
Der Graf hatte erkannt, dass die Seelsorge von Männern an Frauen problematisch sein kann. Darum bekamen die Frauen bereits in der Frühzeit Herrnhuts eine eigene Ämterordnung. Es gab eine Fülle von Frauenämtern: das Amt der Ältestin, der Helferin, der Lehrerin, der Bandenhalterin, der Aufseherin, der Ermahnerin, der Dienerin, der Almosenpflegerin, der Kankenwärterin. Frauen hatten von Anfang an Sitz und Stimme in den Gemeindeversammlungen, um die Belange der weiblichen Gemeindegruppen zu vertreten. Selbst in den gemeindeleitenden Gremien wirkten sie mit.
Zinzendorfs Sicht der Frau wirkte sich bis in die in der Brüdergemeine gebräuchliche Sprache hinein aus. So wurde bei den Amtsbezeichnungen auf weibliche Wortformen geachtet, auch wenn das umständlich klang und schwer zu sprechen war. Die Brüdergemeine kannte »Ältestinnen«, ja sogar »Oberältestinnen«.52 Der Graf beobachtete, dass im NT fast nur die Brüder angeredet wurden. In einer Rede begründete er, warum die Brüdergemeine anders verfuhr. Es war für Zinzendorf die Sogkraft der jüdischen Herkunft der Apostel, die sie hinter die Stellung Jesu zur Frau zurückfallen ließ.53 Zinzendorf lehnte darum auch die herkömmliche Auslegung des Satzes »Die Frau schweige in der Gemeinde« aus 1. Kor. 14,34 entschieden ab. Der Graf ging zu Recht davon aus, dass die Frau in den ntl. Gemeinden keineswegs zum Schweigen verurteilt war: Sie durfte auch nach Paulus z.B. öffentlich beten und weissagen (1. Kor. 11,5). Unter »Weissagen« verstand Zinzendorf in der Nachfolge der Reformatoren die Wortverkündigung in Form der Predigt. Er war davon überzeugt, dass die Frau eigenverantwortlich mitreden musste, wenn eine Gemeinde lebendig sein sollte. Folgerichtig wurden von Zinzendorf 1758 insgesamt vierzehn Presbyterinnen, also Pfarrerinnen, für den Bereich der Frauenarbeit ordiniert. 1. Petr. 2, 9 (»Ihr aber seid das auserwählte Geschlecht, die königliche Priesterschaft [...]«) bezog er ganz selbstverständlich auch auf Frauen.
Bald nach dem Tod des Grafen hat die Brüdergemeine dieses Experiment allerdings eingestellt. Um im Frieden mit den evangelischen Landeskirchen zu leben, schränkte sie den öffentlichen Dienst der Frauen wieder ein. Bestehen blieb ihre Mitarbeit im Bereich der Frauenarbeit und in den Missionsgebieten – immer noch etwas unerhört Neues gegenüber der Praxis der damaligen Gesamtkirche. Damit blieb ihnen eine Fülle von Betätigungsfeldern erhalten.


