Zwölf Thesen zum Verhältnis von Martyrium und Mission aus missionstheologischer Perspektive*

Von: Christof Sauer
0 Kommentare zu diesem Artikel / Artikel kommentieren

1. Zeugnis und Leiden sind zwei wesentliche Kennzeichen der Kirche Jesu Christi bis zur Parusie Christi. Sie bilden die Kehrseite des jeweils anderen Kennzeichens in ein und derselben Wirklichkeit.

2. Bedrängnis, Verfolgung und Martyrium der Zeugen Christi verweisen auf die Realität einer geistlichen Auseinandersetzung um das Heil der Welt.

3. Unter den vielfältigen möglichen Gründen für Verfolgung und Martyrium von Christen sind aus theologischer Sicht das aktive Christuszeugnis, die Hinwendung von Menschen zu Christus, das Wachstum seiner Kirche und der Einsatz für Gerechtigkeit herausragende und geistlich tiefgreifende Gründe.

4. Der Weg der christlichen Mission führt, wie der Weg ihres Herrn, über das Kreuz zur Herrlichkeit.

5. Die Erscheinungsform der Mission Christi in seinem verfolgten Leib auf Erden verbirgt seine Macht unter der Schwachheit seiner Boten, doch ist seine Herrlichkeit (doxa) in ihnen gegenwärtig.

6. Die Mittel christlicher Mission sind durch die Liebe Christi und das Vorbild seiner Selbstaufopferung geprägt.

7. Das Leiden der Zeugen und ihr Martyrium dienen dem Ziel der Mission, der Verherrlichung Gottes.

8. Das Martyrium der Glaubenszeugen ist nicht das Ende der Mission Gottes. Gott kann es vielmehr in seiner Souveränität zum Aufbau seines Reiches verwenden, indem er dem Martyrium Glauben weckende Wirkung schenkt, die zum Wachstum seiner Gemeinde führen kann.

9. Am Zeugnis für Christus und am Einsatz für sein Reich und seine Gerechtigkeit ist daher gerade auch angesichts von erfahrenem Widerstand sowie Bedrängnis, Verfolgung und Martyrien treu festzuhalten.

10. Das christliche Zeugnis richtet sich auch an die Verfolger der Christen und äußert sich in Liebe für die Feinde, Verzicht auf eigene Rache und die Bitte, dass Gott ihnen vergeben möge.

11. Einheit und Solidarität des Leibes Christi angesichts von Bedrängnis gehören zu seiner Sendung und stellen ein missionarisches Zeugnis vor der nichtchristlichen Welt dar.

12. Mit der Parusie Christi, auf die seine Gemeinde hoffnungsfroh wartet, ist die Sendung seiner Kirche auf Erden erfüllt. Ihre Bedrängnis, ihre Verfolgung und ihr Martyrium finden nicht nur ein Ende. Sie werden vielmehr überstrahlt von der völlig offenbar werdenden Herrlichkeit und heilsamen Gegenwart Gottes, der seine treuen Zeugen belohnt und dem dann das ungehinderte Gotteslob gelten wird.


Christof Sauer


* Zur Entfaltung dieser Thesen: C. Sauer: Martyrium und Mission. Positionen aus der weltweiten Christenheit (Reihe Missionswissenschaftliche Forschungen), Erlanger Verlag für Mission und Ökumene 2015 (angekündigt).

 

Über den Autor

PD Dr. Christof Sauer, Jahrgang 1963, Pfarrer der Evang. Landeskirche Württemberg, Prof. für Religions- und Missionswissenschaft an der Evang.-theol. Fakultät Leuven, Belgien, Direktor am Int. Institut für Religionsfreiheit Kapstadt, Südafrika, Privatdozent für Interkulturelle Theologie und Missionswissenschaft an der Kirchl. Hochschule Wuppertal.

Aus: Deutsches Pfarrerblatt - Heft: 1/2015

0 Kommentare zu diesem Artikel


Kommentieren Sie diesen Artikel










Bitte geben Sie die angezeigte Zahl in das nachfolgende Textfeld ein



Sicherheitszahl


zurück

Erster Christtag
25. Dezember 2016, Micha 5,1-4a
Artikel lesen
95 Anschläge

Artikel lesen
»gehst dann so ab und zu mal in die Kirche mit deiner Oma so«
Lebenswelten und Religion von Jugendlichen in Deutschland
Artikel lesen
Christnacht
24. Dezember 2016, 2. Samuel 7,4-6.12-14a
Artikel lesen
Advent als Vorbereitung auf das Christfest
Ein Vorschlag für eine neue liturgische Konzeption
Artikel lesen
Elia – Psychogramm eines Gotteskriegers
Ein Versuch
Artikel lesen
»Godspot«?
Warum Kirche kein WLAN-Anbieter sein sollte
Artikel lesen

PDF

Sie können diesen Artikel als PDF-Dokument runterladen.

PDF-Dokument