Editorial


Noch’n Ereignis …

Von: Peter Haigis
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500 Jahre Reformation – 500 Jahre Luther – 500 Jahre Thesenanschlag in Wittenberg: Der Taumel der Feierlichkeiten ist vorbei. Uns rauscht ja noch der Kopf von all den Events. Doch ganz bescheiden, sozusagen im Schatten von »1517 – 2017«, gab es da auch noch ein anderes Jubiläum zu feiern in diesem Jahr: 125 Jahre Verband evangelischer Pfarrerinnen und Pfarrer in Deutschland. ­Sicher, was ist das gegen die »Luthernummer«? Für das Fernsehen gibt das nix her und einen bundeseinheitlichen, gesetzlich geschützten Feiertag bekommen wir dafür erst recht nicht (schade eigentlich, denn von dem 31.10.2017 hatten die Kolleginnen und Kollegen landauf landab wenig, abgesehen von einem Haufen zusätzlicher Arbeit – aber es macht ja Spaß …).

In Münster in Westfalen war’s, Ende September diesen Jahres: Neben den üblichen Gremien­sitzungen und der alljährlichen Delegierten­versammlung wurde auch der 125. Jahrestag der Gründung des – nennen wir es von jetzt an einfach abgekürzt – »Pfarrverbands« feierlich begangen. Im Rahmen eines kleinen Festakts referierte die Frankfurter Kirchenhistorikerin PD Dr. Katharina Kunter über die Entstehungsumstände des Verbandes vor 125 Jahren, über die damaligen politischen, wirtschaftlichen, gesellschaftlichen, kulturellen und kirchlichen Bedingungen, über den weiteren Werdegang des Verbandes, über wichtige Themen seiner berufspolitischen Arbeit, auch über die etwas dunkleren Episoden während des Ersten Weltkriegs oder während der Diktatur des Nationalsozialismus. Ihr aufschlussreicher Vortrag ist dieser Ausgabe des Deutschen Pfarrerblatts als achtseitige Sonderbeilage beigeheftet.

Die Historikerin hat in ihrem Referat die Bedeutung des Verbandes und seiner Arbeit gewürdigt. Dabei ist die terminliche Übereinstimmung mit Luther kein Zufall: die nationale Lutherverehrung Ende des 19. Jh. gibt den Rahmen für die Gründung des Verbandes ab. Manches aus den Impulsen der Arbeit zu Beginn des Verbandes hat bis heute (oder heute wieder) aktuelle Bedeutung. Auch dies zeigt Katharina Kunter auf. Deutlich wurde in ihrem Vortrag aber auch, dass der Verband immer wieder allzu stromlinienförmig auf gesellschaftliche oder innerkirchliche Wandlungsprozesse reagiert hat. Sucht man im Gefolge eines kritischen Ansatzes der Geschichtsbetrachtung, wie er etwa seit den ausgehenden 1960er Jahren neu gefordert wurde, nach dem Widerlager, das der Verband in politischen oder religiösen Umbruchzeiten hätte bilden müssen, so wird man nur fragmentarisch fündig. Hier gibt es noch manches aus der eigenen Geschichte aufzuarbeiten.

In eben diese Wunde legt seinen Finger auch Dekan i.R. Peter Gbiorczyk aus Kurhessen. Peter Gbiorczyk hat sich die Mühe gemacht, die Materialien im Blick auf die Rolle hin zu sichten, die Pfarrvereine und Pfarrverband in der Zeit der braunen Diktatur in Deutschland gespielt haben. Damit ist ein erster Schritt getan, dem weitere folgen müssen. Wie Gbiorczyk richtig fordert sollte der Verband in den nächsten Jahren Geld in die Hand nehmen, um seine eigene Geschichte, insbesondere in jener Zeit, professionell recherchieren und aufarbeiten zu lassen. Auch diesen Beitrag können Sie im vorliegenden Heft nachlesen.

Die jüngere Verbandsgeschichte wird vor allem im Gedächtnis der noch lebenden Zeitzeugen lebendig. Zu ihnen gehört der langjährige Vorsitzende des Verbandes und spätere Schriftleiter des Deutschen Pfarrerblatts Kirchenrat i.R. Werner Dettmar. Ein Interview mit ihm berührt auf lockere und unterhaltsame Weise einige Reminiszenzen aus der Geschichte des Verbandes der letzten 40 Jahre.

Weil Feiern und Jubilieren etwas Schönes ist, aber eben längst nicht alles, erschöpft sich die vorliegende Ausgabe des Deutschen Pfarrerblatts nicht bei der 125jährigen Selbstbegutachtung des Pfarrverbands. Wie wichtig und aktuell die Arbeit des Verbands zwischen Kirchenleitung und Basis ist, lesen Sie im Geschäftsbericht des amtierenden, in Münster für sechs Jahre wiedergewählten Verbandsvorsitzenden Pfarrer Andreas Kahnt. Und auch darüber hinaus streifen Sie in diesem Heft Themen, die innerhalb und außerhalb der Kirche und des Pfarramtes von Belang sein können.


Viel Freude beim Lesen wünscht Ihnen

Ihr

Peter Haigis 

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 11/2017

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