5. Fortführung der missionstheo­logischen Ansätze des älteren Pietismus

Anlässlich der Krönungsfeierlichkeiten des neuen dänischen Königs, mit dem Zinzendorf verschwägert war, reiste der Graf 1731 nach Kopenhagen.54 Von dort brachte er nicht nur einen hohen Orden, sondern auch einen schwarzen Sklaven namens Anton aus St. Thomas in Westindien nach Herrnhut mit, der Christ geworden war.55 Dieser berichtete der Gemeinde von seinen Mitsklaven. Die Betroffenheit war groß, dass Menschen in solchem Elend lebten und noch nichts von der Liebe Gottes gehört hatten. Spontan meldeten sich zwei Freiwillige, der fränkische Töpfer Leonhard Dober und sein Nachbar, der mährische Zimmermann David Nischmann, die bereit waren, als Missionare nach St. Thomas zu gehen. Nach über einem Jahr Bedenkzeit, die der Graf ihnen auferlegt hatte, segelten die beiden ersten Missionare der Brüdergemeine, ohne besondere Ausrüstung (sechs Taler und zwei Dukaten waren ihr Barvermögen) und Ausbildung auf einem holländischen Schiff über den Ozean.56 Am Hof zu Kopenhagen lästerte und lachte man über diese unsinnige Idee. Im Weihnachtsmonat 1732, also zehn Jahre nachdem Christian David den ersten Baum für den Aufbau Herrnhuts gefällt hatte, betraten die Herrnhuter zum ersten Mal die westindische Insel St. Thomas.
In den folgenden Jahren begannen Herrnhuter Missionare und Missionarinnen in einem geradezu atemberaubenden Tempo mit der Arbeit auf allen damals bekannten Kontinenten. Die nächsten Ziele bildeten Grönland und Surinam in Süd­amerika. Weitere Stationen auf dem Weg zur weltweiten Ausdehnung der Brüdermission waren die Indianermission in Nordamerika, der Beginn einer Arbeit unter Eingeborenen in Südafrika, in den weiten Gebieten der afrikanischen Sklavenküste, der Vorstoß zum Polarkreis in Lappland und Russland und die Diaspora-Arbeit im Baltikum. Mit Labrador, Jamaika und einem der außergewöhnlichsten Zweige der Brüdermission, dem Versuch einer Missionsarbeit unter Juden in Amsterdam, schließt sich der Kreis der noch zu Lebzeiten Zinzendorfs in Angriff genommenen Projekte.
Die universale Ausdehnung der Brüdermission war nur möglich durch die fast unerschöpfliche Fülle von zur Verfügung stehenden Arbeitern: So waren bis zu Zinzendorfs Tod 226 ordinierte Brüdermissionare in alle Welt ausgereist.57 Die meisten von ihnen waren keine studierten Theologen, sondern Laien, einfache Handwerkermissionare. Hierin lag ein entscheidender Fortschritt gegen­über der Halleschen Mission August Hermann Franckes, die im Verlauf ihres gesamten Bestehens nur Universitätstheologen und einige wenige Mediziner aussandte. Dazu kam als weiterer Unterschied die weltweite Ausdehnung der Brüdermission gegenüber der auf Südindien beschränkten Halleschen Mission. Schließlich bestand auch insofern ein theologisch bedeutender Unterschied, als die Brüdermissionare politisch völlig unabhängig waren, während die Hallesche Indienmission auf eine Initiative des dänischen Königs zurückging, also als eine Art von Kolonialmission zustande gekommen war.
Damals wie heute stellt das missionarische Engagement die Nagelprobe der kirchlichen Verkündigung dar. Das missionarische Handeln offenbart, was die jeweilige Kirche als Zentrum des Evangeliums betrachtet. Fehlt es ganz, ist es mit der Selbstgewissheit und Überzeugungskraft der Kirche nicht gut bestellt. Trägt das missionarische Engagement wie auch immer geartete imperialistische Züge, verrät es das Evangelium von der Liebe Gottes. Zinzendorf gelingt es, in seiner Missionstheologie beiden Abwegen zu entgehen. Er erkennt, dass Toleranz und Mission die gleiche Wurzel haben, nämlich das Leiden und Sterben Jesu Christi am Kreuz.58 Weil Gottes Sohn wehrlos am Kreuz gestorben ist, kann missionarische Verkündigung nicht anders als im Raum der Freiwilligkeit erfolgen. »Er [Christus] wollte gerne die Kreaturen ohne Zwang und ohne ihnen die geringste Gewalt anzutun, zum direkten Gegenteil machen von dem, was sie sind.«59
Es war ein Glücksfall, dass die Herrnhuter Missionare und Missionarinnen politisch völlig unabhängig waren, z.T. sogar von den kolonialen Machthabern beargwöhnt und verfolgt wurden. Überdies wandten sie sich nur an Völkerschaften, »an die sich sonst niemand machen würde«,60 also an die Vergessenen, Entrechteten und Verfolgten. Bei diesen winkten keine wirtschaftlichen Gewinne! Die Herrnhuter waren ergriffen von der überwältigenden Liebe Gottes. Darum konnten sie gar nicht anders, als allen Menschen von dieser Erfahrung weiterzusagen. Hierin lag die Ursache dafür, dass sie das nur ein Jahrzehnt zuvor erlittene bittere Schicksal der Emigration in die Tat der Mission zu verwandeln vermochten.


Ausblick

Noch anhand einer Reihe weiterer Themen ließe sich zeigen, dass Zinzendorf den älteren Pietismus vollendet und gleichzeitig überwunden hat. So wurde in der Brüdergemeine die urchristliche Diakonie wieder entdeckt.61 Die selbstverständliche Bereitschaft der Herrnhuter Gemeindeglieder, diakonische Ämter ehrenamtlich zu übernehmen, ließ eine professionelle Anstaltsdiakonie – wie sie Halle zu weltweitem Ansehen verholfen hatte – mehr oder weniger überflüssig werden. Die Gemeindeglieder bildeten untereinander ein diakonisches Auffangnetz, das tragfähig genug war, um Schwache und Hilfsbedürftige aufzufangen. Herrnhut wurde als Ganzes zu einer diakonischen Gemeinde.
Auch in sozialethischer Hinsicht hat Zinzendorf die Zeichen der Zeit richtig gedeutet.62 Trotz weltweiter Wirkungen ist Halle am Ende mit seiner Weltverbesserungsutopie gescheitert, während Herrnhut das sozial­ethische Modell der Zukunft wurde – sowohl in theologischer als auch in sozialethischer Hinsicht. Der Graf verkirchlichte die sozial­ethischen Impulse Franckes, d.h. er verknüpfte sie inhaltlich stärker mit der Botschaft von der Rechtfertigung. Bekehrung, Wiedergeburt und christlicher Glaube wurden nicht länger zur Verbesserung der Welt und des Menschen instrumentalisiert. Der Glaube ist eben keine Weltverbesserungsideologie!
Zinzendorf hat zugleich als Vollender und als Überwinder von Einseitigkeiten des älteren Pietismus Maßstäbe des Christlichen gesetzt, die bis heute nicht überboten worden sind. Dieses Erbe immer wieder neu zu entdecken und im Ringen um die Gestalt des Christentums im 21. Jh. zu Gehör zu bringen, stellt auch in Zukunft eine lohnende Aufgabe dar.


Anmerkungen:

1    Der Beitrag erscheint parallel in der Studierendenzeitschrift Ichthys 26, Heft 1 (2010), 50-61.
2    So Albrecht Ritschl, Geschichte des Pietismus, Bd. 3, Bonn 1886, 193-459.
3    Die folgenden Überlegungen habe ich zuletzt vorgetragen in: Peter Zimmerling, Nikolaus Ludwig Graf von Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine. Geschichte, Spiritualität und Theologie, Holzgerlingen 1999, 134ff.
4    Nachweis bei Otto Uttendörfer, Zinzendorf und die Mystik, Berlin [1952], 85, wieder abgedruckt in: Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Materialien und Dokumente, Reihe 2, hg. von Erich Beyreuther u.a., Bd. 29/2, Hildesheim u.a. 2001.
5    Vgl. Emanuel Hirsch, Geschichte der neuern evangelischen Theologie, Bd. 1, 3. Aufl., Gütersloh 1964, 75f.
6    Vgl. a.a.O., 68.
7    Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Pennsylvanische Reden, 1. Teil, 2. Aufl., Büdingen 1946, 132, wieder abgedruckt in: ders., Hauptschriften, hg. von Erich Beyreuther u.a., Bd. 2, Hildesheim 1963 (PR 1).
8    A.a.O., 135.
9    Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Homilien über die Wundenlitanei, 1747, 144.149, wieder abgedruckt in: Hauptschriften, Bd. 3, Hildesheim 1963 (WL).
10    PR 1, 129; Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Zeister Reden, 1746-47, 154, abgedruckt in: Hauptschriften, Bd. 3 (ZR); ders., Büdingische Sammlung, Büdingen 1742, 259, wieder abgedruckt in: ders., Ergänzungsbände zu den Hauptschriften, hg. von Erich Beyreuther u.a., Bd. 8, Hildesheim 1965 (BS 2).
11    ZR, 154; Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Londoner Predigten, Bd. 1, London/Barby 1756, 368, wieder abgedruckt in: Hauptschriften, Hildesheim 1963 (LP 1); BS 2, 259.
12    A.a.O.; Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, 21 Diskurse über die Augsburger Konfession, 2. Aufl. 1748, 205f, abgedruckt in: Hauptschriften, Bd. 6 (CA).
13    PR 1, 129.
14    A.a.O., 130.
15    A.a.O., 134.
16    WL, 146.
17    PR 1, 199.
18    A.a.O., 134; WL, 145f.
19    Vgl. z.B. Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Londoner Predigten, Bd. 2, London/Barby 1757, 363f, wieder abgedruckt in: Hauptschriften, Hildesheim 1963 (LP 2); LP 1, 111.
20    WL, 144.
21    ZR, 154.
22    Vgl. z.B. PR 1, 134.
23    »[...] das ist der Beweis, warum der heilige Geist auch in Biblicis alles untereinander gelassen hat, wie es dort in hoc tertio von dem Getraide heißt, laßt beydes miteinander wachsen; weil sehr viele reine Körner in dem geringscheinenden Stroh liegen, daß wenn unverständige Leute drüber kämen und wollten reine machen, so kehrten sie es mit weg. So aber muß beydes beysammen bleiben, hernach kommen die Kenner und suchen sich ihre Sache heraus; denn sie liegt da, sie liegt da für den Sucher, der mit Begierde seines Herzens sucht: unterdessen halten sich die andern beym Schutt auf und springen drauf herum« (CA, 169).
24    Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Gemeinreden, 1. Teil, 1748, Anhang, 19, wieder abgedruckt in: Hauptschriften, Bd. 4, Hildesheim 1963 (GR 1).
25    WL, Vorrede, unpaginiert.
26    WL, 143f.
27    Vgl. Luthers Rede von der claritas interna [=innere Klarheit der Bibel] in seiner Schrift »Vom unfreien Willen« von 1525.
28    Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Naturelle Reflexionen, 1746, Beilagen, 135, wieder abgedruckt in: Hauptschriften Ergänzungsbände, Bd. 4, Hildesheim 1964 (Nat Refl).
29    WL, 147f.
30    ZR, 100f.
31    Die folgenden Überlegungen habe ich zuerst vorgetragen in: Zimmerling, Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, 131ff.
32    Vgl. hier und im Folgenden Uttendörfer, Mystik, 110-112; Leiv Aalen, Die Theologie des jungen Zinzendorf (Arbeiten zur Geschichte und Theologie des Luthertums, Bd. 16), Berlin 1966, 315ff.
33    Vgl. Uttendörfer, Mystik, 134ff; Aalen, Die Theologie, 296ff; Erich Beyreuther, Theologia Crucis. Zinzendorf und Luther, in: ders., Studien zur Theologie Zinzendorfs. Gesammelte Aufsätze, Neukirchen-Vluyn 1962, 235ff; Dietrich Meyer, Der Christozentrismus des späten Zinzendorf. Eine Studie zu dem Begriff »Täglicher Umgang mit dem Heiland« (Europäische Hochschulschriften, Reihe 23, Theologie, Bd. 25), Bern u.a. 1973, 35ff.
34    Vgl. Hans-Christoph Hahn/Hellmut Reichel (Hg.), Zinzendorf und die Herrnhuter Brüder. Quellen zur Geschichte der Brüder-Unität von 1722-1760, Hamburg 1977, 120.
35    LP 2, 345ff.
36    UA Herrnhut, R 2 A 23a, 6ff, 12.5.1747, zit. nach Otto Uttendörfer, Zinzendorfs religiöse Grundgedanken, Herrnhut 1935, 233.
37    Vgl. bes. LP 1, 105f.
38    LP 2, 359f.
39    Belege bei Uttendörfer, Mystik, 402.
40    Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Pennsylvanische Nachrichten, 45, 1742, abgedruckt in: Hauptschriften Bd. 2 (PN).
41    Beyreuther, Erich, Gesetz und Evangelium. Der neue – nicht der moralische Mensch, in: ders., Studien, 262ff.
42    Vgl. dazu im Einzelnen Peter Zimmerling, Gott in Gemeinschaft. Zinzendorfs Trinitätslehre, 2. Aufl., Hildesheim u.a. 2002 (Materialien, Reihe 2, Bd. 32).
43    »Wenn wir aber Gemein=mässig von der heiligen Dreyeinigkeit reden wollen, daß es einem iedweden von unsern kindern, allen unsern Geschwistern, wie sie seyn, in conformität ihrer mannigfaltigen capacität, nach allen ihren graden und unterschiedlichen gnaden einleuchte: so müssen wir dabey bleiben, was der Heiland da gesagt hat in unserm heutigen Text. [Wir reden, was wir wissen, und attestiren, was wir gesehen. Joh. 3, 11.]« (Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, 32 Homilien, Neudruck 1746, Rede vom 10.01.1746, 12, wieder abgedruckt in: Hauptschriften Ergänzungsbände, Bd. 10, Hildesheim 1970 (32 Hom)).
44    »Denn wenn z. E. die ganze Abstraction der heiligen Drey=Einigkeit in einen Schrank geschlossen wird, und es stekken die Lehrer den Schlüssel in ihre Tasche, und sagen zu ihren Brüdern: wir wollen unsere Seelen zum Pfande setzen, daß euch am jüngsten Tage kein Engel, ja der liebe Gott selbst nicht fragen wird, was ihr für abstracte Idéen von der Gottheit gehabt? sondern ob ihr an euren Schöpfer geglaubt habt? [...] Wenn ihrs werdet von Ihm [Jesus Christus] offenbart kriegen, daß Er einen Vater hat, daß Er einen Geist hat, der bey euch bleibt ewiglich, und daß der Vater und der Geist und Er eines Wesens, ein Gott und Herr sind: ja darnach wollen wir euch den lieblichen Vater, und die treue Mutter, neben dem unaussprechlichen nahen Manne, so deutlich, so familiair, so ad hominem, alle Tage vor euer Herz bringen, daß ihr voll von der heiligen Drey=Einigkeit aus der Hütte fahren sollt« (Nikolaus Ludwig von Zinzendorf, Gemeinreden, 2. Teil, 1749, 108f, wieder abgedruckt in: Hauptschriften, Bd. 4 (GR 2).
45    32 Hom, Rede vom 19.12.1745, 11ff. Zinzendorf stellt in dieser Rede die von ihm intendierte Herzensgläubigkeit der »Kopfgläubigkeit« gegenüber.
46    Vgl. Jürgen Moltmann in seinem Vorwort zu: Zimmerling, Gott in Gemeinschaft, 12.
47    Vgl. dazu Jack Miles, Gott. Eine Biographie, München/Wien 1996.
48    »Er [=der Vater] gab her seinen Sohn, seine einige Freude. Derselbe moment ist also nach unsrer art zu reden, eine verleugnung, eine resolution gewesen, die nicht ohne schmerz und empfindlichkeit abgehen konnte« (32 Hom, Rede vom 10.01.1746, 16).
49    Die folgenden Gedanken habe ich ausführlich erstmals vorgetragen in: Zimmerling, Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, 40ff; vgl. außerdem ders., Starke fromme Frauen, 4. Aufl., Gießen 2009.
50    Vgl. zum folgenden: Ulrike Witt, Das hallesche Gynäceum 1698-1740, in: Schulen machen Geschichte. 300 Jahre Erziehung in den Franckeschen Stiftungen zu Halle, Halle/Saale 1997, 85-103, dort auch weiterführende Literatur; Gustav Kramer, August Hermann Francke. Ein Lebensbild, Bd. 2, Halle 1882, 17ff (zu Henriette von Gersdorf).
51    Vgl. hier und im Folgenden: Otto Uttendörfer, Zinzendorf und die Frauen. Kirchliche Frauenrechte vor 200 Jahren, Herrnhut 1919; Peter Zimmerling, Starke fromme Frauen. Begegnungen mit Erdmuthe von Zinzendorf, Juliane von Krüdener, Anna Schlatter, Friederike Fliedner, Dora Rappard, Eva von Tiele-Winckler, Ruth von Kleist-Retzow, 3. Aufl., Gießen 1999, 9-21, dort auch weitere Literaturangaben.
52    Vgl. Martin H. Jung, Frauen des Pietismus von Johanna Regina Bengel bis Erdmuthe Dorothea von Zinzendorf. Zehn Porträts, Gütersloh 1998, 51.
53    Zit. nach Uttendörfer, Frauen, 43f (Rede vom 2.12.1756).
54    Vgl. dazu im Einzelnen Zimmerling, Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, 120ff.171ff.
55    Vgl. hier und im Folgenden Beyreuther, Die große Zinzendorf-Trilogie, Marburg 1988, Bd. 2, 280.284; Bd. 3, 10ff; und bes. Hartmut Beck, Brüder in vielen Völkern, Erlangen 1981, 34ff.
56    Die dänische Westindische Kompanie hatte es abgelehnt, sie auf einem ihrer Schiffe nach St. Thomas mitzunehmen (vgl. dazu Beck, Brüder in vielen Völkern, 41).
57    Erich Beyreuther, Geschichte des Pietismus, Stuttgart 1978, 196.
58    Vgl. dazu Helmut Bintz (Hg.), Nikolaus Ludwig von Zinzendorf. Texte zur Mission, Hamburg 1979, 23f.
59    LP 2, 180.
60    Nat Refl, Beilage, 6.
61    S. im Einzelnen Zimmerling, Zinzendorf und die Herrnhuter Brüdergemeine, 33ff.
62    Dazu Peter Zimmerling, Das sozialethische Engagement Halles und Herrnhuts – zwischen Utopie und Ortsgemeinde, in: Pietismus und Neuzeit. Ein Jahrbuch zur Geschichte des neueren Protestantismus, Bd. 29, Göttingen 2004, 67-79.

Über die Autorin / den Autor:

Prof. Dr. Peter Zimmerling, Jahrgang 1958, 1990 Promotion zum Dr. theol. bei Moltmann mit einer Arbeit über Zinzendorfs Trinitätslehre, 1999 Habilitation an der Universität Heidelberg, seit 2005 Prof. für Prakt. Theologie an der Universität Leipzig.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 5/2010

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